April 2011

Lateinamerika ist ein großartiger, bunter Kontinent, wo es unendlich viel zu entdecken gibt. Begeistern werden Sie auch die Bewohner Südamerikas. Sie werden auf uralte indigene Kulturen und auf Spuren der europäischen Einwanderer treffen.

Ihr Chronist

Als Kamera hat man es wirklich nicht leicht. Meine Vorgängerin kann davon ein Lied singen: Nachdem sie in stets tapfer ihren Job erledigt hat, fiel sie in Amerika dreisten Dieben in die Hände. Wer weiß, wo sie jetzt ihr Dasein fristen muss... Mir geht es nicht viel besser.

Kaum habe ich mich von meiner ersten großen Tour erholt, schleppen mich meine Besitzer schon wieder in ferne Länder – obwohl sie aus einer Stadt stammen, die selbst zum Weltkulturerbe gehört und viel Sehenswertes bietet. Aber was zählt schon der Prophet im eigenen Lande... Also höre ich lieber auf zu jammern und freue mich auf knapp drei Wochen, die es in sich haben.

Fünf Länder in 19 Tagen – das verspricht aufregend, anstrengend und außergewöhnlich interessant zu werden. Meine Besitzer können mich eigentlich ganz gut leiden und sorgen garantiert dafür, dass ich während unserer Reise viel vor die Linse bekomme. Damit nicht nur wir drei daran Freude haben, werden wir in den nächsten Tagen aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile und Peru berichten.

Ob mit Weitwinkel oder Tele, aus großer Distanz oder ganz aus der Nähe – in jedem Fall wollen wir Sie, liebe Leser, ein wenig an unserer Tour teilhaben lassen. Vielleicht sind unsere Zeilen – nicht zu vergessen meine Fotos – für Sie interessant und können den einen oder anderen Eindruck vermitteln oder Reisetipp geben.

Man sieht sich!
Ihre K.

1. Tag: Entbehrungen & Erwartungen

Blitzblanke dunkle Augen unter einem dichten, dunklen Pony – ein kleiner, braunhäutiger Junge, vielleicht vier, fünf Jahre alt, zwei Reihen vor uns im Flieger Madrid-Lima. Ihm scheint der Zwölf-Stunden-Langstreckenflug nichts auszumachen. Unermüdlich tauchen wahlweise sein rabenschwarzer Schopf oder sein großes gelbes Kuscheltier hinter den engen Sitzreihen auf. Immer auf der Suche nach einem Blick, stets mit einem herzergreifenden Lächeln, nie nervig oder gar aufdringlich. Ein liebenswertes Kerlchen – einmal mehr macht es uns neugierig auf unser Reiseziel Südamerika. Wenn die Menschen dort nur halb so freundlich sind wie dieser Knirps, kann uns nichts passieren…

Ja, wir sind gespannt auf diese erste Reise in die „neue Welt“. Freuen uns auf interessante Ziele, wollen diese Seite der Erde erstmals erleben. Mitten in der Nacht waren wir zu Hause gestartet, um nach insgesamt 23 Stunden Anreise in Peru zu landen. Iberia hat uns zunächst nach Madrid und von dort in einem gut gebuchten und deshalb leider sehr vollen Airbus A 340 pünktlich nach Lima gebracht. Um 17.40 Uhr Ortszeit landen wir bei schwülwarmen 23 Grad. Geschafft, müde und kaputt, wohl aber voller Erwartungen und Vorfreude. Vergessen sind die Strapazen des vergangenen Tages, die zerkochten Nudeln oder das trockene Sandwich der Bordverpflegung.

Ena, eine freundliche ältere Dame und unsere Reiseleiterin hier vor Ort, begrüßt uns am Airport und begleitet uns mit dem Bus bis in das Hotel San Augustin im Stadtteil Miraflor. Bei einer Begrüßungs-Runde Pisco Sour (ein peruanisches Nationalgetränks aus Eis, Limonensaft, Eiweiß und dem Traubenschnaps Pisco) haben die 17 Personen der Reisegruppe Gelegenheit zur kurzen gegenseitigen Vorstellung, um schon bald danach übermüdet ins Bett zu fallen.

2. Tag: Lima erleben

Noch hat die innere Uhr sich nicht umgestellt, sodass wir zeitig aufstehen, frühstücken und einen Spaziergang ans Meer machen. Keine zehn Minuten später sind wir da. Vor Ort begegnen wir nicht nur sportlichen Joggern, sondern auch jeder Menge Reinigungspersonal, das die Straßen der Stadt und vor allem die Geschäfte tagfein macht. Grünanlagen werden der Einfachheit halber mit dem Wasserwerfer bespritzt, Markisen von der darüber gelegenen Etage mit überlangen Besen geputzt, Fenster gewienert. Es gibt viel (schwer bewaffnete) Polizei, aber noch mehr freundliche Menschen. Hier ein Lächeln, dort ein „Buenos dias“ oder ein „Hola!“ – so gefällt uns die Stadt. Sie hüllt sich noch in Nebel, doch schon jetzt sind es über 20 Grad – wegen der feuchtwarmen Schwüle gefühlt noch etwas mehr. Also doch noch mal schnell umziehen...

Überpünktlich startet die Stadtrundfahrt ab Hotel. Zunächst geht es durch Miraflores, „unseren“ Stadtteil, dessen Name so viel wie „Schau, die Blumen!“ bedeutet. Dies und vieles mehr erläutert uns Ena. Sie berichtet, dass Miraflores seit Mitte des 19. Jh. Stadtteil von Lima ist und für gepflegte Häuser, viele Casinos und nette Läden steht.

Unser Weg führt vorbei an alten Lehmbauten, die bereits 200 bis 600 Jahre n. Chr. und damit vor der Herrschaft der Inkas errichtet worden sind. „Solide und erdbebensicher“ kommentiert die Führerin die imposanten Zeitzeugen. Es gibt sogar einen kurzen Fotostopp, und gegen ein kleines Trinkgeld lässt uns der Sicherheitsmann noch vor der Öffnungszeit auf das Areal. Ähnliche soll es in der Stadt noch einige geben.

Weiter geht es in Richtung Zentrum. Auf dem Weg erfahren wir, dass die Wahl eines neuen Präsidenten am vorigen Wochenende noch nicht entschieden worden ist. Zwei Kandidaten, ein Mann und eine Frau, haben die meisten Stimmen errungen und stellen sich einer Stichwahl im Juni. Apropos Frauen – sie sollen zwar gleichberechtigt sein, verdienen aber weniger als Männer. Der Mindestlohn liegt bei 230 US$, der Durchschnittsverdienst bei 600 US$, Rente gibt’s mit 65. Die Arbeitslosenquote beträgt ca. 8 Prozent, an manchen Orten würden sogar dringend Arbeitskräfte benötigt.

Wir fahren durch quirligen Verkehr, der nach Regeln stattfindet, die sich uns nicht erschließen. Müssen sie auch nicht, denn wir sitzen ja im Bus und haben einen routinierten Fahrer. Es gibt auch viele Taxis, die jedoch meist ohne Taxameter unterwegs sein sollen. Also vor dem Einsteigen nach dem Preis fragen… er dürfte jedoch im Vergleich zu deutschen Verhältnissen jedoch durchaus erschwinglich sein.

Vorbei an leuchtend rosa blühenden Seivo-Bäumen erreichen wir das Zentrum. Bei einem Rundgang sehen wir die „Highlights“ – natürlich die Kathedrale, das Rathaus oder die Plaza Mayor mit dem Bronzebrunnen aus dem 17. Jh., der als Nullpunkt zum Vermessen von Entfernungen dient. Weitere Details lassen sich in jedem Peru-Reiseführer nachlesen und sollen nicht Gegenstand dieses Berichtes sein.

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung – spät darf es aber nicht werden, da morgen der Wecker um 4.00 Uhr klingeln wird. Dann geht es nach Cusco und damit auf 3.400 m Höhe. Ob ein untrainierter Büro-Kreislauf die dünne Luft vertragen wird? Ena gibt uns Tipps: Wenig essen, vor allem nichts Fettiges, keinen Alkohol trinken, aufs Rauchen verzichten und – ganz wichtig – die Ruhe bewahren. „Atmen Sie tief, gehen Sie langsam und machen Sie nach der Ankunft erstmal gar nichts. So kann sich der Körper langsam umstellen“, rät sie und ergänzt: „Das Programm beginnt absichtlich erst am Nachmittag. Warten Sie die Zeit ab und ruhen Sie sich erstmal aus.“ Für den Notfall solle man Mate-Coca trinken, das Sauerstoff-Angebot in den Hotels oder Bussen nutzen und in der Apotheke nach speziellen Tabletten fragen. Wir bleiben in Sachen Höhenkrankheit skeptisch…, aber voller Spannung auf den nächsten Tag.

