September 2019

Reisebericht: China Rundreise von Peking bis Hongkong

Erleben Sie mit unserem Chronisten André die Highlights von China und lernen Sie das Land von seiner traditionellen, aber auch modernen Seite kennen. Lassen Sie sich von der Pracht der Großen Mauer in ihren Bann ziehen und entspannen Sie während Ihrer Yangtze-Kreuzfahrt.

Chronist Robin in China
Mein Tipp

Highlights von China mit eigenen Augen

André, Berge & Meer Chronist

mein Name ist André und ich habe – gemeinsam mit meiner Frau Ramona – mein Fernweh dieses Jahr während einer 3-wöchigen Rundreise durch China & Hongkong gestillt.

Die Rundreise deckt alle Highlights ab, die man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben sollte. Besonders beeindruckt hat mich die fantastische Skyline in Shanghai. Die Yangtze Kreuzfahrt etwa in der Mitte der Reise war super, um ein wenig zu entspannen. Und wann hat man schon mal die Gelegenheit, auf dem Mittelpunkt Chinas zu stehen?

Nach einigen Rundreisen mit Berge & Meer weiß ich, dass das Programm straff, aber sehr gut organisiert ist. Das hat sich auch dieses Mal wieder bestätigt.

Wer Lust hat, reist beim Lesen meines Reiseberichtes einfach mit und bekommt vielleicht Lust, das Reich der Mitte selbst zu entdecken.

Ni hau in China, Euer André

1. und 2. Tag

Anreise & Peking

Wir hatten einen angenehmen Urlaubsstart am Frankfurter Flughafen. Da unser Flug auf abends verlegt wurde, konnten wir gemütlich über die freie Autobahn nach Frankfurt anreisen. Dieses Mal probierten wir den weiter abgelegenen, aber dafür günstigeren Holiday-Parkplatz aus. Die Shuttle-Busse fuhren wie beschrieben alle 30 Minuten. Bis zum Terminal 1 dauerte die Fahrt etwa 20 Minuten. Die Air China-Schalter waren sehr früh geöffnet, sodass wir gleich unsere Koffer aufgeben und unsere Bordkarten sichern konnten. In der Economy Class einer Boing 777 starteten wir pünktlich um 20.15 Uhr Richtung Peking.

Nach knapp 10 stündigem Flug, einigen Filmen und guter Verpflegung landeten wir gegen Mittag mit 6 Stunden Zeitverschiebung in Peking bzw. „Beijing“, wie die Einheimischen die Stadt nennen. Wir wurden freundlich von Uwe Wu, unserem Reiseleiter, empfangen. Uwe sprach gut deutsch. Unser Reisebus mit Klimaanlage stand schon bereit für die Stadtrundfahrt. Ebenso ein separater Kleinbus, der unsere Koffer direkt zum Hotel brachte. Jede Person bekam nun eine Nummer, die fortan zum einfachen Durchzählen genutzt wurde. Ramona war Nr. 5, ich Nr. 6. Koffer und Reisepässe erhielten die gleiche Nummer. Ein interessantes System, dass sich in den nächsten Tagen bewährte

Peking mit ca. 17.000 km² und etwa 21,5 Millionen Einwohnern ist eine der größten Städte Chinas. Beijing bedeutet wörtlich „nördliche Hauptstadt“. Die Straße von Ost nach West ist ca. 60 km lang. Die Strecken für’s Sightseeing wollen also wohl geplant sein. Die Fahrt zum Olympiagelände, unserem ersten Stop in China, dauerte ca. 30 Minuten. Im Jahr 2008 fanden dort die 19. Olympischen Spiele statt. Es waren gleichzeitig die ersten Sommerspiele in China. Am Olympiagelände hatten wir 15 Minuten Zeit, uns umzusehen und zu fotografieren. Das „Vogelnest“ ist mit seiner Kapazität von 91.000 Plätzen eines der größten Stadien der Welt. Gebaut wurde das Nationalstadion von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, die auch die Münchner Allianz Arena bauten. Für mich ist es eines der schönsten Stadien.

Nach diesem kurzen Stop ging es durch die vollen Straßen von Peking weiter zum Sommerpalast, unserem zweiten und letzten Programmpunkt für heute bevor es ins Hotel ging. Auf dem Weg gab Uwe uns seine Handynummer. Sollte jemand die Gruppe verlieren, sollte er sich bei ihm melden. Alternativ könne man auch einen anderen Reiseleiter, einen Polizisten oder einfach einen Einheimischen bitten, ihn anzurufen. Mr. Wu gab uns viele Informationen über den Sommerpalast, der an einem sehr großen See liegt. Er ist ein Kaiserpalast im Nordwesten Pekings, wenige 100 Meter westlich der Ruinen des alten Sommerpalastes, und zählt zu den Höhepunkten der chinesischen Gartenkunst. Und das, obwohl er mehrfach zerstört und wieder neu errichtet wurde. Kaiser Qianlong ließ ihn 1751–1764 als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Mutter bauen. Vom Eingang aus machten wir einen ca. 30-minütigen Spaziergang am See entlang. In gemächlichem Tempo gewöhnten wir uns langsam an die hohen Temperaturen.

Das große Marmorboot war das Highlight unseres kurzen Fußmarsches, wirklich ein Hingucker. Am Ausgangspunkt zurück hatten wir schon den ersten Verlust zu verbuchen: Nr. 3 fehlte. Da kein Anruf kam, ging Uwe im Park auf die Suche, was bei so vielen Menschen (es gibt immerhin 1,4 Milliarden Chinesen) nicht einfach ist. Nach einer halben Stunde tauchte Nr. 3 am Eingang auf, dafür war nun Uwe weg. Meine Frau bat einen Chinesen am Einlass zum Park, Mr. Wu anzurufen. Das Prinzip mit seiner Telefonnummer und einem hilfsbereiten Einheimischen bewährte sich sofort. Gut zu wissen. Es war ein Warnschuss zur rechten Zeit, denn bei solchen Menschenansammlungen und zudem weiten Flächen, kann ganz schnell einer verloren gehen. Deshalb: immer bei der Herde bleiben.

Jetzt ging es direkt zum Abendessen. Da wir eine Gruppe von 20 Personen waren, teilten wir uns auf 2 runde Tische à 10 Personen auf. Auf einer sich drehenden Glasplatte wurden nach und nach die Gerichte aufgetischt. Natürlich gab es Stäbchen, landestypisch. Aber auch Gabeln lagen bereit. Zum Essen war ein Kaltgetränk inklusive sowie Tee, der unbegrenzt nachgefüllt wurde. Bier (was in China übrigens nur 2,5 – 2,8 % Alkohol hat) kostete extra, zwischen 10 und 20 Yuan (etwa 1,70 – 3,- €) für 0,5 l. Reis gab es ebenfalls so viel wir wollten. Ich wünschte mir ein bisschen mehr Mut bei der Essensauswahl, denn schließlich wollten wir doch das Land und eben auch die typische einheimische Küche kennenlernen.

Danach fuhren wir zum Hotel, wo wir unsere Pässe abgeben mussten. Diese erhielten wir am anderen Morgen zurück, denn sie mussten auch beim Eintritt zu den großen Attraktionen vorgezeigt werden. Nach dem Einchecken bezogen wir unser Zimmer und fielen nach einer erfrischenden Dusche sofort ins Bett, um für den Besuch der großen Mauer am nächsten Tag fit zu sein.

3. Tag

Peking - Große Mauer

Wir genossen das warme Essen beim Frühstück, besonders die beliebte Nudelsuppe. Natürlich gab es auch internationales Frühstück. Die Auswahl war reichlich, in jedem Fall war für jeden etwas dabei.

Pünktlich starteten wir zur etwa 70 km entfernten „großen Mauer“. Man kann zu Recht behaupten, dass diese Mauer einer der Höhepunkte unserer Reise ist. In erster Linie ist es die unfassbare Länge von 21.196,18 km, die sie zu etwas Besonderem macht. Die enorme Länge ist zugleich der Grund für ihren chinesischen Namen: 10.000-Li-Mauer. Die Zahl 10.000 steht für die Unendlichkeit. Der Name bedeutet so viel wie „unendlich lange Mauer“. Die Chinesische Mauer erstreckt sich über 43.000 Einzelobjekte und Standorte. Sie ist also nicht nur eine einzelne Mauer sondern besteht aus vielen Abschnitten, die teils völlig unterschiedlichen Zeitepochen entstammen. Der Bau begann schätzungsweise im 7. Jahrhundert vor Christus. Die Mauer sollte als befestigte Grenze dienen und das Reich des chinesischen Kaisers vor Eindringlingen aus dem Norden schützen. Dazu dienten auch die vielen Beobachtungstürme, die bei Bedrohung per Feuerzeichen Alarm schlugen und so die anderen Wächter auf die Gefahr aufmerksam machten. So konnte auch der Kaiser in der Hauptstadt Peking sofort benachrichtigt werden und Soldaten losschicken. Über die Jahrhunderte wurde sie immer wieder erweitert und erhielt zusätzliche Abschnitte. Die letzte Erweiterung stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie im 17. Jahrhundert. Dieser 8.851 km lange Abschnitt gilt heute als Hauptmauer und wird am häufigsten besucht. Sie gehört zu den 7 neuen Weltwundern und für mich jetzt auf meiner Liste als gesehen markiert.

Der Eintritt zur Besichtigung und Besteigung unseres Mauerabschnitts erfolgte mit Passkontrolle. Uwe führte uns zu einem Punkt am Anfang dieses Abschnittes, wo wir ein gutes Gruppenfoto machen konnten. Mittlerweile hatten wir uns schon einigermaßen kennengelernt. Das ging bei einer angenehm kleinen Gruppe von 20 Personen recht schnell. Mr. Wu gab uns 1 ¾ Stunden Zeit, um dieses Teilstück der Mauer zu besteigen. Unsere schnellste, eine sportliche Triathletin, schaffte es in 24 Minuten hinauf und wieder herunter. Bei über 30 Grad ohne Schatten und den sehr unterschiedlichen Höhen der Stufen eine grandiose Leistung. Respekt! Ich war nicht ganz oben und genoss stattdessen die Aussicht, fotografierte und schaute mir die lange Menschenschlange an, die bei dieser Hitze nach oben strömte.

Als nächstes stand das Mittagessen auf dem Programm. Das Restaurant befand sich im zweiten Stock einer Cloisonné Fabrik. Man möchte uns auf dieser Reise schließlich auch einen Einblick in die einheimischen Fertigkeiten geben.

Cloisonné, auch Zellenschmelz oder Zellenemail genannt, ist eine kunsthandwerkliche Technik bei Emailarbeiten. Zur Fertigung werden auf eine meist aus Kupfer bestehende Trägerplatte dünne Drähte oder Metallstreifen aufgelötet und zwischen ihnen verschiedenfarbige Glasflüsse eingelassen. Die Metallstege trennen die einzelnen Farbfelder und verhindern ein Ineinanderlaufen der Farben. Über die islamischen Länder erreichte die europäische Cloisonné-Kunst das „Reich der Mitte“ erst in der frühen Ming-Zeit.

Nach dem Mittagessen hatten wir noch Zeit, uns die Herstellung anzuschauen und im Verkaufsraum die Exponate anzusehen und zu erwerben. Meistens sind es Vasen, die hergestellt werden. Wir fanden zwei kleine Kugeln mit Pandabären sehr süß und nahmen diese für unseren Adventskranz mit. „Man sollte immer kaufen, wenn einem etwas gefällt. Man sieht es nicht noch einmal.“ Das hatte unser Reiseleiter Hoan auf unserer Vietnamreise immer gesagt und nicht nur einmal Recht behalten.

Bei den weiten Strecken gab es nicht zu viele Reiseziele an einem Tag. Wir waren ja immerhin fast 3 Wochen unterwegs. So war unser letzter Punkt heute der Besuch der Ming Gräber. Die Ming-Gräber sind eine Begräbnisstätte von Kaisern der chinesischen Ming-Dynastie, die sich etwa 50 km von Chinas Hauptstadt Peking entfernt am Fuße des Berges Tianshou befinden. 13 der 16 Ming-Kaiser sind dort begraben. Wir besuchten das Changling-Grab. Es ist das Grabmal des Kaiser Zhu Di und seiner Kaiserin Xi - das größte und besterhaltene Grab der insgesamt 13 Ming-Gräber. Das Hauptgebäude Ling‘endian, die Halle der Himmlischen Gnade, wurde 1427 nach dem Vorbild der Halle der Höchsten Harmonie gebaut. Das eigentliche Grab ist noch ungeöffnet und ein sehr großer Hügel. Wir hatten ausreichend Zeit, alles digital festzuhalten und zu entdecken. Es gab genügend Schattenplätze, um eine kleine Pause zu machen und die Stimmung zu genießen.

Anschließend fuhren wir ins Hotel zurück. Um die Ecke war die „Bank of China“, wo wir uns erstmals mit chinesischen Yuan eindeckten. Die „Bank of China“ ist besonders zu empfehlen. Uwe scherzte, dass sie alle Karten außer der Hotelkarte akzeptiert. Anders als bei uns in Deutschland erhielten wir erst die Geldscheine und danach unsere Karte. Diese muss man mit einem Tastendruck zurückfordern. Sie wird nicht automatisch ausgegeben.

Für den Abend bot Mr. Wu uns an, eine Kung-Fu Show zu besuchen. Die Kampfkunst stammt aus China. Die Show erzählte die Geschichte eines Jungen, der Mönch wurde und später das Amt des obersten Abts übernahm, welches bis dahin sein Ziehvater innehatte. Eine schöne Vorstellung mit vielen Szenen beeindruckender Kampfkunst, aber auch romantischen Elementen. Im Anschluss luden die Darsteller dazu ein, sich auf der Bühne gemeinsam mit ihnen fotografieren zu lassen. Der Preis von 35 € pro Person war fair.

