Juli 2019

Reisebericht: Namibia – Erlebnisreise von Windhoek bis Waterberg

Spannende Erlebnisse warten auf unsere Chronistin und Sie. Erhalten Sie Einblicke in die Lebensweise der Ovahimbas oder begeben Sie sich auf spannende Safaris im Etosha Nationalpark!

Chronistin Ines in Namibia
Mein Tipp

Erlebnisreiche Rundreise durch Namibia

Ines, Berge & Meer Chronistin

ich bin Ines, arbeite als Lehrerin für Geographie und bin immer ganz neugierig auf die weite Welt. Nicht ganz ohne schlechtes Gewissen haben wir uns für eine Reise nach Namibia entschieden, es gibt hier so unglaublich viel zu entdecken. Dieses Ziel gehört schon lange zu meinen Traumzielen.

In Namibia gibt es ein außergewöhnliches Konzept für den Tourismus, den sogenannten Community Based Tourism. Man bemüht sich hier, den Tourismus nachhaltig zu gestalten und die Menschen direkt davon partizipieren zu lassen. Ich bin besonders neugierig darauf, mit eigenen Augen zu sehen, wie man das umsetzen kann.

Ich lade sie ein, uns auf unserer Reise zu folgen.

1. - 2. Tag

Anreise - Windhoek - Okapuka (ca. 30 km)

Mit dem Zug geht es von Berlin nach Frankfurt, dann ein 10 stündiger Flug, um beim Ausstieg in Windhuk mit einem glutroten Morgenhimmel empfangen zu werden - das ist ein klein wenig Entschädigung für den Flug mit viel zuengen Sitzreihen.

Es dauert ein wenig, bis sich die Reisegruppe zusammengefunden hat, wir sind 14 Namibia-Neugierige in einem kleinen Bus. Kaum haben wir den Flughafen verlassen, sehen wir die ersten Antilopen, auch Paviane gehören zum Begrüßungskomitee am Straßenrand. Es ist Trockenzeit, die Landschaft präsentiert sich in beige-grau mit ein wenig Restgrün. Aber das wird vorteilhaft für die Tierbeobachtung sein. Zu sehen sind auch die Auasberge mit fast 2.500 Metern über dem Meeresspiegel.

Nach einer guten halben Stunde erreichen wir Windhuk, inzwischen leben hier 480.000 Menschen, aber die Stadt macht einen entspannten Eindruck, es ist wenig Verkehr. Wir besichtigen die 1907 erbaute Christuskirche, den Marmor für die Säulen hat man aus Carrara/ Italien herangeholt. Wir erfahren wichtige Eckdaten der Kolonialgeschichte, haben die Gelegenheit ins Nationalmuseum zu schauen und besichtigen den Tintenpalast von Außen und besuchen den Bahnhof, der noch viel kolonialen Charme besitzt. Während unserer Fahrt durch Katatura erfahren wir von unserem Reiseleiter, wie man die einheimische Bevölkerung während der Zeit unter südafrikanischer Hoheit ausgegrenzt hat. Der Stadtteil hat sich aber seither sichtbar konsolidiert und die Lebensbedingungen für die Menschen haben sich sichtlich verbessert.

Dann endlich geht es in Richtung der Okapuka Ranch, wo wir heute übernachten werden. Ein bisschen Ruhe ist dringend erforderlich, wir sind seit 28 Stunden unterwegs, als wir hier ankommen. Die Warzenschweine auf dem Gelände haben uns in aller Ruhe erwartet. Von den gemütlichen Bungalows sind wir begeistert, alles wirkt liebevoll und authentisch.

Am Nachmittag gönnen wir uns einen Drink in der Hotellounge und beobachten einen Kolibri, sehen Strauße und Warzenschweine aus gemütlicher Position. Kurz vor Sonnenuntergang werden wir von offenen Geländewagen abgeholt und fahren zur Gepardenfütterung. Die Geparden, die ihre Mutter verloren haben, werden hier aufgezogen und allabendlich vor Publikum gefüttert, wir erleben hautnah diese faszinierenden Tiere in fast natürlicher Umgebung und kehren im Sonnenuntergangslicht in die Lodge zurück, wo uns ein leckeres Grillabendmahl erwartet.

