Januar 2011

Begleiten Sie uns an Bord der Star Princess auf eine faszinierende Reise rund um Kap Hoorn! Erleben Sie zunächst die Metropole Buenos Aires und genießen Sie dann die Landschaften im Süden Amerikas und der antarktischen Inselwelt.

Ihr Chronist

Hallo, mein Name ist Jutta-Maria, bei Wiesbaden am Taunusrand zuhause.

Mein Mann und ich, wir haben viele Interessen und können jetzt, da auch die Enkel schon groß werden, z. B. auf den Spuren von Humboldt und Darwin - nach Ecuador und Galapagos - mit "Berge und Meer" auch einmal das Kap Hoorn ansteuern.

Wir freuen uns auf diese Reise.

Mit freundlichen Grüßen
Jutta-Maria

Ihr Kreuzfahrtschiff - Star Princess

Die Star Princess gehört zu den modernsten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Das 290 m lange Luxusschiff verfügt über ein in 4 Poolbereiche unterteiltes Sonnendeck mit einer Vielzahl an Swimming- und Whirlpools, Sonnenliegen und -stühlen. Auch kulinarisch setzt die Star Princess Maßstäbe auf den Weltmeeren. So können Sie zeitlich ungebunden im Da Vinci und Michelangelo Restaurant ganz individuell speisen. Spezialitäten werden Ihnen im Sabatini’s, einem italienischen Restaurant, und im Sterling Steakhouse serviert (gegen Gebühr). Unterhaltung der Spitzenklasse erleben Sie mehrmals wöchentlich im Princess Theater. Natürlich verfügt die Star Princess auch über einen großzügigen Fitness- und Wellnessbereich, ein Kasino, eine Shopping Galerie, Disco und vieles mehr.

Ihre Kabine
Alle Kabinen (min. 1 Vollzahler/max. 2 Vollzahler) sind ausgestattet mit Dusche/WC, TV, Safe, Kleiderschrank, Minikühlschrank und 2 unteren Betten, die zu einem Doppelbett zusammengestellt werden können. Die Innenkabinen bieten eine Größe von ca. 15 m² und sind mindestens auf Deck 5. Die Außenkabinen (15 m²) besitzen zusätzlich ein Panoramafenster und sind mindestens auf Deck 5. Die Balkonkabinen verfügen außerdem über einen privaten Balkon und sind ca. 21 m² groß (inklusive Balkon) und befinden sich mindestens auf Deck 11. Die Balkonkabinen Typ A verfügen außerdem über einen privaten Balkon und sind ca. 21 m² groß (inklusive Balkon) und befinden sich mindestens auf Deck 11.

Verpflegung an Bord
Frühstück, Vormittagssnack, Mittagessen, Nachmittagstee, Abendessen, nächtliches Mini-Buffet sowie zwischenzeitlich kleine Snacks, Eis, Pizzeria, Kaffee, Tee und Wasser im Selbstbedienungsbereich (im Restaurant sind Wasser, Tee, Kaffee und Eistee inklusive).

1. Tag: Anreise nach Buenos Aires

Wir haben aus der winterlichen Heimat Abschied genommen mit einem Blick in den Garten und zum Bienenhaus, in dem unsere Bienchen unter dem Schnee schon vom nächsten Frühjahr träumen – so wie wir vom südamerikanischen Sommer.

Von unserem Wohnort Taunusstein bei Wiesbaden/Hessen aus gelangen wir in 1.5 Stunden mit Bus und S-Bahn zum Flughafen Frankfurt. Nach den Tagen des Schneechaos am Flughafen sind wir froh, nicht noch die eine oder andere Nacht auf Feldbetten verbringen zu müssen, sondern wir können rechtzeitig einchecken und in Richtung Madrid starten.

Der Flug verlief ruhig, es gab Zeit zum Lesen. Die lange Zeit (3 Stunden) bis zum Weiterflug Madrid –Buenos Aires kann man mit Herumlaufen auf den weitläufigen Terminals, mit Abendessen und Lesen gut überbrücken. Die beiden Koffer belasten uns nicht mehr, sie werden nach dem Einchecken für beide Strecken in Frankfurt (hoffentlich) auch bis Buenos Aires gelangen.

Warum laden wir uns überhaupt den Stress einer solchen Reise um die halbe Welt auf, wenn wir es doch eigentlich als Ruheständler in der Heimat und nahe den Kindern und Enkeln ganz gemütlich haben? Noch sind wir gesund und fühlen uns den Anstrengungen gegenüber gewachsen. Neugierig auf ferne Länder sind wir immer, das Vorbereiten der Reise und danach das Auswerten der Bilder und der Reiseeindrücke sind uns jedes Mal wieder Ansporn zu neuen Zielen.

Allerdings wollen wir uns nur eine solche große Reise wie diese pro Jahr erlauben, weil es zeitliche und andere Begrenzungen gibt, auch weitere sinnvolle Betätigungen. So freuen wir uns heute besonders auf die sicher abenteuerliche Reise nach Südamerika und an den Rand der Antarktis.

Jutta-Maria

2. Tag: Ankunft in Buenos Aires

Der Flug ab Madrid nach Buenos Aires dauerte 12.5 Stunden, Start um 1.50 Uhr. Die Crew der Iberia stellte uns schon auf den Tagesrhythmus in Argentinien um, indem sie uns zu der dort üblichen Zeit gegen 23.00 Uhr eine warme Mahlzeit servierte. Das war gewöhnungsbedürftig zumal unsere Uhren noch den 4 Stunden-Zeitunterschied anzeigten, es war 3.00 Uhr früh. Das setzte sich mit dem Frühstück fort, als unsere biologische Uhr wie in Deutschland 12.30 Uhr angab, in Buenos Aires es aber erst 8.30 war.

Nach der Ankunft gegen 14.15 Uhr (Ortszeit) war die Pass- und Gepäck-Kontrolle für die Einreise zu überwinden, die 2 Stunden in Anspruch nahm. Dann wurden wir von unserer freundlichen Reisebegleiterin Rosemarie in Obhut genommen, die einer deutschen Familie in 5. Generation entstammt und auch ihren Kindern unabhängig von der Schulbildung die deutsche Sprache mitgibt. Sie begleitete uns ins Hotel Nogaro, das sehr zentral nahe der Plaza de Mayo liegt.

Die ersten Eindrücke von Buenos Aires: Der erwartete Sommer der Südhalbkugel empfing uns mit lieblichen 25 Grad bei Sonnenschein. Auf der Busfahrt vom Flughafen in die Innenstadt bekamen wir schon eine Vorstellung von den riesigen Ausmaßen der Landeshauptstadt. Im Großraum Buenos Aires wohnen 14 Mio. Menschen, also etwa 1/3 der argentinischen Bevölkerung von heute 41 Mio..

Überhaupt ist in Argentinien vieles enorm groß: Z. B. die Längenausdehnung des Landes geht von Nord nach Süd über 34 Breitengrade hinweg oder 3700 km. Das entspricht etwa der Strecke Hamburg-Teneriffa. Die Fläche ist 278 Mio. km², das ist fast 8 x größer als Deutschland. Argentinien ist das zweitgrößte Land Südamerikas und das achtgrößte Land der Welt.

Die beigefügten Bilder konnten wir bei einem ersten Spaziergang am Nachmittag aufnehmen.

Morgen steht für uns eine Stadtrundfahrt auf dem Programm und eine schöne Abendveranstaltung in einem Tangolokal.

Jutta-Maria

3. Tag: Buenos Aires, Paraná-Delta

Der sonnige Tag begann mit einer Stadtrundfahrt durch Buenos Aires im klimatisierten Bus, sehr angenehm, denn es herrschten etwa 30 Grad im Schatten. An der Plaza de Mayo, dem zentralen Platz, und an anderen Stellen legten wir jeweils einen Halt ein für kurze Rundgänge.

Plaza de Mayo: Kathedrale mit venezianischem Mosaikboden, Casa Rosada -Präsidentenpalast mit der Pyramide de Mayo, die an die Unabhängigkeit von Spanien am 25. Mai 1810 erinnert, Cabildo – Rathaus – sowie monumentale Prachtbauten der Epoche ab 1880 bis 1930.

Wir durchquerten die ältesten Stadtteile San Telmo und La Boca. Dort hatten wir die Gelegenheit, durch die Strasse Caminito zu schlendern mit ihren bunten Häuschen und den zahlreichen ihre Bilder ausstellenden Künstlern.

Der neueste Stadtteil Puerto Madero, ehemals Hafen, ist heute anstelle der Lagerhallen und Speicher moderne Büros und Geschäftshäuser, auch mit Parkanlagen gestaltet. Als architektonische Besonderheit erschien uns die elegante Fußgängerbrücke Puente de la Mujer.

Im Stadtteil Recoleta beeindruckte uns besonders der Friedhof mit seinen marmornen Mausoleen. Der Cementario ist privat, man kann sich für 10.000 bis 300.000 US$ eine Familiengruft kaufen, die wie ein Eigenheim vererbt wird.