3. Tag: Auf dem Weg nach oben

Das Herz schlägt ein wenig schneller – allein der Gedanke, dass wir jetzt auf 3.400 m Höhe am „Nabel der Welt“ sind, erhöht die Frequenz. Doch auch sonst wird die Luft ein wenig dünn. Ein untrainierter Bürokreislauf, das muss man sich eingestehen, kann da schon etwas ins Stolpern kommen.

Also die Ruhe bewahrten, tief und langsam atmen, im langsamen Spaziergängertempo durch die Stadt bummeln, ein Coca-Blatt kauen oder ein Bonbon aus dem Zaubermittel lutschen… Das müsste, glaubt man den Worten der Reiseleiter, ohnehin als Medizin verkauft werden. „Hilft gegen Glatze, gegen graue Haare und Hautalterung, beugt vielen Erkrankungen vor, macht nicht süchtig und darf trotzdem nicht nach Deutschland eingeführt werden.“ Schade eigentlich…

Wie auch immer – die Mühen der Höhe lohnen, zumal Cusco „Entschädigungen“ ohne Ende bietet.

Zunächst: Kirchen, Kirchen, Kirchen. Selten haben wir so viele davon auf einmal gesehen. Und innerhalb der Gotteshäuser folgt Altar auf Altar, einer prunkvoller als der andere. Reiseleiter Ivan erläuterte viele Details ausführlich. So weist er beispielsweise auf eine schwarze Christusfigur hin, die vor Erdbeben schützt und hoch verehrt wird. Oder auf ein Bild, bei dem zum Heiligen Abendmahl ein gebratenes Meerschweinchen und Maisbier auf dem Tisch stehen. Nichts ist unmöglich.

Das beweist auch der Besuch der Inka-Ruinen Sacsayhuamán nahe der Stadt. Wie präzise dort einst Stein auf Stein gesetzt worden sind – nur mit einer dünnen Tonschicht als „Klebstoff“ – zollt Respekt und Anerkennung. Tausende Arbeiter müssen hier gewirkt haben, um dieses Bollwerk der besonderen Art zu errichten. Einmal mehr atemberaubend, auch wenn man sich vorstellt, welche Zeremonien dort einst stattgefunden haben sollen. Eine davon, das Sonnenfest, hat sich bis heute erhalten und wird jährlich am 21. Juni gefeiert.

Für den Besuch der Kultstätte sind übrigens feste Schuhe und Regenschutz zu empfehlen – selbst wenn in der Stadt die Sonne scheint. Abhilfe schaffen auch dünne Regenponchos, die vor Ort für umgerechnet einen knappen Euro pro Stück von Einheimischen verkauft werden. So verwandelt sich eine ganze Reisegruppe optisch in einen Trupp gelber und blauer Säcke, wahlweise auch zu grün- oder rotbemantelten Gartenzwergen.

Noch einmal Cusco. Das Stadtzentrum nimmt einen gefangen. Die Plaza de Armas zählt nicht umsonst zu den schönsten Plätzen Südamerikas und hat ein eigenwilliges Flair. Imposante Bauten vor gepflegten Grünanlagen, arkadengestützte Häuser mit Holzbalkonen und Menschen mit gegerbter Haut und traditioneller Kleidung prägen das Bild. Viele von ihnen versuchen sich als Straßenhändler und versuchen, bunte Handarbeiten, silbernen Schmuck oder farbenfrohe Bilder an den Mann oder die Frau zu bringen. Nicht alles muss man mögen, vieles ist gewiss nur hier vor Ort stimmig, und doch wechselt die eine oder andere Mütze oder Kette den Besitzer. Handeln soll helfen, allerdings schämt man sich ob der niedrigen Preise beinahe dafür. Auch hier gilt: Leben und leben lassen.

Morgen startet der Tag (nachdem der heutige mit dem Weckruf um 4.00 Uhr begonnen hatte) erst um 8.00 Uhr. Auf das Frühstück darf man, vor allem angesichts der Kritiken, die wir in verschiedenen Foren gelesen haben, gespannt sein. Das Hotel selbst scheint uns besser zu sein als sein Ruf in eben diesen Bewertungen verspricht. Wie auch immer – wir sind hier schließlich nur für kurze Zeit und haben keine Wellness-Oase gebucht.

4. Tag: Wie kuschlig ist ein Lama?

Ist ein Lama kuschlig? Spuckt es einen sofort an, wenn man ihm zu nahe kommt? Und kommen für Pullover und Schals der Marke „Baby-Alpaca“ minderjährige Tierkinder unters Messer? Fragen wie diese und viele mehr wurden gleich zu Beginn des fakultativ angebotenen Tagesausflugs nach Ollantaytambo beantwortet. Der startete nämlich an einer Farm.

Wir jedenfalls wissen jetzt Bescheid. Das Lama und seine Verwandten, die Alpakas, haben ein durchaus griffiges Fell. Spucke landet offenbar vorzugsweise am Tier gegenüber, jedenfalls dann, wenn eine Reisegruppe von Berge & Meer Respekt gebietet. Und das Baby-Alpaca, feinste Wollqualität, wird erst bei der ersten Schur der Tiere gewonnen – keineswegs schon dann, wenn sie noch an Muttis Euter hängen.

Wie watteweich die Erzeugnisse aus dem Fell der Anden-Vierbeiner sind, kann man an nahezu jedem Inka-Markt nachprüfen – auch beim heutigen Ausflug. Irgendwann wird fast jeder schwach und kauft irgendwem irgendwas ab. Zugegeben, man entkommt den Händlern auch schlecht. Sie scheinen selbst von jedem Foto-Stopp in der Landschaft auf geheimnisvolle Weise Kenntnis zu erhalten, um blitzschnell mit Baby, Großmutter und Lama sowie jeder Menge Souvenirs aufzukreuzen. Zugegeben, man hat nicht immer einen Nerv dafür. Aber besser hier für kleines Geld etwas kaufen als anderenorts über Armut räsonieren und selbst ein Geizhals sein.

Bucht man Ollantaytambo (43 € pro Person und absolut empfehlenswert), dann ist bereits der Weg das Ziel. Traumhafte Landschaften, Blicke auf Berge, Täler und Gletscher, buntes Geschehen am Straßenrand und nicht zuletzt eine bunte Tierwelt rechts und links des Weges ziehen die Blicke auf sich.

Ganz zu schweigen vom Ziel selbst – die einstige Inka-Festung erhebt sich majestätisch auf einem Bergrücken und ist optisch eine Art Vorgeschmack auf Machu Picchu. Sicherlich auch für die Kondition: Steile Treppen, „ungenormte“ Stufen und die dünne Luft machen den Atem kurz und den Herzschlag schneller.

Doch die Mühe lohnt. Nach drei Pausen oben angekommen, gibt es viel zu bestaunen: ein unvollendeter Tempel, mit Andenkreuzen verzierter unvollendeter Tempel aus riesigen Steinquadern, ein altes Observatorium, den so genannten Brunnen der Prinzessin, Terrassen und alte Vorratsspeicher und, und, und…

Gutes Wetter um 20 Grad C, strahlender Sonnenschein und ein (ebenfalls inkludiertes) Mittagessen im Restaurant Allpamanka, bei dem durchweg wohlschmeckende Gerichte der kalten und warmen Küche serviert wurden, machten den Tag rund. Einzig das Maisbier, das der Wirt kredenzte, ist wohl nicht für unseren Gaumen gedacht und erinnert geschmacklich an eine Mischung aus Molke und vergorenem Apfelsaft. Also – kleine Kostprobe genügt…

5. Tag: Paradies über den Wolken

Waren wir wirklich da? In der geheimnisumwitterten Ruinenstadt inmitten der Anden? Oder haben wir, wie seit vielen Jahren, nur davon geträumt? Am Ende eines anstrengenden, aber wunderschönen fünften Reisetages können wir es immer noch nicht so recht fassen… Irgendwie fühlt es sich an wie ein Märchen… und doch ist es wahr.

Schon die mehr als vierstündige Anreise ab Cusco ist interessant. Nach einem zeitigen Start um 6.00 Uhr ab Hotel, einer Busfahrt bis Ollantaytambo und einem kurzen Fußmarsch bis zum Bahnhof des Ortes folgt eine Bahnfahrt mit Perurail bis nach Machu Picchu. Ein komfortabler Zug mit Panoramafenstern gestattet spektakuläre Ausblicke auf eine wilde Natur mit reißendem Fluss, hohen Bergen und atemberaubender Pflanzenwelt.