Den Abend ließen wir mit einer kleinen Gruppe in einer Garküche ausklingen. Englisch sprach dort keiner, dafür gab es Bilder der Gerichte. Die meisten nahmen eine Nudelsuppe, die natürlich mit Stäbchen gegessen wurde.

4. Tag

Peking

Am Platz des Himmlischen Friedens, unserem ersten Ziel heute, waren die Sicherheitsvorkehrungen sehr hoch: zu Ehren des Besuchs von Angela Merkel waren überall deutsche Flaggen zu sehen. 25 Salutschüsse begrüßten die Kanzlerin – und uns. Das war doch mal ein Willkommens-Gruß, den man nicht alle Tage erhält. Wir bedankten uns bei Uwe für das perfekte Timing, was letztlich wohl eher Zufall war.

Der Tian’anmen-Platz oder Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens ist ein Platz im Zentrum von Peking. Er wird mit seinen 39,6 ha Fläche oft als größter befestigter Platz der Welt bezeichnet. Wir gingen am Mausoleum von „Mao“ und der Großen Halle des Volkes vorbei, wo Frau Merkel sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping traf. Und schließlich standen wir am Tor des Himmlischen Friedens, dem Haupteingang zum Kaiserpalast. Der wird auch als Verbotene Stadt bezeichnet. Verbotene Stadt, weil das Gelände so groß ist wie eine Stadt, die das normale Volk früher aber nicht betreten durfte. Über dem Tian‘anmen Tor hing ein riesiges Foto von Mao. Wir passierten noch ein weiteres Tor bis wir zum Eingang kamen. Dort wurden unsere Pässe kontrolliert und alle mussten ihre Feuerzeuge abgegeben. Das war eine Vorsorgemaßnahme, um einer eventuellen Brandgefahr vorzubeugen. Die Raucher unter uns waren nicht allzu begeistert. Die gesammelten Feuerzeuge wurden regelmäßig zum Ausgang gebracht, wo sich jeder wieder ein Feuerzeug mitnehmen konnte.

Die Verbotene Stadt ist eine Palastanlage im Zentrum Pekings. Dort lebten und regierten bis zur Revolution 1911 die chinesischen Kaiser der Dynastien Ming und Qing. Der dritte Kaiser der Ming-Dynastie begann 1406 mit dem Bau der Verbotenen Stadt. Zeitweise sollen eine Million Sklaven und mehr als 100.000 Kunsthandwerker daran gebaut haben. Der Bau konnte schon 1420 abgeschlossen werden. Wahnsinn! Das Areal war riesig. Nachdem wir den ersten Vorplatz überquert hatten, kamen wir zu einem riesigen Platz, auf dem im Hintergrund die Halle der höchsten Harmonie stand. Wir folgten Achse von Süden nach Norden immer geradeaus und schauten uns beeindruckt die Gebäude an. Auf einer Fläche von 720.000 m² war alles symmetrisch angelegt und umfasste 890 Räume. Bevor wir das Nord-Tor erreichten besuchten wir noch den Garten des Kaisers. Dorthin konnte er sich nach den harten Regierungsgeschäften zurückziehen, um seine innere Harmonie wiederzufinden.

Nachdem wir uns mit einem chinesischen Mittagessen am Runden Tisch gestärkt hatten, brachte uns Mr. Wu zum Zentrum der chinesischen Heilkunst. Ein Programmpunkt, der nicht im Reiseverlauf stand. Wir bekamen auf Deutsch einen kurzen Vortrag über die chinesische Medizin. Beim Zuhören wurden unsere Füße auf die anschließende kostenlose Fußreflexzonenmassage vorbereitet und in warmem Wasser gebadet. Während der Massage konnte man sich, wenn man wollte, von einem Arzt auf der Basis der traditionellen chinesischen Heilkunst untersuchen und beraten lassen. Ich war verblüfft, was der Arzt in der kurzen Zeit feststellte und noch mehr, dass alles zutraf.

Mit wieder fitten Füßen ging es weiter zum Himmelstempel, der letzten Station des heutigen Tages. Nach einer kurzen Fahrt erklärte Uwe uns ausführlich alle wichtigen Informationen. Der Himmelstempel (Tiāntán) ist ein Tempelkomplex mit religiösen Gebäuden im südöstlichen Teil von Peking, der traditionell unter Aufsicht des Kaisers stand. Die Anlage wurde von den Kaisern der Ming und Qing Dynastien für jährliche Gebetszeremonien für eine gute Ernte besucht. Der unscheinbare Hügelaltar wird als Mittelpunkt im Reich der Mitte angesehen. Die Chinesen glaubten damals, dass die Erde viereckig und darüber ein Schirm gespannt ist, der den Himmel symbolisieren sollte. An den Rändern der Vierecke lebten die Barbaren, die China angriffen. In der Mitte lag China. Deswegen heißt es „Land der Mitte“ (Zhōngguó). Wir gingen durch die Tempelanlage, wo sich heute viele ältere Chinesen zum Spielen, Tanzen und vielen anderen gemeinsamen Aktivitäten treffen.

Nach dem Besuch des Himmeltempels fuhren wir zurück zum Hotel, um dann gemeinsam an unserem letzten Abend in der Hauptstadt noch eine Kleinigkeit essen zu gehen.

5. Tag

Peking - Xian

Heute war zeitiges Aufstehen angesagt, denn wir mussten unseren Flieger nach Xian erreichen, der pünktlich um 8.55 Uhr abhob. Wir kamen prima durch den morgendlichen Verkehr und am Flughafen war auch alles super organisiert. Für uns wurde sogar ein eigener Schalter geöffnet, sodass wir schnell unsere Koffer abgeben konnten. Als wir die Treppe zum Flugzeug hochgingen sahen wir, dass der deutsche Regierungsflieger offenbar zur selben Zeit Peking verließ wie wir und machten schnell ein Abschiedsfoto. Angela Merkel besuchte China zum 12. Mal während ihrer Amtszeit, wird sicher aber weniger von Land und Leuten gesehen haben, wie wir am Ende unserer Reise. Also bis bald, Angie. Sie flog weiter nach Wuhan am Yangtze. Unser Flug war angenehm und wir landeten pünktlich. Xi’an war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und im Verlauf von 1.120 Jahren immer wieder Hauptstadt eines Kaiserhauses. Xian besitzt eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer und war der Ausgangspunkt der Seidenstraße. Berühmt wurde Xian durch die Terrakottaarmee.

Innerhalb von 20 Minuten saßen wir im Bus, der uns zum Mittagessen in der Nähe der gut erhaltenen Stadtmauer brachte. Nach dem Essen fuhren wir zur Kleinen Wildganspagode und dem Museum, das im gleichen Areal lag. Die Kleine Wildganspagode wurde im Jahr 684 von der Kaiserin Wu Zetian in Erinnerung an ihren verstorbenen kaiserlichen Gemahl zusammen mit einer Tempelanlage in Auftrag gegeben. Die Bauarbeiten zu diesem „Tempel des Aufbewahrten Glücks“ begannen 100 Tage nach dem Tod des Kaisers Gaozong. Die Kleine Wildganspagode entstand in den Jahren 707 bis 709. Ursprünglich hatte sie insgesamt 15 Stockwerke, büßte jedoch durch mehrere Erdbeben ihre beiden oberen Etagen ein. Mit den verbliebenen 13 Stockwerken erreicht sie eine Höhe von etwa 43 m. Im Museum gab es von Bronzeskulpturen, Steinskulpturen, Vasen und Jade bis hin zu Buddhafiguren einiges zu sehen, dass weit über 3.000 Jahre alt war.

Auf der Fahrt zum Hotel fragte Uwe nach, wer Interesse an einer Lichterfahrt durch seine Heimatstadt hat. Kostenpunkt: 20 € pro Person. Fast alle wollten teilnehmen. Bevor wir um 19 Uhr aufbrachen, konnten wir uns 2 Stunden im Hotel erholen. Nach einer einstündigen Fahrt durch die vollen Straßen von Xian kamen wir an einem kleinen See an. Bis dahin waren Straßen und Häuser gesäumt von Lampions und zahlreichen Lichtern. Am See spiegelten sich die bunten Lichter im Wasser. Das war schon ein Spektakel, allerdings nur ein erster Vorgeschmack bis wir die Einkaufsmeile mit den acht Lichtersäulen erreichten. Dort umfing uns ein unbeschreibliches Meer von Lichtern. Es war wirklich, als würden wir in dieses Lichtermeer eintauchen. Die acht Säulen waren so eine Art Theatervorstellung, die wir kurz von außerhalb betrachten konnten. Die Einkaufsstraße war etwa 1 km lang und wir schlenderten langsam durch den Trubel – nicht ohne immer mal wieder durchzuzählen, ob alle noch da waren. Das war durchaus erforderlich, da es nicht nur ein Meer von Lichtern sondern auch eines von Menschen war. Die meisten ebenso staunend wie wir. Andere tanzten, sangen oder spielten. Wir waren mittlerweile komplett in das bunte Treiben eingetaucht.

Am Ende der Fußgängerzone thronte die Große Wildganspagode, die wir morgen noch bei Tag besuchen würden. Zum Abschluss besuchten wir das Gebiet der Wanderarbeiter. Dort lebten die Menschen, die vom Land in die Stadt kamen, um zu arbeiten. Durch schmale Gassen gingen wir zu einer Garküche, in der Uwe uns zu einem Bier einlud: „Hans“, wie der deutsche Vorname. Voller Eindrücke kehrten wir zum Hotel zurück. Es war ein sehr schöner Abend.

6. Tag

Xian

Nach dem Frühstück steuerten wir als erstes die große Moschee in der Altstadt von Xian an. Sie befindet sich nahe dem Trommelturm (Gulou) in der Huajue-Gasse und wurde in der Tang-Dynastie am östlichen Ende der Seidenstraße erbaut. Chinesischen Muslime (hauptsächlich Hui-Chinesen) nutzen die Moschee heute noch als Gebetsort. Anders als die meisten Moscheen im Nahen Osten oder anderen arabischen Ländern ist die Moschee von Xian in ihrem Bau- und Architekturstil vollkommen chinesisch geprägt. Ausnahmen bilden lediglich einige arabische Beschriftungen und Dekorationen, denn die Moschee hat weder Kuppeln noch Minarette. Es ist eine sehr alte, schöne Moschee, die eher wie ein Garten angelegt ist. An diesem ruhigen Ort der Besinnung kann man dem bunten Treiben der umliegenden Geschäfte leicht entkommen. Wir blieben noch eine Weile in der Moschee und erkundeten dann den geschäftigen morgendlichen Trubel in der Altstadt.

Von dort fuhren wir zur Großen Wildganspagode, die wir gestern Abend schon beleuchtet gesehen hatten. Die Pagode ist 64 Meter hoch. Sie entstand im Jahr 652 im Hof des "Klosters der Großen Wohltätigkeit", das Kaiser Gaozong zum Gedenken an seine verstorbene Mutter errichten ließ. Vor dem Tempel befindet sich eine Statue des Mönchs Xuanzang. Dieser reiste mehr als 17 Jahre durch Indien, um sich mit dem Buddhismus vertraut zu machen. Anschließend lebte er in diesem Tempel und übersetzte dort die buddhistischen Texte, die er von seiner Reise mitgebracht hatte. Die Geschichte dieser Reise wurde in der Zeit der Ming Dynastie durch den Schriftsteller Wu Cheng’en in dem berühmten Roman "Die Reise in den Westen“ erzählt. Besonders sehenswert sind das große Jade-Bild und die vielen goldenen Buddhas. Im Shop konnte man sich nach seinem chinesischen Tierkreiszeichen erkundigen und erhielt kostenlos eine entsprechende Karte mit dem Stempel des Tempels. Eine schöne Erinnerung!

Als nächstes besuchten wir eine Jadefabrik. Uwe erläuterte uns alles über den Stein und seine Weiterverarbeitung. Natürlich bestand auch die Möglichkeit, ein Andenken aus Jade zu kaufen. Unser Mittagessen nahmen wir in der Nähe zu den Ausgrabungsstätten der Terrakotta-Armee ein. Definitiv ein weiteres Highlight unserer Rundreise. Die Terrakotta-Armee wurde 1974 zufällig entdeckt, als Bauern einen Brunnen graben wollten.

Die Terrakotta-Armee wurde gebaut, um Kaiser Qin Shihuangdi nach dem Leben weiter zu beschützen. Der Kaiser glaubte, dass die Statuen nach dem Leben selbst zum Leben erweckt werden können und dann die gleiche militärische Kraft sowie den imperialen Status haben, wie er zu Lebzeiten. Die Ausgrabungen waren in 3 Hallen untergebracht. Die erste Halle beherbergte mit über 6.000 Soldaten die meisten Terrakotta-Krieger. In der zweiten und dritten Halle waren die besterhaltenen Figuren separat ausgestellt. In der vierten Halle waren zwei Bronze-Reiterstatuen untergebracht, die etwas weiter oben auf dem Grabhügel gefunden wurden. Alle Figuren wurden individuell gestaltet. Die Gesichtszüge, Frisuren, Kleidung, einfach alles, wirkt äußerst lebendig und lassen Rang und Aufgabe erkennen. Fantastisch!

Wir kauften im Shop der Anlage zwei Miniaturfiguren aus dem Original-Terrakotta der echten Krieger mit entsprechendem Qualitätszertifikat. Die Souvenirgeschäfte und Straßenverkäufer bieten ebenfalls Figuren zu besonders günstigen Preisen an. Dabei handelt es sich um Fake-Artikel. Als Mitbringsel zum Verschenken aber durchaus geeignet.

Auch an unserem letzten Abend in Xian aßen wir wieder mit ein paar Leuten in einer kleinen Garküche. Dieses Mal probierten wir chinesische Pasta und waren rundum zufrieden. Die Nudeln waren frisch und selbstgemacht, die Soße mega-lecker mit frischen Kräutern. Die Besitzer freuten sich und wir konnten uns mittels Übersetzungs-App verständigen. Als wir bezahlt hatten, verabschiedete uns die Nudelfee auch noch persönlich. Was eine Freude! Im Schnitt zahlten wir für gutes typisch chinesisches Essen plus Getränk, meist ein kühles Bier (680 ml Flasche) 2,50 €.