Viele berühmte Persönlichkeiten liegen dort bestattet, so z. B. Eva Duarte-Peron – ihre Grabstätte war mit frischen Blumen geschmückt - und der frühere Präsident Sarmiento.

Nachmittags brachen wir nach Tigre auf, von wo aus die Schiffchen zum Delta des Flusses Rio Paraná ablegen. Auf einer Bootsfahrt durch die Flussarme dieser Inselwelt sahen wir, wie die Menschen dort in Pfahlbauten prächtiger oder bescheidener Art leben und die Kinder im braunen Wasser badeten.

Der Abend war mit einer professionellen Tangovorführung und anschließendem Essen bis Mitternacht ausgefüllt.

Für morgen ist ein Ausflug zu einer Estancia (Landgut) geplant.

Jutta-Maria

4. Tag: Buenos-Aires, Ausflug zur Estancia los Candiles

Auf der mautpflichtigen Autobahn und anschließend Staatsstrasse 8 erreichen wir etwa 100 km nordwestlich von Buenos Aires die Estancia los Candiles.

Sie liegt in der Pampa, der weiten ebenen Landschaft, die sich bald nach Verlassen der Randbezirke der Riesenstadt Buenos Aires öffnet. Die Pampa ist intensiv mit Ackerbau und Viehzucht genutzt, Viehweiden für Rinder, Pferde und Schafe wechseln mit Soja-, Weizen- und Maisfeldern ab. Entlang der Wassergräben, Straßen und Wege, sowie an den Zufahrten zu den einzeln stehenden Häusern stehen Büsche und Bäume in Reihen, manchmal auch als kleine Wäldchen, die die Weite der Landschaft gliedern und ein willkommener Schutz gegen den Pampawind sind. Auch die Tiere auf der Weide haben damit etwas Schatten, wenn es im Sommer bis 40 Grad heiß wird.

Der Boden ist hier in der feuchten Pampa sehr fruchtbar für den Ackerbau, auch sind die Niederschläge mit 700 bis 1.000 mm im Jahr günstig. Weiter im Landesinneren sind wegen der abnehmenden Regenmengen nur noch Weidewirtschaft und landwirtschaftliche Sonderkulturen, ggf. auch mit Bewässerung von den großen Flüssen aus möglich. Insgesamt spielt die Landwirtschaft in Argentinien seit dem 19. Jh. auch heute noch eine wirtschaftlich bedeutende Rolle.

Die freundlichen Menschen auf der Estancia los Candiles empfingen uns mit Begrüßungsgetränken und Espanadas (kleine Gebäcktaschen mit Fleischfüllung). Dabei erklärten uns drei Gauchos ihre Reitausrüstung und zeigten ihre Vertrautheit mit den Pferden und ihre Reitkünste.

Wir wurden zu Mittag mit einem sehr guten Essen vom Grill bewirtet. Zum Abschluss führten zwei Paare und drei Musiker in feiner landesüblicher Tracht fröhliche Volkstänze vor.

Morgen werden wir Buenos Aires verlassen und unser Schiff für die Kreuzfahrt besteigen.

Jutta-Maria

5. Tag: Abschied von Buenos Aires, Einschiffung zur Kreuzfahrt

Der Stadtteil San Telmo, als einer der ältesten von Buenos Aires, lässt uns in seinen engen Straßen immer Neues entdecken. Wir nutzten den Vormittag zu einem Besuch des bekannten Antiquitäten-/Flohmarktes. Der Hinweg führte uns durch das kolonialzeitliche Geviert der Strassen Alsina, Bolivar, Moreno und Peru, das „Manzana de las Luces“ (Straßenblock der leuchtenden Ideen) genannt wird. Hier war auch die erste Universität der Stadt, das monumentale Colegio Nacional de Buenos Aires entstand allerdings erst 1908 bis 1918.

An der Calle Defensa entdeckten wir die Iglesia de Santo Domingo, die in der Mitte des 18. Jh. erbaut wurde und an ein wichtiges historisches Geschehen erinnert: In den Jahren 1806/7 versuchten englische Truppen den inzwischen bedeutungsvollen Hafen Buenos Aires für die englische Krone zu erobern, scheiterten aber an dem entschlossenen Widerstand der Einwohner. Noch erinnern Einschüsse an den Kirchtürmen, ebenso wie vier eroberte Union Jacks hinter dem Reliquienschrein der Virgen del Rosario in der Kirche, an die Straßenkämpfe in der Calle Defensa (Verteidigung).

Wir waren überrascht, schon auf der ganzen Länge der Defensa die Marktstände aufgebaut zu sehen, nicht erst auf der traditionell dafür bekannten Plaza Dorrego. Diese ist auch von den großen Antiquitätengeschäften umgeben, wo es (fast) alles gibt.

Mittags nehmen wir Abschied von Buenos Aires, der schönen Stadt zwischen Kolonialzeit und Moderne, die aber auch sichtbare Probleme im sozialen Spannungsfeld hat.

Der Transfer zum Kreuzfahrtschiff Star Princess im Hafen verlief geordnet und zügig. Das Schiff war größer als wir erwartet hatten (bis 18 Decks), so brauchten wir zur ersten Erkundung doch einige Zeit. Die Bilder geben unsere ersten Eindrücke von Inneren des Schiffs und von der Ausfahrt aus dem Hafenbecken in der Abendsonne wieder.

Jutta-Maria

6. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Nach dem Einchecken betraten wir ein überraschend schön ausgestattetes Schiff: Der Teppichboden mit bunten Meeresmotiven, die Flure teilweise als Gemäldegalerie gestaltet und die gar nicht so kleinen Kabinen entzückend und praktisch.

Die Fahrt begann gestern Abend gegen 20.00 Uhr in Buenos Aires, und eine ruhige Fahrt den Rio de la Plata abwärts ließ uns alle gut schlafen. Mit Sonnenaufgang gegen 6.00 Uhr sahen wir backbords am nördlichen Ufer des Flusses die Silhouette von Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Wer denkt da nicht an den schönen alten Film „Das Haus in Montevideo“ mit Heinz Rühmann und Ruth Leuwerik?

Informationen zum Schiff:
Unser Schiff „Star Princess“ ist 2002 in Dienst gestellt worden. Es hat eine Tonnage von 109.000 BRT, ist 290 m lang und für 2.600 Passagiere eingerichtet. Für unsere Kreuzfahrt ist es ausgebucht. Natürlich gibt es außerdem ca. 1.150 Menschen der Crew an Bord, die sich um das Schiff und die Passagiere kümmern, ein Verhältnis von 2 bis 3 Passagieren pro Mitglied der Crew also.

In den 5 Restaurants wird eine große Auswahl an Speisen geboten, zusätzlich kann man verschiedene Bars besuchen – ein Luxus, dessen Verführungen man kaum widerstehen kann. Boutiquen und andere kleine Geschäfte laden zum Shopping ein.

Für sportliche Aktivitäten stehen 3 Pools, ein Fitness-Center, Tischtennis und ein Golf-Simulator zur Verfügung. Für ihre Gesundheit können sich die Passagiere in Tanzkursen oder Aerobic, mit Massage oder in der Sauna ertüchtigen. Verschiedene Kurse z. B. für Töpfern, Weinprobe, Computerhandhabung, selbst in Yoga werden angeboten.

Angesichts dieser Vielfalt von Beschäftigungsmöglichkeiten kann man in Zeitnot geraten, fast wie im richtigen Leben zuhause.

Schon am ersten Nachmittag wurden alle an Bord, Mannschaften und Passagiere, zu einer Notfall-Instruktion zusammengerufen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und sinnvoll, weil man den Umgang mit den Rettungswesten lernen soll und wie im Notfall die Rettungsboote in geordneter Weise erreicht werden. Dabei kamen bei uns durchaus „Titanic-Gefühle“ auf.

Heute Abend begrüßte der Kapitän alle Gäste mit einer Party, dazu hatten sich alle in „Gala“ gekleidet, nicht nur sportlich schick wie tagsüber.

Das Schiff hatte gegen 22 Uhr den 40 (südlichen) Breitengrad erreicht. Wir befinden uns jetzt auf der Höhe der Mündung des Rio Colorado, der in Argentinien die Grenze zu Patagonien bildet. Das nächste Land, die Falklandinseln, werden wir voraussichtlich übermorgen früh erreichen. Ein Kurzvortrag über die Ausflüge dort hat uns schon darauf vorbereitet.

Jutta-Maria

7. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt, Aktivitäten an Bord

Am frühen Morgen konnten wir von unserem Kabinenfenster aus den Sonnenaufgang verfolgen. Es sollte ein wunderschöner Tag werden, doch gegen 8.00 Uhr kam dichter Nebel auf und unser Schiff musste sich von zu Zeit zu Zeit mit dem Nebelhorn bemerkbar machen.

Heute entdeckten wir die Möglichkeit, das ganze Schiff entlang der Reeling auf Deck 7 im Außenbereich umrunden zu können. Es wurde gejoggt und gewandert und alle wurden kräftig durchgeblasen, eine gute Gelegenheit, das vielleicht zuviel Genossene in den Restaurants wieder auszugleichen. Andere vergnügten sich mit gleicher Absicht in den verschiedenen Pools oder erholten sich im Spa- und Wellnessbereich.

