Januar 2019

Reisebericht: Vietnam & Kambodscha. Faszination und Mythos Indochina.

Faszination Indochina hautnah - Verfolgen Sie die Erlebnisse unseres Chronisten auf seiner Rundreise durch Vietnam & Kambodscha. Die Felsformationen in der Halong-Bucht oder die Tempelanlagen von Angkor - was wird Ihr persönliches Highlight werden?

Chronist Thomas in Vietnam & Kambodscha
Mein Tipp

Felsformationen treffen imposante Tempelanlegen

Dr. Thomas Hartung, Berge & Meer Chronist

Dr. Thomas Hartung (*1962 in Erfurt) promovierte nach seinem Lehramtsstudium in Magdeburg 1992 zur deutschen Gegenwartsliteratur und war danach erst jahrelang als Radio- und Fernseh-Journalist in Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie über 32 Semester als freiberuflicher Dozent für Medienproduktion und Medienwissenschaft an vielen Hochschulen Deutschlands tätig. Derzeit arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sächsischen Landtag und veröffentlicht gerade sein Buch "Wie steht's um Deutschland - Beobachtungen eines Konservativen".

Er ist nach seinen eigenen Worten unheilbar mit Fernweh infiziert und unternimmt mindestens einmal jährlich eine ausgedehnte Reise. Die nach Vietnam und Kambodscha war seine fünfte nach Asien. Er schätzt an dem Kontinent Küche, Klima, Natur und Landschaft - und die Menschen, die zeigen, dass man auch mit unterschiedlichen Religionen gut zusammenleben kann.

1. Tag

Hanoi

Linienflug von Frankfurt nach Hanoi.

2. Tag

Hanoi

Nach Ankunft und Empfang ging es sofort auf eine halbtägige Besichtigungstour durch die leider verregnete Hauptstadt Vietnams. Start war am Völkerkundemuseum, das die 84 Völker des Landes mit zahlreichen Kunst- und Alltagserzeugnissen präsentiert: von der Kleidung, über Musik-Instrumente, bis hin zu Rekonstruktionen traditioneller Langhäuser und anderer Gebäude, wie der verbreiteten Ahnentempel, die anschließend noch vielfach auf den Reisfeldern anzutreffen waren. Dazu gab es fachkundige historische Erläuterungen der Sitten und Gebräuche, durch den sehr gut deutsch sprechenden und hervorragend informierten Reiseleiter.

Daran schloss sich ein Gang zum sagenumwobenen Hoan-Kiem-See an, abgerundet von einem Besuch des im See gelegenen Ngoc-Son-Tempels mit einem Buddha, der als "Hüter der Literatur" gilt. Nach einem kleinen orientierenden Rundgang durch die Altstadt, auf dem das Überqueren der vielbefahrenen Straßen geübt wurde (Faustregel: nie rückwärts gehen!) und dem Bezug des Hotels, stand als Höhepunkt der fakultative Besuch eines Wassermarionettentheaters (UNESCO-Welterbe) an. Die Marionettenspieler sind nicht zu sehen. Sie stehen hinter einer Bühnenwand und bewegen von dort aus die 30 bis 70 Zentimeter hohen Holzfiguren. Wie sie das tun und welche Tricks sie dabei anwenden, bleibt den Zuschauern verborgen. Ein kleines Orchester mit vietnamesischen Musikinstrumenten begleitet die Vorstellung. Die dörfliche Kunst entstand im 11. Jahrhundert im Delta des Roten Flusses im Norden Vietnams, das so häufig von Überschwemmungen heimgesucht wurde, dass die Bauern auf die Idee kamen, im Wasser statt auf dem Land Marionettentheater zu spielen. Nach einem ebenfalls fakultativen 9-Gänge-Menü ging es dann zur wohlverdienten Nachtruhe.