7. Tag

Chengdu

Unsere Fahrt zum Bahnhof von Xian verzögerte sich etwas, da der Reisepass eines Gruppenmitglieds nicht auffindbar war und zunächst auch verschollen blieb. Diesen benötigten wir jedoch zum Einchecken am Bahnhof. Unser Busfahrer kämpfte sich geduldig durch die Rushhour von Xian, nichts für schwache Nerven. Dabei geht es weniger um Fairness als darum, der erste zu sein, der fährt. Sonst kommt man nicht voran. Da jeder chinesische Autofahrer das Prinzip beherrscht, ist es doch wieder fair – gleiches Recht für alle.

Um in den Bahnhof zu kommen benötigten wir ein personalisiertes Ticket inklusive Passnummer, welches Uwe für uns organisiert hatte. Vor Eintritt in die Bahnhofshalle wurde unser Gepäck gecheckt. Wir passierten nach Vorzeigen von Reisepass und Zugticket ebenfalls die Sicherheitskontrolle. Die Bahnhofshalle kann man sich wie einen Wartebereich am Flughafen vorstellen: ausreichend Sitzplätze, ein paar Geschäfte und Anzeigetafeln, auf denen die nächsten Züge angezeigt werden. In China darf man erst 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges und nach Vorzeigen seines Tickets zum Bahnsteig. Wenn der Zug kommt sollte die ganze Gruppe erstmal einsteigen. Im Zug suchten wir einen Platz für unser Gepäck, was recht abenteuerlich war. Umso mehr Koffer verstaut waren, desto mehr lichtete sich das Chaos. Nicht zuletzt deshalb, weil man auch selbst seinen Platz einnehmen konnte, wenn das Gepäck erstmal verstaut war. Pünktlich um 9.00 Uhr fuhren wir ab, die Klimaanlage funktionierte und wir brausten mit 250 km/h durch die Landschaft. Tatsächlich sahen wir weniger Landschaft, da wir auf der Strecke durch das Qingling-Gebirge die meiste Zeit durch Tunnel fuhren. Auf die Minute genau kamen wir mittags in Chengdu an. Chengdu ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan und hat ca. 14 Millionen Einwohner. Weltweit bekannt wurde die Stadt durch ihre Panda-Aufzuchtstation.

Wir wurden von unserem lokalen Guide empfangen, der ebenfalls Wu mit Nachnamen hieß. Vermutlich ist „Wu“ wie in Deutschland bspw. „Müller“. Uwe erklärte uns, dass sein Co-Reiseleiter für die Region Sichuan eine Art ABM-Maßnahme der Regierung sei. Mr. Wu 2 war nicht ganz so gut zu verstehen, aber unser Uwe begleitete uns ja auch weiterhin.

Jetzt waren wir erstmal auf das Mittagessen gespannt. Die Sichuan-Küche ist bekannt für ihre Schärfe. Das merkten wir schnell. Die Fischsuppe war gut scharf und auch alle anderen Speisen waren deutlich stärker gewürzt als bisher. Die chinesische Küche umfasst diverse Regionalküchen, die teilweise sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Auch nach der Reise hat mich die Sichuan-Küche am meisten überzeugt.

Chengdu empfing uns mit Nieselregen, der auch während unseres Bummels durch die schöne Altstadt anhielt, was nicht weiter schlimm war. Im Gegenteil, er passte irgendwie zur Atmosphäre. Die Altstadt bestand aus zwei kleinen Gässchen. Die Straße hieß „Kuanxiangzi Allee“. Wir stöberten durch die vielen kleinen und geschmackvollen Geschäfte, genossen einen gekühlten Eistee und erstanden das ein oder andere Souvenir. Überall gab es etwas zum Essen und natürlich auch einige Teehäuser. Außerdem ist Chengdu bekannt für seine Ohrenreiniger. Wer mutig genug war, konnte sich hier die Ohren vom Staub der Reise säubern lassen. Die Tradition ist einige hundert Jahre alt und gehört für Einheimische zum Savoir-Vivre. Wir trauten uns nicht, schauten uns aber aus sicherer Entfernung an, wie die langen, dünnen Nadeln mit den Watteaufsätzen mit geübten Griffen im Ohr des Kunden verschwanden. Mit einer Art Stimmgabel versetzte der Ohrenreiniger die Nadel dann in Schwingung. Vielleicht beim nächsten Mal.

Wir näherten uns allmählich einem weiteren Höhepunkt: dem Besuch der Panda-Aufzuchtstation. Von den 1.800 Pandabären weltweit leben etwa 80 % in der Gegend um Chengdu. Wenn sie nicht schlafen, futtern sie die meiste Zeit Bambus und bewegen sich eher träge und nur, wenn es unbedingt sein muss. Mit ihren von schwarzem Fell umrandeten Augen wirken sie immer ein wenig traurig. Neben vielen ruhenden Pandas hatten wir das besondere Glück, einen großen Bären in Aktion zu erleben: trotz seines hohen Gewichts sprang er mit einem Satz an einen Baumstamm, kletterte daran hoch und machte es sich in einer Astgabel gemütlich. Das hatte schon etwas Majestätisches. Im Shop am Ausgang des Parks gab es viele hübsche Panda-Souvenirs und viele von uns nahmen eine kleine Erinnerung an den Tag unserer Begegnung mit den friedlichen Gefährten mit nach Hause.

Mittlerweile war es schon 18.00 Uhr, Zeit fürs Hotel. Unsere beiden Guides boten uns an, uns zum chinesischen Hot Pot in ein traditionelles Restaurant zu begleiten. Wir freuten uns, denn für dieses spezielle chinesische Fondue ist die Region bekannt. Zu siebt trafen wir uns an der Rezeption für die Mission Feuertopf. Im Restaurant angekommen, konnten wir à 2 Personen pro Seite um die Feuerstelle herum Platz nehmen. Wu & Wu erklärten uns, wie wir die Marinade aus Sesamöl, Sojasoße, Essig, Knoblauch, Koriander und Frühlingszwiebeln anmischen müssen. In diese Marinade konnten Fleisch und Gemüse nach dem Garen eingetaucht werden. Dann bestellte er verschiedenes Gemüse von Kohlsorten bis hin zu Lotusblüten, unterschiedliche Fleischsorten wie Rind, Schwein, Lamm, Ziege sowie Fisch und Garnelen für uns. Als nächstes wurde die milde Brühe auf die Feuerstelle gebracht. In diesen Topf wurde ein kleinerer gestellt, der die scharfe Chili-Brühe enthielt. Natürlich samt ordentlich Chili-Schoten obenauf. Reis war wie immer als fester Bestandteil ebenso dabei. Gegessen wurde mit Stäbchen. Soweit startklar erhielten wir zum Spritzschutz noch Schürzen. Anders als beim deutschen Fondue gibt jeder das Fleisch und Gemüse für alle in die Brühe und alle bedienen sich an den fertigen Stücken. Ein tolles Erlebnis und ein unvergesslicher Abend in wirklich einheimischer Atmosphäre.

8. Tag

Chengdu

Trotz nur eines Besichtigungspunktes mussten wir zeitig aus den Federn. Abfahrt war um 08.00 Uhr. Nach einem leckeren Frühstück brachen wir auf ins 140 km entfernte Leshan in der Provinz Sichuan am südwestlichen Rand des Roten Beckens. Nach etwa 3 Stunden Fahrtzeit durch die überwiegend ländliche Gegend kamen wir in der Kleinstadt (für chinesische Verhältnisse) mit etwas über 3 Millionen Einwohnern an.

Am Zusammenfluss der drei Flüsse Min Jiang, Dadu und Qingyi befindet sich die größte Sehenswürdigkeit Leshans: der Große Buddha. Er wurde zwischen 713 und 803 durch buddhistische Mönche aus dem Felsen gehauen. Die sitzende Statue misst in der Höhe 71 Meter, die Schultern haben eine Breite von 28 Meter, was den Leshan-Buddha zum weltgrößten Buddha aus Stein macht. Allein sein Kopf hat eine Höhe von 15 Meter und eine Breite von 10 Meter; die Ohren sind 7 Meter lang und der große Zeh bietet einer Fußballmannschaft Platz. Die Buddah-Figur wurde errichtet, um die Strudel des Flusses Dadu, der hier in den Min mündet, zu bändigen. Als der chinesische Mönch Haitong die Finanzierung seines Projektes gefährdet sah, soll er sich als Zeichen seiner Frömmigkeit und Aufrichtigkeit seine Augen herausgerissen haben. Seine Schüler vollendeten sein Werk 90 Jahre später.

Man kann entweder auf einer Bootsfahrt an der Statue vorbeifahren oder sie zu Fuß von Kopf bis Fuß und zurück einmal „begehen“. Unsere Gruppe wählte die sportliche Variante. So stiegen wir erst einmal 300 Stufen den Berg hoch zur Klosteranlage, in der sich der Startpunkt des Rundweges befand. Der Abstieg über die Treppe war ziemlich schmal und steil, aber gut gesichert. Bei moderaten Temperaturen um die 25 Grad machte sich sogar unser ältester Mitreisender auf den Weg. Wir konnten immer wieder kurz anhalten, um uns auszuruhen oder zu fotografieren. Unten angekommen staunten wir nicht schlecht über die gigantischen Ausmaße der Skulptur. Sie war einfach riesig und übertraf Ramses II in Abu Simbel um ein Vielfaches. Nach dem Aufstieg sahen wir uns die Klosteranlage an, die mit ihren vielen goldenen Figuren, Räucherstäbchen und Kerzen sehr schön war. Auch einige Mönche begegneten uns. Vor der Rückfahrt zum Hotel aßen wir zu Mittag – scharf gewürzt wie es in der Sichuan Küche üblich ist.

Am Abend wollten einige vom lokalen Reiseleiter vorgeschlagene Sichuan-Oper in einem Teehaus besuchen. Ihre einzigartige Tradition sind die sogenannten „Gesichtsveränderer“. Sie beherrschen die Fähigkeit, ihre farbenfrohen Gesichtsmasken in Sekundenschnelle auf magische Weise zu wechseln. Uns hatte es gestern in der Altstadt so gut gefallen, dass wir gerne nochmal zu den kleinen Gässchen zurückwollten. Wir hatten das Schild am Vortag zwar abfotografiert, Uwe schrieb es uns für den Taxifahrer trotzdem nochmal auf – sicher ist sicher. Zu viert gelang es uns schnell, ein Taxi heranzuwinken. Wir übergaben dem Fahrer unser Reiseziel und die abenteuerliche Fahrt durch die vollen Straßen von Chengdu begann. Nach etwa einer halben Stunde, ca. 10 km, kamen wir genau dort an, wo wir hinwollten. Die Fahrt kostete für uns vier gerade einmal 20 Yuan, umgerechnet weniger als 3 €.

Die beiden Gassen waren im Dunklen mit den vielen Lichtern noch schöner als am Tag. An den leichten, für die Region typischen Nieselregen, hatten wir uns schon gewöhnt. Er tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Ganz gemütlich bummelten wir durch die kleinen Läden, auf der Suche nach ein paar schönen Souvenirs. Der für seine Schärfe bekannte grüne und rote Sichuan-Pfeffer durfte da natürlich nicht fehlen. Während der weibliche Teil auf der Suche nach Postkarten in einem Geschäft verschwunden war, konnten wir Männer auf der gegenüberliegenden Seite eine originale Teezeremonie beobachten. Ein Alltag ohne Tee ist in China undenkbar. Tee hat hier eine Jahrhunderte alte Tradition. Entsprechend wird seine richtige Zubereitung zelebriert - unbeschreiblich, mit wie viel Geschick und Anmut. Wir hatten Glück und durften eine Tasse probieren. Köstlich! Natürlich naschten wir auch hier und da von den chinesischen Leckereien der zahlreichen Imbisse. Zum Abschluss dieses schönen Ausflugs stießen wir in einem modernen Teehaus darauf an. Am späten Abend ergatterten wir erneut problemlos ein Taxi. Die Straßen waren jetzt schon deutlich leerer und die Rückfahrt verlief zügig. Wir sagten tschüss Chengdu, tschüss Stadt der Pandas.

9. Tag

Chongqing

Wir hatten ausreichend Zeit für die Fahrt zum Bahnhof einkalkuliert. Unser Schnellzug nach Chongqing raste 300 km/h über die Schienen. Unterwegs gab es nur einen kurzen Halt. Chongqing, der Startpunkt unserer Yangtze Flusskreuzfahrt, ist eine weitläufige Stadt am Zusammenfluss von Jangtzekiang (kurz Yangtze) und Jialing im Südwesten Chinas. Sie ist so groß wie Österreich und beherbergt die Bevölkerung von vier europäischen Ländern. In China ist die Stadt auch als Stadt ohne Fahrräder bekannt. Chongqing ist sehr hügelig und das Radfahren deshalb anstrengend. Unser Gepäck wurde vom Bahnhof aus direkt zu unserem Kreuzfahrtschiff gebracht während wir in die Stadt fuhren.

Bei strahlend blauem Himmel und 32 Grad besuchten wir zuerst die Große Volkshalle, die zwischen 1951 - 1954 erbaut wurde. Sie zählt mit ihrem riesigen Dom, dessen Vorbild der Himmelstempel von Peking ist, zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Chongqing. Der 55 Meter hohe Dom bietet mit 4.000 Sitzplätzen reichlich Platz für Konzerte und Theater. In der Nähe befindet sich das Dreischluchten-Museum. Es präsentiert seit 2005 Artefakte, die vor den Fluten des entstehenden Stausees hinter dem Dreischluchten-Damm gerettet wurden. Wir hatten genügend Zeit und wer wollte, konnte das Museum besuchen. Die meisten folgten unserem Guide, der uns mitnahm zu einer typischen Markthalle in China. Die Gerüche waren gewöhnungsbedürftig, aber wir bekamen einen interessanten Einblick, was in China so alles verzehrt wird. Über die Hygiene solcher Orte muss wohl nichts gesagt werden. Ein Hygienekontrolleur aus Deutschland hätte in dieser Markthalle viel Spaß.