Die bisher in den Fluren ausgestellten Gemälde und andere Kunstwerke kamen heute in einer großen Auktion zur Versteigerung (zu stattlichen Preisen). Auch in den Geschäften an Bord herrschte reger Betrieb.

Eine Bilderpräsentation mit Vortrag über das Leben auf einer Forschungsstation in der Antarktis lockte viele der Gäste an.

Jutta-Maria

8. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Heute erreichen wir am frühen Morgen die Falklandinseln – nach einer Seereise ab Buenos Aires von 2.400 km in rd. 60 Stunden. Wir sind jetzt auf dem 51. Breitengrad, entsprechend Deutschland auf der Nordhalbkugel.

Der 74 Tage währende Falklandkrieg zwischen Argentinien und Großbritannien im Jahr 1982 liegt nicht lange zurück; der Blick auf die Geschichte der Inseln gibt Anhaltspunkte, wie es dazu kam. Entdeckt wurden die Inseln im 16. Jahrhundert. 1690 benannte der Brite John Strong den Sund nach dem ersten Lord der Admiralität, Viscount Falkland. Im gleichen Jahrzehnt benannten französische Seeleute die Inseln „Iles Malouines“, deshalb werden sie in Spanisch heute noch Islas Malvinas genannt.

Die Franzosen kolonisierten die Inseln, verkauften sie aber an die Spanier. Auch die Engländer hatten dort gesiedelt; sie gaben zwar 1774 ihren Stützpunkt auf, nicht aber ihre Besitzansprüche. Von nun an verwalteten spanische, und nach der Unabhängigkeit Argentiniens(1816) argentinische Gouverneure die Inseln, bis 1833 eine britische Expeditionsflotte zurückkehrte und den Union Jack des britischen Königreiches hisste.

Am 1. April 1982 kam es fast 150 Jahre später zur Invasion durch die argentinische Flotte und Luftstreitkräfte, was den „Falklandkrieg“ mit Grossbritannien auslöste.

Die Task Force begann – mit logistischer Unterstützung der USA und Chiles – am 1. Mai 1982 mit erbitterten Luft-, Land- und Seekämpfen. Die Argentinier ergaben sich am 14. Juni 1982. Die Bilanz der Verluste auf beiden Seiten binnen 6 Wochen: 1.000 Gefallene, 125 Flugzeuge und 10 Schiffe. Heute noch verseuchen 30.000 Landminen gesperrte Inselteile.

Heute haben die Falklands etwa 3.000 Einwohner auf einer Fläche der über 400 Inseln von der Gesamtgröße Schleswig-Holsteins. Die Graslandschaften werden von 600.000 Schafen beweidet, dazu gibt es eine reiche Tier – und Pflanzenwelt: Magellan-Gänse, Albatrosse und weitere 140 Vogelarten, Seelöwen, Seeelefanten, Königspinguine.

Wegen der niedrigen Durchschnittstemperatur im Sommer und des ständigen Windes gibt es keine Bäume außer den von den Briten mitgebrachten Windschutz- und Schattenspendern. Die Landschaft ist von Mooren, Heiden und Gräsern geprägt, viele Wildblumen bereichern das Bild. Auch in den Gärten blüht es in allen Farben. Die Hügel sind nicht höher als 700 m. Die Temperatur kann im Sommer 20 Grad erreichen und das Wetter rasch wechseln.

Auf unserem Landausflug nach Stanley begannen wir bei bewölktem Himmel und starkem Wind, mussten aber schon nach einer Stunde vor einem starken Regen flüchten. Nach einer weiteren Stunde kam die Sonne zum Vorschein und es herrschte bis zu unserer Abfahrt gegen Abend traumhaft schönes Wetter.

Jutta-Maria

9. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Zu dem gestrigen Tag auf den Falklandinseln haben inzwischen viele Passagiere berichtet, dass sie trotz des zeitweise widrigen Wetters unvergessliche Erlebnisse hatten. Z. B. hatten einige einen Ausflug von Stanley nach „Gypsy Cove“ mit Jeep-Taxis unternommen und konnten eine Kolonie von Magellanpinguinen erleben, die ihre Jungen z. Zt. in Erdhöhlen aufziehen.

Unser Kreuzfahrtschiff war für den kleinen Hafen von Stanley viel zu groß; es ankerte auf Reede, und wir Passagiere wurden mit 4 Rettungsbooten á jeweils 80 Personen im Pendelverkehr über 2 Meilen hinüber- und zurückgebracht. So war das für die Mannschaft gleichzeitig eine Rettungsübung.

Heute morgen ging die Sonne schon gegen 4.30 Uhr auf, morgen soll sie sogar um 3.30 Uhr aufgehen und erst um 21.30 Uhr untergehen. Wir nähern uns also schnell der Antarktisregion, wo im Sommer die Sonne zeitweise gar nicht untergeht, wie in der bekannten Mitsommernacht Skandinaviens. Von den Falklands aus hatten wir Kurs auf die südlichen Shetlandinseln genommen, die in Höhe des 60. Breitengrades liegen. Heute haben wir den 57. hinter uns gelassen, sind also schon weit südlicher als das nordwestlich liegende Kap Hoorn.

Nach dem Frühstück bewegten wir uns auf dem Promenadendeck - wegen der zunehmenden Kälte immer schneller - mehrfach rund ums Schiff, mit 6 Runden schafft man dabei eine Seemeile. Erstmals sahen wir am Heck Albatrosse, die uns ihre faszinierenden Segelkünste vorführten. Sie ins Bild zu bekommen, war äußerst schwierig (vergl. Fotos).

Wir haben einen Experten an Bord, den Biologen, Archäologen und Buchautor Christian Gunn, der frühmorgens um 7.00 Uhr schon den interessierten Passagieren vom Achterdeck aus die verschiedenen Albatrosarten gezeigt hatte. Um 11.00 Uhr hielt er dann einen interessanten Lichtbildervortrag darüber. Wir lernten, dass der größte, der Wanderalbatros, eine Flügelspannweite von 3.50 m hat, also genauso viel wie die aneinandergereihte Größe von uns beiden. Er wird erst im Alter von 6-22 Jahren geschlechtsreif und führt dann eine lebenslange Ehe. Nur alle 2 Jahre wird 1 Ei gelegt, das Junge braucht 5.5 Monate bis es flügge wird. Außerhalb dieser Brutperiode leben die Albatrosse nur in der Luft und fliegen Tausende von Kilometern rund um die gesamte Antarktis (diese ist größer als Europa), um dann jeweils am alten Platz wieder zu brüten. Sie können 60 Jahre alt werden.

Leider sind viele Arten dieser wundervollen Vögel durch die Fangmethoden der gewerblichen Fischerei stark gefährdet. Insbesondere das „Longline Fisching“ führt dazu, dass unzählige Albatrosse durch die Angelhaken grausam umkommen. Der Rückgang im letzten Jahrzehnt ist – wie die Graphiken zeigten – besorgniserregend. Weitere Informationen im Internet unter:  www.birdsaustralia.com.au

Kapitän William Kent hatte in seiner heutigen Durchsage zum Wetter schon vorgewarnt, dass der Wind nachmittags ein wenig auffrischen würde. Gegen 18 Uhr hatten wir einen steifen Wind von etwa Stärke 8. Dazu kommt, dass jetzt Pazifik und Atlantik aufeinandertreffen und dabei ohnehin die Wellen höher schlagen und Strömungen das Navigieren erschweren. Wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt, bis morgen früh Elephant Island erreicht werden soll.

Jutta-Maria

10. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Die Benennung der Südlichen Shetlandinseln geht auf den Engländer William Smith zurück, der 1819 die Inseln Livingstone Island und King George Island entdeckt hatte. Edward Bransfield mit William Smith als Lotse kartographierte 1820 im Auftrag der Royal Navy die Inseln und die umliegenden Gewässer. Fortan besuchten Walfänger und Robbenjäger den Archipel. Heute gibt es dort zahlreiche wissenschaftliche Stationen.

Nach 600 Seemeilen ab Stanley/Falklands erreichten wir heute Vormittag Elephant Island im Osten der Südlichen Shetlandinseln. Als erstes Land tauchten aus dem Dunst drei sehr steile Felsen nördlich von Elephant Island auf. Der Sturm hatte über Nacht deutlich zugenommen, die Luft war auf 1° plus abgekühlt und es gab Regen- und Schneeschauer. Der Sturm ließ nicht nach, so dass der gewohnte Rundgang außen auf Deck 7 heute unmöglich wurde, wir konnten uns nicht auf den Beinen halten. Nur seltene Aufhellungen durch Wolkenlücken ließen das Fotografieren für Augenblicke zu.