Bestimmt werden wir nach diesen Erlebnissen tief und fest schlafen.

3. Tag

Okapuka - Maltahöhe - Namib Naukluft (ca. 515 km)

Heute müssen wir noch früher raus, es gibt auch nur einen Tee oder Kaffee, denn wir müssen zum Sonnenaufgang am Parkeingang sein. Auf der Fahrt durch die Savanne bei aufgehender Sonne sehen wir immer wieder Antlilopen am Straßenrand. Die Straße ist wie meist, eine nicht befestigte Schotterpiste, unser Busfahrer chauffiert uns sicher mit 95 km/h darüber. Die Gegend ist neblig vom aufgewirbelten Staub. Am Parkeingang wartet eine Autoschlange auf die Öffnung mit Sonnenaufgang. Düne 45 ist voller "Ameisen", dafür kann man die aufsteigenden Touristen aus der Ferne durchaus halten.

Wir fahren bis zum Ende der Piste, wo wir die Düne neben dem Death Vlei besteigen. Es läuft sich besser als erwartet, nach ca. 30 Minuten haben wir die höchste Stelle erreicht. Der Blick von oben in die Salzpfanne ist imposant, aber es wimmelt auch hier wieder von "Ameisen". Ein Spaß ist der Abstieg von der Düne, in kontrollierten kurzen Schritten mit der Ferse aufgesetzt geht es bergab. Unten angekommen entfernen wir den Sandkasten aus unseren Schuhen. Der Himmel ist tiefblau wie jeden Tag, wir haben noch keine Wolke gesehen. Das ergibt einen wunderbaren Kontrast zu den roten Dünen, der fast weißen Salzkruste und den bis zu 500 Jahre alten abgestorbenen Bäumen. In der Sonne ist es inzwischen gnadenlos heiß, deshalb sind wir froh, dass wir die Wartezeit bis zum Rückweg im Schatten eines Kameldornbaumes verbringen können.

Vor Ausfahrt aus dem Sossusvlei-Park nehmen wir noch den Abzweig zum Sessriem-Canyon, am Grund der 30 Meter tief eingeschnittenen Schlucht kann man einen abwechslungsreichen Spaziergang unternehmen. Ungewöhnlich ist das Gestein, es handelt sich um Konglomerat.

Nach einer kurzen Mittagsrast geht es zurück zur Hammersteinlodge, wir haben nur eine halbe Stunde, um uns auf die Pirschfahrt zum Sonnenuntergang vorzubereiten, wir wissen inzwischen, dass es abends schnell ungemütlich kalt wird, also ist eine warme Jacke wichtig. Die Fahrt geht durch ein Wildgehege, wir sehen Kudu- und Elenantilopen, Springböcke, Wasserböcke und einen tollen Sonnenuntergang.

Das Abendessen mit Oryxgulasch und Kudubraten war wieder sehr lecker. Nachts heißt es, sich gut zuzudecken, es wird sehr kalt, vielleicht sind es nur 4°C.

4. Tag

Namib Naukluft - Sossusvlei - Namib Naukluft (ca. 200 km)

Mit dem gemütlichen Frühstück aus der Reisebeschreibung wird es wieder nichts, es heißt wieder 6 - 7 - 8, wobei wir den Wecker auf 6.30 Uhr verlegen. Leider ist die Abbestellung des Weckklopfens nicht angekommen, was uns den Tag ein wenig mufflig beginnen lässt. Dann versperrt uns eine Oryxantilope gleich noch die Straße. Na ja, wir haben eben 450 km Staubpiste vor uns, zum Glück ist die Federung des Busses ganz brauchbar.

Eine Rast legen wir in Solitaire ein, wo wir typisch deutsch-namibischen Apfelkuchen genießen. Die Strecke führt über den beeindruckenden Kuiseb-Canyon. Die Landschaft ist zerklüftet von zahlreichen Nebentälern des Canyons, der sich hier in Schieferschichten ausgebildet hat. Eine wirklich imposante Landschaft. Hier hatten die Geologen Henno Martin und Hermann Korn sich vor den Wirren des 2. Weltkrieges zurückgezogen. Ich notiere mir die Empfehlung des Romans von Henno Martin "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste". Gleich hinter der Schlucht finden sich wenige Exemplare der alten Köcherbäume.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Swakopmund, besuchen am Nachmittag die Ausstellung der einheimischen Schlangen, handeln ein wenig auf dem Handwerksmarkt, gehen bei starkem Wellengang die Strandpromenade entlang und lassen uns das Abendessen im Hansahotel schmecken.