3. Tag

Hanoi - Halong

Während der 180 km langen Busfahrt nach Halong nach dem Frühstück blieb genug Zeit, um das Panorama der Landschaft - anfangs Reis- und Gemüsefelder, später bewaldete Hügel - trotz des immer noch sehr feuchten Wetters zu genießen. Nach dem Einschiffen auf der luxuriösen Dschunke, die sogar einen Aufzug hatte, startete sofort die Fahrt durch die traumhafte Halong-Bucht, die "Bucht des untertauchenden Drachens". Der Legende nach soll die Landschaft von einem Drachen erschaffen worden sein, der nahe dem Meer in den Bergen lebte. Als er zur Küste lief, zog er mit seinem Schwanz tiefe Furchen in das Land, das vom Meer überflutet wurde, nachdem der Drache ins Wasser abgetaucht war.

Im Film "James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt" spielt der Showdown in der Halong-Bucht. Im Gegensatz zu dem der Fahrt, faszinierte jetzt das Panorama der mehr als 2.000 Inseln und zerklüfteten Kalksteinfelsen, die leider nicht nur in Nebel verhüllt waren. Auch eine Unzahl an weiteren großen und kleinen Ausflugsschiffen schmälerten sowohl die Aussicht als auch den Zauber.

Nach dem Mittagessen an Bord standen dann die Besichtigung der Sung-Sot-Höhle und der Luon-Grotte auf dem Programm. Die Tropfsteinhöhle sorgte durch ihre Größe und raffiniert angeordneten Lichtspiele für Staunen. Die Fahrt durch die Luon-Grotte, die in einen Lagunen-See mündete, per traditionellem Ruderboot wurde zu einer Affenbeobachtung - ein paar der Kletterkünstler tummelten sich am Felsen.

Zurück auf dem Boot, konnten Interessierte die richtige Zubereitung einer vietnamesischen Frühlingsrolle lernen: auf einem runden befeuchteten Stück Reispapier Glasnudeln, rote Paprika, grünen Kohl, weiße Zwiebeln, dazu gewürfelte Fleischwurst und Käse einwickeln und zum Schluss an den Seiten mit einer halben Garnele abschließen. Die fertige Köstlichkeit wird so verzehrt, kann aber auch frittiert oder gebraten werden. Nach einem wiederum 9-Gänge-Menü - ohne Frühlingsrolle - klang der Abend ruhig aus. Die Übernachtung auf der sich sanft-wiegenden Dschunke hatte dann etwas von Seeräuberromantik.

4. Tag

Halong - Hanoi - Hue

Nach dem Frühstück ging es zur Titov-Insel. Hier konnte man entweder 400 Stufen zur einer Pagode auf dem Gipfel emporsteigen, von dem sich ein traumhafter Blick auf die Halong-Bucht bot - oder an einem kleinen Strand an derselben eine erfrischende Abkühlung nehmen. Wieder auf der Dschunke angelangt, führte deren Fahrt leider zurück in den Hafen Halong. Nach der Ausschiffung und einem - man ahnt es - 9-Gänge-Menü (diesmal nur Seafood), verfloss der Tag mit der Fahrt zum Flughafen Hanoi, wobei es einen lehrreichen Zwischenstopp auf einer Perlausternfarm gab; dem Flug nach Hue und dem Bezug des luxuriösen Hotels. Auch hier fielen die hervorragenden Deutsch- und Landeskenntnisse des Reiseleiters positiv auf, der stolz auf seinen Gastarbeiterstatus in Chemnitz (DDR) verwies.

5. Tag

Hue - Hoi An

Der Vormittag war der alten Hauptstadt Vietnams gewidmet. Die Kaiserstadt Hue, der Verbotenen Stadt in Peking nachempfunden, ist seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe. Die ursprünglichen Mauern erstreckten sich über 10 km und waren von einem tiefen Burggraben umgeben. Trotz vieler Zerstörungen während des vietnamesisch-amerikanischen Krieges ermöglichen die verbleibenden Monumente einen faszinierenden Einblick in das Leben am Hofe der Nguyen-Dynastie: die Dien-Tho-Residenz, die früher den Königen als Wohnsitz diente, der Thai-Hoa-Palace, die prachtvolle Empfangshalle, die Bibliothek, der Palast der Königinmutter, die Ahnenstraße mit vielen überdimensionierten Eisen-Urnen und die Hallen der Mandarine, vor der ein traditionelles Ensemble spielte. Auch ein palasteigenes Theater war zu besichtigen. Viele Bauwerke werden mit ausländischer Hilfe (und Geld) saniert und waren eingerüstet. Aus Ehrfurcht vor den toten Herrschern ist in einigen Räumen das Fotografieren verboten, auch Schuhe, zu kurze Kleidung und Kopfbedeckungen sind nicht statthaft.