Bekannt ist die felsige und unbewohnte Insel insbesondere durch die Expedition von Ernest Shackleton von 1916, deren Schiff Endurance hier im Packeis eingeschlossen und zerstört worden war. Shackelton erreichte mit 5 Männern in einem Rettungsboot das 1.300 km entfernte Südgeorgien. Die übrige Mannschaft harrte 4 Monate aus, bis sie von einem Chilenischen Schiff gerettet werden konnte.

Wegen der tief hängenden Wolken und dem starken Seegang sahen wir leider nicht viel von der Insel und ihrer Tierwelt. Nur Scharen von segelnden Petrells, kleinere Verwandte des Albatros, und einige fischende Pinguine waren in der Nähe des Schiffes zu beobachten.

Im “Theater “ des Schiffs hörten wir einen Vortrag über die Erforschung der Antarktis.

Während draußen die Riesenwellen an den Schiffsrumpf donnern, vertrauen wir für morgen auf die Ansage des Kapitäns, dass das Wetter hier sehr schnell wechselt, demnach nur besser werden kann.

Jutta-Maria

11. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Die vergangene Nacht war zunächst so stürmisch, dass wir in den Gängen nur im breitbeinigen Seemannsgang vorwärts kamen; manchen Passagieren ging es ziemlich schlecht. Selbst im Bett spürten wir das Hin- und Her-Geschoben werden durch die hohen Wellen. Doch als wir gegen 6.00 Uhr aus unserem Fenster schauten, war der Wellengang schon deutlich niedriger, der Wind hatte von 50 Knoten (Sturm) auf friedliche 12 Knoten abgeflaut, die Sonne stand nach dem Aufgehen um 3.22 Uhr schon hoch am klaren Himmel und der erste Eisberg schwamm vorbei.

Die heutige Route führt durch die Bransfield Str. zum King George Island und dort in die Admiralty Bay (vergl. Karte). Dort liegt in großartiger Landschaft am Fuße vergletscherter Berge die Polnische Arctowski-Forschungsstation, die seit 1977 betrieben wird. Einer der dortigen Wissenschaftler setzte mit dem Schlauchboot zu uns über und gab über den Bordlautsprecher einen kurzen Überblick über die Aufgaben der Station, die auch mit den zahlreichen Forschungsstationen der anderen Nationen zusammenarbeitet, die auf den Nachbarinseln, bzw. auf dem Festland der Antarctic Peninsula gelegen sind. Selbst im Polarwinter verbleiben hier 25 Menschen auf der Station, im Sommer (bei 1 Grad Durchschnittstemperatur) sind es ca. 70 Personen.

Sie leben in Gesellschaft von Pinguinen, die wir sowohl am Ufer sich sonnend sahen wie auch im Wasser beim Fischen und auf Eisbergen rastend beobachten konnten.

Nach dem Auslaufen aus der Admiralty Bay hielten wir Kurs Süd-West, soweit das die zahlreichen Eisberge zuließen. Diese Fahrt auf der „Eisberg-Allee“ wird wohl allen als das bisher Größte in Erinnerung bleiben: Ein weiß und türkis schimmernder Eisberg nach dem anderen driftete an uns vorüber, kleinere und größere, manche pultartig breit, andere mit schiefen Ebenen; in manchen konnte man Skulpturen erkennen, einige wurden spontan mit Namen versehen – jedenfalls war es ein großes Staunen über dieses einmalige Naturschauspiel. Trotz der Kälte und des eisigen Windes hatte jeder zu tun, möglichst viel davon in Bildern und Filmen festzuhalten, bis es mit klammen Händen nicht mehr ging.

Morgen soll es in der Gerlache Str. noch pittoresker werden, weil wir dann zwischen dem antarktischen Festland der Peninsula und den vorgelagerten Inseln fahren, also beiderseits interessante Motive haben werden. Und die Wetterprognose ist günstig.

Jutta-Maria

12. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Heute morgen wachten wir bei ruhiger See und einigen Sonnenstrahlen auf den hohen Bergen am Eingang der Gerlache Strait auf, die hier etwa 30 km breit ist und sich im Laufe unserer Fahrt auf ca. 5 km verengt. Wir waren über Nacht von King George Island hierher gekommen, umrundeten mittags Wiencke Island durch den schmalen Neumayer Channel und folgten wieder der Gerlache Strait in Richtung Bransfield Strait (vergl. Karten von heute und gestern). Wir erreichten mit dem 64. Breitengrad bei Wiencke Island den südlichsten Punkt unserer Reise und fast den südlichen Polarkreis.

Beiderseits der Wasserstraße beeindruckten steile und bis zu 2.000 m hohe Berge. Licht und Schatten und das besondere Farbenspiel des Gletschereises begeisterten uns immer wieder auf´s Neue. Es war bei spiegelglattem Wasser eine wiederum unvergesslich schöne Fahrt, diesmal zwischen der Antarktischen Halbinsel und den vorgelagerten Inseln des Palmer Archipels.

Der antarktische Sommer empfing uns mit 2 Grad plus, die Sommerdurchschnittstemperatur liegt noch tiefer, die Winterdurchschnittstemperatur bei - 18 Grad an der Küste. Auf dem Polarplateau im Inneren des Kontinents herrschen -40 Grad und -68 Grad C. Die Gründe liegen darin, dass der Kontinent im Durchschnitt über 3.000 m Höhe hat, und die Oberfläche aus Schnee und Eis (98%) besteht, die die Sonnenstrahlung reflektiert. Über dem Polarplateau entstehen sehr starke Winde, die auf dem Kontinent und bis auf das Polarmeer wirken. Der Schneefall kann an der Küste sehr stark sein, im Landesinneren fallen nur etwa 40 ltr./m² im Jahresdurchschnitt (als Schnee).

Wir haben den fast windstillen Tag überwiegend auf den Außendecks genossen und freuen uns schon auf den letzten Tag durch die vielgestaltigen Eisberge mit der Fahrt zu Deception Island.

Jutta-Maria

13. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Am Morgen wachten wir bei klarem Wetter und ruhiger See mit dem Blick auf die Weite der Bransfield Strait und einigen jetzt weit entfernten Eisbergen auf. Gegen 8 Uhr steuerten wir von Süden her Deception Island an, das zu den South Shetland Islands gehört (vergl. Karte der Fahrtroute), und stoppten für einige Zeit vor der Einfahrt „Neptuns Blasebalg“. So wird die 350 m breite felsige Einfahrt zu dem fast kreisrunden Becken, der Caldera von 13 km Durchmesser, genannt, das durch eine Vulkanexplosion entstanden und heute mit Meerwasser gefüllt ist. Es können wohl nur kleinere Schiffe als die Star Princess dort hineinfahren, oder der Kapitän hatte Respekt vor den tückischen Strudeln zwischen den engen Felsen und den vulkanischen Aktivitäten, die immer noch auftreten.

So beobachteten wir aus etwa 800 m Entfernung mit sicheren 50 m Wasser unter dem Kiel das rege Tierleben: Einige Wale bliesen ihre Fontänen und zeigten im Abtauchen ihre Schwanzflosse, zahlreiche Pinguine jagten nach Fischen rund um das Schiff und viele Vögel, vor allem Petrells, waren in der Luft über uns und vor ihren Brutfelsen zu beobachten. Während der Weiterfahrt an der Ostküste der Insel entlang sahen wir die große Kolonie von Zügelpinguinen, die 50.000 bis 100.000 Brutpaare hat.

Der vulkanische Ursprung der Insel konnte in der Struktur und der Farbe (braun bis rot) der Felsen gut erkannt werden, und die weiteren Asche-Auswürfe hatten einige Schneefelder schwarz gepudert. Die letzten Ausbrüche 1967/1969 zerstörten die britische Forschungsstation. Argentinien und Spanien unterhalten im Sommer auf der Insel noch jeweils eine Station.

Mittags verließen wir die Südlichen Shetlandinseln an dem gebirgigen Livingstone Island vorbei durch die Passage zwischen dem flachen Snow Island und dem felsigen Smith Island in Richtung Kap Hoorn.

Jutta-Maria

14. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Antarktis

Wir sind noch ganz erfüllt von den Eindrücken aus der nördlichen Randzone der Antarktis mit ihren Gebirgen und riesigen Gletschern, der klaren Luft, dem besonderen Licht, den Wasserstraßen und Buchten und vielgestaltigen treibenden Eisbergen. Die lange Fahrt nach Kap Hoorn nutzen wir, um weitere Informationen über die Antarktis, insbesondere unter dem Aspekt internationaler Interessen zu sammeln.

Die geographischen Erkundungen seit dem 19. Jh. haben ergeben, dass unter dem 2 km dicken Eispanzer der 6. Erdteil liegt, der ebenso wie Südamerika, Südafrika und Australien erdgeschichtlich aus dem gemeinsamen Ursprung Gondwanaland entstanden ist. Die fast kreisförmige Antarktis ist mit 5.000 km Durchmesser weit größer als Europa, wie die beigefügte Karte aus Wikipedia/Antarktis zeigt.