5. Tag

Namib Naukluft - Swakopmund (ca. 450 km)

Für heute haben wir mit dem Ausflugspaket eine halbtägige Bootstour ab Walvis Bay gebucht. Wir haben es uns gerade auf dem Katamaran gemütlich gemacht, da haben wir auch auch schon Besuch von Robbie der Robbe an Bord. Unser Tourguide Carol-Ann kennt die Robben und Pelikane mit Namen. Sie erklärt uns dann auch, woran sie die Tiere unterscheiden kann, sie ist hier schon seit mehr als 10 Jahren regelmäßig unterwegs. Die Fütterung der Robben und Pelikane ist imposant, wir dürfen auch den Fisch halten, was sich nur Max traut.

Wir werden gut versorgt während der fast zweistündigen Fahrt zur Robbenkolonie, mit erfrischenden Getränken ebenso wie mit umfangreichen Informationen über die Austernzucht in der Bucht. Die Robben auf der schmalen Halbinsel sind fast unzählig, sie spielen regelrecht mit einigen Kajaks vor der Küste. Auf der Rückfahrt gibt einen leckeren Mittagsimbiss mit Sekt, die Austern bilden das Highlight, ich persönlich muss das aber nicht wieder haben. Insgesamt haben wir einen entspannten und spannenden Vormittag genossen, endlich mal ohne Bus.

Zurück an Land besuchen wir noch kurz die Pelikankolonie am Ende der Bucht, die Tiere stehen hier zu Hunderten im flachen Wasser, ein wunderbarer Anblick.

Am Nachmittag haben wir Zeit zur freien Verfügung und nutzen diese für den Besuch im Meeresmuseum. Ein Glasgang gibt hier Einblick in das Leben der Gewässer vor der Küste Namibias. Eine Empfehlung für das Abendessen ist das Restaurant "The Tug" an der Mole.

6. Tag

Swakopmund

Heute heißt es 7- 8 - 9, also haben wir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Wir verlassen Swakopmund und fahren vorbei an der größten Uranmine landeinwärts.

Unterwegs sehen wir die Spitzkoppe und sind etwas traurig, dass wir hier nicht wandern können. Die Echse am Wegrand erinnert uns daran, dass das vielleicht gar nicht ungefährlich ist.

Unser erster Stopp ist in Braai Hout, wo die Damarafrauen Mineralien und Schmuck aus diesen verkaufen. Es ist ein überdachter kleiner Handelsplatz, aber es gibt mindestens 10 Stände, die weitgehend das gleiche Angebot haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ganzen Familien von dem Leben können, was sie hier an die Touristen verkaufen. Meine Nachfrage ergibt, dass sich hier nur Frauen und Kinder aufhalten, die Männer suchen die Mineralien in den Erogobergen, die Jungen hüten die Tiere, man hat also verschiedene Einkommensquellen.

Ein Grund für die Wahl dieser Rundreise, war die Möglichkeit des Besuches bei den San und den Himba. Unser Weg führt uns zu den San in den Erongobergen. Schon die Landschaft fasziniert mich, alter Granit, der einer intensiven Temperaturverwitterung ausgesetzt ist ergibt die kuriosesten Felsformen.

Wir werden im Dorf von zwei San-Jägern begrüßt und von Ihnen durch die Umgebung geführt, wobei sie uns erklären, wie sie Spuren lesen oder die Möglichkeiten der Pflanzen als Medizin nutzen. Uns ist leider bewusst, dass es den San nicht mehr möglich ist, ihre traditionelle Lebensweise aufrecht zu erhalten. Der Staat verbietet diesen Volk, das nur noch ca. 50.000 Menschen zählt, die Jagt, obwohl diese den Kern der Lebensweise darstellt. Was für eine Ironie ist es, dass in diesem Land der Jagdtourismus eine wichtige Einnahmequelle darstellt, die zahlenden Ausländer dürfen ihre Trophäen jagen und die San schauen zu, sie müssen Geld verdienen, damit sie ihre notwendige Nahrung im Supermarkt bekommen. So ist es uns ein Bedürfnis, eines der angebotenen Souveniere mitzunehmen, die aus ihrem Handwerk stammen.