Im Anschluss fuhren wir in die Innenstadt von Chongqing, wo wir 2 Stunden Freizeit hatten. Manche gingen shoppen, andere schlenderten einfach durch die Stadt oder tranken einen Kaffee. Wir sahen uns nach einem hohen Gebäude um, von dem aus man die Stadt von oben sehen konnte. Der WFC Hui Xian Lou-Tower war mit 339 Meter und 74 Etagen genau das Richtige für unseren Plan. Es dauerte ein wenig bis wir den Ticketschalter im Erdgeschoss gefunden hatten. Für 88 Yuan pro Person (ca. 13 €) ging es hoch hinaus - und ist absolut empfehlenswert. Es war kaum Betrieb und wir hatten die Plattform fast für uns alleine. Bei strahlend blauem Himmel war die Aussicht fantastisch. Wir kamen aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus. Weit über den Dächern Chongqings genossen wir den tollen Blick bei einem Cappuccino oder Milchshake zu fairen Preisen.

Nach dem Abendessen in der Nähe des Großen Theaters von Chongqing wurden wir zu unserem Kreuzfahrtschiff gebracht. Unsere Kabine war sehr groß und gemütlich eingerichtet. Wir hatten sogar einen Außenbalkon. Dort relaxten wir ein wenig, bevor wir es uns auf dem Sonnendeck bei zunehmender Dunkelheit bequem machten. Der Tag ging und nach und nach erreichte das bunte Lichtermeer von Chongqing sein ganzes Ausmaß. Es war wie immer faszinierend, das Lichterspektakel der vielen beleuchteten Gebäude zu betrachten. Um 21.15 Uhr lief unser Schiff aus und wir konnten den Anblick der Stadt aus der Wasserperspektive genießen. Einfach alles war angestrahlt: die hohen Gebäude, die Brücken, die Seilbahn, die von einem zum anderen Ufer führte. Ein besonders schönes Lichterspiel bot uns das Große Theater, das wie ein umgekehrtes Schiff aussah. Langsam fuhr unser Schiff aus diesem Lichtermeer heraus in die Nacht und Chongqing verschwand am Horizont.

10. Tag

Yangtze Flusskreuzfahrt (Fengdu - Shibaozhai)

Als wir heute Morgen aufwachten lagen wir schon vor Fengdu, einer kleinen Kreisstadt von Chongqing und 170 km vom Zentrum entfernt. Das alte Stadtgebiet von Fengdu wurde um 2007 durch die Aufstauung des Yangtze vollständig überflutet. Seine etwa 100.000 Bewohner wurden in neu gebaute, höher gelegene Dörfer umgesiedelt. Den Namen Stadt der Geister erhielt Fengdu wegen der daoistischen und buddhistischen Tempelanlagen, die dort in der Han-Dynastie erstmals entstanden. Es gibt insgesamt 75 Buddha- und daoistische Tempel in der Stadt. Wir schauten vom Schiff aus auf den Hügel von Ming Shan, auf dem auf der linken Hälfte eine Tempelanlage zu sehen war (erreichbar über 500 Stufen). Auf der rechten Hälfte war ein alter Friedhof angelegt. Uwe sagte uns schon gestern, dass er uns diesen Ausflug nicht empfiehlt, weil er eher für die Einheimischen gedacht war.

Wir verbrachten den Vormittag auf dem Schiff, wo wir uns einen Vortrag über Akupunktur anhörten und ein bisschen Wissenswertes über die chinesische Innenglasmalerei lernten. Nachdem die chinesischen Gäste vom Ausflug zurück waren, fuhren wir ca. 70 km weiter flussabwärts zu unserem heutigen Ausflugsziel Shibaozhai. Wir genossen die vorbeiziehende Landschaft am Yangtze. Nach all‘ den Städten, Hochhäusern und meist vielen Menschen war es sehr schön, jetzt ganz entspannt einmal nur die Landschaft zu betrachten. Und bei um die 30 Grad war ein bisschen Fahrtwind herrlich angenehm. Am frühen Nachmittag gab uns Mr. Wu einen Einblick in die Entstehung und Weiterentwicklung der chinesischen Sprache und ihren Schriftzeichen. Von den insgesamt etwa 80.000 Zeichen sollte ein normal gebildeter Chinese 3.000 – 5.000 kennen, um sich gut zu verständigen. Wie beruhigend, wo doch in China kaum jemand englisch sprach.

Um 15.30 Uhr legten wir an und gingen gleich von Bord. Wir bekamen, wie es bei Kreuzfahrten üblich ist, eine Ausgangskarte, damit später beim Ablegen sichergestellt war, dass alle Passagiere wieder an Bord waren. Shibaozhai oder die „Steinschatzfestung“ ist eine gigantische rote Pagode, die am südlichen Ufer des Yangtze liegt. Die Anlage entstand 1650 in der Qing Dynastie und besteht aus drei Teilen: dem Eingangstor, der Pagode mit 12 Stockwerken und dem Tempel auf dem Berggipfel. Seinen Namen bekam die festungsähnliche Anlage auf Grund einer alten Sage. So soll einst aus einem Spalt im Felsen beständig Reis (der Schatz) geflossen sein, von dem sich die dort lebenden Menschen ernähren konnten. Als man gierig die Öffnung im Felsen vergrößerte, versiegte die Quelle. Shibaozhai wurde an diesem Ort errichtet. Wir erreichten die Steinschatzfestung nach einem kleinen Spaziergang bergauf durch ein kleines, verlassenes Dorf. Die Tempelanlage liegt auf einer kleinen Insel, wo sie geschützt ist, wenn der Wasserspiegel im Winter um 25 Meter steigt. Obwohl aktuell Niedrigwasser war, erreichten wir die Anlage über eine sehr abenteuerliche, aus Holz und Stahldrähten bestehende Hängebrücke – eine sehr wackelige Angelegenheit. Anschließend erklommen wir die 99 Stufen (52 Meter) durch eine an der Felswand gebauten Pagode hinauf zur Tempelanlage, in der der Jadekaiser mit seinen sieben Töchtern und seiner Frau residierte. Die Skulpturen waren bunt bemalt und nicht aus Gold. Am Ausgang des Tempels saß ein kleiner Mann vor einem leeren Loch – zur Erinnerung an die Sage. Mit der Errichtung des Drei-Schluchten-Dammes wäre nur noch der Teil über der Spitze des roten Pavillons sichtbar gewesen. Mit Hilfe eines Kofferdamms wurden Pagode und Tempelanlage geschützt. Der Rückweg zum Schiff führte durch die Souvenir-Straße des Dorfes, wo ich mir ein Mahjong-Spiel kaufte. Handeln gehört auch in China zum guten Ton. So setzte der Verkäufer bei 260 Yuan (ca. 33 €) an und wir einigten uns auf 70 Yuan (ca. 9 €).

Zurück an Bord erholten wir uns bei einer kalten Cola an der Reling und schauten zu, wie die letzten Passagiere zum Schiff zurückkamen. Um 18.30 Uhr sollte es weitergehen. Etwa 20 Minuten vor 19 Uhr entdeckten wir einen älteren Mann zügigen Schrittes den Weg zum Schiff herunter. Er kam uns sehr bekannt vor und der Kamera-Zoom bestätigte, dass es unser ältestes Gruppenmitglied samt einiger Andenken war.

Zum heutigen Dinner begrüßte der Kapitän am Eingang des Speisesaals jeden Gast persönlich. Wer wollte, durfte sich natürlich auch mit ihm fotografieren lassen. Seine Begrüßungsrede wurde auf Englisch und Deutsch übersetzt. Nach dem Essen konnte in der großen Schiffsbar beim volkstümlichen Abend getanzt und gesungen werden. Bevor wir schlafen gingen machten wir noch einen Abstecher aufs Sonnendeck, wo gerade wieder eine Stadt mit vielen bunten Lichter an uns vorbeizog.

11. Tag

Yangtze Flusskreuzfahrt (Qutang- & Wu-Schlucht - Shennong Fluss)

Am Morgen wurden wir mit Musik sanft geweckt. Ich war schon früher aufgestanden und genoss den schönen Sonnenaufgang über dem Yangtze auf unserem Balkon. Nach dem Frühstück hörten wir uns einen auf Deutsch gehaltenen Vortrag über den Drei-Schluchten-Staudamm an. Er ist einer der größten Staudämme der Welt, auf jeden Fall der größte Strom produzierende Staudamm. Er produziert so viel Strom wie etwa 16 Atomkraftwerke. Heute war Schluchtentag: die Drei-Schluchten-Region ist eine Anreihung von Durchbruchstälern entlang des Yangtze mit einer Gesamtlänge von 193 km. Die drei Schluchten sind hauptsächlich für ihren landschaftlichen Charakter bekannt. Die Qutang-, die Wu- und die Xiling-Schlucht bilden von Westen nach Osten das Drei-Schluchten-System. Um 11.30 Uhr fuhren wir in die erste Schlucht ein. Die Qutang-Schlucht ist mit 8 km die kürzeste und zugleich schmalste der drei Schluchten. Ihre breiteste Stelle misst nur 150 Meter. Die Berge zu beiden Seiten sind bis zu 1.200 Meter hoch. Die Qutang-Schlucht wird oft als die schönste der drei Schluchten bezeichnet und ist auch auf dem 10 Yuan Schein abgebildet. Viele nutzten die Gelegenheit, mit sich und dem 10-Yuan-Schein ein Selfie zu machen.

Die Fahrtstrecke zur zweiten Schlucht dauerte etwa 1 Stunde, in der taktisch klug das Mittagessen serviert wurde. Perfektes Timing! Die Wu-Schlucht hat eine Länge von 44 km. Der Legende nach bezwangen dort die Göttin Yao Ji und ihre elf Schwestern einige Flussdrachen und erstarrten dann selbst zu Bergen. Ihren Standort wählten sie so aus, dass sie die Schiffe sicher flussabwärts geleiten konnten. Uwe machte uns auf ein kleines Highlight in der Landschaft aufmerksam: eine kleine, einer Frau ähnelnde Felsformation, die er liebevoll als chinesische Loreley bezeichnete. Gut, ein bisschen Fantasie war definitiv von Nöten. Die Fahrt durch die Wu-Schlucht dauerte etwa 2 Stunden. Mr. Wu stand mit uns am Bug und erklärte uns auch alle weiteren Sehenswürdigkeiten, u. a. wo sich in der Schlucht Yoa Ji, die Göttin der Schiffsfahrer, niedergelassen hatte.

Um 15.30 Uhr legten wir an für unseren Ausflug zum Shennong-Fluss und stiegen in ein kleineres Boot um, mit dem wir weiter flussaufwärts fuhren. Der Shennong entspringt im Waldgebiet Shennongjia, ist 60 km lang und mündet beim Dorf Xirangkou in den Yangtze. Da der Fluss an einigen Stellen sehr seicht ist, ziehen die Männer die traditionellen Boote vom Ufer aus in alter Tradition mit Seilen weiter. Im Fachjargon nennt man diese Technik „treideln“. Am Shennong lebt das Volk der Tujia, einer chinesischen Minderheit. Der Shennong-Fluss schlängelt sich durch die Longxia-Schlucht. Hoch über dem Wasser sieht man viele Höhlen, vor denen aus Baumstämmen geschnitzte Särge hängen. Das Volk der Ba, das vor 2.000 Jahren seine Verstorbenen so beigesetzt hatte wollte, dass diese dem Himmel so nah wie möglich sind. Bis heute ist nicht geklärt, wie die Menschen es geschafft haben, die schweren Särge in diese Höhe zu bringen. Während der Fahrt erklärte unser lokaler Guide uns dies‘ alles auf Englisch und Uwe übersetzte für uns. Wir sahen einen hängenden Sarg, eine Steinformation, die aussah wie ein Elefant und den Eingang einer Höhle. Nach ca. 45 Minuten stiegen wir in die traditionellen Boote à 16 Personen pro Boot um. Einheimische Ruderer brachten uns bis zu einem Wendepunkt und demonstrierten mit Bambus-Seilen das Treideln. Auf der Rückfahrt sang unser Guide ein einheimisches Liebeslied. Wer wollte konnte ein kleines Buch über die Tujia, ihre Tradition und die Landschaft oder eine Musik-DVD erwerben und mit dem Kauf die Einheimischen unterstützen. Wir stiegen wieder auf das etwas größere Boot um, mit dem wir zu unserem Schiff zurückfuhren. Denjenigen, die den hängenden Sarg mit der Kamera nicht erwischt hatten, übertrug unser lokaler Guide Jenny ihre Aufnahmen via Bluetooth.

Auch heute Abend begrüßte uns der Kapitän zum Essen. Same procedure as yesterday - heute nur mit Abschieds- statt Begrüßungsrede. Im Übrigen war heute Freitag, der 13., noch dazu Vollmond und der Tag des chinesischen Mondfestes. Das Fest wird auch Mittherbstfest genannt und in Asien immer am 15. Tag des achten Monats gemäß dem traditionellen chinesischen Mondkalender gefeiert. Im Altertum brachten die Kaiser im Frühling der Sonne und im Herbst dem Mond ihre Opfer dar. Zur Feier des Tages gab es zum Nachtisch den traditionellen Mondkuchen. Ursprünglich Opfergabe, wird er auch heutzutage nie für den Eigenbedarf hergestellt. Die Chinesen verschenken ihn am Mondfest an Verwandte, Freunde, Nachbarn und Angestellte. Die Füllung kann salzig oder süß sein. Jede Bäckerei hat ihr eigenes Rezept.

