Oktober 2018

Reisebericht: Kroatien. Die Inselwelt Dalmatiens mit der MS Spalato.

Begleiten Sie unseren Chronisten auf seiner Reise mit einer Motoryacht zu den Inselwelten Dalmatiens. Herrliche Buchten mit kristallklarem Wasser, die schönsten Landschaften der kroatischen Adria sowie beeindruckende Küstengebiete und weiße Kieselstrände - es gibt viele Gründe für einen bezaubernden Urlaub.

Chronisten Sybille & Ernst in Kroatien
Mein Tipp

Inselwelten Dalmatiens entdecken

Sybille & Ernst, Berge & Meer Chronisten

Reisen war die Voraussetzung, dass wir, Sybille und Ernst, überhaupt zueinander finden konnten. Der Zufall führte uns zur gleichen Zeit an den gleichen Ort. Mit anschließendem Adressentausch, Briefe hin und her schreiben, erklommen wir die Eskalationsleiter unserer Romanze stetig weiter.

Anfangs trafen wir uns noch in Jugendherbergen und reisten schon mal gemeinsam per Anhalter. Später, nachdem wir geheiratet hatten und auch die Kinder erwachsen waren, steigerten wir Anspruch und Erleben durch reale Globetrotter-Reisen in fernste Regionen.

Nun, im gesetzten Alter, nehmen wir gerne die organisatorische Hilfe von Reiseveranstaltern in Anspruch, um weiterhin unserem Hobby frönen zu können.

1. Tag

Abreise Frankfurt Flughafen

Ganz ohne wenigstens eine Anekdote fand bisher keine unserer Anreisen mit der Bahn statt. In Frankfurt Hbf angekommen, also nur wenige Kilometer vor dem Ziel Flughafen, wird unsere bis dahin problemlose Fahrt mit der Durchsage ausgebremst, dass der neue Lokführer noch nicht eingetroffen sei.

Der außergewöhnlich lange Sommer 2018 steht immer noch an und beschenkt uns während des Fluges nach Kroatien wolkenfreie Ausblicke auf schneefreie Alpengipfel.

Im Flughafen Split sammelt sich eine 20-köpfige Gruppe, die zur gebuchten Reise auf der Motorjacht MS Spalato nach Makarska gebracht werden möchte. Die Fahrt dorthin kann auf kurvenreicher Küstenstraße und durch enge Ortschaften nicht zügig erfolgen. Nach 1 ½ Stunden erreichen wir unser Ziel.

Man realisiert schnell, dass eine Motorjacht nicht einfach eine verkleinerte und intime Version eines Kreuzfahrtschiffes ist. Zumindest die MS Spalato ist in jeder Hinsicht beengter und ihre dünnen Kabinenwände lassen auch eher Campingplatzatmosphäre aufkommen.

2. Tag

Makarska - Polače - Slano

Um 7.00 Uhr brummt bereits der Motor, denn wir haben eine lange Strecke vor uns.

Bei schönem, aber nicht zu heißem Sommerwetter passieren wir viele der sprichwörtlich tausend Inseln Kroatiens (kleine Felsenriffe inbegriffen). Besonders fotogen präsentiert sich die Stadt Korčula, die als rundum mit Wehrmauern geschützte Halbinsel in die von ihr bewachte Meerenge hineinragt. Die günstige Gelegenheit hier Wegezoll abzukassieren war vermutlich die Basis ihres mittelalterlichen Wohlstands.

Der Nordteil der Insel Mljet ist ein Nationalpark höchster Einstufung, mit zwei Seen darin. Wir fahren zum Hafen von Polače, überqueren zu Fuß den kleinen Bergrücken und gelangen auf der anderen Seite zu den Seen.

Wegen des Mücken- und Malariaproblems hatten die Inselbewohner schon im Mittelalter in mühseliger Handarbeit eine Verbindung zum Meer gegraben, um das Frischwasser mit Salz anzureichern; das Ergebnis belohnte ihre Mühe. Auf einer schönen Radtour (Mieträder) umrunden wir den größeren der beiden Seen (ca. 8 km Strecke). Anschließend ist noch Zeit für ein Bad im See.

Schließlich erreicht die Spalato am Spätnachmittag die kleine Hafenstadt Slano. Neugierig gehen wir nach dem Abendessen an Land, denn Hafenstädte haben immer ein interessantes Flair. Doch weit gefehlt: Stille und ein Ortsende, das in alle Richtungen nach spätestens 200 m die Traumgrenze darstellt. Nur ein Hotel mit vielen chinesischen Gästen ist vielleicht so was wie ein soziales Ereignis.