Während unseres Spazierganes zeigen uns die beiden Jäger auch einige kleinere Felsmalereien, die man aber leider nicht exakt datieren kann.

Weiter geht es in Richtung Omaruru, wir halten am Ortseingang an einer Werkstatt, in der aus alten knorpligen Wurzel kunstvolle Schnitzereien entstehen, je nachdem, was der Künstler darin entdeckt.

7. Tag

Swakopmund - Erongo Gebirge - Omaruru Region (ca. 310 km)

Start ist heute um 8.00 Uhr, es geht vorbei am Brandberg, zum lebendigen Dorf der Himba. Unser Reiseleiter betont den Begriff "lebendiges Dorf" immer wieder und versichert uns, dass diese Himba hier noch in den Hütten leben, die wir hier auch sehen. Wir lassen uns nicht so leicht überzeugen, nachdem gestern einige gesehen haben, wie sich die San hinter den Felsen gleich wieder angezogen haben.

Wir lernen zuerst, wie sich die Himba begrüßen, jeder muss den komplizierten Gruß sprechen und die dazugehörige Handbewegung ausführen. Schon jetzt spüren wir an unseren Händen, wie schmierig sich das Gesteins-Rinderfettgemisch an den Händen anfühlt. Die Lebensweise als Nomaden wird uns erklärt, wir lernen, was jedes Detail an den Gewändern der Frauen bedeutet. Die Kinder suchen den Kontakt zu uns, wollen an den Armen gehalten und geschaukelt werden oder sogar Fangen spielen. Das heilige Feuer brennt, ein Frühstücksbrei wird gekocht und die Zubereitung der Kosmetik für die Frauen wird vorgeführt. Alle gemeinsam führen einen Tanz für uns auf, die Kinder versuchen mitzumachen. Natürlich gibt es einen kleinen Shop mit Handwerksartikeln, ich versuche etwas zu kaufen, das die junge Frau mir gegenüber auch selbst hergestellt hat. Wir fahren weiter, gut 2 Stunden bis Kamanjab. Melissas Guesthouse liegt mitten im Ort. Die Straße ist belebt, es gibt ein buntes Treiben, auf jeden Fall leben hier auch viele Himba, die auch hier viele ihrer traditionellen Elemente tragen.

Am späten Nachmittag geht es noch zu den Felszeichnungen der San, die hier ganz in der Nähe von Peet Alberts entdeckt wurden. Nach einem kurzen Weg zwischen den Felsen sind wir überwältigt von dem Ausmaß der Darstellungen hier. Wahrscheinlich haben die San so etwas wie eine Landkarte geschaffen, um die Jagderfahrungen weiterzugeben. Sicherlich nicht ganz zufällig handelt es sich wieder um einen landschaftlich äußerst reizvollen Ort. Als wir vom Gipfel der Felsen in die Weite blicken, entdecken wir sogar Giraffen.

Zurück im Guesthouse nehmen wir einen Drink auf der Veranda und beobachten das Treiben auf der Straße. Da quatscht die Himbafrau ausgiebig mit dem Polizisten, eine andere mit Kind auf dem Rücken und einer Schüssel auf dem Kopf telefoniert ausgiebig mit dem Handy. Natürlich passt zur traditionellen Himbatracht auch eine schicke Handtasche. Ich glaube, ich werde noch eine Weile brauchen, um darüber nachzudenken, ob ich diese Entwicklungen hier verstehen kann - in jedem Fall passt der Begriff Globalisierung.

8. Tag

Omaruru Region - Kamanjab (ca. 320 km)

Vorerst möchte ich die Bilder von der Jeepsafari am Nachmittag für sich sprechen lassen. Der Tag war unnötig stressig, wir sind 100 km zum Park und dann wieder 100 km zurück gefahren.