Wohlschmeckend und stilvoll serviert auch der Snack, der auf dem Hin- und Rückweg gereicht wird. Da kann sich manche Airline ein Beispiel nehmen! Und wer Appetit auf mehr bekommen hat, der kann im Zug Gestricktes aus Alpaka kaufen. Die Zugbegleiter führen – sehr zum Vergnügen der Reisenden – auf der Rücktour einige Modelle vor.

Hat man die Anfahrt nach Machu Picchu und den Fußmarsch über zahlreiche steile Stufen überstanden, eröffnet sich ein Paradies über den Wolken. Das, was man beim ersten Anblick der alten Königsstadt hoch oben in den Nebelbergen empfindet, verlangt geradezu nach Superlativen: Wortreich übersprudelnde Begeisterung oder einfach nur ergriffenes Schweigen.

Was mag sich in den mehr als 200 Gebäuden des einstigen Machtzentrums der Inkas einst abgespielt haben? Wie konnte es so hoch oben in den Anden entstehen? Und was waren das für Menschen, die hier lebten?

Auf diese und viele andere „gute Fragen“, wie Reiseleiter Ivan jedes touristisch interessierte Nachhaken von Seiten der Gäste bezeichnet, hat wohl jeder Führer seine eigenen Antworten. Wir bekommen viele – sachkundig, energisch und kompetent präsentiert uns unser Begleiter das Aushängeschild Perus, 1911 und damit vor genau 100 Jahren entdeckt.

Auch nach knapp zwei Stunden Besichtigung hüllt sich Machu Picchu mystisch und märchenhaft in Wolkenschleier und Nebelschwaden. Der „junge Berg“ (nicht zu verwechseln mit dem „alten Berg“, der dem Ort seinen Namen gab) thront majestätisch über der Stadt und präsentiert sich in dichtem Grau. Immer wieder weint der Himmel, sodass man sich die einzelnen Gebäude und Stadtteile wegen möglicher Rutschgefahr Schritt für Schritt vorsichtig erobern muss. Bunte Regenumhänge bringen Farbe ins Bild und die Besucher ins Schwitzen. Doch der Inka-Wettergott hat kein Erbarmen...

Ja, wir hätten Machu Picchu gern bei blauem Himmel gesehen! Klar, wir wollten schöne Fotos machen ohne später das Bildbearbeitungsprogramm herauszufordern. Und zugegeben: Wir hatten so sehr auf ein paar klare Minuten gehofft…

Aber wer weiß – vielleicht wäre uns dann der geheimnisumwitterte Zauber der Ruinenstadt weniger deutlich erschienen und hätte nicht diesen starken Eindruck auf uns gemacht… So haben wir die terrassenförmig angelegte Stadt in den Anden als das erlebt, was sie ist – eines der „neuen sieben Weltwunder“, zu dem sie 2007 gewählt wurde.

Wer es wie wir auf dieser Rundreise entdecken will, dem seien feste Schuhe mit griffigen Sohlen, wetterfeste Garderobe und eine Chipkarte mit viel Speicherplatz empfohlen. Morgen verlassen wir Cusco und das Hotel San Augustin im Zentrum dieser interessanten Stadt. Uns hat sie gefallen.

6. Tag: Wege übers Land

Wie leben die Menschen in Peru? Haben wir nur Fassade gesehen oder können wir uns einen kleinen Einblick erlauben? Dank Reiseleiter Ivans Erläuterungen wissen wir jetzt jedenfalls ein klein wenig mehr. Er nutzte die Zeit der Fahrt von Cusco nach Puno (Start: 6.45 Uhr), um uns zu berichten.

„Die Präsidenten leben in den Wolken und wissen nichts“, so Ivans eindeutiger Kommentar zu den Zuständen in seinem Heimatland. Hier gibt es, wie er uns berichtete, viele arme Bauern, die fast nichts haben, eine Mittelklasse, die wegen hoher Steuern und großer Bürokratie zu nichts kommt, und eine kleine elitäre Oberschicht.

„Peru hat drei große Probleme: die Korruption, die Bürokratie und die mangelhafte Ausbildung“, bringt Ivan die Situation auf den Punkt. Dabei ist das Land groß und reich an Bodenschätzen, Meeresfrüchten und fleißigen Menschen, die jedoch in großer sozialer Ungerechtigkeit leben. Die Medien tun, wie Ivan berichtete, das Übrige. „Gute Nachrichten“ gibt es gegen Bezahlung, realistische Darstellungen sind nicht erwünscht. Selbst in den Provinzen würden die Journalisten für gute Berichterstattung von den Bürgermeistern bestochen.

Probleme über Probleme in einem Land, das doch so schön und beeindruckend ist. Auf unserer insgesamt neunstündigen Fahrt mit drei Zwischenstopps konnten wir uns einmal mehr ein Bild davon machen. Neben atemberaubender Andenlandschaft (dritter Stopp in La Raya, mit 4.313 m höchster Punkt der heutigen Reise), wunderschönen Bauten (wir besuchten die prachtvolle Kirche von Andahuaylillas) und interessanter Geschichte (zu erleben beim zweiten Halt im Museum von Pucara) sahen wir auf der Durchreise schwer arbeitende Bauern, bettelnde Kinder, ärmliche Bauten oder eine Stadt wie Juliaca, die manch Mitreisende an indische Verhältnisse erinnerte. Dieser Widersprüche sollte man sich bewusst sein, wenn man ein Land wie Peru bereist – und sie sich trotz der vielen schönen Dinge, die wir hier sehen und erleben dürfen, immer wieder verinnerlichen.

Höhepunkte des Tages? Neben dem bereits erwähnten wohl vor allem die Fahrt durch die Anden. Dort hatte es bis tief ins Land geschneit, das erste Mal seit fünf Jahren. Sehr zur Freude der Kinder, die die weiße Pracht zum Bauen von Figuren nutzten. Ebenso international wie speziell – statt Schneemännern präsentierten sich beispielsweise Schneelamas am Straßenrand.

Gegen 15.00 Uhr in Puno angekommen (tolles Hotel am Titicacasee!), startete der Ausflug zu den schwimmenden Inseln. Dort konnten wir erleben, wie die Urus sich ihre Häuser aus Schilf bauten und bis heute (?) auf diesen Inseln leben. Ob es wohl eher eine Show für Touristen war? Teilweise wohl schon, dennoch nett und interessant.

Ein gemeinsames Essen im Hotel (sehr gut, ca. 15 US$ pro Person) rundete den Abend ab.

7. Tag: Piscou Sour oder Chufáy?

"Piscou Sour? Nein, wo denken Sie hin! Das ist peruanisch, und wir sind jetzt in Bolivien“, empfängt uns Veronica, eine zierliche kleine Person, die unsere Reise für diesen einen Tag begleitet. Sie verspricht uns für den Abend nicht nur ein Hotel, in dem wir „in den besten Händen“ sind, sondern auch einen typisch bolivianischen Begrüßungscocktail. Hier heißt er Chufáy und besteht aus weißem Traubenschnaps und Sprite, für die Damen wahlweise mit weniger von dem Hochprozentigem und mit Fruchtsaft versetzt. Und sie macht uns Appetit auf die ausgezeichnete Küche des Hotels, in dessen 16. Stock großartige Speisen für kleines Geld serviert werden sollen.

Doch noch ist es nicht so weit. Zunächst ist ein wiederum zeitiger Start in den Morgen (Weckruf um 5.00 Uhr, Abfahrt um 6.10 Uhr) zu bewältigen. Bei mageren 5 Grad setzt sich unser Bus in Bewegung Richtung Bolivien. Leider funktioniert die Heizung des Busses nicht, vielleicht findet der Fahrer auch nicht den richtigen Knopf, jedenfalls landen wir ziemlich durchgefroren an unserem Ziel.

Für etwas Aufwärmung sorgt der Busbegleiter, ein einstiger Bauer. Er hat sich, wie er erzählt, die deutsche Sprache selbst beigebracht, indem er Lern-Kassetten mit aufs Feld genommen hat. Hut ab! Mit markigen Sprüchen über Land und Leute bemüht er sich, uns die Strapazen der Fahrt zu überbrücken. Jedenfalls wissen wir jetzt, warum „Mama“ so viele Röcke übereinander trägt oder dass „Papa“ jeden Morgen ein Schnäpschen trinkt, damit er „gute Ideen“ hat und dass er bei einer Geburt assistiert. Dabei allerdings wird er von der Hebamme geschlagen – so lange, bis er wie seine Frau in den Wehen schreit.