Als wir nach dem Essen an dem kleinen Teeladen vorbei kamen fand dort gerade ein Vortrag mit Verköstigung statt. Besonders interessant fanden wir die unterschiedliche Wirkungsweise von frischem grünem Tee und 11 Jahre altem fermentierten Tee, der durchaus als Kapitalanlage taugt. Denn je älter er wird, desto besser wird seine Qualität und mit der Qualität steigt sein Preis. Nach diesem Schlummertrunk gingen wir ins Bett, denn morgen früh um 7.00 Uhr mussten wir unser Schiff verlassen.

12. Tag

Drei-Schluchten-Staudamm - Yichang - Hangzhou

Unser Koffer musste gepackt vor der Tür stehen, bevor wir zum Frühstück gingen. Alles war sehr gut durchorganisiert. Deshalb an der Stelle ein großes Lob an die vielen Chinesen, die uns unseren Aufenthalt in China so angenehm wie möglich machten. Unsere Pässe hatten wir ebenfalls zurück, sodass der weiteren Reise nichts im Wege stand. Einer der größten Staudämme der Welt wartete schließlich schon auf unseren Besuch. Nach 45 Minuten und einigen Sicherheitskontrollen erreichten wir die gigantische Anlage. Der Drei-Schluchten-Staudamm ist das größte Infrastrukturprojekt Chinas. Der Yangtze, der weltweit drittlängste Fluss, wird auf 660 km Länge zu einem Stausee aufgestaut - zum Schutz vor Hochwasser, zum Befahren für große Schiffe und zur Produktion von Strom. Die Staumauer ist 185 Meter hoch und 2.309 Meter lang. Insgesamt mussten mehr als 1,2 Millionen Menschen für diesen Bau ihre Heimat verlassen. Für die Schifffahrt wurde eine Doppel-Schleusenanlage errichtet, die aus 2 parallelen 5-stufigen Schleusentreppen besteht. Wenn man die Ein- und Ausfahrtstrecken mitrechnet, ist die Schleusenanlage über 6.400 Meter lang. Wo Licht ist, ist auch Schatten. So ist das Projekt in China umstritten. Der Drei-Schluchten-Staudamm liegt mitten in der Xiling-Schlucht, der dritten und damit letzten der drei Schluchten. Sie hat eine Länge von 66 km und ist die östlichste Schlucht zwischen Xiangxi und Yichang. An der engsten Stelle war sie 80 Meter breit.

Die Fahrt zum Mittagessen in Yichang führte an der Schlucht vorbei und wir konnten noch einige Blicke auf sie werfen. Den Rest des Tages verbrachten wir im Zug nach Hangzhou. Sie dauerte etwa 8 Stunden, war aber trotzdem sehr kurzweilig. Unsere Gruppe war inzwischen ein eingespieltes Team, das sich gut verstand. Uwe versorgte uns erneut mit Kaffee und landestypischen Leckereien. Er achtete gut auf uns, damit niemand verloren ging. Während der Zugfahrt wurde regelmäßig der Boden gewischt, der Müll eingesammelt und Getränke, Snacks und Süßigkeiten zum Kauf angeboten. Der Zug fuhr so ruhig, dass wir eine Münze hinstellen konnten, die sich nicht bewegte. Zug fahren in China macht wirklich Spaß. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch und in den Bahnhöfen und an den Gleisen ist es sehr sauber. Und obendrein sind die Züge pünktlich. Davon könnte sich unsere Deutsche Bahn viel abschauen. Vielleicht klappt es dann auch bei uns mit der Pünktlichkeit.

Nachdem wir um Punkt 20.07 Uhr in Hangzhou aus dem Zug stiegen, erreichten wir unser Hotel gegen 21.00 Uhr. Für den kleinen Hunger fanden wir in der Nähe eine kleine familiäre Garküche. Das Essen war gewohnt gut und alle waren zu uns Langnasen sehr freundlich. Auch im Umgang mit den Stäbchen wurden wir immer geübter, fast schon echte Profis.

13. Tag

Hangzhou

Endlich mal ausschlafen! Unsere Abfahrt war für 08.30 Uhr festgelegt - hurrah. Hangzhou liegt etwa 190 km süd-südwestlich von Shanghai. Mit rund 9 Millionen Einwohnern ist die Stadt Sitz großer Unternehmen wie Alibaba, dem chinesischen Amazon. Außerdem beginnt in Hangzhou der Kaiserkanal, der eine wichtige Verbindung in den Norden Chinas ist.

Unsere erste Station war der Park der gelben Drachenhöhle, ein toll angelegter Garten, in dem man seltene Bambussorten, z. B. viereckigen Bambus, findet. Einer Legende nach war an diesem Ort früher ein taoistisches Kloster. In einem sehr heißen Sommer soll es für die Mönche nicht genügend Trinkwasser gegeben haben. In der Nacht hörten sie großen Lärm. Am nächsten Tag sahen Sie einen Drachenkopf aus Stein, der Trinkwasser spuckte. Es war über Nacht eine Quelle entstanden. Heute hat man der Quelle einen gelben Drachenkopf aufgesetzt und kann den Drachen noch immer Wasser speien sehen. Außer uns waren nur wenige andere Touristen im Drachenpark. Überall sahen wir Gruppen von Einheimischen: beim Tee trinken, beim Mahjong spielen, beim Tanzen, beim Tai-Chi, beim Singen. Es ist schön zu sehen, wie sie ihre Zeit an diesem verwunschenen Fleckchen mit ungezwungener Geselligkeit verbringen. Jeder ist willkommen, jeder kann mitmachen. Die Tempelanlage ist auch ein Ort für Verliebte, die ihre Zweisamkeit in der Anlage genießen möchten. In Hangzhou gibt es zwei überlieferte Liebesgeschichten. Eine der beiden erzählte uns Uwe im Lauf des Tages. In der Geschichte ging es um eine Schlange, die sich in eine Frau verwandelt hat, und einen Apotheker. Die beiden lernten sich an einem regnerischen Tag auf einer Brücke am Westsee kennen.

Der Westsee war heute unsere zweite Station. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Huagang-Park kamen wir an einen großen See mitten in der Stadt, der Westsee. Um die Entstehung des Westsees gibt es viele Mythen. Eine besagt, dass sich ein Phoenix und ein Drache um eine wertvolle Perle stritten. Als diese im Streit herunterfiel entstand der Westsee. Tatsächlich war seine Entstehung deutlich weniger romantisch: Er wurde im 8. Jahrhundert während der Tang-Dynastie ausgehoben und durch das Wasser des naheliegenden Qiantang–Flusses gespeist. Der sandige Boden wurde damals per Hand durchschnittlich 1,5 Meter tief ausgegraben. Was für eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass der Westsee 650 ha groß ist. Wir genossen für 45 Minuten das Schaukeln unseres Bootes auf dem See, auf dem viele weitere kleine Boote und Bötchen unterwegs waren. Im Hintergrund des Sees sahen wir die Hochhäuser der Stadt. Im See gab es viele kleine Inseln, das Ufer war von Lotus umsäumt. In weiter Ferne machten wir die Lei-Feng Pagode aus.

Nächster Programmpunkt war die Altstadt He Fang Jie. Die Straße mit vielen alten Gebäuden ist eine touristische Einkaufsmeile mit vielen Essensmöglichkeiten und einem Haufen Souvenirs. Wir hatten genügend Zeit zum Shoppen. Vorher besuchten wir mit Uwe eine sehr alte chinesische Apotheke. Das 1874 errichtete Gebäude beherbergt noch heute eine Apotheke für traditionelle chinesische Arzneimittel. Es ist ein architektonisches Beispiel für ein großes Handelshaus der ausgehenden Qing-Dynastie. Von außen ist die Hu-Qingyu-Apotheke sehr unscheinbar, im Innenraum aber umso interessanter. Man konnte viele Kräuter und Heilmittel bestaunen. Besonders war eine Wurmart, von der 1 g etwa 100 € kostete. Viele haben sich in der alten Apotheke mit Tigerbalsam und China Öl eingedeckt. Nebenbei ließen wir die einzigartige Atmosphäre auf uns wirken.

Zum Mittagessen fuhren wir in das kleine Dorf „Meijia wu“ im neun Bäche Tal, wo es den berühmten „Drachenbrunnentee“ gibt. Sogar die englische Queen Elisabeth II besuchte das Dorf in jungen Jahren. Wir erhielten eine Einführung in die Teeherstellung und durften die Tee-Spezialität währenddessen auch probieren. Mein Geschmack war es nicht. Einige nahmen sich eine Dose des berühmten Tees mit. Im Shop gab es außerdem vielerlei Leckereien mit Tee. Landschaftlich war die Gegend mit ihren Teeplantagen schön und wir freuten uns, dem Trubel mal ein wenig zu entkommen.

Damit wir in Shanghei mehr Zeit hatten, zog Mr. Wu einen für morgen früh geplanten Stop vor: die Pagode der 6 Harmonien oder Liuhe-Pagode. Sie liegt am Nordufer des Qiantang-Flusses und wurde 970 von König Qian Hongchu errichtet. Nach ihrer Zerstörung in der Fang-La-Rebellion 1121 wurde sie in der Zeit der südlichen Song-Dynastie wieder aufgebaut. Die achteckige Pagode ist 60 Meter hoch und hat 13 Stockwerke. Mit den 6 Harmonien sind die 6 Gebote in der buddhistischen Lehre gemeint: Harmonie des Körpers, des Mundes, des Denkens, der Enthaltsamkeit, der Sinne und des Wohlstandes. Einige sind noch nach oben gegangen, um von dort einen tollen Blick auf den Fluss Quiantang zu genießen.

Zurück im Hotel verabredeten wir uns für 19.00 Uhr und fuhren mit dem Taxi ins Zentrum. Dort hatten wir Glück und konnten uns an einem Brunnen das mit faszinierenden Lichteffekten illuminierte Wasserspiel ansehen. Zusätzlich war das Schauspiel mit klassischer Musik untermalt, darunter viele europäische Melodien. Immer wieder schossen Wasserfontänen im Takt der Musik mehr oder weniger hoch, einzeln oder zusammen, in den Himmel. Wie so oft kam das Beste zum Schluss: begleitet von der Europa-Hymne „Ode an die Freude“ endete das Spektakel.

Wir ließen den Abend in einer gemütlichen, guten und günstigen Garküche ausklingen. Mit dem Bestellen auf Chinesisch klappte es immer noch nicht, aber in China gab es immer jemanden, der weiterhalf. Dafür ein herzliches „Xièxiè“ (Danke) an die liebenswerten Menschen in China. Gestärkt entschlossen wir uns zu einem Verdauungsspaziergang und gingen zu Fuß zum Hotel zurück. Auch in Hangzhou schien es so, als würden die Chinesen nie schlafen. Straßen und Geschäfte waren auch gegen 22.00 Uhr noch immer belebt. Und immer gab es einen kleinen Supermarkt, der noch geöffnet hatte. Sei es für ein Gute-Nacht-Bier oder ein Eis.

14. Tag

Shanghai

Dank der kleinen Programmänderung gestern mussten wir auch heute erst um 09.00 Uhr los. Also nochmal länger schlafen und gemütlich frühstücken. Auch mal schön. Bis Shanghai waren es nur 140 km. Dennoch brauchten wir etwa 4 Stunden – natürlich mit Pausen. Unser erster Stop nach Ankunft in Shanghai war der Volksplatz am Museum, dass wir heute eigentlich besuchen wollten. Da aber montags alle Museen geschlossen sind, disponierte Uwe um. So aßen wir erstmal zu Mittag. Da unser Restaurant noch nicht ganz startklar war hatten wir ein wenig Zeit, uns in der Einkaufspassage umzuschauen. Verrückt, was es hier alles gab: einen Wellness-Salon für Tiere, etliche Automaten mit Stofftieren, die man mit einem Greifarm und viel Glück herausangeln konnte, Karaoke-Automaten und große Flächen mit den unterschiedlichsten Computerspielen. Die Lokale und das Essen sind auf große Gruppen ausgelegt und häufig sehr touristisch. Heute war leider sowohl das Restaurant, als auch das Essen, alles andere als gut. Die inkludierten Mahlzeiten fanden meistens mittags statt. Dafür konnten wir abends selbst wählen und wurden bisher nicht enttäuscht. Ein guter Ausgleich also.

Nach dem Mittagessen fuhren wir erstmal zum Bund, wie die 2,6 km lange Uferpromenade mit Blick auf die Skyline von Shanghai bezeichnet wird. Entstanden ist der internationale Begriff „The Bund“ ursprünglich aus dem Persischen Hindustani-Wort „band“. In Indien meinte man damit allgemein künstliche Aufschüttungen wie Dämme; in Chinas englischen Vertragshäfen Kais. Der Bund liegt am westlichen Ufer des Huangpu-Flusses. Auf der Seite von Huangpu stehen viele historische europäische Kolonialbauten. In den Gebäuden sind heute überwiegend Banken, Versicherungen und Konsulate untergebracht. In früheren Zeiten waren es Unternehmen aus Großbritannien, Frankreich, den USA, Russland, dem Deutschen Reich und Japan. Gegenüber dem Bund befindet sich die Sonderwirtschaftszone Pudong. Das Areal war sehr dünn besiedelt, bis sich dort ab 1990 eine atemberaubende, weltweit bekannte Skyline entwickelte. Auf 1.200 km² leben inzwischen 2,6 Millionen Menschen. Zu den ersten Gebäuden gehörte auch der Fernsehturm „Oriental Pearl Tower“, der 1995 fertig gestellt wurde. Noch heute fügt er sich bestens zwischen all‘ den modernen Wolkenkratzern ein und macht die Skyline zu einer einzigartigen Kulisse. Mit 468 Meter Höhe ist er der dritthöchste Fernsehturm in Asien und der fünfthöchste der Welt. Um ihn herum befinden sich der „Jin Mao Tower“ (420 Meter), das „World Financial Center“ (492 Meter) und der „Shanghai Tower“ (632 Meter), das zweithöchste Gebäude der Welt. Natürlich waren die alten Kolonialbauten als Zeitzeugen der Geschichte beeindruckend, dennoch übertraf die Skyline alles. Ein absolutes Highlight auf unserer Rundreise. Unser erster Ausflug hierher von knapp 1,5 Stunden diente einem ersten Überblick. Wir konnten uns alle nicht satt sehen und Uwe musste uns loseisen, schließlich hatten wir heute noch mehr vor.