Auffallend an Bord ist, dass die bekannt scharfe "jugoslawische Küche" einen faden Abklatsch erfährt. Nur gut, dass wenigstens Pfeffer & Salz auf dem Tisch stehen.

3. Tag

Slano - Dubrovnik

Um uns möglichst viel Zeit in Dubrovnik zu geben, hatte der Reiseleiter Slano als vorherigen Standort gewählt, es sind dann nur noch 40 km mit entsprechend kurzer Fahrzeit. Außerdem schlug Ivo vor, mit der MS Spalato erst mal eine seeseitige Stadtrundfahrt vorzunehmen, bevor wir später in den Hafen einlaufen und dort von einer Stadtführerin begleitet werden. Zwischen diesen beiden Sightseeing-Touren fahren wir mit dem Schiff noch mal hinaus, suchen eine nahegelegene Bucht, werfen Anker und schwimmen direkt vom Schiff aus.

Dubrovnik ist zu Recht ein UNESCO-Weltkulturerbe. Nicht allein die trutzigen Mauern, Kirchen und Stadthäuser sind beeindruckend, sondern auch die ausgeklügelte Planung im Hinblick auf moderates Stadtklima. Die kühlenden Winde, die im Sommer aus Nordwest kommen, lässt man mittels gerader Straßenzüge ungehindert durch die Stadt wehen, den kalten Winterwind Bora aus Nordost versucht man durch bogenförmige Straßen auszubremsen. Soweit die Theorie, doch der Stadtplan spiegelt diesen Genius nicht wider.

Obwohl Dubrovnik eine berühmte Stadt ist, beträgt ihre Einwohnerzahl auch heute nur etwas über 40 tausend Einwohner, was sicher mit den hohen Lebenshaltungskosten zu tun hat. Man ahnt, welchen politischen Anstrengungen der kleine Staat in den vergangenen Jahrhunderten unterworfen war, um sich gegen die Großmächte Venedig, Osmanisches Reich und napoleonisches Frankreich zu behaupten. Dubrovnik hatte zum Glück geschickte Verhandlungstaktiker.

Die Stadtführerin gibt uns eine vergnügliche und mit Selbstironie gespickte Präsentation z. B. welch ausgeklügelte Vorsichtsmaßnahmen die Stadtväter sich hatten einfallen lassen, um seinerzeit die Pest draußen zu halten. Ohne körperlichen Kontakt einzugehen, musste vor den Stadtmauern die Ware abgelegt werden, erst danach gingen die städtischen Händler dorthin und übernahmen die Ware. Und das Geld wurde eigens in ein Becken mit Desinfektionsmittel gelegt, aus dem sich dann der Empfänger bediente. Half leider nichts, denn einige Ratten hatten sich in mit Wolle gefüllten Säcken versteckt und gelangten so in die Stadt.

Lustig ist die Begründung für das stets drei Minuten nach Voll wiederholte Stundengeläut. Damit die Bewohner, die sich gerade in einer Unterhaltung befinden und dadurch die ersten Schläge nicht erfassen, trotzdem zu ihrer Uhrzeit kommen, wurde das Geläut nach besagten 3 Minuten wiederholt. Ob das Lärmspektakel auch nachts so abläuft, ist mir nicht bekannt.

4. Tag

Dubrovnik - Korčula

Das Spätsommerwetter hält weiter an, derweil wir bereits wieder nordwärts fahren (Kroatien erlebte im letzten Jahr eine Dürreperiode). Links und rechts gleiten Inseln und Halbinseln vorbei, die sich optisch nicht unterscheiden: grauweißes Karstgestein, dazwischen mal mehr und mal weniger grüne Flächen mit Pinienbestand, Weinbergen sowie Oliven- und Feigenplantagen.

An vielen Stellen ist die Küste zu steil für eine landwirtschaftliche Nutzung. Deshalb sind auch nur 65 Inseln dauerhaft bewohnt. Darüber hinaus verliert das Land, das eine ebenso geringe Geburtenrate hat wie die Kernbewohner Deutschlands, stetig Menschen durch Auswanderung.