Die Grenzformalitäten gestalten sich einfacher als erwartet. Niemand macht Stress, keiner will den Impfausweis sehen (obwohl Bolivien die Gelbfieberimpfung wohl zwingend vorschreibt und bei Einreise ins Land nachgewiesen haben will).

Ein anderer Bus bringt uns bis nach Copacabana, dem berühmtesten Wallfahrtsort Boliviens. Dort ist es tatsächlich gelungen, zwei Glaubensrichtungen friedlich zu vereinen – die dortige Madonnen-Figur legt davon Zeugnis ab. Für die Christen ist es die Mutter Gottes, für die Aymaras die Pacha Mama. Wir können sie sogar aus der Nähe sehen, da sie von ihrem sonstigen Standort entfernt und für die Osterprozession vorbereitet worden ist.

Mit einem Katamaran (hier wird auf dem Hinweg ein Snack und auf dem Rückweg ein Essen serviert) geht es in ca. eineinhalb bis zweistündiger Fahrt zur Sonneninsel. Inzwischen ist es deutlich wärmer geworden, es empfiehlt sich also wieder ein Zwiebelschalen-Prinzip für die Garderobe. Spätestens beim Aufstieg zu einem terrassenförmig angelegten, wunderschönen Garten (208 Stufen) kommt man ins Schwitzen und aus der Puste. Um so mehr lohnen der phantastische Ausblick und die wunderschöne Pflanzenwelt. Auch ein kleines Museum kann dort besucht werden. Eine Fahrt auf dem Schilfboot rundet den Nachmittag ab.

Soweit zur Realität. Doch damit nicht genug. Noch auf der Sonneninsel gibt es für uns eine schamanische Zeremonie, und wir wechseln in das Reich des Glaubens und der Wünsche. Veronica übersetzt die Worte des alten Herrn und erklärt seine Gesten – beides soll uns zeigen, woran man hier in Bolivien glaubt – interessanterweise in friedlicher Koexistenz mit dem Christentum. Ob die guten Wünsche, mit denen uns der über 80-Jährige segnet, helfen werden? Wir müssen uns ein wenig gedulden, denn die Wirkung soll sich erst zeigen, wenn wir wieder zu Hause sind…

Offensichtlich hat sich niemand der Reiseteilnehmer eine problemlose Heimfahrt gewünscht, denn in einem Vorort von La Paz erwischt uns ein unvorstellbares Verkehrschaos. Jeder macht, was er will, es sind weder Fahrspuren noch -richtungen auszumachen, ein heilloses Gewühl überladener und hoffnungslos überbesetzter Fahrzeuge verknäuelt sich ineinander. „Wir haben Glück, dass heute Montag ist – nicht so viel Verkehr wie an anderen Tagen“, versichert uns Veronica. Dazu braucht man Phantasie, denn schlimmer geht es nimmer. Jedenfalls für den zivilisierten deutschen Autofahrer.

Und der verschiebt nach der dreistündigen Busfahrt den Begrüßungscocktail Chufáy dann lieber doch auf den nächsten Tag.

8. Tag: La Paz - Stadt der Superlative

Nein, als wirklich schön kann man La Paz nicht bezeichnen. Ein Ort der Superlative (höchstgelegene Großstadt der Welt mit dem ebenfalls höchstgelegenen Fußballstadion der Welt, die Plaza Murillo mit den meisten Tauben des Kontinents, die wichtigste Stadt Boliviens usw. usf.). Sie präsentiert sich quirlig, laut, nach Abgasen stinkend, aber durchaus interessant und facettenreich.

Hier ein Stadtteil mit unverputzten, ärmlich wirkenden Bauten (so lange sie sich im Rohzustand befinden, muss man, wie Reiseleiterin Manuela berichtet, keine Steuern zahlen), dort ein Viertel mit schmucken Gebäuden und gepflegtem Umfeld, dann wieder ein Stadtteil voller Hochhäuser.

„So unterschiedlich wie La Paz sind auch die Menschen, die hier leben. Die einen legen Wert auf ein schönes Haus und andere Statussymbole, die anderen leben lieber ärmlich und sparen dafür auf ein teures Kostüm für den Karneval, um einmal im Jahr so richtig zu feiern“, so Manuela. Dazwischen, darüber und darunter dürften wohl noch viele Nuancen liegen.

Manuela zeigt uns nicht nur die wichtigsten Gebäude und Straßen der Stadt, sondern gibt auch ein paar nützliche Tipps. „Direkt gegenüber dem Hotel können Sie Geld tauschen, in kleinen Geschäften in der Nähe günstig nach Hause telefonieren und in Lokal x oder y gut essen.“

Doch auch die Schattenseiten kommen zur Sprache: „Wenn Sie allein unterwegs sind, gehen Sie möglichst ohne Rucksack und Kamera in die Stadt, passen Sie bei den Schuhputzern auf und helfen Sie niemandem, heruntergefallene Münzen aufzuheben. Das dient der Ablenkung, und die Taschendiebe hier sind sehr geschickt.“ Noch ein Trick: Sie bespritzen die Passanten mit Dreck und hoffen, dass sie sich umgehend säubern und nicht auf ihre Sachen achten. Es ist also Vorsicht geboten – Misstrauen hingegen wäre wohl falsch am Platz. Das haben die Bolivianer nicht verdient.

Sie scheinen ohnehin ein anderer Menschenschlag als die Peruaner zu sein. Hier laufen einem beispielsweise beinahe nie Straßenhändler hinterher. Man kann in Ruhe die Auslagen auf den Märkten ansehen, ein wenig handeln und sich dann entscheiden.

Apropos einkaufen: La Paz scheint aufgrund des günstigen Kurses und der niedrigen Preise ideal zum Kauf von Urlaubsandenken oder Souvenirs zu sein. Besonders Silberschmuck (daran merkt man, dass eine Frau diesen Text verfasst :-)) ist sehr günstig – ein schicker, relativ großer Ring ist für umgerechnet ca. 12-15 € zu haben. Ein Paradies für „Elstern“.

Andere Ziele haben die Kunden des Hexenmarktes, auf dem Glücksbringer, Amulette oder Heilmittel verkauft werden. Getrocknete Kakteen, Föten von Lamas oder tote Vögel sind nur einige nette Beispiele… Doch auch das hat man zu akzeptieren.

Die Tage hier werden zu dieser Jahreszeit nach kühlen Nächten und verhaltenen Morgentemperaturen immer sonniger und wärmer, sodass man für den Besuch des Valle de Luna – des Mondtales – guten Sonnenschutz (und auch wieder feste Schuhe) braucht. Die bizarre Kraterlandschaft wird in einem ca. 45-minütigen Spaziergang erkundet.

Den optional angebotenen Ausflug nach Tiahuanaco, einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten Boliviens, nimmt übrigens niemand wahr. Erstens sind alle froh, in diesen (wenn auch bewusst gewählten) Stress-Ferien mal ein paar Stunden für sich zu haben, zweitens ist er vergleichsweise ziemlich teuer (der genaue Preis hängt von der Anzahl der Teilnehmer ab und kann deshalb nicht beziffert werden).

Gut berechnen lassen sich hingegen die Kosten für das Abendbrot im Hotel. Dessen Restaurant über den Dächern dieses Teils der Stadt bietet nicht nur einen tollen Ausblick, sondern gutes Essen zu guten Preisen.

9. Tag: Schnaps trifft Schlange

„Noch einen Drink auf Kosten des Hauses?“ Der nette Kellner im Restaurant LAYQÁ in La Paz hatte extra für uns Jogginghose und T-Shirt gegen Zwirn und Kragen getauscht. Freundlich lächelt er uns an. Da sagt man doch nicht nein!

Zumal das Essen wirklich geschmeckt hat: gute Auswahl am Salat-Büffet, eine leckere Knoblauchsuppe und das erste Lama-Steak unseres Lebens. „Hier in der Höhe arbeitet die Verdauung langsamer. Ein Schnäpschen nach dem Essen kurbelt sie an“, hatte uns unlängst ein Reiseleiter (wer von den vielen war das doch gleich?) empfohlen. Warum also nicht?