Zum Beispiel Bummeln auf der berühmten Nanjing Straße, einer der größten Einkaufsstraßen der Welt. Ihr östlicher Teil mit Geschäften, Restaurants und Cafés sowie riesigen Leuchtreklamen liegt im Stadtbezirk Huangpu und reicht vom Bund bis zum Volksplatz. Ihr westlicher Teil mit überwiegend teuren Luxuskaufhäusern beginnt am Volksplatz und geht bis zum Stadtbezirk Jing’an, wo unser Hotel lag. Insgesamt hatten wir 2 Stunden Freizeit, in der wir uns das bunte Treiben ansahen. Imposant war unter anderem der riesige Lego-Store, in dem der Fernsehturm über 3 Etagen aus 540.836 Legoteilen nachgebaut war. Wahnsinn! Und nur ein kleiner Einblick in die Dimensionen Shanghais. Auch interessant war die Fassade eines Gebäudes, an der ein übergroßes altmodisches Thermometer hing. Preislich war es ähnlich wie in Deutschland, teilweise auch teurer.

Nach diesem Einkaufsspaß, vor allem für unsere Frauen, die in der Gruppe auch in der Mehrheit waren, fuhren wir erstmal ins Hotel. Auch in Shanghai bot Uwe uns für den Abend eine Lichterfahrt an (20 € pro Person) und alle waren mit von der Partie. Zum Ausruhen war keine Zeit, da es bereits dunkel wurde. So huschten wir nach dem Check-In nur schnell ins Zimmer, machten uns fix frisch und die Nacht in Shanghai konnte kommen. Auf der Fahrt Richtung Zentrum beobachteten wir, wie nach und nach die Lichter erstrahlten. Das Spektakel in Form der Stromrechnung zahlt die Regierung. Es geht immerhin darum, mit New York, Tokio und Hongkong mitzuhalten. Als wir im Stadtteil Pudong aus dem Tunnel herausfuhren, standen wir mit unserem Bus in der Mitte von „Jin Mao Tower“, „World Financial Center“ und „Shanghai Tower“. Mr. Wu überraschte uns damit, dass genügend Zeit eingeplant war, um auf einen der Tower hochzufahren. Seine Empfehlung war der kleinere Jin Mao Tower (ca. 10 €), für den sich die meisten entschieden. Wir wollten gerne auf den höheren Shanghai Tower (ca. 20 €). Ohne langes Anstehen erreichten wir zügig den Aufzug und schossen mit 18 Meter/Sek hoch hinaus. Die Aussicht war grandios: Shanghais Lichtermeer lag unter uns soweit das Auge reichte. Auf der gesamten Plattform herrschte ein ziemliches Gewusel von Menschen. Für das ein oder andere Foto brauchte es dann eben auch ein bisschen Geduld. Obwohl der Jin Mao Tower nur 200 Meter niedriger ist, sah er von hier oben klein aus. Mehr auf Augenhöhe lag der Flaschenöffner, der seinen Namen einer Öffnung in den obersten Stockwerken verdankt, die ihn eben aussehen lässt wie einen Flaschenöffner. Chinas neuester Bau ist zurzeit ein Wolkenkratzer, der über 1.200 Meter hoch werden soll. Ein weiteres Beispiel für die höher-größer-weiter-Mentalität. Die Zeit verging natürlich viel zu schnell – wie immer, wenn etwas so fantastisch ist.

Als nächstes besuchten wir im Stadtteil Huangpu noch einmal die Nanjing Straße, die wir am Nachmittag bei Tageslicht erkundet hatten. Jetzt, wo von überall her die Leuchtreklamen blinkten, war der Anblick ein ganz anderer. Die Straße war prall gefüllt mit Menschen, die heute Abend nicht hauptsächlich shoppen, sondern die Atmosphäre genießen wollten. Das Thermometer kam jetzt erst richtig zur Geltung: wir hatten immer noch 26 Grad und leichten Wind – ein angenehmer Abend.

Beim dritten Stopp hielten wir hinter der russischen Botschaft. Von dort lotste Mr. Wu uns auf eine eiserne Brücke und erklärte uns, wir sollten hinter der Brücke nach links gehen. Die Zeit, zu der wir wieder am Ausgangspunkt sein sollten, hatte er schon durchgegeben. Wir stapften los und schon bevor wir die Brücke halb überquert hatten, bot sich uns ein Lichtermeer ohne gleichen. Langsam gingen wir durch den „Huangu-Park“ auf den Bund zu. Die Skyline ist tagsüber schon atemberaubend, aber beleuchtet noch grandioser. Auch die alten Kolonialbauten erstrahlten hell. Einer ist übrigens Big Ben in London nachempfunden, mit englischer Glocke und Uhr. Definitiv mein persönlicher Höhepunkt auf unserer China-Reise. Ich glaube kaum, dass sich dieses Erlebnis noch toppen lässt.

Unsere letzten Station der heutigen Nacht war das noble Ausgehviertel Xintiandi, in dem ein Bier 10 € kostet. In dem alten Teil von Shanghai ist eine nette Straße mit vielen Restaurants und Bars entstanden, viele davon westlich, zum Beispiel das Paulaner. Draußen in den Biergärten herrschte auch nach 22.00 Uhr noch Hochbetrieb. Wir schlenderten die Straße entlang bis zum Gründungshaus der kommunistischen Partei Chinas, wo unser Bus uns schon erwartete. Gegen Mitternacht sanken wir voller Eindrücke in die Kissen.

15. Tag

Shanghai

Wir konnten heute zwar erneut ausschlafen, trotzdem weckte uns die Sonne gegen 06.00 Uhr früh. Ich nutzte die Zeit, um die Erlebnisse von gestern zu notieren bevor wir zum Frühstück aufbrachen. Wir starteten fast pünktlich. Nur fast, weil unser Gruppenältester ein wenig später eintraf. Er hatte das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft.“ wirklich verinnerlicht. Und eigentlich konnten wir uns an dieser entspannten Ruhe alle ein gutes Beispiel nehmen, denn häufig genug geht es hektischer zu, als uns lieb ist, selbst im Urlaub. Uwe optimierte unser Tagesprogramm zugunsten mehr Freizeit in Shanghai, indem er den Besuch des Jade-Buddha-Tempels und der Seidenspinnerei auf den Folgetag verschob. Alle waren einverstanden und so standen heute nur Altstadt und Museum an.

Als erstes führte Mr. Wu uns zum Yu-Garten in der Altstadt. Nachdem wir Zeit und Treffpunkt vereinbart hatten, begleitete Uwe uns zum Eingang des Gartens. Von dort schwärmten alle individuell in unterschiedliche Richtungen aus. Die Jiuqu Brücke mit ihren 9 Biegungen führte uns an dem wunderschönen Huxin Ting-Teehaus vorbei zum Eingang des Yu-Gartens. Der Zickzack-Weg soll das Teehaus vor Geistern schützen, die sich dem chinesischen Volksglauben nach nur geradeaus fortbewegen können. Der über 400 Jahre alte Garten wurde 1559 von Yunduan, einem kaiserlichen Beamten der Ming-Dynastie, als Privatgarten für seine Eltern angelegt. Er umfasste eine Fläche von 2 ha. Während des ersten Opiumkrieges, des Taiping-Aufstandes und des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges wurde die Parkanlage schwer beschädigt. Der Garten wurde Ende der 1950er Jahre wiederhergestellt und ist seit 1961 wieder für Besucher geöffnet. Er bietet eine Reihe von architektonischen Besonderheiten und ist nach dem Suzhou-Stil in 6 Teile unterteilt, die unterschiedlich gestaltet sind. Er war sehr verwinkelt und bot an jeder Ecke eine kleine Überraschung. Besonders schön waren die Figuren auf den Dächern und die Innenmauern, die die einzelnen Bereiche voneinander trennten. Sie sind als Drachen angelegt, so dass sich an den Eingängen jeweils zwei Drachenköpfe treffen. Im Garten gibt es viele Wasseranlagen, in denen große Kois zu Hause sind. Wir durchstreiften den Garten in Ruhe und kamen durch die labyrinthartigen Gänge mehr als einmal an der gleichen Ecke vorbei. Das machte aber gar nichts, da wir jedes Mal ein neues Detail entdeckten. Nach etwa 1 Stunde erreichten wir den Ausgang, der direkt in die Altstadt mündete. Die Gebäude stammen aus der Zeit der Qing-Dynastie. Heute werden alle als Geschäftshäuser genutzt. Das Angebot an Schmuck, Kunsthandwerk, Teehäusern, Souvenirs und lokalen Spezialitäten war überragend. Unter den klassischen Souvenirs gab es zudem sehr hübsche und geschmackvolle Mitbringsel. Die Altstadt-Straßen waren ähnlich verschachtelt wie der Yu-Garten und so standen wir irgendwann fast automatisch wieder vor dem alten Huxin Ting-Teehaus.

Es folgte eine kurze Verschnaufpause beim Mittagessen bevor wir zum Museum am Volksplatz fuhren. Das Museum bietet auf fünf Etagen einen umfassenden Einblick in 3.000 Jahre chinesische Kunstgeschichte: Porzellan, Bronze, Bilder, Kalligrafie, Münzen und vieles mehr. Die Exponate sind modern präsentiert und werden automatisch beleuchtet, wenn man vor den Glaskästen entlang geht. Nach etwa einer Stunde im Museum gingen wir noch einmal zur Nanjing Straße. Zuvor hatten wir uns bei Uwe abgemeldet. Da es unser letzter Tagespunkt für heute war, wollten wir lieber in der Stadt bleiben, als zurück zum Hotel fahren und uns noch ansehen, was gestern zu kurz kam.

Immer in Richtung Osten, wo der Bund lag, stromerten wir gemütlich durch die Stadt und ließen uns treiben. Zum Sonnenuntergang wollten wir an der Skyline sein, um nochmals die fantastische Stimmung und das sich ändernde Licht zu genießen. Der Bund ist ein absolutes Muss und wir waren nicht die einzigen, die das so sahen. Die Uferpromenade war voller Menschen, sogar einige Hochzeitspaare ließen sich mit Shanghais Skyline fotografieren. Wir verfolgten mit, wie sich nach und nach die ganze Lichterpracht entfaltete und das blinkende Schauspiel erneut begann. Es dauerte bis etwa 19.00 Uhr, bis wirklich alle Lichter an waren. Und natürlich machten wir nochmals etliche Fotos. Schließlich hatten wir ja noch nicht genügend im Kasten. Ein Muss: „I Love SH“ in bunt, weiß-rot, englisch und chinesisch.

Gegen 19.30 Uhr verabschiedeten wir uns von der bunten Kulisse am Bund. Erst wollten wir ein Taxi nehmen, entschieden uns dann aber zu laufen, um an unserem letzten Abend in Shanghai noch ein bisschen die Stimmung aufzusaugen. Außerdem meinte Uwe, man würde etwa 1 Stunde bis zum Hotel brauchen. Letztlich waren es 2,5 Stunden, obwohl wir nicht gerade langsam unterwegs waren. Gelohnt hat sich die Wanderung von ca. 8 km dafür allemal. Immer entlang der ausgeschilderten „Route 71“ lagen noch einige Highlights auf unserem Heimweg: zum Beispiel die 5-stöckige Autobahn auf der Kreuzung von „Yan‘an Dong Lu“ und „Chengdu Bei Lu“, die mit unterschiedlichen Farben beleuchtet wurde. Das Ausstellungszentrum im russischen Stil mit einem roten Stern auf der Spitze. Ein kleines Märchenschloss, das einst ein reicher Chinese für seine Tochter baute. Und kurz vor unserem Hotel noch der Jing‘an Si-Tempel mit seiner goldenen Kuppel. Ganz um die Ecke lag ein McDonalds, der zum Glück noch eine halbe Stunde offen hatte. Wir machten eine Ausnahme und gönnten uns ein Menü für umgerechnet 3,50 €.

Mr. Wu hatte als alternatives Abendprogramm eine Akrobatik-Show angeboten, die einige wahrnahmen. Wir wollten Shanghai lieber auf eigene Faust genießen und hatten unser eigenes besonderes Erlebnis. Während der gesamten Wegstrecke fühlten wir uns sicher. Das ist in unseren Städten in Deutschland leider nicht mehr immer selbstverständlich. Müde und zugegeben mit schmerzenden Füßen waren wir froh, als wir es endlich in die Waagerechte geschafft hatten. Zum Glück konnten wir lange ruhen, da es am anderen Morgen erst um 11.00 Uhr weiter ging.