6. Tag

Hoi An

Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Altstadt Hoi Ans, die ebenfalls unter dem Schutz der UNESCO steht und als einzige gilt, die im Vietnamkrieg unversehrt blieb. Von der Handelstradition kündet neben -zig Geschäften heute noch ein riesiger Lebensmittelmarkt: es gab kein Gemüse, keinen Fisch, kein Gewürz, das nicht im Angebot war. Ein weiteres Schmankerl: die überdachte Japanische Brücke von 1593, die die japanische Gemeinde erbaute, um ihr Viertel mit dem der Chinesen auf der anderen Seite des Thu-Bon-Flusses zu verbinden. Daneben standen zwei Museen, eins zur Porzellan- und das Sa-Huynh-Museum zur Wohnkultur, der Besuch des chinesischen Tempels und einer Laternenmanufaktur mit Seidenraupenfarm auf dem Programm.

Wer wollte, konnte am Nachmittag noch eine Bootsfahrt unternehmen; sonst blieb Zeit für eine persönliche Einkaufstour oder für eine Abkühlung im Pool bzw. im nahen Meer. Einige Herren nutzten den Übernacht-Service örtlicher Schneidereien, sich binnen 24 Stunden einen Anzug fertigen zu lassen.

7. Tag

Hoi An - Danang - Siem Reap

Der Vormittag stand zur freien Verfügung: ausschlafen, shoppen, erholen, baden... Am Mittag startete für Aktivurlauber eine 10 km lange Radtour in das Gemüsedorf Cam Thanh mit Verkostungen, einem Kochkurs für vietnamesische Eierkuchen sowie einer Fußmassage. Dabei verlief die Fahrt zwischen Reisfeldern, Lotusteichen und Süßkartoffelplantagen vorbei an Pampelmusen-, Kumquat-, Avocado- und Durianbäumen. Der Abend verging mit der Fahrt zum Flughafen Danang, dem Einchecken und dem Flug nach Siem Reap in Kambodscha, das erst nach Mitternacht erreicht wurde. Nach einer ermüdenden Visa-Prozedur und einer halbstündigen Busfahrt, kehrte erst nach 2.00 Uhr Ruhe im Hotel ein.

8. Tag

Siem Reap - Angkor - Siem Reap

Die zweite Urlaubswoche startete mit einem Höhepunkt der gesamten Reise: dem Besuch der weltbekannten Tempelanlagen von Angkor. Zuvor mussten in einem wiederum bürokratischen Prozedere an der Zentralkasse die mit Passbild personalisierten Eintrittskarten erworben werden. Außerdem war es nötig, den großen gegen zwei kleine Busse einzutauschen - anders wären die jahrhundertealten Toranlagen nicht zu durchfahren gewesen. Start war dann in der Königsstadt Angkor Thom mit dem Ta-Prohm-Tempel, in dem u. a. "Tomb Raider" gedreht wurde. Die Besonderheit der seit Jahrhunderten aufgegebenen Anlage, die mühsam restauriert wird, ist die Überwucherung mit teilweise gigantischen Baumwurzeln. Daran schloss sich der Bayon-Tempel an – Mittelpunkt der neun Quadratkilometer großen Tempelanlage, in der auch mehrere Affenkolonien leben. Die vielen Reliefs waren aufgrund der Kürze der Zeit kaum in ihrer Pracht und ihrem Detailreichtum zu erfassen.

Nach dem individuellen Mittagessen, bei dem auch Froschgerichte wählbar waren, ging es dann nach Angkor Wat, das seit 1972 UNESCO-Weltkulturerbe ist. König Suryavarman II. hatte diesen Tempel dem hinduistischen Gott Vishnu geweiht. Er gilt als Paradebeispiel für die einzigartige Kunst der Khmer und Hindus und weist die längsten zusammenhängenden Flachreliefs der Welt auf - die erst recht nicht komplett zu erfassen waren, aber gute Einblicke in die Geschichte der hinduistischen Mythologie gewährten. Der 65 Meter hohe Tempelturm, den kein Gebäude in der Stadt überragen darf, war allerdings nur nach langem Anstehen und nur bis zur halben Höhe besteigbar.