Zu Mittag sucht der Kapitän für uns wieder eine ruhige Badebucht. Fantastisch, wie klar das Wasser ist. Man meint, bis zu 10 m tief schauen zu können. Leider haben wir nicht viel davon, denn es lassen sich keine attraktiven Großfische sehen. Danach dümpeln wir noch einige Minuten vor dem Hafen von Korčula, ehe wir um 15.00 Uhr endlich anlegen. Scheinbar ist ab 15.00 Uhr die Hafengebühr etwas geringer.

Korčula ist eine hübsche Stadt, die wir uns von einer launig und schnell sprechenden Stadtführerin erklären lassen. Mit dieser Einstimmung können wir anschließend selber noch durch die Stadt stromern. Wie schon in Dubrovnik augenfällig war, sieht auch Korčula sehr sauber und gepflegt aus. Gebäude, Wege und nicht-asphaltierte Straßen sind aus dem gleichen, reichlich vorhandenen weiß-beigen Stein gebaut.

Ganz wichtig, mein größter Vorgänger in Sachen Reisechronik, der berühmte Marco Polo, ist ein Sohn dieser Stadt.  Er reiste um 1300 bis nach China und vermittelte erstmalig den Europäern einen Eindruck über das Leben in Fernost.

Zum Abend lädt der Kapitän zum Dinner. Da die Passagiere mittlerweile vertraut miteinander sind, finden an den Tischen rege Unterhaltungen mit allmählich steigendem Geräuschpegel statt - wie halt üblich auf einem Fest.

5. Tag

Korčula - Hvar - Pučišća

Diesmal werden bereits um 6.30 Uhr die 580 PS des Motors angeworfen. Im Laufe des gestrigen Abends wurde die MS Spalato von weiteren Schiffen eingerahmt. Wir liegen eingebettet in einem "Päckchen" von vier Schiffen (Marineausdruck für aneinander befestigte Boote), und sogar vor und hinter uns liegen Jachten in dieser Formation. Wenn die Passagiere an Land gehen wollen, müssen sie dazu mehrere Schiffe überqueren.

Aufgrund unserer zentralen Lage sind auch alle anderen Schiffe genötigt, sich jetzt voneinander wegzubewegen. Am Ende des Manövers sieht es im Hafen aus, als hätte eine imaginäre Explosion den Schiffsverband auseinanderfliegen lassen.

Als erstes steuern wir Hvar auf der gleichnamigen Insel an und machen unter Ivos Führung eine Stadtbesichtigung. Wir bleiben 2 ½ h im Ort - ausreichend.

Die meisten Passagiere möchten weiterhin das warme Wetter für Bademöglichkeiten nutzen und so überreden wir den Kapitän, doch bitte eine kleine halbe Stunde Badestopp einzulegen. So geschieht es auch.

Unerwartet für uns fährt die MS Spalato nicht plangemäß bis Makarska, sondern läuft bereits auf der Insel Brač in den Hafen von Pučišća. Ein extrem ruhiger Hafenort! Ivo begründet das damit, dass er uns gerne auch das Kontrastprogramm zu den pulsierenden Reiseorten Split, Dubrovnik, Korčula und Hvar zeigen möchte.

6. Tag

Pučišća - Omiš

Mit den letzten Tagen beginnt das Programm sich zu dehnen, zeitliche Freiräume in z. B. Pučišća, wo nach flapsigem Sprachgebrauch "der Hund begraben liegt", werden länger.

Kurz vor 11.00 Uhr fahren wir langsam in das schräg gegenüber auf dem kroatischen Festland liegende Omiš ein. Das Tagesprogramm sieht als einzigen Ordnungspunkt eine Bootsfahrt auf dem Fluss Cetina vor. Die Cetina zieht sich wildromantisch durch eine zerklüftete Berglandschaft, die in den 60er Jahren als Kulisse für die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker diente.

In einer zum Restaurant umgebauten alten Mühle stoppen wir und nehmen das Mittagessen ein. Die Lage des Restaurants hätte jedem deutschen Biergarten Ehre gemacht, direkt am Fluss gelegen und unter hohen Schatten spendenden Bäumen.

Nach der Rückkehr wollen ein paar Unverdrossene gleich wieder Schwimmen gehen - zumal Omiš einen richtigen Sandstrand zu bieten hat (Kroatien ist eher wegen seiner Kieselstrände bekannt/berüchtigt).

Zum Abendessen hat sich der Smutje küchentechnisch weit aus dem Fenster gelehnt und offeriert eine Grillplatte mit den einst aus "jugoslawischen" Restaurants in Deutschland bekannten Zutaten. Er bleibt sich jedoch insofern treu, auch dieses Gericht nur mittelmäßig zu würzen.