16. Tag

Shanghai - Guilin

Dank Pferdesalbe waren unsere Füße wieder fit und der neue Tag begann mit einem gemütlichen Frühstück. Nachdem um 11.00 Uhr die Koffer verstaut waren, steuerten wir an unserem letzten Tag in Shanghai den Jade-Buddha-Tempel an. Dieser liegt im nordwestlichen Stadtbezirk Jing’an und gilt als einer der wichtigsten spirituellen Orte der modernen Metropole. Die Tempelanlage wurde 1882 zur Regierungszeit des Kaisers Guang Xu in der Qing-Dynastie gegründet. Der Mönch Hui Gen brachte zwei Buddha-Statuen aus Jade an diesen Ort, die den Grund für die Gründung des Klosters darstellten. Der Mönch, der vom heiligen Putuo Berg stammte, hatte während einer Pilgerreise nach Birma (Myanmar) insgesamt 5 Buddha-Statuen aus Jade geschenkt bekommen. 2 davon importierte er nach Shanghai: einen sitzenden und einen liegenden Buddha Shakyamuni aus weißer Jade, beide mit Edelsteinen verziert. Der sitzende ist der bekanntere der beiden Buddhas. Er stellt den historischen Buddha Shakyamuni im Moment seiner Erleuchtung dar. Die Figur hat eine Höhe von 1,95 Meter und wiegt 3.000 kg. Der liegende Buddha ist etwas kleiner und stellt den Eingang von Buddha Shakyamuni ins Nirwana dar. Der Tempel beherbergt neben den beiden Jade-Buddha-Statuen über 7.000 religiöse Schriften. Darüber hinaus zahlreiche buddhistische Wächterfiguren oder Schutzgottheiten und antike, kulturell wichtige Malereien. Aus Respekt vor dem Jade-Buddha war es verboten, die Statue zu fotografieren. Ansonsten war das Fotografieren im Tempel erlaubt. In jedem Fall war die Anlage eine der schönsten auf unserer Reise im Reich der Mitte. Man sollte unbedingt auf die Kleinigkeiten achten, es lohnt sich. Meine Frau kaufte sich zum Andenken ein Glücksarmband mit dem chinesischen Schriftzeichen für Gesundheit.

Anschießend besuchten wir die in der Nähe liegende Seidenfabrik. In China ist Seide seit rund 5.000 Jahren bekannt und zählt dort heute noch zu den beliebtesten Kleidungsstoffen. Stoff aus Seide wird natürlich hergestellt. Sie ist der einzige Textilstoff, der aus natürlich vorkommenden langen Fäden der Seidenspinner-Raupe produziert wird. Die Raupe baut sich aus ihren Seidenfäden den Kokon für die Verpuppung zum Schmetterling.

Um die Seide zur Produktion von Stoff zu nutzen werden diese Kokons abgewickelt. Dabei wird zwischen zwei Arten von Seiden unterschieden: Maulbeer- und Wildseide. Seide wurde ursprünglich in China entdeckt und für lange Zeit ausschließlich dort genutzt. Da vor einigen tausend Jahren der Landweg durch Asien und den Mittleren Osten nach Europa lang und gefährlich war, gab es nur selten Kontakte zwischen China und Europa. Die Seide förderte diese Kontakte sehr stark. Bis heute ist der Landweg zwischen Europa und China daher als Seidenstraße bekannt. Der Stoff war eines der wichtigsten Wirtschaftsgüter zwischen den beiden Ländern. Deshalb war es streng verboten, Seidenraupen oder das Wissen um die Seidenspinner-Aufzucht zu verbreiten. Erst vor rund 1.500 Jahren gelang es einigen Mönchen auf der Rückreise nach Arabien einige Schmetterlingseier ins Ausland zu schmuggeln. Bis dahin hatten sie mehrere Jahre in China gelebt und sich entsprechend viel Wissen zu Aufzucht und Produktion angeeignet. Wir bekamen eine Vorführung von Verarbeitung und Produkten und konnten diese natürlich auch erwerben. Die Fabrik war spezialisiert auf Bettdecken und erklärten uns deren Vorzüge – mit Erfolg. Der ein oder andere reiste mit einer solchen weiter. Während die Frauen sich im Verkaufsraum austobten, gönnte ich mir in einer kleinen Ecke gemütlich einen Kaffee. Eine Schnapsfabrik für uns Männer mit Verkostung und Verkauf wäre neben Cloisonné, Jade, Seide und Perlen auch mal ganz nett gewesen.

Nach dem Besuch der Seidenfabrik stand das Mittagessen auf dem Programm, welches wir direkt am Bund einnahmen. Eine letzte Gelegenheit auf die Promenade zu gehen, um Foto 6011, 6012, … 6034 der auch bis dahin schon viel fotografierten Skyline zu schießen. Das Essen war eher mäßig und im Anschluss gab es noch Gelegenheit für Perlenschmuck. Nach einem kurzen Vortrag von Mr. Wu konnten wir den Verkaufsraum stürmen.

Um 16.00 Uhr wurden wir zum Flughafen gebracht. Dort merkten einige, dass die Chinesen die Sicherheitskontrolle sehr ernst nahmen. Von uns 20 mussten 5 ihren Koffer öffnen. Gewissenhaft wurde unter anderem überprüft, ob die Plastikblumen auch wirklich aus Plastik waren. Unser Flug startete mit 30 Minuten Verspätung nach Guilin, wo wir gegen 23.15 Uhr im Hotel ankamen. Eine kurze Nacht, da wir für morgen den Bootsausflug auf dem Li-Fluss (70 € pro Person) gebucht hatten und deshalb um 07.45 Uhr aufbrechen mussten.

17. Tag: Guilin

Yangshuo - Guilin

Nach einigen Tagen ausschlafen fiel uns das Aufstehen um 06.15 Uhr schwer. Es half alles nichts, der Bus wartete nicht. Bis zur Schiffsanlegestelle waren wir 45 Minuten unterwegs. Vor Ort herrschte Hochbetrieb. Uwe verteilte die Bordkarten, danach wurden erstmal unsere Rucksäcke gecheckt bevor wir mit Reisepass und personalisierter Bordkarte zur Anlegestelle gelangten. Etwa 40 Schiffe warteten auf ihre Passagiere. Mr. Wu führte uns zielstrebig zu unserem Boot. Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten, legte das Schiff ab und wenige Minuten später konnten wir aufs Sonnendeck, wo wir für die nächsten 4 Stunden die Fahrt auf dem Li-Fluss und die Landschaft genossen. Nach der Hektik des Stadtlebens eine herrlich entspannende Welt, gekrönt von klarem, blauem Himmel. Das einzige, was wir mitbringen mussten, war Phantasie, eine Kamera und offene Augen für die beeindruckenden Felsformationen der Karstlandschaft. Hinter jeder Fluss-Biegung konnte die nächste Überraschung lauern.

Uwe erzählte uns die Legenden hinter den verschiedenen Hügeln. Die meisten beruhen auf mythischen Erzählungen und Liebesgeschichten. So sieht zum Beispiel der Wangfu Rock aus wie eine Frau, die ihr Baby auf dem Rücken trägt und ihren Mann erwartet, der nach einem langen Arbeitstag zu ihr zurückkommt. Einer der berühmtesten Gipfel ist der 416 Meter hohe Neun-Pferde-Hügel (Jiu Ma Hua Shan), auch wenn wir immer noch rätseln, wo die 9 Pferde zu sehen sind. Wir passierten außerdem die auf dem 20 Yuan Schein abgebildete Felsformation. Ohne Phantasie war sie spätestens dann zu erkennen, als fleißig Selfies mit besagtem Geldschein gemacht wurden. Entlang des Flusses konnten wir außerdem einige Kormorane und Wasserbüffel beobachten. Für die berühmten Kormoranfischer waren wir entweder zu früh oder zu spät, da sie meistens im Dunkeln auf Fischjagd gehen. Schade. Für die, die wie wir schon die trockene Halong-Bucht oder die Halong-Bucht in Vietnam gesehen haben, war die Fahrt zwar schön aber nicht beeindruckend.

Nach unserer Ankunft in Yangshuo erwartete uns ein 500 Meter langes Spalier von Souvenir-Ständen, die den Weg in die Stadt ein bisschen anstrengender machten. Die Straßen in Yangshuo sind gepflastert, das Städtchen selbst ist im traditionellen chinesischen Baustil gehalten. Die Hauptstraße und gleichzeitig Fußgängerzone ist die West Straße (Xi Jie). Sie blickt auf über 1.400 Jahre Geschichte zurück. Die Straße ist gesäumt von Geschäften, Restaurants, Cafés und Bars. Nachdem alle etwas zu essen, zu trinken oder auch ein weiteres Mitbringsel gefunden hatten, gingen wir zum Bus, der am Ende der Straße schon auf uns wartete.

Die Rückfahrt dauerte ca. 2 Stunden mit einem kurzen Foto-Stop am Elefantenrüsselberg mitten in Guilin. Leider wird er komplett von Bambus verdeckt und war auf einem Foto vom Weg aus nicht erkennbar. Für ein gutes Foto mit freier Sicht vom Strand am unteren Ufer aus hätte man 50 Yuan (5,50 €) Eintritt zahlen müssen. Das war es uns nicht wert. Im Hotel konnten wir uns vor einem kleinen Spaziergang zum Abendessen um 18.30 Uhr noch ein wenig ausruhen.

Eigentlich war beim Bootsausflug das Essen auf dem Schiff inklusive. Da dies‘ jedoch mehr dem Essen im Flugzeug ähnelt, hatte Uwe für uns stattdessen Abendessen in einem Restaurant in der Nähe unseres Hotels organisiert. Zudem war es unser letzter Abend mit Mr. Wu in China. Er bestellte für uns eine Auswahl an Gerichten der hiesigen Küche, die ausnahmslos mit Stäbchen gegessen wurden. Es gab hier nämlich keine Gabeln. Da wir inzwischen unseren Umgang mit den Stäbchen weiter perfektioniert hatten, machte das gar nichts. Serviert wurden Muscheln, Meeresfrüchte, Rind, Gans und viel Gemüse – rundum köstlich.

Unser Verdauungsspaziergang führte am Shan Hu See entlang. Die vielen kleinen Brücken und die Beleuchtung schafften ein romantisches Flair. In der Mitte des Sees wurden die Zwillingspagoden, Riming Shuang Ta, angestrahlt. Wie viele andere Gebäude in Guilin handelt es sich um neuere Nachbauten. Die 41 Meter hohe Sonnenpagode mit 9 Stockwerken wurde aus Kupfer gebaut. Die kleinere, 35 Meter hohe Mondpagode hat 7 Stockwerke und besteht aus Marmor. Nach ungefähr einer halben Stunde erreichten wir die Einkaufsstraße in der Innenstadt von Guilin. Guilin war mit ca. 600.000 Einwohnern übrigens unser kleinstes Reiseziel, d. h. auf Chinesisch eine Kleinstadt. Nach einem ausgiebigen Einkaufsbummel schlenderten wir am Ufer entlang zurück zum Hotel. Auch zu später Stunde trafen sich dort noch Einheimische zum Singen und Musizieren. Wir hörten hier und da ein bisschen zu und genossen die schöne Atmosphäre.

Da wir morgen nach Hongkong weiterreisen ist es Zeit für ein herzliches Dankeschön an unseren Reiseleiter Mr. Uwe Wu:

• Er gab uns am ersten Tag Nummern, die auch auf Koffer und Reisepass angebracht wurden, und das Durchzählen der Gruppe vereinfachten. Während der Reise perfektionierten wir gemeinsam das Prozedere. • Wir, Reisepass und Koffer kamen immer an. Nichts und niemand ging verloren. • Er hat uns immer alle zusammengehalten, was bei den Menschenansammlungen überall eine große Kunst ist. • Er hat sich stets fürsorglich um unsere Belange gekümmert und uns in jeder Situation geholfen. • Alles war gut organisiert – bis hin zu Kaffee und Tee während der Zugfahrten. Ganz sicher werden wir uns noch oft an ihn und viel wiederholte Sätze erinnern: • „Ungefähr alle da.“ • „Nummer 20 immer da.“ • „Weiter, wir müssen weiter.“ • „Hier ist Toilette, wer muss auf Toilette.“ • „Bier, wer möchte Bier.“ • „KFC und McDonalds immer auf.“

DANKE Uwe, DANKE Mr. Wu – XIE XIE!

18. Tag

Hongkong

Unsere Zugfahrt war für heute Nachmittag um 14.30 Uhr reserviert. Wie schön, so hatten wir etwas mehr freie Zeit. Nach einem gemütlichen Frühstück packten wir unsere Koffer und ich schrieb mir ein paar Notizen für den Reisebericht unseres letzten Tages in China auf. Um 11.00 Uhr fuhren wir zum Bahnhof und es wurde Zeit, Uwe Wu zu verabschieden. Er verteilte unsere Zug-Tickets und wünschte uns alles Gute. Da er für Hongkong keine Arbeitserlaubnis hat, konnte er uns nicht begleiten. Als Sonderverwaltungszone hat Hongkong einen besonderen Status im Reich der Mitte, bis die Stadt dann 2047 endgültig zu China gehört. Da wir zum einen mittlerweile schon einiges an Bahnhofserfahrung gesammelt hatten und uns Mr. Wu zum anderen über zwei Wochen „gedrillt“ hat, als Gruppe zusammen zu bleiben, war auch unsere dritte und letzte Bahnfahrt ein Klacks. Nach dem üblichen Prozedere blieben noch etwa 1,5 Stunden Wartezeit. Der Zug war recht voll und knapp 4 Stunden waren wir am Ziel. Ähnlich der Einreise per Flugzeug in ein anderes Land erledigten wir die Einreiseformalitäten. Offenbar waren wir recht lange unterwegs, denn unser neuer Guide war schon etwas ungeduldig. Conny hatte heute Abend noch viel vor mit uns und der Zeitplan war eng. Alle, die wollten, konnten auf Lichterfahrt durch Hongkong gehen. Gleichzeitig konnten wir unsere chinesischen Yuan in Hongkong Dollar wechseln. Conny bot uns den Tausch zum fairen Kurs von 1:1 an. Nachdem wir außer Zug fahren heute noch nichts unternommen hatten, waren wir entsprechend abenteuerlustig und insofern alle mit von der Partie. Wir machten einen kurzen Zwischenstopp im Hotel, tauschten unseren großen Bus gegen einen wendigen Kleinbus, mit dem wir besser durch den Stadtverkehr „cruisen“ konnten und schon ging es weiter.