Am Wasserloch von Okaukuejo sehen wir zuerst nur Springböcke und sind ein wenig enttäuscht. Wir haben die Stelle kaum verlassen, da erhält unser Fahrer die Info, dass jetzt 6 Elefanten dort sind. Also kehren wir um. Als wir ankommen bietet sich ein unglaubliches Spektakel, große und kleine Elefanten drängeln sich um die Wasserstelle, alle anderen Tiere haben sich zurückgezogen. Es sind wohl 28 Tiere, die sich jetzt hier satttrinken.

Besonders amüsant fand ich dann später noch die Erdhörnchen, die lauschend aufrecht stehen und in die Umgebung blicken. Auch ein Schakal läuft vor uns über die Straße, er ist aber sehr schnell wieder verschwunden.

Plötzlich kommt die Ansage: "Ich glaube da ist ein Nashorn". Unser Fahrer Elias setzt den Jeep ganz langsam und vorsichtig zurück, und tätsächlich ist es da. Es versteckt sich ein wenig im Gestrüpp, steht aber dann auf und man erkennt ein zweites Tier. Sie fühlen sich wohl doch ein wenig gestört und machen sich langsam davon. Den Nashörnern im Park hat man die Hörner entfernt, damit hat man den Wilderen im Park das Handwerk legen können.

Schauen Sie einfach selbst, was es zu sehen gab, für mich geht es morgen um 5.30 wieder raus, vielleicht tauchen dann Löwe oder Leopard auf.

9. Tag

Kamanjab - Etosha Nationalpark - Outjo (ca. 360 km)

Es heißt heute mal wieder früh aufstehen, wir starten um 6.30 Uhr am Hotel, denn bis zum Parkeingang müssen wir noch einmal die fast 100 km fahren, die wir gestern schon 2 mal zurückgelegt haben.

Wir merken schnell, dass die Sicht aus dem Bus gar nicht schlecht ist, man sitzt ja etwas höher als im Geländewagen. Am ersten Wasserloch hatten wir Leoparden erhofft, aber hier ist nichts los. Unsere Erwartungen bleiben aber nicht unerfüllt, schon kurz danach entdecken wir eine Löwin, dann die zweite und dritte Löwin, sie liegen mit einigen Metern Abstand im Gelände. Unser Busfahrer bringt uns in die beste Position. Es dauert gar nicht lange, bis die Löwen aufstehen und direkt auf uns zukommen. Sie kommen immer näher und überqueren dann schnellen Schrittes die Fahrbahn, dann taucht in der Richtung, aus der sie kamen, ein Löwe auf, wir sind uns nicht sicher, aber als er näher kommt, ist zu erkennen, dass da eine Mähne ist, sie ist noch kurz, also haben wir einen jungen Löwen vor uns, unglaublich, dass wir sogleich nun auch noch den alten Herren mit einer deutlichen Mähne entdecken. Die beiden folgen gelassen den Damen und überqueren direkt vor unserem Bus die Straße. Es ist bestimmt eine halbe Stunde vergangen, in der wir dieses spannende Schauspiel beobachten konnten.

Wir besuchen dann wieder das Wasserloch von Okaukuejo, heute ist hier im Vergleich zu gestern nicht viel los, einige Zebras scheinen ihren Durst schon gelöscht zu haben, einige Springböcke und Perlhühner sind beim Trinken, ihre Spiegelung auf der Wasserfläche gibt ein tolles Bild.

Imposant ist auch die weite Ebene der Salzpfanne, die teilweise gut einsehbar ist. Am nächsten Wasserloch ist viel Getümmel, Steinböcke, Strauße und Zebras sind hier unterwegs, im Hintergrund liegt eine kleine Gruppe von Gnus, wahrscheinlich beim Wiederkäuen. Es fällt auf, dass die Tiere das Wasserloch nicht durcheinander besuchen, eine Art hat immer den Vorrang und verdrängt offensichtlich die anderen, man hat offensichtlich Respekt voreinander. Die Zebras ziehen in Gruppen vorbei, legen immer eine Trinkpause ein. Es ist sehr imposant zu sehen, wie sie von rechts nach links durch die Szene ziehen, ich schätze, es sind mindestens 200 Zebras hier zu sehen.