Das Gefäß, das der Kellner unter dem Arm trägt, erinnert an eine Art Gurkenglas, gehüllt in ein Tuch mit bunten Mustern. Freundlich serviert er daraus den glasklaren Gebrannten und murmelt dabei in einer Mischung aus Spanisch und Englisch irgendwas von „Art des Hauses“ vor sich hin. Höflich nippen auch diejenigen unter uns, die sonst nichts Hochprozentiges mögen. Hmmm, ist das eine Art Grappa?

Noch einmal kommt der Kellner zurück und stellt sein Gurkenglas mitten auf den Tisch. Mit einem verschmitzten Lächeln entfernt er das Tuch vom Gefäß und – freut sich diebisch über unsere erschrockene Reaktion: Inmitten des Hochprozentigen aalt sich eine dicke, fette, Schlange! Ekelschauer jagen über den Rücken, Gedanken über Artenschutz durch den Kopf. Doch getrunken ist getrunken…

Aber was dem einen noch Stunden später Gänsehaut auf den Armen wachsen lässt, macht den anderen in der Reisegruppe neidisch. „Wir waren auch da, mit uns hat er das nicht gemacht!“ Glück gehabt oder Pech für den Gourmet? Kommt, wie immer im Leben, ganz auf den Standpunkt des Betrachters an...

Ansonsten bietet dieser neunte Tag unserer Reise keine weiteren Aufregungen. Der Vormittag zur freien Verfügung wird neben dem Mittagessen zum nochmaligen Bummel durch La Paz genutzt. Sehenswert zum Beispiel die als Zebras verkleideten „Verkehrsregulierer“. Sie bemühen sich, u. a. an „Zebrastreifen“, dem Chaos Einhalt zu gebieten. Vergeblich… Sicher auch der Einsatz ihrer Artgenossen. Als Esel verkleidete Menschen machen Verkehrssünder mit einem Schild auf ihre Fehler aufmerksam: „Sei nicht so ein Esel wie ich!“. Auch eine Art der Arbeitsbeschaffung.

Es lohnt, auch einmal abseits der „Touristenmeile“ durch das Marktviertel von La Paz zu schlendern. Wo sonst verkaufen Frauen in indianischer Tracht Badewannen oder Jeans? Wenn man sich einmal in das Gewühl aus Autos und Menschen stürzt, Abgase und andere Gerüche ignoriert und sich einfach treiben lässt, kann man vieles sehen und erleben.

Erlebnisreich – wenn auch mühevoll der Rest des Tages – wir starten um 14.00 Uhr bolivianischer Zeit ab Hotel, fliegen von La Paz nach Lima und von dort nach zweistündigem Aufenthalt weiter nach Santiago de Chile. Ob sich dieser „Ritt“ nicht eleganter lösen ließe? Allerdings sollen Direktverbindungen von La Paz nach Santiago rar sein.

Der nächste Reiseleiter empfängt uns am Airport, begleitet uns in einem schicken Reisebus zum Hotel. Dort kommen wir morgens um 3 Uhr chilenischer Ortszeit an und werden uns am nächsten Tag um 14 Uhr „bei angenehmen Temperaturen“ zur Stadtrundfahrt treffen.

10. Tag: Kontrastprogramm

Santiago de Chile – was für ein Kontrast zum vorigen Tag in La Paz! Unterschiedlicher können zwei Städte wohl kaum sein… Angesichts der eleganten, beinahe mondänen chilenischen Metropole – werden die Erinnerungen an La Paz noch einmal wach.

Die Eindrücke dieser lauten Stadt – weder einladend noch schön oder sehenswert im herkömmlichen Sinn – haben sich fest eingebrannt. Keinen Moment dort möchten wir missen. Nicht die (beinahe lebensgefährlichen) Versuche, die Straße inmitten des chaotischen Verkehrs zu überqueren. Nicht den Spaziergang durch das Marktviertel, der einen zugleich verzaubert und entsetzt. Und vor allem nicht den Stau auf dem Hinweg, bei dem wir am Straßenrand den nächtlichen Reishandel der Einheimischen beobachten konnten… Frauen mit dicken, bunten Rockschichten und melonenförmigen Hüten auf pechschwarzem Haar, Männer, gebeugt von schweren Lasten auf den Schultern, kleine Kinder, deren pechschwarze Augen aus den farbenfrohen Tragetüchern ihrer Mütter leuchten…

Umso gegensätzlicher präsentiert sich Santiago de Chile. Blitzblanke Straßen, Ampeln, die auch als solche wahrgenommen werden, moderne Autos, schicke Geschäfte mit gepflegten Auslagen, geschäftstüchtig hin- und hereilende, gut gekleidete Menschen.

Leonardo, unser Führer durch die chilenische Hauptstadt, erläutert uns bei der Stadtrundfahrt (Beginn 14.00 Uhr) die Geschichte und Gegenwart der Metropole. Der gemeinsame Stadtspaziergang vermittelt ein Gefühl für die City, ein Besuch im Museum soll Einblicke in die Geschichte des Landes geben. Hier allerdings fühlt man sich trotz beeindruckender Exponate etwas verloren. Abgesehen von einer ausführlichen Einführung ist man sich selbst überlassen und hat etwas Schwierigkeiten, sich den fremden Kulturkreis auf eigene Faust zu erschließen.

Ein Abstecher ins „Café mit Beinen“ führt, wie Leonardo betont, in die „letzte Bastion der Männer“. Hübsche Mädchen mit tiefen Ausschnitten, langen Beinen und kurzen Röcken bedienen die vorzugsweise männliche Kundschaft, die hier über die drei Themen, die die Welt bewegen diskutieren: Fußball, Frauen, Sport. Kein Kommentar.

Diesig präsentiert sich die Stadt beim Blick vom Berg San Christobal, der „grünen Lunge“ des Ortes. Nur schemenhaft zeigen sich die Anden hinter den glitzernden Hochhausfassaden. Sie müssen durchweg erdbebensicher gebaut werden, denn solche Naturereignisse gehören hier zum „normalen geographischen Leben.“

Für den Abend empfiehlt der Guide mehrere Möglichkeiten, u. a. das Restaurant „Liguria“ in der Nähe des Hotels. Wir wählen seinen Alternativvorschlag, entscheiden uns für eine Taxifahrt ins Stadtviertel Bellavista (ca. 3.000 Pesos) und schlendern dort durch die Straßen. Nahe der Uni reihen sich laute Studentenkneipen aneinander. Fröhliche junge Menschen feiern den Gründonnerstag, das Leben und gewiss auch sich selbst. Wenige Schritte weiter laden vornehme Lokale verschiedenster Nationalität ein.

Wir entscheiden uns für eine chilenische Eckkneipe – getreu dem Motto, dass es dort am besten schmeckt, wo viele Einheimische essen. Keine schlechte Entscheidung: Saftiges Steak, leckere Empanadas, guter Rotwein zum kleinen Preis. Musik, Stimmengewirr, Zigarettenqualm und randvolle Teller bestimmen das Geschehen.

Der Abend endet beinahe zu spät für den frühen Start am nächsten Morgen. 6.00 Uhr Koffer vor die Tür, 6.30 Uhr Frühstück, 7.00 Uhr Abfahrt. Jeder spätere Zeitpunkt wäre „Urlaub“.

11. Tag: Grenzerfahrungen

Der zeitige Start in den Tag beginnt noch vor dem offiziellen Frühstück. Deshalb wird ein Snack gereicht, der seinem Namen als Zwischenmahlzeit alle „Ehre“ macht. Hungrige Gemüter sollten vorsorgen…

Auf der Fahrt von Santiago de Chile nach Mendoza schraubt sich der Bus 28 Kehren in die Höhe der Anden. In solchen Augenblicken ist man froh, kein Berufskraftfahrer zu sein. Aber auch viele Pkw haben sich auf den Weg gemacht, um über das Osterwochenende einen Abstecher ins Nachbarland zu unternehmen.

Die Wolken hängen tief und dicht, ein Blick auf den fast 7.000 m hohen Aconcagua bleibt uns verwehrt. Dennoch zeigen sich die Anden in ihrer beeindruckenden Schönheit. Berge in bizarren Formen und wechselnden Farben, hier ein Fluss, da die Reste einer Eisenbahnlinie.

Der Fotoapparat muss zu jedem Moment in Bereitschaft sein. Ist er es nicht, verpasst man ausgerechnet die Wildpferde am Straßenrand, einen Gletscher vor einem Fetzen blauen Himmels oder den Blick auf die Schlangenlinie der Andenpass-Kehren. Eine tolle Fahrt und trotz des (überwiegend) schlechten Wetters ein Erlebnis. Schade für diejenigen, die diese Strecke mit dem Flieger absolvieren werden.