9. Tag

Siem Reap - Angkor - Siem Reap

Los ging's mit einem optionalen Ausflug nach Mecrey, einem schwimmenden Dorf am Fluss Tonle Sap, der sich hier zum See weitete und ebenfalls Welterbe ist: zur Regenzeit vergrößert er seine Fläche und die Tiefe um das Fünffache und kehrt als Fluss seine Fließrichtung um, um die Massen des Mekong abzuführen. Alles spielt sich auf dem Wasser ab: selbst der Unterricht findet auf einer schwimmenden Schule statt, die sogar eine Basketballhalle hat. Manche Anwesen hatten eine schwimmende Geflügel-, ja einige gar eine Krokodilfarm: das Fleisch wurde gegessen, das Leder nach Thailand verkauft. Nach dem Mittagessen folgte der vierte und leider letzte Angkor-Besuch: zum Tempel Banteay Srey knapp 40 km nördlich von Siem Reap. Der rote Bau zählt wegen seiner aufwendigen und scheinbar nicht verwitternden Reliefarbeiten zu den Juwelen der Khmer-Kunst.

Danach folgte eine bittere, aber nötige Geschichtsstunde. Das Pol Pot-Regime zwischen 1975 und 1979 war berüchtigt ob seines Genozids, dem bis zu 2.2 Mio. Menschen zu Opfer fielen: auf der Grundlage eines extremen, steinzeitkommunistischen Maoismus sollte ein neuer agrarischer, einheitlicher „Bauerntyp“ geschaffen werden. Intellektuelle, Minderheiten und andere Bürger wurden auf sog. "Killing Fields" erschossen oder erschlagen. Eine Stupa mit menschlichen Überresten auf dem Gelände eines Klosters erinnert heute an dieses dunkle Kapitel, das umso absurder anmutet, als die damaligen Nr. 4 und 5 der Roten-Khmer-Generalität heute an der Spitze des Landes stehen. Ein Gebäude der Klosteranlage diente damals als Lager.

Mit dem Besuch der folkloristischen "Apsara Dance Performance" im "Crystal Angkor" mit Vier-Gänge-Menü in der Art einer Dinner-Show, klang der Tag aus. Dabei handelte es sich um eine klassische Khmer-Performance, inspiriert vom namens-gebenden Wasser- und Wolkengeist der hinduistischen und buddhistischen Mythologie. Die Apsaras finden sich auf Reliefs der Angkor-Tempel und werden in derselben eng anliegenden traditionellen Kleidung, mit reich verzierten Kopfbedeckungen und vergoldetem Schmuck dargestellt. 2003 wurde der Tanz von der UNESCO als immaterielles Welterbe anerkannt. Kein Wunder: es gibt mindestens 4.500 grundlegende Bewegungen und Gesten, die zu lernen sind. Besonders die Handgesten fallen auf: die Handgelenke und Finger sind in außergewöhnlichen Winkeln nach hinten gebogen und repräsentieren Elemente aus der Natur, darunter Blumen, Blätter und Früchte. Getanzt wird zu Melodien, die auf traditionellen Musikinstrumenten gespielt werden, einschließlich dem Kong Thom (einem Halbkreis aus Metallglockenspielen auf einem Holzrahmen), Rumana (Schlagzeug) und dem Roneat Thung (einem fischskelettförmigen Xylophon). Das war übrigens nach Halong, Hue, Hoi An, Angkor und Tonle Sap bereits das sechste Welterbe auf dieser Reise.

10. Tag

Siem Reap - Phnom Penh

Der Tag sollte allein der Fahrt von Siem Reap nach Phnom Penh und der Erkundung der Hauptstadt von Kambodscha gewidmet sein. Doch er startete mit einer gruppeninitiierten Überraschung: nach dem Bericht des Reiseleiters, das selbst unter seinem Berufsstand für den Brunnenbau notleidender Dörfer gesammelt wird, die dann im Besichtigungsprogramm stehen, reifte unter den 31 Reisenden der Entschluss, dem bitterarmen Land einen solchen Brunnen zu spenden. Kosten-punkt: über 200 Euro. Eine Sammlung ergab die Summe von 180 Euro, die am Morgen feierlich zur Verabschiedung des Reiseleiters an ihn übergeben wurde. Bewegte Dankesworte waren der Lohn.