Unser Reiseleiter hatte uns schon von den weißen Elefanten erzählt, sie bespritzen sich mit dem Kalkschlamm der Wasserlöcher, um sich zu reinigen. Ich hätte aber nie gedacht, dass wir dieses Schauspiel beobachten dürfen. In freiem Gelände tauchen 3 Elefantenbullen auf, kurz vor der Wasserstelle. Wir beobachten ihren gewaltigen aber lautlosen Gang bis sie an der Wasserstelle zunächst trinken. An der Reihenfolge des Wasserzuganges scheint eine Rangordnung erkennbar zu sein, nach und nach dürfen wir dann das Bad der drei Giganten in aller Ruhe beobachten, sie scheinen keine Notiz von uns zu nehmen, obwohl wir nur gut 20 Meter von ihnen entfernt stehen.

In Namutoni legen wir nochmal eine Rast ein, unser Fahrer braucht auch mal eine Pause. Hier tummeln sich kleine freche Mungos auf dem Parkplatz, sie versuchen in den Laden zu kommen und springen von unten in die Motorräume der Geländefahrzeuge. Ganz schon dreist!

Wir besuchen noch das letze Wasserloch vor dem Von Lindequest Gate, hier schrecken Zebras und Springböcke immer wieder auf, wir hoffen schon, dass noch ein Leopard auftaucht. Auch die Giraffe im Hintergrund wirkt zurückhaltend. Stattdessen entdeckt jemand, dass gegenüber ein Elefant hinter dem Baum im Schatten liegt, wir ändern nochmal die Sichtposition und erkennen einen sterbenden Elefanten, der ab und zu die Gliedmaßen noch bewegt. Das ist wohl der Lauf der Natur, auch wenn uns dieser Abschied vom Park etwas traurig stimmt.

Weiter geht es nach Tsumep, wo wir heute übernachten. Es ist auch schon wieder spät, als wir im Hotel ankommen, die Zeit vor dem Abendessen reicht gerade so zum Duschen.

10. Tag

Outjo - Etosha Nationalpark - Tsumeb (ca. 365 km)

Die Straße hinter dem Hotel hat uns heute schon vor dem Wecker aus dem Schlaf gerissen, dabei hatten wir uns auf "7-8-9" gefreut. Das Minenhotel ist eigentlich ganz nett, aber wir haben nicht viel davon, weil wir auch erst spät angekommen sind, die Tanz- und Trommeldarbietung beim Abendessen durften wir noch miterleben. Das Personal bittet so um etwas Trinkgeld. Wir fragen dann auch heute mal unseren Reiseleiter nach den Einkommen, in einfachen Jobs gehen die Leute hier tatsächlich mit nur gut 120 Euro im Monat nach Hause. Deshalb ist es auch klar, dass die Angestellten im Tourismussektor auf Trinkgeld angewiesen sind. Zum Vergleich: Ein Cappucino kostet im Schnitt 2 Euro.

Am Morgen haben wir die Gelegenheit, das Minenmuseum in Tsumeb zu besuchen. Es gab hier früher eine Kupfermine, sie wurde stillgelegt. Aber noch immer werden Kupfererze aus Sambia hier geschmolzen, vermutlich bleibt der Bevölkerung davon nicht viel, denn das Unternehmen wird von Kanadiern geführt. Im Museum gibt es jede Menge von Relikten aus der frühen Zeit der Mine. Mich interessiert aber der erste Raum am meisten, hier gibt es noch einmal viele Informationen zur Bevölkerungsgeschichte des Landes. Auch der typische Schmuck der San ist ausgestellt. Das bestätigt mir, dass ich mit der Kette aus Straußeneierschalen tatsächlich ein für die San typisches Stück erworben habe.