Weniger schön die Wartezeit am Grenzübergang. An die zwei Stunden dauert es, bis unser Bus sich zum Posten vorgekämpft hat und kontrolliert werden kann. Wir stehen den größten Teil der Zeit in einer Schlange. Frierend, fluchend, frustriert.

Als wir endlich dran sind, werden unfreundliche Blicke gewechselt, Stempel in die Pässe geknallt, Formulare für ein Aus- und Einreise kontrolliert. Aber vielleicht empfinden wir es nach der langen, kalten Wartezeit, garniert von ein paar Schneeflocken, nur so schlimm.

Bei einem Zwischenstopp auf argentinischer Seite im Dorf Uspallata wird Halt an einem Dorfgasthof gemacht. Nicht besonders schön anzusehen, doch die meisten Reisenden sind von der Qualität des Essens und dem Preis-Leistungsverhältnis angetan.

Mendoza. Endlich haben wir es geschafft. Gegen 16.00 Uhr kommen wir im Hotel „Acongagua“ an. Offensichtlich wird für diesen Nachmittag bewusst kein Programm geplant, da die Wartezeiten an der chilenischen Grenze unkalkulierbar sind – besonders im Osterverkehr.

Das Hotel liegt sehr zentral, sodass man den Rest des Tages für einen Stadtrundgang auf eigene Faust nutzen kann. Viele Lokale laden zum Essen ein. Riesige Fleischberge und halbe Spanferkel lümmeln sich auf Mega-Grills und warten darauf, verzehrt zu werden. Wer meint, ein Baby-Beef wäre eine kleine Portion, der bekommt einen Batzen von bis zu 800 gr. Fleisch auf den Teller. Ein Fall für Nimmersatte mit Magenerweiterung, die dazu auch noch die eine oder andere Flasche Rotwein schaffen.

Für die Argentinier sind diese Portionen kein Problem. Wie uns Reiseleiterin Gorna am nächsten Tag erzählt, verzehrt der Durchschnittsbürger zirka 65 kg Rindfleisch im Jahr – Babys und zahnlose Greise eingerechnet. Wird zum Grillen eingeladen, rechnet man mit mindestens 500 gr Fleisch pro Mann und 300 gr pro Frau.

Wir kehren im Restaurant Tristan Barraza auf der „Fressmeile“ der Stadt ein und entscheiden uns für Chateaubriand oder Filet (Portion ca. 10 €). Für unseren Geschmack etwas zu dunkel gegrillt und etwas zu trocken, aber vielleicht sollte es so sein. Der Abend unter freiem Himmel, abgerundet mit einem Malbec-Absacker in einer Bar neben dem Hotel, ist nett und wird uns lange in Erinnerung bleiben.

12. Tag: Ein Gläschen in Ehren…

Huiii! Nach dem Besuch zweier Weingüter nebst Verkostung sind wohl alle Mitglieder einer Reisegruppe gelöst und fröhlich. Selbst diejenigen, die sonst eher kontrolliert bis reserviert daherkommen, führen angeregte Gespräche mit lockerer Zunge. Ob Reiseleiterin Gorna, die uns durch Mendoza führt, immer so lustige Gäste hat? Ein Wunder wär’s nicht. In jeder der beiden Keltereien, die wir besuchen, gibt es drei Kostproben, und das für viele von uns auf ziemlich leeren Magen.

Aber Wein gehört in der Region Mendoza, aus der 75 Prozent der argentinischen Gesamtproduktion stammen, einfach dazu. Jeder Argentinier trinkt, wie wir erfahren, 35 bis 36 ltr. davon pro Jahr, überwiegend Roten. Das „Flaggschiff“ ist der Malbec, insgesamt werden rund 30 Rebsorten angebaut. 135 Weingüter sind offiziell zugänglich, zwei davon stehen also auch auf unserem Tagesprogramm.

Es beginnt offiziell um 14.00 Uhr. Zu viel Zeit, um nach dem Aufstehen einfach nur auf den gemeinsamen Start zu warten, zu wenig, um größere Aktivitäten auf eigene Faust zu unternehmen. Also gibt es einen Stadtspaziergang zu den schönen Plätzen. Dafür ist Mendoza, wegen seiner 300 Sonnentage im Jahr auch „Stadt der Sonne“ genannt, bekannt. Bei frühlingshaftem (nein, herbstlichem) Wetter flanieren wir über die Plaza Italia, die Plaza Independencia, die Plaza San Martin und durch andere nette Ecken der Stadt.

Sie ist zwar schon 1561 gegründet, aber durch ein großes Erdbeben 1861 fast vollständig zerstört worden. Das, was übrig blieb, ist 1965 einem weiteren Beben zum Opfer gefallen. Einzig die Ruine einer Jesuitenkirche aus dem 18. Jh. zeugt noch von der „alten Stadt“. „Um die Gebäudereste erdbebensicher zu erhalten, muss man sich entscheiden: entweder unheimlich teuer oder unheimlich hässlich. Sie sehen, welche Wahl man hier getroffen hat“, kommentiert Reiseleiterin Gorna die notdürftige Zustandssicherung. Ein Alptraum für jeden deutschen Denkmalschützer.

Ja, das sind wir also schon mitten in der Stadtrundfahrt. Gorna zeigt uns den mit 960 m höchsten Punkt der Stadt, den Cerro de la Gloria. Der „Ruhmeshügel“ wird von einem Denkmal für José de San Martin gekrönt, der das Land Anfang des 19. Jh. in die Unabhängigkeit führte. Bis heute ist seine Andenüberquerung spektakulär.

Gorna, offensichtlich Allround-Talent und Überlebenskünstlerin, berichtet uns viel über „ihre“ Stadt, in der sie seit sechs Jahren mit Mann und Kind lebt. Die junge Frau deutsch-kroatischer Abstammung identifiziert sich sehr mit ihrer neuen Heimat und ist bestens informiert.

Höhepunkt der Rundfahrt ist der Besuch der Weingüter Dante Robino und Lagarde. Während im ersten vornehmlich die industrielle Großproduktion erläutert wird, geht es im zweiten um Tradition und Geschichte. Die Unterschiedlichkeit beider Unternehmen versöhnt ein wenig damit, dass es sich um einen „doppelten“ Programmpunkt handelt. Aber das muss in einer Weinstadt wie Mendoza vielleicht auch sein.

Außerdem macht es – siehe oben – die Reisegruppe lustig und locker, zumindest für den ersten Teil des Weges bis Buenos Aires. Dort erreichen wir das Hotel „Las Americas“ gegen 23.00 Uhr.

13. Tag: Tango, Tand und Temperament

Woher stammt der Tango? Natürlich aus Buenos Aires! Wer es bis jetzt noch nicht wissen sollte, der erfährt es spätestens beim Besuch der argentinischen Metropole. Hier kann man die einzigartige Kunstform in ihrer Reinkultur erleben.

Irgendwie geht es überall um den Tango. An einer Straßenecke werden mehr oder weniger geschmackvoll gestaltete Figuren in typischen Tanzposen gehandelt, an der nächsten gibt es silberne Scheiben mit den verschiedensten Variationen dieser Musik. Hier erklingt aus einem Café traurig-schöne Bandoneon-Musik, dort bieten sich attraktive Damen als Foto-Motiv in typischen Tango-Posen an...

Und da sind natürlich noch die professionellen Shows am Abend. Sie finden in Clubs und Theatern statt – eine davon wird auch unserer Reisegruppe angeboten. Doch bis dahin ist noch Zeit.

Der Tag beginnt um 9.00 Uhr, und die temperamentvolle Sylvia begrüßt uns in „ihrer“ Stadt. „Sie haben schon viel gesehen, doch das Schönste kommt zum Schluss. Deshalb sind Sie jetzt hier“, betont sie, und ihre dunklen Augen blitzen. „Ich liebe diese Stadt“ – was man ihr zweifelsfrei abnimmt.

Gleich zu Beginn steht der Besuch des Friedhofs von Recoleta auf dem Programm. Eine prachtvolle Stadt aus Marmor und Granit, in der allein Tod zu Hause ist. Er wohnt in riesigen Bauten, einer prachtvoller als der andere. Ganze Straßenzüge tun sich auf, und am teuersten ist es, wie im richtigen Leben, auf der Magistrale. Kaum zu glauben, dass „Evita“ Perón nur in einer „Nebenstraße“ in der Familiengruft der Duartes ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.