Danach ging's per Bus auf die 340 km lange Strecke in die kambodschanische Hauptstadt. Höhepunkt war die Rast in einem Dorf, wo neben "gewöhnlichen Speisen" und vielerlei Früchten auch frisch gegrillte Maden, Kakerlaken und Spinnen kredenzt wurden - eine Raststätte hatte ein solches possierliches Tierchen überdimensioniert vor den Eingang gestellt, damit jeder Gast sofort weiß, was ihn erwartet. Nach dem Bezug des Hotels war Zeit für eine individuelle Erkundung der pulsierenden 2-Millionen-Metropole, die für manche wegen eines plötzlichen Wolkenbruchs buchstäblich ins Wasser fiel.

11. Tag

Phnom Penh - Chau Doc

Der Vormittag beinhaltete ein straffes Programm, das die aus einem Kloster hervorgegangene und malerisch am Zusammenfluss der drei Flüsse Mekong, Bassac und Tonle Sap liegende Stadt erfahrbar machen sollte. Dass sie einst als schönste der während der französischen Kolonialzeit erbauten Städte in Indochina galt, ist leider nur noch vereinzelt zu erahnen: viele Häuser sind heruntergewirtschaftet, überdies entstehen viele Hochhäuser und lassen das Zentrum "seelenlos" werden.

Der Höhepunkt lag gleich am Anfang: der Königspalast, offizieller Regierungs- und Wohnsitz von König Norodom, sowie der benachbarte Tempelkomplex der Silberpagode ("Tempel des Smaragd-Buddhas"), die auch die Stupas der letzten Könige beherbergt. Das viele Gold, selbst wenn es nur Blattgold war, beeindruckte die Sinne. Im Nationalmuseum, zweite Station, gab es viele Einblicke nicht nur in die Geschichte, sondern auch in die Sagen und Mythen der Khmer. Abgerundet wurde der Vormittag vom Besuch des Zentralmarkts. Vom noch zappelnden Wels über Schuhe und Kleidung bis zum Radio gab es wie schon in Hoi An nichts, was es nicht gab. Danach ging‘s mit dem Schnellboot über den mächtigen Mekong nach Chau Doc zurück nach Vietnam. Das Bootsvergnügen wurde durch sehr beengte Platzverhältnisse getrübt und durch sehr langsame Grenzkontrollen unerwartet in die Länge gezogen, so dass die Ankunft am Hafen bereits in tiefster Dunkelheit erfolgte - die Flusslandschaft blieb für die letzte Stunde nahezu unsichtbar. Nach dem Einchecken im Hotel unternahmen die meisten eine Abendessen-Erkundungstour.

12. Tag

Chau Doc - Can Tho

Der Reisetag führte zunächst mit dem Schiff durchs Mekong-Delta - die am Vorabend dunkel gebliebene Flusslandschaft lag nun im Hellen. Zunächst stand die Besichtigung einer schwimmenden Fischfarm auf dem Programm, dann der Besuch von Gehöften der Cham, einer Minderheit zwischen Hinduismus und Islam, die als Bauern und Handwerker leben. Die Stege übers Wasser und die Sümpfe waren eigenwillig zu begehen. Die Häuser selbst stehen auf Pfählen: einerseits zum Schutz vor Hochwasser, andererseits zum Schutz vor Getier.

Mit dem Bus ging es dann zur Lady-Chua-Xu-Pagode am Fuße des Sam-Berges, dem bedeutendsten regionalen Heiligtum, in dem vom Räucherstäbchen bis zum Spanferkel alles geopfert und teilweise sogar verbrannt werden kann. Eine eigene Schatzkammer zeigt wertvolle Opfergaben wie Vasen, prunkvolle Kleidung und Schmuck. Vorbei an Reisfeldern, Blumenplantagen und Schwalbenfarmen zur Gewinnung der essbaren Schwalbennester, einem ebenso teuren wie nach nichts schmeckenden Lebensmittel, führte die Fahrt nach Can Tho; fakultativ konnte auf einer Krokodilfarm Mittag gegessen werden. Am Abend blieb Zeit zur Entspannung im Pool in der 8. Etage oder der Dachterassenbar des Hotels oder zur Erkundung der Nachtmärkte mit ihren vielen lokalen Spezialitäten.