Die strategisch günstige Lage, die erkundeten reichen Bodenschätze und auch die Eismasse als Süsswasser-Reservoir haben natürlich viele Begehrlichkeiten geweckt. Die daraus entstandenen Gebietsansprüche und möglichen Konflikte, auch die Gefährdungen der Umwelt haben 1959/61 zu einem Antarktisvertrag unter 12 Staaten geführt, dem inzwischen weitere 33 Nationen beigetreten sind, u. a. auch Deutschland. Stimmrecht haben die Nationen, die sich an der wissenschaftlichen Forschung wesentlich beteiligen, z. B. durch Forschungsstationen.

Ziele des Vertrages sind, das ökologische Gleichgewicht in der Antarktis zu wahren, die Antarktis nur für friedliche Zwecke zu nutzen, die internationale Kooperation zu fördern und die wissenschaftliche Erforschung zu unterstützen.

Im wesentlichen sind Regelungen zu folgendem enthalten:

  • Aktivitäten nur zu friedlichen Zwecken
  • Wissenschaftliche Forschung und Zusammenarbeit
  • Bisherige territoriale Gebietsansprüche ruhen, neue dürfen nicht erhoben werden
  • Verbot von Kernwaffenversuchen und der Lagerung radioaktiven Abfalls
  • Grenze der Antarktis am 60. Breitengrad
  • Regelmäßige Konferenzen der Mitgliedsstaaten
  • Inhaltliche Ausgestaltung des Vertrages und Verwaltung.

Der Vertrag galt zunächst 30 Jahre und wurde dann um weitere 50 Jahre verlängert (bis 2041). In jährlichen Konsultativtagungen sind inzwischen wichtige Vereinbarungen getroffen worden, die die Erhaltung der antarktischen Flora und Fauna und den Umweltschutz betreffen. Seit 2004 gibt es ein Sekretariat für die Verwaltung und Koordinierungsaufgaben mit Sitz in Buenos Aires, Exekutivsekretär ist seit 2009 ein Deutscher. Es wird diskutiert, die Aufgaben wegen der Bedeutung für die gesamte Menschheit auf die Ebene der UN zu verlagern.

Kap Hoorn

Das Kap des Schreckens, Grab der Seeleute, Kap der Stürme genannt. Seit der Holländer Schouten 1616 zum ersten Mal das Kap umsegelte, haben nach vorsichtigen Schätzungen hier mindestens 10.000 Menschen ihr Leben gelassen, auf dem größten Schiffsfriedhof der Welt mit mehr als 800 Wracks von Frachtseglern, Dampfschiffen, modernen Containerfrachtern und Kreuzfahrtschiffen. Die eisige Luft in der Nähe der Antarktis (1.000 km) erzeugt extreme Temperaturunterschiede und damit Tiefdruckgebiete mit heftigen Stürmen, normal soll hier 120 km/h sein. Außerdem treffen Atlantik und Pazifik hier zusammen, so dass Strömungswirbel und riesige Wellen entstehen können.

Kap Hoorn selbst ist ein kahler Felsen, etwa 400 m aus der Brandung emporragend. Steil und vorgelagert sind einige kleine kantige Klippen und Riffe. Der starke Wellengang lässt gelegentlich die Schiffspassagiere mit den Fischen Zwiesprache halten, grün im Gesicht.

Soweit unsere angelesenen Vorkenntnisse. Als wir gegen 17.00 Uhr Kap Hoorn ansteuerten, hielt der Kapitän das Schiff in respektvollem Abstand, denn es wehte ein strammer Wind der Stärke 9. Die Gischt der aufgepeitschten Wellen spritzte bis auf Deck 7 hoch, wo wir versuchten, die Erinnerungsfotos trotz Sturm und tief hängenden Wolken zu machen. Der Aufenthalt währte nur kurz, weil es die Star Princess jetzt eilig hatte, die schützende Einmündung des Beagle-Kanals zu erreichen, in dem wir über Nacht nach Ushuaia weiterfahren werden.

Jutta-Maria

15. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Feuerland und Ushuaia

Eine große und zahlreiche kleine Inseln bilden den Archipel Feuerland „Tierra del Fuego“, benannt nach den Feuern der indianischen Urbevölkerung, die den frühen Seefahrern (Magellan 1520) am Ufer auffielen. Im 17. Jh. wird von den Chronisten berichtet: es gibt hier vier indianische Stämme: Die Selknam, die von der Guanako-Jagd lebten, von Wasservögeln, Robben und Muscheln. Ähnlich lebten die Haush von der Jagd. Die Alakaluf waren Kanu-Nomaden beiderseits der Magellanstrasse, die sich von Fischfang ernährten. Am Beaglekanal lebten die Yamana, ebenfalls Kanu-Nomaden, die vorwiegend Seelöwen jagten.

Die Männer kümmerten sich um den Fischfang und die Robbenjagd, die Frauen tauchten nach Muscheln und Seeigeln. Sie konnten schwimmen, die Männer nicht. Sie waren nackt im Gegensatz zu den Selknam, die sich mit Guanakofell bekleideten, allerdings das Fell nach außen wie die Guanakos selbst.

Nach der Besiedlung durch die Europäer seit 1860 wurden die ursprünglich etwa 10.000 Ureinwohner bis auf 350 im Jahr 1910 - also innerhalb von 50 Jahren - fast ausgerottet. Gründe: Krankeiten, Zerstörung der Lebensgrundlagen (Überfischung, Überjagung) und aktive Tötung, auch gegen Zahlung von Kopf-Prämien. Im Museum am Ende der Welt „Museo del Fin del Mundo“ gibt es interessante Ausstellungsgegenstände und Literatur zu Feuerlands Geschichte und Kultur.

Ushuaia, die Hauptstadt von Feuerland, liegt am Beaglekanal auf 55° S und 68° W. Sie hat zur Zeit 70.000 Einwohner, Tendenz stark steigend. Ushuaia liegt in einer Bucht des Beaglekanals zu Füßen der Andenkette, die etwa 1.000 m hoch ist und durch geologisch noch andauernde Verschiebungen hier in West-Ost-Richtung verläuft.

In Ushuaia gab es eine rasante wirtschaftliche Entwicklung in den letzten 30 Jahren: Flottenstützpunkt der argentinischen Marine an der Grenze zu Chile, Elektroindustrie, Tourismus, Banken, Handelsfirmen. Farbenprächtige Fassaden der Häuser, einfache Hütten neben Appartmenthäusern und 5-stöckigen Neubauten waren zu sehen. Die Besiedlung begann von Buenos Aires aus als Sträflingskolonie um 1900. Das Presidio (Zuchthaus) wurde von den Sträflingen bis 1920 errichtet, ebenso wie sie Straßen, Kanalisation und Hafenanlagen bauten. Die Sträflinge übten Handwerke aus, bildeten die Feuerwehr, spielten in Musikkapellen, früher auch bei der Ankunft von Passagierschiffen – heute nicht mehr, denn das Presidio wurde 1947 geschlossen. Jetzt sind darin Kasernen, Verwaltungsgebäude der Marine und Museen untergebracht.

Der Name Ushuaia entstammt der Sprache der Yamana. Die ersten Weißen, die in Ushuaia seit 1871 lebten, waren Reverend Thomas Bridges und seine Frau Mary Ann. Im Auftrag der Patagonischen Missionsgesellschaft der britischen anglikanischen Kirche wurden sie von den Falklandinseln aus hierher versetzt. Bridges lernte die Yamana-Sprache und schuf ein Lexikon Yamana – Englisch. Er galt als Beschützer der Ureinwohner, seine Frau betreute die Kranken. Wegen der Ausbreitung von Zivilisationskrankheiten (Tuberkulose, Typhus, Windpocken) starben die Indianer auf ganz Feuerland bis auf wenige hundert. Die Bridges verließen Ushuaia und ließen sich in der Einsamkeit 60 km östlich von Ushuaia in Harberton nieder. Noch heute wird die südlichste Estancia der Welt von den Nachkommen der Bridges geführt.

Heute legten wir um 7.00 Uhr nach ruhiger nächtlicher Fahrt am Kai von Ushuaia an. Es herrschte ruhiges Nieselregen-Wetter, die tief hängenden Wolken verhinderten den Blick auf die schneebedeckten Berge. Wir brachen zu einem Ausflug in den Nationalpark Tierra del Fuego auf. Die Fahrt führte durch die Randbezirke von Ushuaia nach Westen, wo die ungeregelte Bebauung in die natürliche Umgebung hinein fortschreitet.

In den Hängen beiderseits der Trogtäler, die die Gletscher geformt haben, wachsen bis etwa 600 m Laubwälder, die sich im Herbst sehr schön rot verfärben. Wegen der niedrigen Durchschnittstemperatur um 10° im Sommer haben sie eine nur geringe Höhe von bis zu 15 m. Die Bäume wurden schon von den Sträflingen zur Versorgung der Stadt mit Brennholz großflächig eingeschlagen und mit der eigens dazu gebauten Eisenbahn transportiert. Deshalb sieht man meist nur Stockausschläge von 3 bis 5 aus einer Wurzel wieder ausgeschlagenen krummwüchsigen und schwachen Bäumen.