Im Etoscha Nationalpark hatte ich mir ein Buch zur Geologie Namibias gekauft und so kann ich die heutige lange Busfahrt mit dieser Lektüre bereichern und endlich einige Fragen beantworten, die sich mir beim Betrachten der Landschaften hier gestellt haben. Auch die genaue Entstehungsgeschichte des Waterbergplateaus aus Sandstein kann ich bei Nicole Grünert nachlesen. Dann taucht auch endlich am frühen Nachmittag der Waterberg am Horizont auf. Die typische Form eines Tafelberges mit Steilstufe ist schon von Weitem erkennbar. Unser Resort liegt direkt am Fuße des Berges, der uns beim Näherkommen mit vielen bunten, in der Sonne schillernden, Farben anstrahlt.

Bis zur Wanderung bleibt ein wenig Zeit, ich traue mich doch tatsächlich in den Pool. Je weiter wir in den Norden kamen, um so milder wurden die Nächte. Es genügt aber nicht, um wirlich badefreundliche Wassertemperaturen zu erreichen. Da es aber am Nachmittag immer richtig warm ist, tut die Abkühlung ganz gut. Um 16.30 Uhr starten wir dann zur kleinen Wanderung auf das Plateau. Es tut gut, endlich mal ein wenig Bewegung zu bekommen, wir haben doch zu viel im Bus gesessen. Es geht in einer kleinen Schlucht steil nach oben, der Weg ist felsig, macht aber, als kleine Herausforderung, Spaß. Beim Aufstieg treffen wir einige Klippschliefer, die so gar nicht scheu sind. Je näher man dem Plateau kommt, um so klarer wird, dass der Sandstein doch nur rot ist, Mose und Flechten durchziehen das Rot mit gelblichen und grünen Tönen. An den Felsbrocken auf unserem Weg sind vielfältige, teilweise bizarre Verwitterungsformen erkennbar. "Zwiebelschalenverwitterung" in Bilderbuchqualität ist am häufigsten anzutreffen.

Nach einer halben Stunde erreichen wir das Plateau, die Sicht ist grandios. Mich faszinieren die vielen Schotterpisten, die hier die Savanne durchziehen, ohne dass es hier Siedlungen gibt. Eigentlich ein Platz zum Verweilen, aber wir müssen bald zurück, wenn wir vor dem Abendessen noch Duschen wollen.

Zum Abendessen ist im Restaurant wieder eine Tafel für unsere Gruppe hergerichtet, wir haben vorher schon ausgewählt, welches Fleischgericht wir essen wollen, ich habe mich für Oryx entschieden. Als Vorspeise gibt es endlich mal einen knackigen Salat, frisches Obst und Gemüse gibt es hier selten, weil die Anbaubedingungen fehlen, auf Dauer wäre das Nichts für mich.

11. Tag

Tsumeb - Waterberg (ca. 270 km)

Unglaublich, wir fahren heute wirklich erst um 9.30 Uhr ab.

Wir besuchen den Friedhof am Fuße des Waterberg, der an die gefallenen Deutschen Schutztruppensoldaten von 1904 erinnert. Erst mit dem Besuch von Ursula von der Leyen wurde die Tafel für die Hererokämpfer angebracht. Unser Programm für heute sieht sonst nur die Rückfahrt nach Windhoek vor. Wir verabschieden uns schon bald von den Schotterpisten, die uns in den letzten Tag ausgiebig durchgeschüttelt haben.

Wir freuen uns heute auf ein 4-Sterne Hotel und wollen am Nachmittag am Pool und in der Sauna ausspannen. Am frühen Nachmittag erreichen wir dann das Safari Court Hotel, müssen aber feststellen, dass sowohl der Pool als auch die Sauna wegen Rekonstruktion geschlossen sind. Wir verlassen das Hotel trotzdem heute nicht mehr, weil wir einfach ein wenig Ruhe brauchen. Das Abendessen genießen wir im Hotelrestaurant, wir wählen das Buffet, das eigentlich keine Wünsche offen lässt.

12. Tag

Waterberg - Windhoek (ca. 300 km)

Bis zum Abflug steht die Zeit zur freien Verfügung, um 17.00 Uhr sollen wir vom Hotel abgeholt werden. Das Zimmer müssen wir um 11.00 Uhr verlassen, was vor einem Nachtflug einfach nur unkomfortabel ist, wir buchen eine Verlängerung bis 17.00 Uhr.