13.Tag

Can Tho - Cai Rang - Ho-Chi-Minh-Stadt

Der nächste Höhepunkt der Reise wartete: der schwimmende Markt von Cai Rang. Hier bieten Händler vor allem Lebensmittel nach der Art von Großhändlern auf dem Wasser an - die vielen kleinen, die noch vor einem Jahrzehnt den Markt prägten, sind leider schon vertrieben und/oder haben sich an Land angesiedelt. Diese Art von Handel wird laut Reiseführer früher oder später verschwinden bzw. rein für Touristen am Leben erhalten, die auch sehr zahlreich vertreten waren.

Nur wenige nutzten dann die Chance, die landestypische Pho-Suppe zu genießen. Das Nationalgericht der Vietnamesen wird auf den Booten über kleinen Feuern zubereitet und zum Verkauf angeboten. Neben Reisnudeln kommen Sojasprossen, kleine Fleischstückchen, Zwiebeln und verschiedene Kräuter in die Suppe. Das Gemisch wird mit Brühe übergossen und zum Abschluss mit klein gehackten Erdnüssen überstreut. Der Verzehr der Suppe mit Stäbchen und Löffel auf einem schaukelnden Boot erfordert viel Geschicklichkeit, doch der außergewöhnliche exotische Geschmack soll für die Mühen entschädigen.

Wer darauf verzichtete, hatte dann zum Mittagessen die Gelegenheit - nach dem Auschecken aus dem Hotel in Can Tho ging es dann auf Tour nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon), die am Nachmittag erreicht wurde. Die laute 8-Millionen-Metropole bot dann Zeit zu einer ersten privaten Erkundung. Die Lautstärke steigerte sich am Abend noch, da Vietnam im Asien-Cup gegen Jordanien Fußball spielte - und nach Elfmeterschießen gewann: das Spiel wurde in jeder Garküche, jedem Laden und jedem Herbergsvestibül übertragen; jede Aktion der eigenen Mannschaft frenetisch gefeiert.

14.Tag

Ho-Chi-Minh-Stadt

Das alte Saigon galt es heute zu erkunden – bei einer Stadtbesichtigung mit Rundgängen durch das historische Zentrum. Die Melange aus Hochhäusern, Häusern aus der Kolonialzeit und antiken Tempeln ist faszinierend. Start war der Wiedervereinigungspalast, in dem zuvor der südvietnamesische Präsident saß. Vom Technik-Bunker über die Arbeits- und Empfangsräume bis zum Kinosaal und den Privatgemächern ist alles originalgetreu bewahrt. Danach ging es über die Emperor-of-Jade-Pagode, in deren Teichen weiße Welse schwammen und in der gerade eine Prozession stattfand, zur neo-romanischen Kathedrale Notre Dame, die leider zur Besichtigung gesperrt war, weiter über Hauptpost, Rathaus und Opernhaus bis zum Ben Tanh Markt, einem typischen asiatischen Markt mit Lebensmitteln, Kleidung, Souvenirs und Ramsch. Es folgte das große chinesische Viertel Cholon mit der verräucherten Thien-Hau-Pagode und als emotionaler Höhepunkt das Kriegsrestemuseum des amerikanischen Vietnamkriegs.

Das Bedrückende daran waren nicht die auf zwei Etagen in teilweise pulitzerpreisgekrönten Bildern zur Schau gestellten Kriegsgreuel, ergänzt um ein Außengelände mit einem Gefängnisnachbau und erbeuteter Kriegstechnik, die rein quantitativ in drei KZ-Gedenkstätten gepasst hätten. Das Bedrückende daran waren die selbstgemalten Zeichnungen kindlicher und jugendlicher Agent-Orange-Opfer, auf denen sie ihre körperlichen Missbildungen und seelischen Verletzungen durch das Giftgas verarbeiteten. Eine Sonderschau war den getöteten Kriegsberichterstattern gewidmet, darunter dem legendären Robert Capa. Naturgemäß fand die Auswahl der besichtigten Stätten dieses Tages nicht den Beifall aller Reisenden: manchen war es zu viel Politik, manchen zu viel architektonische Klischees, und wieder anderen zu viel Religion.