Conny hatte den Abend gut durchgeplant, um uns so viel wie möglich von ihrer facettenreichen Stadt zu zeigen. Sie war sehr zügig unterwegs. Zuerst stiegen wir am Hafen in der Nähe der Museen aus, von wo aus wir auf den Kowloon Public Pear gingen. Dort kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Ende der abendlichen Lasershow an. Die Skyline war ebenfalls beeindruckend, konnte mit Shanghai allerdings nicht mithalten. Unsere 30 Minuten Freizeit nutzen wir, um einen Happen zu essen und ein paar Fotos zu schießen. Aus Zeitgründen fiel unsere Wahl auf ein kleines amerikanisches Restaurant am Pear. Wir merkten schnell, dass die Preise in Hongkong westliches Niveau hatten (Big Mac Index) und zum Teil sogar etwas darüber lagen.

Ruck zuck setzten wir unsere Fahrt durch einen Tunnel fort und erreichten Hongkong Island, die Seite mit den bunten Lichtern. Hongkong wurde an einem steilen Hang erbaut und ist daher von zahlreichen Treppen durchzogen. 1993 wurde die mit 800 Meter längste überdachte Rolltreppe der Welt eröffnet, die über 135 Meter hinauf bzw. herunter führt. Der Central Escalator verbindet die Stadtteile Central und Mid-Levels im Geschäftszentrum auf Hongkong Island miteinander. Morgens bis 10.00 Uhr läuft die Rolltreppe nach unten, um die Leute zu ihrem Arbeitsplatz zu bringen. Den Rest des Tages läuft sie nach oben. Wir fuhren ein Stück hoch bis zum Tai Kwun Platz, übersetzt „Großer Platz“. Er ist das neue architektonische Juwel im Herzen des Geschäftsviertels Hongkong Central. Die historischen Gebäude umschließen gleich zwei Plätze. Einer von beiden war ursprünglich der Gefängnishof der Polizeihauptwache. Die britischen Kolonialgebäude wurden über 10 Jahre aufwendig renoviert und sind nun Zentrum für Kulturerbe und Kunst.

Einen kurzen Toiletten-Stop später standen wir wieder auf der Rolltreppe und fuhren weiter bis Soho. Das multikulturelle In-Viertel ist bekannt für seine engen Straßen, Szenerestaurants und Bars. Auch Shopping Fans sind in Soho richtig. Der Name leitet sich vom Standort ab: South of Hollywood Road. Die Atmosphäre erinnerte mich an Soho in London. Überall standen die Menschen mit ihren Getränken von Bier über Wein bis Cocktails draußen und unterhielten sich angeregt und munter. Entsprechend laut, aber dennoch angenehm, war die Geräuschkulisse.

Als nächstes führte uns die Rundfahrt zur Bank of China. Zu Fuß durchquerten wir den Cheung Kong Park, einen kleinen Garten im Zentralbezirk von Hongkong Island. Er ist nach dem Unternehmensimperium von Li Ka Shing benannt. Der Park wird privat von Cheung Kong Holdings unterhalten und ist ein Ruhepunkt in der hektischen Stadt. Dort standen auch die St. John‘s Kathedrale und der Sitz des Erzbischofs von Hongkong, ein Gebäude der Kolonialzeit inmitten von Hochhäusern. Und von denen gab es hier einige zu bestaunen. Zum Beispiel auch die nahe liegende HSBC Bank, unser nächstes Ziel. Im Atrium wurde die Trockenlegung Hongkongs bildlich erzählt.

Zum Abschluss unserer Tour fuhren wir noch mit der historischen Straßenbahn. Am späten Abend sind die Wagen relativ leer und wir hatten Glück, dass alle oben im zweiten Stock einen Platz gefunden haben. Die Hongkong Tramways oder auch „Ding Ding“ bestehen seit 1904. Die ausschließlich doppelstöckigen Wagen wurden nach britischem Vorbild gebaut. Wow, was für ein Erlebnis! Mit den vielen neuen Eindrücken unseres ersten Ausflugs in Hongkong waren uns schöne Träume fast sicher.

19. Tag

Hongkong

Zeitig verließen wir das Hotel für das heutige Besichtigungsprogramm mit unserem Kleinbus. Hongkong liegt an der Mündung des Perlflusses in das Südchinesische Meer und erstreckt sich über eine sehr unregelmäßig geformte Halbinsel sowie 263 Inseln. Die Stadt wird in die Bereiche Hongkong Island, Kowloon, die New Territories und die Outlying Islands unterteilt. Von den 1.104 km² Landfläche sind nur etwa 25 % bebaut. Davon entstand ein wesentlicher Teil durch Landgewinnung im Victoria Harbour und in den New Territories. Hongkong hat ein sehr bergiges Relief mit vielen steilen Hängen. Die höchste Erhebung ist mit 958 Meter der Tai Mo Shan in den New Territories. Wesentlich bekannter ist der Victoria Peak, der mit 552 Meter der höchste Berg auf Hongkong Island und eines der beliebtesten Ausflugsziele ist – unser erster Halt. Von dort oben aus lag uns Hongkong Island quasi zu Füßen - eine fantastische Aussicht für tolle Fotos. Wir konnten in Ruhe umherschlendern und in den Souvenir-Shops stöbern, darunter auch der des Hard Rock Café Hongkong.

Vom Berg fuhren wir wieder herunter an die Küste zu einem kleinen Sandstrand mit dem Namen „Repulse Bay“. Die langgezogene sichelförmige Bucht befindet sich im Southern District und hat den längsten Sandstrand Hongkongs. Sie liegt genau zwischen der Deep Water Bay im Osten und der Middle bzw. South Bay im Süden. An ihrem südlichen Ende befindet sich der herrlich bunte Tin Hau Tempel mit seiner kleinen Brücke „Longervity Bridge“. Zwei große Statuen der Göttinnen Tin Hau (Göttin der Seefahrer und Fischer) und Kwun Yum sind neben vielen weiteren Götterstatuen und Buddhafiguren am Strand versammelt. Wer die „Brücke des langen Lebens“ überquert, sichert sich drei zusätzliche Lebensjahre. Wir sicherten uns sechs Jahre, schließlich mussten wir ja auch wieder zurück. Strand und Tempel waren sehr schön, die Zeit um beides zu genießen allerdings ein bisschen zu knapp.

Entlang der Küste erreichen wir den Marine Hafen in Aberdeen im Süden von Hongkong Island, auf der anderen Seite des Victoria Peaks. Außerhalb der hauptsächlich städtischen Region ist Aberdeen das größte Städtchen. Der Hafen ist wegen der Menschen bekannt, die im Zeitraum zwischen 1960 - 1970 dort auf ihren Booten lebten. Filme wie z.B. James Bond und Bruce Lee wurden im Hafen von Aberdeen gedreht und machten ihn weltweit berühmt. Heutzutage steht er vor allem als Ankerplatz den Besitzern der Yachten und den Ausflugsbooten der lokalen Bewohner zur Verfügung. Das schwimmende Restaurant „Jumbo Kingdom“ liegt ebenfalls hier vor Anker. Es soll das größte schwimmende Restaurant der Welt sein. Seit seiner Eröffnung 1976 sollen im „Jumbo Kingdom“ über 30 Millionen Menschen gegessen haben. Bei einer etwa 20-minütigen Bootsrundfahrt bekamen wir einen guten Überblick über den Hafen.

Während der Fahrt zum Anleger, von dem aus wir zur Insel Cheung Chau übersetzen wollten, fragte Conny nach, ob wir auf den im Programm ausgeschriebenen Besuch der Schmuckfabrik bestehen. Alle waren sich einig, dass wir diesen ausfallen lassen und stattdessen lieber mehr Zeit auf Cheung Chau verbringen. Am Pier 5 stiegen wir auf die Fähre um. Die Insel selbst ist abgesehen von Einsatzfahrzeugen autofrei und traditionell von der Fischerei geprägt. Früher war sie eine Piratenhochburg im Südchinesischen Meer. Der bekannteste Pirat war Cheung Po Tsai. Er kommandierte bis zu 600 Schiffe mit 50.000 Piraten. Nach ihm wurde außerdem eine Höhle benannt. Er soll dort angeblich seinen Piratenschatz versteckt haben. Die Cheung-Po-Tsai Höhle ist grundsätzlich zu Fuß erreichbar. Uns war es allerdings viel zu warm für einen längeren Spaziergang.

So stromerten wir nach dem Mittagessen in gemächlichem Temo über die Insel, vorbei am „Pak Tai“ Tempel bis zu dem kleinen Strandabschnitt, der im Vergleich zur Repulse Bay wenig einladend war. Wir überbrückten unseren Aufenthalt mit einem Bummel durch die kleinen Geschäftsstraßen und über die Hafenstraße. Der Ausflug war im Ganzen zwar nett, wir persönlich hätten uns allerdings mehr über einen Strand-Nachmittag an der „Repulse Bay“ – Sonnenuntergang inklusive - gefreut. Um 17.30 Uhr fuhren wir mit der Fähre bei Sonnenuntergang nach Hongkong Island zurück und von dort aus ins Hotel. Conny gab uns die letzten Informationen für unseren Abreisetag.

Den Abend konnten wir ganz nach Wunsch gestalten. Wir entschieden uns für das nahe gelegene und fußläufig erreichbare Einkaufszentrum „Hollywood Plaza“. Dort fiel unsere Wahl auf ein vietnamesisches Abendessen.

20. Tag

Hongkong und Heimreise

Nach einem letzten gemütlichen Frühstück checkten wir aus und deponierten unsere Koffer zur Aufbewahrung im Hotel. Der Transfer zum Flughafen war für 15.30 Uhr am Nachmittag festgelegt, sodass wir noch einmal den Weg in Richtung „Hollywood Plaza“ wählten. Ganz in der Nähe lag der „Nan Lian Garden“, den Conny uns für den Abreisetag als Tipp empfohlen hatte. Wir wollten keine größeren Strecken mehr fahren und so langsam fehlte uns nach 3 Wochen Rundreise auch ein bisschen die Energie. Da kam die Parkanlage gerade recht.

Der Nan Lian Garten in Diamond Hill war gut ausgeschildert und keine 500 Meter vom Einkaufszentrum entfernt. Er ist ein klassisch chinesischer Garten im Stil der Tang-Dynastie mit einer Fläche von 3,5 ha. Die natürliche Gestaltung mit Hügeln, Wasserspielen, Bäumen, Felsen und Holzkonstruktionen macht ihn abwechslungsreich. Im Garten eingebettet liegt ein Kloster. Die große buddhistische Tempelanlage enthält einige Schreine und Statuen. Nonnenkloster und Park vermitteln ein ganz eigenes Flair: Man steht mitten in einer ruhigen grünen Oase und im Hintergrund ragen die riesigen Hochhäuser der Großstadt empor. Wir genossen die tolle Atmosphäre und waren sehr dankbar für diesen guten Tipp, der ein schöner Abschluss unserer Reise war. Anschließend gingen wir noch ins „Hollywood Plaza“, um die restliche Zeit dazu zu nutzen, unsere letzten Hongkong Dollar loszuwerden.

Stanley holte uns pünktlich um 15.30 Uhr ab. Er begleitete uns mit der Fähre von Hongkong zum Hafen in Shenzen, China. Auf dem Weg ins Kreuzfahrt-Terminal passierten wir die Zollkontrolle. Entscheidend war jetzt das Visum mit zweimaliger Einreise nach China. Conny hatte gleich am ersten Abend im Bus unsere Pässe kontrolliert, um sicherzugehen, dass wir alle dieses Visum hatten. Die Chinesen kontrollieren sehr streng und bei der letzten Gruppe gab es drei Personen, die nicht ab Shenzen ausreisen durften und für teure Ersatzflüge ab Hongkong zahlen mussten. Bei uns ging alles glatt. Fast alles. Eigentlich sollte unser Bus zum Flughafen schon im Parkhaus warten. Dort war er aber nicht. Stanley ging lächelnd und telefonierend in der Wartehalle auf und ab. Die ersten wurden bereits ungeduldig. Stanley lächelte weiter und sagte immer nur: In der Ruhe liegt die Kraft. Schließlich stand fest, dass die Agentur keinen Transferbus geschickt hatte. Stanley hatte alles im Griff und nach etwa 2 Stunden war ein Bus samt Transferbegleitung unterwegs.

Zum Flughafen brauchten wir ca. 1 Stunde. Es war ausreichend Zeitpuffer eingeplant, sodass der Zeitverzug keine weiteren Probleme mit sich brachte. Der Check-In verlief reibungslos. Wir verabschiedeten uns von unserem Guide und machten uns auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Zwei Koffer unserer Gruppe wurden zur Kontrolle rausgezogen, einer davon war meiner. Meine Frau war bereits durch die Kontrolle und nach einer gefühlt extrem langen Wartezeit kam mein Koffer und ich durfte den Behörden seinen Inhalt zeigen. Ziel der Suche waren zwei kleine Fläschchen mit Sand, die wohl nach Sprengstoff aussahen. Nach der Sprengstoffkontrolle wurde alles wieder eingepackt, mit Zollsiegel versehen und zurück zur Abreise gebracht. Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten. Und am Ende ist es besser, einmal zu viel zu prüfen, als zu wenig. Noch fix die Wasserflasche aufgefüllt, wurde auch schon unser Flug aufgerufen. Wir starteten pünktlich und landeten montags morgens um 05.30 Uhr in Frankfurt, bei herbstlich schmuddeligem Nieselregen. Willkommen in Deutschland. Nach 3 Wochen Sonne und feucht-warmem Klima freuten wir uns sogar darüber.

Fazit

Es war eine sehr schöne Reise mit vielen Highlights. Gegen Ende erschienen uns die 21 Tage recht lang. Ein wenig war die Luft raus. Die Yangtze Kreuzfahrt etwa in der Mitte der Reise war perfekt für ein bisschen Entspannung. Sie entschleunigte das straffe Rundreise-Programm und wir haben das Nichts-Tun an Bord genossen. Hongkong war ein eindrucksvoller, wenn auch wieder etwas hektischerer Abschluss. Von den Protesten haben wir als Touristen nichts mitbekommen. Die Kombination aus China & Hongkong ist zu 100 % empfehlenswert, wenn man auf einer Reise die schönsten Höhepunkte abdecken möchte.

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