Für den Vormittag haben wir uns zu einer geführten Radtour durch Katutura entschlossen, die unser Reiseleiter vermittelt. Am Treffpunkt morgens macht sich etwas Enttäuschung breit, als wir feststellen müssen, dass die Tour doch mit dem Kleinbus stattfinden soll. Wir entschließen uns, das Angebot zu nehmen, wissen aber nicht so recht, warum das schief gelaufen ist. Unser Guide ist ein junger Mann, der diese Führungen nach dem Beispiel seines Bruders aufgebaut hat, der es in Kapstadt ähnlich macht.

Die Tour beginnt am Friedhof, auf dem die Helden des Jahres 1959 bestattet sind, als sich die schwarze Bevölkerung gegen die Umsiedlung in Townships zur Wehr gesetzt hatte. Damals wurde Katutura gegründet, der Name bedeutet: "Der Platz an dem wir nicht leben wollen". Wir laufen zuerst ein Stück durch das alte Katutura, hier haben sich die Lebensbedingungen konsolidiert, es gibt Strom und Wasser, die Menschen begegnen uns freundlich. Immer wieder erkennt man in den Häusern kleine Geschäfte, Reparaturwerkstätten oder Beauty-Shops. Kinder spielen in den kleinen trockenen Vorgärten, hier oder dort wird Wäsche in einer Schüssel gewaschen. Vor so manch einer Hütte steht auch ein Auto.

Der Markt des Viertels ist überdacht, hier werden Gewürze, Gemüse und Fleisch angeboten. Ganze Rinderkeulen liegen auf Pappen, Köpfe und Haut finden sich in unauffälligen Ecken. Das Fleisch wird hier zerteilt und gleich gegrillt, in einer langen Reihe sind die Stände aufgereiht. Eigentlich sieht es ganz lecker aus. Bevor man kauft, kann man Probieren, aber wir halten uns zurück. Außerdem gibt es hier Friseurshops und Nähstuben, die Einkommen der Standbetreiber sind so gering, dass sie keine Steuern zahlen müssen, es fallen lediglich Standgebühren an.

Nächster Stopp ist an den Flächen, die für die Ausdehnung des Stadtteils vorgesehen sind, die Stadt planiert das Gelände und schafft so Terrassen, auf denen Hütten errichtet werden können. Die Zuwanderung nach Windhoek ist sehr stark, die Arbeitslosigkeit im Land ist hoch und so erhoffen sich die Menschen hier Einkommensmöglichkeiten.

Weiter geht es zum Projekt "Penduka" in dem Frauen mit Handycap oder HIV eine Beschäftigung gefunden haben. Sie stellen aus Altglas Perlen her und fertigen daraus Schmuck oder bedrucken Stoffe mit Batikmotiven. Solche Projekt schaffen wichtige Einkommensmöglichkeiten und geben sozialen Halt, leider gibt es zu wenig davon. Wir unterstützen das Projekt und kaufen zwei Platzdecken für unseren Frühstückstisch.

Havanna, so nennt sich der neuste Teil von Katutura. Der Name kommt daher, dass der Ursprung der Siedlung u. a. auf Rückkehrer aus Kuba zurückgeht, welches Namibia als sozialistischen Bruderstaat bis 1990 unterstützt hatte. Was wir hier sehen macht uns sprachlos, die Hütten sind aus Wellblech, es gibt keinen Strom, Wasser und Toiletten finden sich an wenigen Plätzen für alle gemeinsam. Die Menschen, besonders die Kinder winken uns freundlich zu. Kindergruppen kommen uns entgegen, es gibt Schulpflicht in Namibia ab der Vorschule, und so haben auch hier die Kinder Bildungsmöglichkeiten. Im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern ist Namibia auffällig sauber, man findet kaum Müll an den Straßen, auch hier nicht. Das ist zurückzuführen auf eine Kampagne der Regierung.

Es bleibt bei mir ein bitterer Nachgeschmack, die Schere zwischen arm und reich ist extrem groß, andere besitzen im Land Farmen, die für 200 Millionen Dollar zum Verkauf stehen. Da bleiben viele Fragen offen. Den Nachmittag bis zur Abholung nutzen wir zum Ausruhen.

13. - 14. Tag

Abreise und Ankunft in Deutschland