15. Tag

Ho-Chi-Minh-Stadt - Cu Chi - Phan Thiet

Der letzte Ausflug vor dem Badeurlaub war dem Tunnelsystem von Cu Chi gewidmet, in dem sich vietnamesische Partisanen im Vietnamkrieg von 1960 bis 1975 versteckt hielten. Zuletzt angewachsen auf eine Gesamtlänge von 200 Kilometern auf drei Ebenen, waren unter der Erde ganze Städte entstanden mit Schulen, Lazaretten, Büros und Schlafgelegenheiten. Die unterirdischen Gebäude waren durch Tunnel von ca. 80 cm Höhe und 60 cm Breite verbunden. Extra für westliche Touristen wurde ein 90 Meter langes labyrinthisches Stück der Gänge auf 1.20 Meter Höhe und 0,80 Meter Breite vergrößert - allein die Durchquerung dieses Stücks empfanden untrainierte Mitteleuropäer als Tortur.

Im Anschluss wurde der Dolmetscher Bao mit viel Beifall verabschiedet - seine Sprachkenntnisse, sein Vermittlungsgeschick und seine unabhängige Denkweise, die er uns mit vielen persönlichen Anekdoten gewürzt nahebrachte, können als vorbildhaft gelten. Danach teilte sich die Reisegruppe: die einen traten am Abend die Heimreise an, die anderen fuhren ca. 200 km am höchsten Gebäude Vietnams sowie an diversen Drachenfruchtplantagen und Felsformationen vorbei nach Phan Thiet, einer Fischereistadt, wo am Abend die Zimmer des 4-Sterne Ressorts "Amaryllis" bezogen wurden.

16. - 19. Tag

Phan Thiet

Das gepflegte Poolhotel mit direktem Strandzugang überzeugte mit freundlichem Service, guter Küche, moderaten Preisen und einem ausgeklügelten Strandliegensystem, das Handtuchbesetzungen am frühen Morgen erfolgreich den Kampf ansagte: an der Rezeption konnte ab 8 Uhr in einem Liegenplan ähnlich dem Platzplan von Konzertveranstaltern eine Liege entweder am Pool, im Poolgarten oder direkt am Strand ausgesucht und belegt werden - die Einhaltung der schriftlich zugewiesenen Nummer wurde von Platzwarten akribisch kontrolliert und überwacht.

Auch das Fehlen schriller Strand- und Wassersportarten fiel angenehm auf: neben Ebbe und Flut mit unterschiedlichem Wellenspiel gab es keinen weiteren Lärm. Bei Ebbe war das Ufer schon mal 100 Meter entfernt. Neben Deutsch waren vor allem russisch, aber auch finnisch, holländisch und englisch zu hören. Täglich wurden zwei kostenlose Busse ins Stadtzentrum sowie zu einem großen coop-Supermarkt mit Kaufhaus, in dem leider nur mit Dong bezahlt werden konnte, angeboten - letzerer fuhr nach zwei Stunden zurück, der erste nach sechs Stunden. Negativ mussten die Angewohnheit der Hotelgärtner vermerkt werden, morgens ab 8.00 Uhr mit Hingabe die Grünanlagen zu mähen, sowie täglich gegen 17.30 Uhr mindestens ein sekundenlanger Stromausfall, manchmal mehrere hintereinander und einmal sogar morgens.

Nach vier erholsamen Tagen trat auch diese Gruppe die Heimreise an aus einem armen, kriegsgebeutetelten, aber faszinierenden Land an der Schwelle zu einer sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung. Einem Land, das noch viele unentdeckte historische Schätze zu bieten hat und in der politischen Geschichte Südostasiens eine bedeutende Rolle spielen kann – wenn es sich nicht wieder als Spielball widerstreitender geopolitischer Interessen missbrauchen lässt.

20. Tag

Abreise

Transfer zum Flughafen und Rückflug nach Deutschland.

21. Tag

Ankunft in Deutschland

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