Die Landschaft im Nationalpark ist abwechslungsreich durch Seen, Flüsse und kleinen Bächen, die von Wäldern gesäumt und von felsigen Bergen überragt werden. Die aus Kanada eingeführten Biber haben sich stark vermehrt und stauen die kleineren Wasserläufe als ihren Lebensraum auf. Wir sahen einen Fuchs, Kaninchen, einen Ibis, mehrere Schwarzhalsschwäne und viele interessante Kleinvögel.

Leider blieb das Licht durch tief hängende Wolken und Nieselregen den ganzen Tag über sehr gedämpft, was besonders den Fotografen zu schaffen machte. Aber es soll in Ushuaia nach Reiseführer mehr Sonnentage im Jahr geben als beispielsweise in Liverpool/GB. Und unsere freundliche deutschsprachige Reiseführerin Paula sprach von einem ganz normalen Sommertag.

Nachmittags um 16.30 Uhr brachen wir zur Weiterfahrt im Beagle-Kanal nach Westen in Richtung Punta Arenas auf, wo wir morgen früh durch die Magellanstrasse von Süden her ankommen sollen. Ein fantastischer Gletscher, der bis zum Beagle-Kanal herunterreichte, entschädigte die Fotografen doch noch am Ende des Tages.

Jutta-Maria

16. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Punta Arenas

Nach nächtlicher Fahrt durch den Beagle-Kanal und die Magellanstrasse schien uns morgens um 5.30 Uhr ein klarer Vollmond zum Fenster herein. Das Bild zeigt sein Licht, wie es sich im ruhigen Wasser der Magellanstrasse spiegelt. Es wurde ein schöner sonniger Tag.

Wir erreichten morgens um 7.00 Uhr Punta Arenas/Chile. Die Stadt wurde 1848 als Strafgefangenen-Kolonie und Militärstützpunkt gegründet. Seit 1876 bildete die Schafzucht den Antrieb für starkes Wirtschaftswachstum, Fleisch und Wolle wurden exportiert. Punta Arenas wurde ein wichtiger Hafen für alle Schiffe zwischen West und Ost des Nord- und Südamerikanischen Kontinents, die die Magellanstraße durchquerten. Walfänger, Frachter, Passagierschiffe, Kriegsschiffe legten im Hafen an; die Stadt wurde Sitz von Reedereien, Banken, Handelskontoren, Versicherungen; Speicher, Schlachthöfe, Kühlhäuser entstanden. Auch die Paläste der „Schafbarone“ Braun, Menéndez, Nogueira, die heute als Verwaltungsgebäude, Museen, Hotels genutzt werden, sind in diesen goldenen Jahren gebaut worden.

Moritz Braun war vor der Judenverfolgung in Litauen nach Südamerika geflohen, José Menéndez war ein spanischer Kaufmann und José Nogueira war Walfänger und Robbenjäger. Die Aussicht auf Erwerb herrenloser Flächen und schnellen Reichtum lockte viele Einwanderer an. Wer investieren konnte, kaufte eigenes Land, oder erwarb Anteile an Viehzuchtgesellschaften. Auf 10.000 ha der Pampa konnte man 5.000 Schafe halten. Die 3 genannten wurden Großgrundbesitzer von Flächen über 100.000 ha, größer als manche europäische Staaten. Auf dem städtischen Friedhof kann man ihre ebenfalls prächtigen Mausoleen finden.

Aber dort findet das Grabmal eines unbekannten jungen Indianers weit mehr Beachtung. Viele der sehr gläubigen Leute beten dort und schmücken das Grab mit Marmortafeln für einen ihnen erfüllten Wunsch oder ein Wunder, das ihnen zuteil wurde. Dabei spielt natürlich auch das Bewusstsein eine Rolle, dass der indianischen Urbevölkerung viel Unrecht geschehen ist. Die Indianer starben an Krankheiten der Europäer oder wurden systematisch vernichtet. Die Grabinschriften geben Kunde von den vielen Einwanderernationen in der Stadt wie Italiener, Portugiesen, Kroaten, Engländer, Franzosen, Polen, Russen, Deutschen.

Auch findet man dort eine Gedenkstätte der deutschen Kolonie in Punta Arenas für Admiral Graf Spee und die kaiserlichen Marinesoldaten, die in der Seeschlacht am 9. Dezember 1914 vor den Falklandinseln auf 6 Schiffen untergegangen sind.

Der Bericht aus Punta Arenas wird morgen fortgesetzt.

Jutta Maria

17. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Punta Arenas (Fortsetzung von Tag 16)

Beim Stadtrundgang besuchten wir das Museo del Recuerdo, ein Freilichtmuseum, in dem das Leben der frühen Siedler seit 1880 bis 1950 lebendig wird. Man sieht in typischen Häusern z. B. die jeweiligen Handwerke mit Geräten und Maschinen, einige Oldtimer vom Beginn des 20. Jahrhunderts, auch Dampfmaschinen auf Rädern, die als Traktoren in der Landwirtschaft genutzt wurden, sowie die Ausrüstung der Walfänger.

Das Regionalmuseum der Salesianer ist ebenfalls einen Besuch wert. Es zeigt sowohl das Leben der indianischen Urbevölkerung mit Literatur und Fotos von 1918 bis 1924, als der Anthropologe Gusinde nach Feuerland gereist ist, wie auch reichhaltige naturkundliche Sammlungen.

Das Zentrum der Altstadt bildet die Plaza Munoz Gamero, an der die Kathedrale und einige Stadtresidenzen der früheren „Schafbarone“ liegen und in deren Mitte ein monumentales Denkmal an Fernando de Magellanes erinnert.

Als 1914 der Panamakanal eröffnet wurde und nach dem ersten Weltkrieg die Weltmarktpreise für Wolle verfielen, nahm der Wirtschaftsboom im Hafen und im Umland ein jähes Ende. Heute gibt es hier wenig Arbeitslosigkeit. Im Sommer kommen viele Kreuzfahrer nach Punta Arenas, im Hafen werden Fleisch, Wolle, Holz, Fisch und Konserven von Muscheln und Königskrabben verschifft, neuerdings auch - etwas außerhalb gelegen – Erdöl. Chile fördert z. Zt. 7 Mio Barrel/Jahr in Patagonien; die Erdölindustrie soll unter der neuen Regierung privatisiert werden. Weitere Bodenschätze in Chile sind Kohle und Erdgas, und vor allem Kupfer.

Nachmittags unternahmen wir zum Abschluß einen Ausflug zur Pinguinkolonie am Seno Otway, eine Busstunde westlich von Punta Arenas. Hier brüten von Oktober bis März etwa 2.000 Brutpaare der kleinen Magellan-Pinguine, die nur 4-5 kg wiegen. Sie ließen sich von den zahlreichen Fotografen, die auf Holzstegen zwischen den Bruthöhlen balancierten, beim Füttern der Jungen und ihrer ausgiebigen Gefiederpflege nicht stören. Auf der Fahrt dorthin durchquerten wir die Pampa, eine fast baumlose ebene Landschaft, in deren Weite nur selten Rinder und Schafe zu erkennen waren. Eine mittlere Estancia umfasst hier 20.000 ha mit kilometerlang eingezäunten Weideflächen. Das Gras ist so hart, dass die Schafe nach 6 Jahren keine Zähne mehr haben und spätestens dann geschlachtet werden.

Trotz der steppenartigen Einöde der Pampa sahen wir unterwegs doch einige Wildtiere wie z. B. Kaninchen, Nandus, die südamerikanischen Vettern der australischen Emus, eine Magellangans-Familie, zwei kreisende Condor, die hinunter bis zur Cordillera Darwin im Süden brüten, Kiebitze und einen Caracara, der ein Greifvogel von der Größe unseres Milans ist. Nur in geschützten Lagen hielten niedrige und krumme Laubbäume dem starken Pampawind stand, sie gehören der Familie der Südbuchen an, hier war es die Lenga (Nothofagus pumilio). Nahe der Küste gab es einen riesigen Steinkohlentagebau mit hohen Hügeln von Abraum.

Nach der Abfahrt aus Punta Arenas gestern abend setzten wir über Nacht unsere Reise durch die Magellan-Strasse fort, zunächst in Richtung Süden zum Cabo Froward, die südlichste Spitze des südamerikanischen Festlandes, dann nach Nordwesten weiter in Richtung Pazifik. Heute morgen zeigte uns die im Kabinenfernseher angezeigte Position unseres Schiffes (vergl. Bild), dass wir schon in die trichterförmig sich erweiternde östliche Magellanstrasse einfuhren. Der Nordwestwind mit Stärke 8 trieb die Wellen hoch und machte dem Schiff spürbar zu schaffen. Die Wetteraussichten sind für den südlichen Pazifik nicht günstig.