Jetzt wird es deutlich lebendiger. Wir sehen u. a. die Plaza de Mayo, um die sich berühmte Gebäude der Stadt reihen. Darunter der Regierungssitz „Casa Rosada“, dessen rosafarbene Fassade durchaus zu der Tatsache passt, dass gerade eine Frau in Argentinien das Zepter in der Hand hält. Dabei geht der Anstrich schon auf das Jahr 1873 zurück. Seinerzeit ließ Präsident Domingo F. Sarmiento die Farben der verfeindeten Unitarier und Föderalisten (rot und weiß) mischen, um die Einheit der Nation zu demonstrieren.

Farbig geht es auch im Stadtviertel La Boca zu. Hier gibt es die Straße El Caminito. Ihre Wellblechhäuser strahlen in bunten Schiffslackfarben in den sonnigen Tag. Eine Idee des Malers Benito Quinquela Martín und heute ein Touristenmagnet. So verwundert es nicht, dass das Viertel auch uns mit seiner eigenwilligen Mischung aus Charme und Kommerz in seinen Bann zieht.

Die Stadtrundfahrt führt vorbei an den ehemaligen Docks der Stadt, heute eine attraktive Uferpromenade. Blickfang sind moderne Wolkenkratzer und ausgediente Kräne aus der Produktion von VEB Krantechnik Eberswalde.

Das Viertel ist so nett, dass wir uns am freien Nachmittag zu einem Spaziergang dorthin entschließen. Rund drei Kilometer dürften es vom Hotel aus gewesen sein – eine Herausforderung für fußlahme Pflastertreter, zugleich jedoch Gelegenheit, die Atmosphäre der Stadt zu genießen.

Sie ist riesig, geradezu unüberschaubar. An der einen Ecke schmutzig, an der anderen mondän. Zum Glück ist heute Feiertag, sodass sich der Verkehr auf der zehnspurigen Avenida 9 halbwegs überschaubar gestaltet. Aber im Gegensatz zu Peru oder Bolivien werden hier die Verkehrsregeln (offenbar) eingehalten – wenn auch lautstark und sehr schnell.

20.00 Uhr startet der Bustransfer zum abendlichen Ausflug. Im Preis (je nach Teilnehmerzahl variierend und kein „Schnäppchen“) sind Busfahrt, Essen, Getränke und Show inkludiert. Wie angekündigt dreht sich alles um den Tango. Eine getanzte Umarmung, ein Lebensgefühl, ein „trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ (Tangokomponist Discépolo) und der ein wenig argentinische Geschichte deutlich werden lässt.

Der Vorläufer des Tango entstand, wie uns berichtet wird, zwischen 1850 und 1880 im Süden von Buenos Aires, einst ein fröhlicher Tanz für gesellige Anlässe. Später wurde die Stadt von vielen (oft glücklosen) Immigranten überschwemmt. Nicht anerkannt, ohne genügend Arbeit und Frauen, flohen sie sich in Kriminalität, Bordelle oder die Musik. So wurden die Vororte von Buenos Aires zur Wiege des Tango, der heute ein Symbol von ganz Argentinien ist.

Der Abend endet gegen Mitternacht. Angesichts des Gebotenen sind wir mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden und genießen die letzten Stunden in Buenos Aires. Morgen trennt sich die Gruppe. Ein Großteil wird nach einem freien Tag abends wieder nach Deutschland fliegen, sechs von uns setzen die Reise in Richtung Iguazú fort.

14. Tag: Teufelsschlund und Riesenfalter

Iguazú. Gegen Mittag kommen wir auf dem hiesigen Airport an. Strahlende Sonne und schwüle Wärme empfangen uns, dabei sind es gerade mal 22 Grad (gefühlt mindestens 30). Maike, eine freundliche blonde Brasilianerin mit deutschen Wurzeln, empfängt unsere kleine Gruppe.

Gleich nach der Landung geht es ohne Pause mit einem Mini-Bus zu den berühmten Wasserfällen – hier auf der argentinischen Seite. Der Einstieg in den Nationalpark ist nach kurzer Zeit erreicht. Mit einer touristischen Schmalspurbahn gelangt man direkt in ein Paradies.

Leuchtend rote, gelbe oder grünliche Schmetterlinge umschwirren die Besucher. Majestätisch segelt ein schimmernd blaues Exemplar, groß wie ein Handteller, vorbei. Später sehen wir Nasenbären, Blaukappenraben, Geier und sogar einen Tukan. Wer auf dieser Rundreise noch nicht „wunderlich“ geworden ist, der wird es spätestens hier.

Dabei ist die exotische Tier- und Pflanzenwelt nicht das eigentliche Ziel des heutigen Tages. Das sind die berühmten Wasserfälle von Iguazú. Hat man sie erreicht, verschlägt es einem die Sprache. Nicht umsonst hat das von der UNESCO geschützte Naturwunder drei Sterne in jedem Reiseführer. Man muss es einfach gesehen haben!

Wie sich tosende Wassermassen vor strahlend blauem Himmel in die Tiefe stürzen, wie der Teufelsschlund gleich einem Hexenkessen brodelt, wie ein Regenbogen märchenhafte Atmosphäre vor den Hintergrund des Spektakels zaubert. Es ist unbeschreiblich…

Der Rio Iguazú bildet quasi die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Beide Länder haben Anteil an den berühmten Wasserfällen. Glaubt man einschlägiger Literatur und anderen Berichten sollte man auch beide Seiten gesehen haben. „Auf der brasilianischen eröffnet sich das überwältigende Postkartenpanorama, auf der argentinischen hingegen führen Pfade und Stege direkt an das Naturschauspiel heran“, lesen wir im Reiseführer.

Diese Stege, meist aus Eisengittern, sind übrigens gut begehbar und zu bewältigen. Halt macht man meist dann, wenn sich neue Ausblicke eröffnen oder Tiere zu beobachten sind. Hier eine Schildkröte, die sich auf den Steinen im Fluss sonnt, dort wieder ein exotischer Falter. Ein braun-grünes Riesenexemplar macht es sich auf meiner Hand bequem und begleitet mich fast eine Viertelstunde. So werden er und ich zum begehrten Foto-Motiv.

Der Landeswechsel nach Brasilien funktioniert so schnell und problemlos, dass wir in einem Geschäft in Grenznähe noch Geld tauschen können. Abendbrot gibt’s im Hotel (knapp 20 € pro Person), bevor wir müde und voller Eindrücke ins Bett fallen.

15. Tag: Naturwunder zum Anfassen

Kann man ein Naturwunder hautnah erleben? Und ob! Wer sich wie wir zu einer Speedboat-Fahrt in die Iguazú-Wasserfälle entschließt, der kann das nachempfinden. Nass bis auf die Knochen landen wir nach einer runden halben Stunde wieder am Ausgangspunkt – und sind total begeistert.

Wie überhaupt vom gesamten Tag... Er beginnt mit Start ab Hotel um 8.30 Uhr. Schon eine geschätzte Viertelstunde später erreicht unser Mini-Bus den brasilianischen Teil des Nationalparks. Dort führt ein schattiger Spaziergang unter Bäumen an die „Cataratas“.

Reiseleiterin Maike hat nicht zu viel versprochen: Von dieser Seite aus eröffnen sich völlig neue Blickwinkel auf die herabstürzenden Wassermassen. Mal hat man einen phantastischen Überblick und ahnt das Gesamtwunder, mal spiegelt sich ein Regenbogen vor der schäumenden Gardine aus unzähligen Tropfen, mal ist man ganz dicht dran und wird gehörig nass.

Ein Vergleich der argentinischen und brasilianischen Perspektive fällt schwer. Hätten wir nur einen Tag gehabt, würden wir wohl die letztere bevorzugen. Aber beide sind schön, unfassbar geradezu.

Der Rest des Tages ist frei. Natürlich kann man sich am hauseigenen Pool lümmeln, aber sind wir dafür tausende Kilometer geflogen? Optional werden u. a. ein Helikopter-Flug und eine Speedboat-Tour angeboten.

Wir überwinden die innere Hemmschwelle, geben uns mutig und entscheiden uns für Variante zwei. Sie besteht aus drei Teilen. Zunächst geht es mit einer kleinen Bahn durch den subtropischen Dschungel. Er ist, wie wir von Maike wissen, „unten dicht und oben licht“ - der tropische wäre genau andersrum. Es folgt ein Spaziergang bis zur Anlegestelle. Ab in die Schwimmwesten, rein ins Boot und los geht’s.