7. Tag

Omiš - Split

Bis Split ist es nicht mehr weit, weshalb der Kapitän erst um 10.00 Uhr "Leinen los" befiehlt. Wir legen nochmals in einer windgeschützten Bucht eine Schwimmpause ein.

Das Wasser hat sich in unserer Urlaubswoche spürbar abgekühlt, nach meinem Empfinden kann es nur noch 18 °C haben. Weil es aber die letzte Badegelegenheit sein wird und die weiblichen Schwimmer stets die deutliche Mehrheit stellen, beiße ich die Zähne zusammen und hüpfe noch einmal hinein - ist ja nur der Einstieg, der Überwindung kostet.

Am frühen Nachmittag erreicht die MS Spalato ihre Namenstifterin (Split). Obwohl es ziemlich wuselig im Hafen zugeht, bekommen wir einen Liegeplatz direkt an der Promenade. Zwei große Kreuzfahrtschiffe befinden sich bereits vor Ort und werden Ihre geschätzt über 4.000 Passagiere längst auf die Altstadt losgelassen haben.

Ivo macht den Stadtführer, zumal es ja seine Heimatstadt ist. Mit großem Staunen vernehme und sehe ich, dass hier respektable Gebäudereste aus altrömischer Zeit stehen - mitten in der Altstadt gelegen und überwiegend in später gebaute Häuser integriert. Der römische Bauherr, Kaiser Diokletian, stammte aus Dalmatien und ließ sich um das Jahr 300 einen kolossalen Alterssitz erstellen. Da er zu den wenigen gehörte, die ihre Amtszeit lebend beendeten, konnte er seinen Ruhestand in der Heimat verbringen.

Split, mit seinen über zweihunderttausend Einwohnern, ist ein attraktiver Ort. Viele Sehenswürdigkeiten und großstädtischer Trubel. Diesen Besuch möchte ich für mich als Höhepunkt der Reise bezeichnen (noch vor Dubrovnik).

8. Tag

Heimflug nach Frankfurt und Zug-Heimfahrt

Um 8.30 Uhr schiebt uns der Kapitän von Bord. Ich erlaube mir die plakative Umschreibung, weil wir erst nach 16.00 Uhr am nahen Flughafen sein müssen und deshalb einen sehr langen Tag zu überbrücken haben.

Zunächst jedoch werden wir per Bus nach Trogir gebracht, einem 15 km westlich von Split gelegenen Küstenstädtchen. Die Altstadt Trogirs gehört mit ihrem mittelalterlichen Flair seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein hübscher Ort.

Nach einer kurzen Führung seitens Ivo - die Stadt ist ohnehin sehr klein - bleiben wir uns selbst überlassen. Ein Kaffee hier, ein Mittagessen da, ein Bier dort und gefühlt jede Gasse mindestens zweimal durchlaufen, so überbrücken wir die Stunden. Wie schön wäre es gewesen, wenn die MS Spalato uns hierher geschippert hätte (andere Motorjachten liegen auch da) und wir wenigstens bis zum frühen Nachmittag noch aufs Schiff hätten zurückgehen können, um auf dem Sonnendeck gemütlich zu warten.

Die LH-Maschine fliegt pünktlich los. Der Pilot legt in seinen Durchsagen einige humorvolle Wortschöpfungen ein. Lustig und ohne ins Alberne abzugleiten, schmückt er seine Informationen aus. Einige Passagiere lassen sich zu einem spontanen Applaus hinreißen - ich eingeschlossen.

Einmal in Schwung lässt sich das positive Erlebnis noch steigern. Der Flieger landet 10 Minuten vor der Zeit, wodurch wir einen früheren Zuganschluss schaffen und bereits kurz nach Mitternacht zu Hause sind.

Fazit:

Das dichte Zusammenleben auf einer Motorjacht macht die Reise außergewöhnlich. Der heutige Mensch lebt eher in einer Single-Wohnung als in einer Großfamilie.

Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn sich statt der aktuell 20 Personen die volle Kapazität von 36 Personen eingefunden hätte - und das womöglich in Koppelung mit schlechtem Wetter.

Auf einer Seereise kommt bekanntlich dem Essen große Bedeutung zu. Wie vorher schon vereinzelt angeklungen, gab es dazu auf der MS Spalato einiges zu bemängeln (einhellige Meinung der Passagiere).

So manches ließe sich an Bord und am Reiseverlauf leicht verbessern.

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