Jutta-Maria

18. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Heute ist wieder ein Seetag, ein sehr stürmischer dazu. Der Sturm aus Nordwest ist zeitweise auf Stärke 9 bis 10 aufgefrischt. Der Kapitän steuerte gestern Abend in die Nelsonstrasse, dort war mehr Schutz gegen den Sturm durch die vorgelagerten Inseln gegeben, vergleiche die Schiffsposition am 21.01. um 19.00 Uhr(1). Nach zuerst ruhiger gewordener Fahrt wurden wir aber in der zweiten Hälfte der Nacht wieder vom Sturm erfasst, denn wir fuhren wieder auf dem offenen Meer, vergleiche die Schiffsposition am 22.01. um 6.00 Uhr (2) und (3).

Das Schiff ist zwar groß, aber es schlingert durch die Gewalt der Wellen doch spürbar. Zum Frühstück waren die Reihen der Passagiere schon deutlich gelichtet. An Deck dürfen wir heute nicht. So kann man der Seekrankheit nur mit Lesen und Schreiben entkommen. Nachdem wir die 600 km lange Magellanstrasse verlassen haben, ist es an der Zeit, sich des Entdeckers zu erinnern, nach dem sie benannt ist. Als Quelle dient, neben den üblichen Reiseführern, vor allem die Biographie „Magellan. Der Mann und seine Tat“, Stefan Zweig, Fischer Taschenbuchverlag, 22. Aufl. 2007.

Fernando de Magallanes

Zur 400. Wiederkehr des Jahres der Entdeckung der Magellanstrasse ist 1920 auf der zentralen Plaza von Punta Arenas das monumentale Bronce-Denkmal für Magellan errichtet worden.

Als gebürtiger Portugiese und erfahrener Seefahrer erhielt er vom spanischen König Karl V. den Auftrag, die Küsten jenseits des Atlantik nach einer Durchfahrt zu den Gewürzinseln im Indischen Ozean zu erkunden. Nach monatelanger Vorbereitung stach er mit 5 Schiffen und 237 Mann Besatzung am 10. August 1519 von Sevilla aus in See. Bereits die Überfahrt über den Atlantik und das mühsame Absuchen jeder Bucht an der Küste Südamerikas, ob sie eine Flussmündung sei oder etwa die gesuchte Salzwasser führende Durchfahrt zum Meer westlich des Kontinents, hatten die Vorräte an Lebensmitteln schrumpfen lassen und die Moral seiner Seeleute schon so geschwächt, dass es zur offenen Meuterei kam.

Magellan setzte sich mit harter Hand gegen zwei seiner meuternden Schiffsführer durch und segelte von der Bucht San Julián, wo diese schon überwintern wollten, weiter nach Süden. Im einem schweren Sturm verlor er ein Schiff seiner Flotte. Zwei der Schiffe wurden in eine Bucht getrieben, sie segelten weiter hinein nach Südwesten und fanden weitere Buchten. Wie Magellans Chronist Pigafetta berichtet hat, wendeten sie daraufhin, um ihrem Generalkapitän von ihrer Entdeckung Nachricht zu geben.

Am 1. November fuhr Magellan mit seinen 4 Schiffen am Cabo de las Virgenes in die Seestraße ein. Es folgten 20 sturmgepeitschte Tage, in denen die wagemutigen Seemänner die 600 km lange Seestraße durchquert hatten. Als sie endlich das Meer westlich des südamerikanischen Kontinents erreicht hatten, herrschte ruhiges Wetter, weshalb Magellan den Ozean mit pacifico (still, friedfertig) benannte.

Die Heimreise ohne ausreichenden Proviant verlief dramatisch. Zwar erreichten sie das Ziel, fanden auch viele Inseln mit friedfertigen Bewohnern, aber auf einer der philippinischen Inseln gerieten Magellan und seine Männer in Kampfhandlungen mit den feindlich gesinnten Einheimischen, bei denen der Generalkapitän erschlagen wurde. So konnte er den Ruhm seiner Tat einer ersten Weltumseglung nicht mehr erleben. Von seinen Männern schlugen sich nur noch 18 der ausgezogenen 237 mit nur noch einem Schiff über den indischen und den atlantischen Ozean bis nach Sevilla durch.

Stefan Zweig nennt in seiner lesenswerten Biographie die Leistung Magellans „Das Großartigste in der Geschichte der Erderkundungen“.

Jutta-Maria

19. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Seit unserer Abfahrt in Punta Arenas hat unser Schiff fast 8 Breitengrade in Richtung Norden gekreuzt. Die Position ist auf den anliegenden Bildern festgehalten, denn Chacabuco liegt sehr versteckt in einer fjordartigen Bucht, dem Seno Aisén, nahe der gleichnamigen Stadt Aisén im Tal des Simsonflusses.

Die 2 Tage auf dem Meer waren teilweise recht stürmisch, wir mussten gestern auch noch den Golfo de Penas überqueren, den Golf der Leiden, wie ihn Seefahrer wohl aus Erfahrung getauft haben.

Chacabuco ist für die Chilenische Geschichte interessant, weil hier am 12. bis 14. Februar 1817 eine siegreiche Schlacht der Unabhängigkeitskämpfer gegen die Spanischen Royalisten stattgefunden hat. Der argentinische Anführer José de San Martin und der chilenische Freiheitskämpfer Bernardo O´Higgins waren gemeinsam über die Anden gezogen und schlugen mit ihrer Übermacht von 4.000 gegen 1.000 Mann die Spanier. Es war eine beiderseits verlustreiche Schlacht, aber wegbereitend für die tatsächliche Unabhängkeit im Jahr 1818, die nach der Schlacht von Maipú erreicht wurde. Heute ist Chacabuco ein kleiner Ort mit 1.500 Einwohnern, dessen Containerhafen für das Hinterland von wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Hier konnte auch unser großes Schiff im engen Fjord vor Anker gehen und uns wieder mit den Rettungsbooten an Land übersetzen. Denn unser heutiger Ausflug führte uns durch das Tal des Simpson-Flusses aufwärts bis zur Hauptstadt der Region XI. Coihaique, nach der Sprache der Ureinwohner Mapuche so benannt. Bei schönem Sommerwetter erlebten wir auf der Busfahrt eine großartige Landschaft: Beiderseits des Flusses sehr steile Felsabstürze und im Hintergrund die schneebedeckten Andengipfel. Die Talsohle wird nach der früheren Rodung mit Viehweiden genutzt, während die steilen Hänge bewaldet sind – eine liebliche Landschaft, die an das Voralpenland bei uns erinnert. Zahlreiche Wasserfälle stürzen aus den Bergen ins Tal, darunter besonders beeindruckend der 2-stufige Wasserfall „Virgen de las Cascades“, benannt nach der dort errichteten Marienfigur.

Die Talhänge entlang des Simpsonflusses sind seit 1967 ein Nationalreservat von 42.000 ha Größe mit sehr guten Informationen für naturinteressierte Besucher. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn man einen Puma oder einen Andencondor sieht. Die Region ist schon touristisch in Entwicklung für Fliegen-Fischen, Reitausflüge, Kajak-Wandern sowie Wintersport. Die kleine Stadt Coihaique hat 51.000 Einwohner und bildet in dem dünnbesiedelten Land das wirtschaftliche Zentrum, sogar mit eigenem Flughafen von überregionaler Bedeutung.

Nachmittags ab 16.30 Uhr waren alle wieder an Bord und unsere Kreuzfahrt ging weiter in Richtung Puerto Montt. Es war ein so schöner Sonnentag geworden, dass wir an Deck den Rest des Tages mit Schwimmen, Sonnen und vor allem Fotografieren beschäftigt waren. Alle waren begeistert von der Ausfahrt durch den Seno Aisén mit seinen bewaldeten Bergen beiderseits und den kleinen Inseln, die an uns „vorbeischwammen“ - wie kürzlich noch die Eisberge in der Bransfieldstraße.

Jutta-Maria

20. Tag: Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Nach ruhiger Fahrt über Nacht erreichten wir um 7.00 Uhr Puerto Montt. Es war ein trüber Morgen mit Aussicht auf Regen und vorhergesagten 20 Grad.

Unser heutiger Tagesausflug begann mit einer Wanderung durch den Alerce-Wald im Naturreservat „Lahuen Nadi“ bei Puerto Montt.

Der Wald war voller Vogelstimmen, die Sonne setzte sich durch und wir balancierten auf einem schmalen Knüppeldamm durch den dichten Naturwald. Den Namen hat er von der bestimmenden Baumart Alerce (Fitzroya cupressoides), einer zypressenartigen Baumart, die bis 40 m hoch und sehr alt werden kann. Namensgeber ist Kapitän Fitzroy, der mit der Beagle (und Charles Darwin) auch diese Küste erkundet hat (1833). Das Holz der Alerce war schon unter den ersten Siedlern sehr begehrt, weil es dauerhaft und hart ist, so z.B. als Bauholz und für Schindeln verwendet werden konnte. Deshalb sind diese Bäume nur noch an wenigen Stellen, z. B. im Sumpf – wie hier – und im unzugänglichen Hochgebirge, zu finden.

Auf der Weiterfahrt mit dem Bus in Richtung Puerto Varas besuchten wir das Museum Antonio Felmer. Der deutsche Einwanderer, der sich hier als Farmer angesiedelt hat, sammelte mit seiner Familie alte Gerätschaften, Möbel, Hausrat, Musikinstrumente und anderes aus der Zeit, als die deutschen Immigranten seit 1850 hier eine neue Heimat fanden. Das Leben aus früheren Pionierzeiten war im Museum wieder lebendig geworden. Der Sohn des Antonio Felmer führte uns durch das Haus mit der liebevoll gepflegten Ausstellung, und anschließend probierten wir – bewirtet von der Familie – Waffeln und Apfelstrudel nach deutschen Rezepten.

Im Gebiet um Puerto Montt, insbesondere am Lago Llanquihue, der größer als der Bodensee ist, haben sich besonders viele Deutsche niedergelassen, wie an den vielen Rosen, Obstbäumen, Holzhäusern nach deutscher Bauart und der relativ kleinflächigen Landwirtschaft zu erkennen war. Jetzt im Januar ist gerade die Heuernte im Gange. Die hügelige Landschaft mit vielen Waldstücken, Wiesen und Feldern ist sehr reizvoll und der Blick auf den schneebedeckten Vulkan Osorno atemberaubend schön.

Am Seeufer schlenderten wir durch die Kleinstadt Puerto Varas, wo am flachen Ufer die Kinder badeten. Hier hatten wir auch die Gelegenheit, kleine Mitbringsel zu kaufen, wie z. B. farbige Pullover aus Alpaca-Wolle, Holzarbeiten und Lapislazuli-Schmuck.

Am Abend gab es eine Abschiedsparty, denn schon übermorgen früh geht unsere schöne Kreuzfahrt nach einem letzten Seetag im Hafen von Valparaiso zu Ende.

Jutta-Maria

22. Tag: Resümee Südamerika-Antarktis-Kreuzfahrt

Heute um 7.00 Uhr hatten wir schon fast den 38. Breitengrad auf halber Strecke zwischen Valdivia und Concepción erreicht (vergleiche Bilder mit der Schiffsposition). Es ist unser letzter Reisetag auf dem Meer. Wenn wir morgen früh um 5.00 Uhr in Valparaiso ankommen werden, haben wir seit der Abreise aus Buenos Aires auf der Star Princess 5.400 Meilen (10.000 km) in 17 Tagen auf See zurückgelegt.

Solche Strecken machen uns bewusst, wie viel größer die beiden südamerikanischen Länder sind als unsere „Kleinstaaten“ in Europa. Chile hat alleine eine Nord-Süd-Ausdehnung über 40 Breitengrade von 5.300 km, das entspricht der Strecke von Norwegen bis Marokko. In Ost-West-Richtung ist das chilenische Festland nur 60 bis 400 km breit, die zugehörigen Inseln Robinson Crusoe und die Osterinseln liegen 670 bzw. 3.500 km westlich der Küste. Insgesamt hat Chile eine Fläche von 757 qkm, weniger als 1/3 von Argentinien, aber doppelt so groß wie Deutschland. Die Einwohnerzahl ist 15.8 Millionen, davon 7.5 % Indianer, vorwiegend Mapuche (93%). 40 % aller Chilenen leben im Großraum der Hauptstadt Santiago.

Die geographische Form des Landes und die Anden mit Höhen über 6.000 m bringen eine große Vielfalt an natürlichen Lebensräumen mit sich. Wir lernten im Süden die eisigen Gletscher und die Weite der Pampa kennen. Wir fuhren durch die Insel-Archipele des Südens und Südwestens in engen Wasserstrassen und machten Ausflüge in traumhaft schöne Landschaften und Wälder. Wir lernten von den freundlichen Reisebegleitern einiges über die Besiedlung, die Landnutzung, die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Tier- und Pflanzenwelt. Ein Beispiel: Patricio (geschätzt 35 Jahre), der uns zuletzt von Puerto Montt aus begleitete, pries die Qualität des chilenischen Weines mit den Worten, täglich genossen sei er ein wirksames Anti-Aging-Mittel, er habe es ausprobiert und sei eigentlich 68 Jahre alt, fühle sich nun aber wie 30! Alle Chilenen begegneten uns sehr freundlich, auch an den Grenzen trotz der relativ strengen Kontrollen.

Auch das Meer zeigte uns die ganze Bandbreite seiner Möglichkeiten von „smoothy“ Windstärke 3 bis „stormy“ Windstärke 10, nur ein Orkan blieb uns erspart. Das Leben auf dem Schiff war komfortabel und abwechslungsreich. Wir genossen einen beachtlichen Luxus in Speisen und Getränken bei sehr freundlichem Service. Auch der Steward in unserem Kabinendeck, Lawrence, war zuvorkommend und hilfsbereit.

Die etwa 2.500 Passagiere kamen aus vielerlei Ländern, hauptsächlich aus USA, Kanada, Australien, England, Japan, China, Spanien, Argentinien und Deutschland, auch 3 Passagiere aus Schottland. Bordsprache war Englisch. Man begrüßte sich bei Tisch mehr oder weniger perfekt, um dann schließlich festzustellen, dass die Gesprächspartner auch deutschsprachig waren, wie Österreicher und Schweizer. Das lockere Platzsystem gab die Möglichkeit, mindestens täglich dreimal mit anderen Passagieren zwanglos in Kontakt zu kommen.

So lernten wir z. B. eine sehr kleine Japanerin reiferen Alters kennen, die uns durch ihre außerordentliche Höflichkeit und Herzlichkeit auffiel und mit der wir uns ohne jede Sprachkenntnisse beiderseits immer wieder prächtig unterhalten haben. Wenn wir uns fortan trafen, hätten wir uns jedes Mal beinahe umarmt, wenn das nicht wegen der Größenunterschiede unmöglich gewesen wäre. Oder der junge, sonst schüchterne Australier, der uns beim Essen gerne seine exzellenten Tierfotos zeigte; besonders stolz präsentierte er uns ein Bild von sich in einer Pose mit der Tango-Showtänzerin. Oder das amerikanische Ehepaar, von dem nur sie das Gespräch mit uns führte, jedoch immer zwischendurch zu ihrem schweigsamen Mann gewandt fragte:„Honey, what did you say?“

Das umfangreiche Unterhaltungsprogramm auf mehreren Bühnen und Decks jeden Tag hat sicher die verschiedenartigen Bedürfnisse des Publikums getroffen. Uns haben die Tango-Vorführungen von Fernando und Cecilia sehr gut gefallen. Sonst nahmen wir tagsüber regelmäßig an den Vorträgen über Geschichte, Natur und über die jeweils angelaufenen Hafenstädte der Experten teil. Ein ganz besonderer darunter war der, der seine Bildvorträge von Zeit zu Zeit mit „Oh, that`s me!“ auflockerte. Nicht geschafft haben wir die verschiedenen Wellnessangebote, das Schwimmen in den Pools oder einen der Tanzkurse.

So beenden wir mit Fotos der Star-Princess und des letzten Sonnenuntergangs im Pazifik unsere Berichte von einer unvergesslich schönen und interessanten Reise.

Jutta-Maria

Ihr Reiseverlauf

Verbinden Sie die Antarktis und Südamerika in einer Urlaubsreise!

An Bord der luxuriösen Star Princess haben Sie die einzigartige Möglichkeit, die chilenischen Fjorde, das beeindruckende Kap Hoorn und die einmalige Antarktis mit ihren bizarren Eisformationen und Pinguinkolonien in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen. Erleben Sie mit uns eine Kreuzfahrt der Extraklasse und sammeln Sie unvergessliche Eindrücke!

1. Tag - Anreise
Flug von Deutschland nach Buenos Aires (Argentinien).

2. Tag - Buenos Aires (Argentinien)
Ankunft, Transfer zum Hotel, Rest des Tages zur freien Verfügung.

3. Tag - Buenos Aires (Argentinien)
Vormittag: halbtägige Stadtrundfahrt, Rest des Tages zur freien Verfügung
Abend: Essen und Tango Show im El Viejo Almacen.

4. Tag - Buenos Aires (Argentinien)
Tagesausflug auf eine Estancia inkl. Mittagessen.

5. Tag - Buenos Aires (Argentinien)
Transfer zum Hafen, Einschiffung 17.00 Uhr auf die Star Princess.

6. - 7. Tag - Erholung auf See

8. Tag - Stanley (Falklandinseln)

9. Tag -  Erholung auf See

10. - 13. Tag - Antarktische Halbinsel
- Elephant Island
- Antarctic Sound
- Deception Island
- Gerlache Strait
- Neumayer Channel
- Südliche Shetlandinseln
- Admirality Bay

14. Tag - Kap Hoorn (Chile)

15. Tag - Beagle Kanal (auf See) und Ushuaia (Feuerland, Argentinien)

16. Tag - Punta Arenas (Chile)

17. - 18. Tag - Erholung auf See

19. Tag - Puerto Montt (Chile)

20. Tag - Erholung auf See

21. Tag - Coquimbo (Chile)

22. Tag - Valparaiso (Chile)
Ausschiffung, Panoramafahrt Valparaiso, Transfer zum Flughafen, Rückflug nach Deutschland

23. Tag - Ankunft in Deutschland