Unterwegs steigt der Bootsführer in eine blaue, wasserfeste Gummikluft. Spätestens jetzt stirbt die Hoffnung auf eine beschauliche Ausfahrt. Dreimal braust das Boot in einen der vielen Wasserfälle. Ob die Insassen vor Begeisterung oder vor Angst kreischen? Auf jeden Fall scheinen sie Spaß zu haben. Gut festhalten sollte man sich auf dem Rückweg. Hier wählt der Kapitän eine Art Rafting-Route und durchbricht Wellen, die das Boot zuvor in Schräglage selbst erzeugt hat. Zu dumm, die trockene Unterwäsche ist im Hotel…

Die Tour ist zweifelsohne ein Erlebnis – aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Wir haben noch nicht genug und besuchen den Vogelpark von Iguazú (Eintritt: 25 Realos pro Person). Viel exotisches Federvieh – vom winzigen Kolibri bis zum großen Vogel Strauß – kommen einem ebenso vor die Linse wie bunte Falter, Schildkröten, Schlangen und riesige Pflanzen, die zu Hause höchstens im Blumentopf ein minimalistisches Dasein fristen.

Die Taxifahrt zurück ins Hotel schlägt mit 35 Realos zu Buche. Hier beenden wir mit dem empfehlenswerten Büffet-Essen (36 Realos pro Person plus Getränke) den Abend.

16. Tag: Wiener Charme am Zuckerhut

Kristallspiegel aus Belgien, Balkone aus italienischem Marmor, Rahmen und Vitrinen aus Palisanderholz, prunkvolles Mobiliar – das Café Colombo in Rio de Janeiro zählt nicht umsonst zu den ersten Adressen in der Stadt. 1894 gegründet, bietet das Haus erlesene Genüsse, tadellosen Service und …. Wiener Charme! So kündigte es uns Alex, unser Reiseleiter in Rio de Janeiro, jedenfalls an. Recht hat er!

Doch bis wir am Tag 16 unserer Rundreise eine Kaffeepause in eben jenem Traditionshaus machen können, vergeht noch einige Zeit.

Wir starten um 8.40 Uhr ab Hotel, fahren zum Flugplatz Iguazú und besteigen dort die Maschine nach Rio de Janeiro. Hier landen wir gegen Mittag. Alex, ein junger Mann mit nahezu perfektem Deutsch, empfängt uns am Airport und begleitet uns ins Hotel.

Hier beginnen wir um 14.00 Uhr mit einer Stadtrundfahrt. Zunächst geht es mit einer Seilbahn auf den Zuckerhut. Auf dem Weg nach oben legt eine junge Mutti mit Kleinstkind Wert darauf, dass das erst zwei Monate alte Baby einen Fensterplatz in der Gondel bekommt, „damit es die Aussicht genießen kann“. Bestimmt wird der Knirps noch Jahre später gut daran erinnern…

Von oben versteht man, warum Rio de Janeiro als eine der weltweit schönsten Städte gilt. Dieses Panorama ist wohl einzigartig – geradezu malerisch betten sich die Häuser in Hügelketten, die wahlweise aus schroffem Granit steil in die Höhe ragen oder von grünem Küstenurwald überzogen sind. Direkt auf dem Zuckerhut sorgen einige dort lebende Pinselohraffen für Unterhaltung. Der überlebensgroße Christus, der auf dem gegenüberliegenden Corcovado seine Arme spannt, hüllt er sich majestätisch in ein graues Wolkenkleid.

Auch morgen soll das Wetter nicht besser werden. Deshalb entschließen wir uns, den angebotenen organisierten Ausflug zum Corcovado nicht wahrzunehmen. Man kommt auch auf eigene Faust gut dorthin und kann so den passenden (Wetter)Moment abwarten.

In die Stadt zurückgekehrt, erklärt uns Alex wichtige Gebäude und Plätze. Allerorten fällt vor allem eines auf: der Gegensatz zwischen Altem und Neuem. Hier der Rest einer ehrwürdigen Hafenbefestigung, dort ein spiegelblanker Wolkenkratzer. Sie stehen dicht bei dicht - nicht neben-, sondern fast aufeinander.

Beim Spaziergang durch die engen Gassen und hohen Häuserschluchten machen wir Pause im Café Colombo. Ein Cappuccino nach Art des Hauses muss sein…

Gegen 18.00 Uhr erreichen wir wieder das Hotel. Wir folgen der Empfehlung des Guides und essen in einem Restaurant namens „Temperaarte“ links um die Ecke. Man bedient sich selbst, dann wird der Teller nebst ausgewählten Speisen gewogen und ein Preis errechnet. Wir sind dort für umgerechnet weniger als 8 € pro Person satt geworden.

Der abendliche Spaziergang an der Copacabana macht pflastermüde und fußlahm. Morgen ist auch noch ein Tag.

17. Tag: Abenteuer Straßenbahn

Bondinho, Rios alte Straßenbahn, quietscht sich mühsam den Berg hinauf. Die hölzernen Sitzbänke sind brechend voll, auf den Trittbrettern außen stehen weitere Passagiere und klammern sich fest. Hier passt keine Stecknadel mehr rein. Oder doch?

An einer Haltestelle quetscht eine korpulente junge Frau erst ihren Sonnenschirm zwischen die restlichen Gäste und dann ihren Jungen unter die stehenden und sitzenden Menschen. Sie selbst schiebt ihren dicken Bauch in das Innere des Waggons, der Rest ihres Körpers bleibt außen auf dem Trittbrett. Sie strahlt vor Freude – geschafft!

Seit 1896 bimmelt die Bahn, bestehend aus jeweils einem Waggon, sich ins Künstlerviertel Santa Teresa hinauf. Hat man an der Warteschlange bei den sieben (!) Leuten im Kassenhäuschen seine knapp 30 Cent bezahlt, ist man mit von der Partie, kann sich im Schneckentempo fortbewegen und den Kletterkünsten von Gästen und Bahnbegleitern zusehen.

Es könnte richtig Spaß machen, bis dann doch etwas passiert. Der Wagen stoppt, die Passagiere schauen erschrocken aus der offenen Tram. Eine Frau ist gestürzt, ob aus der Bahn, unter die Bahn oder schlichtweg daneben lässt sich nicht mehr ausmachen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sitzt sie unbeweglich am Bordstein, ihre Beine auf den Schienen, aber hinter den Rädern. Was ist da bloß passiert?

Nach einer guten halben Stunde (!) kommt ein Krankenwagen, an dem immerhin ein Scheinwerfer funktioniert, den Berg hinauf. Vorsichtig ziehen die Helfer die gestürzte Frau erst auf ein Brett und dann auf eine Pritsche. Hoffentlich hat sie sich nichts an der Wirbelsäule getan…

Überhaupt scheint diese Stadt gefährlich zu sein. „Be carefull“, sagt eine junge Frau gleich zu Beginn unseres Stadtspaziergangs mit Blick auf meine Kamera. Und sie gibt mir zu verstehen, dass Straßendiebe unberechenbar und mit ihrem Diebesgut schnell über alle Berge sind. Dicke Sicherheitsgitter an allen Häusern und schwer bewaffnete Polizisten scheinen das zu untermauern.

Bestätigt hat sich auch die Wetterprognose für den heutigen Tag – zwar zeigen die Thermometer der Stadt zwischen 23 und 25 Grad C an, doch die Wolken hängen tief und zeigen, was sie können. Also verschieben wir den für heute geplanten Ausflug auf den Corcovado noch einmal, morgen soll es besser werden.

Im Zentrum der Stadt bummeln wir ein wenig über die uneben gepflasterten Gassen und wundern uns einmal mehr über die eigenartige Mischung aus alt und neu. Das muss man mögen, wir sind jedenfalls noch nicht ganz überzeugt. Haben wir auf dieser phantastischen Reise schon zu viel gesehen und erlebt, sodass wir keine neuen Eindrücke mehr verarbeiten können? Oder ist die Stadt einfach nicht „unser Ding“? Ehrlich gesagt, wir wissen es noch nicht.

Am Nachmittag präsentieren sich sowohl die Copacabana als auch Ipanema fast menschenleer. Liegt es am Wetter oder an der Nachsaison? So rechtes Strand-Feeling will zwischen Hochhäusern und rasantem Verkehr jedenfalls nicht aufkommen… Dabei ist man wirklich in zwei Minuten vom Hotel Mirasol aus am Strand. Es liegt direkt hinter der stilvollen Nobelherberge Copacabana Palace, in der schon viele Prominente aus aller Welt abgestiegen sind.

18. Tag: Halber Tag mit voller Kraft

Was macht man am letzten Urlaubstag in  Brasilien? Immerhin startet der Transfer ab Hotel erst um 15.40 Uhr, der Flieger geht abends. Man könnte also die verbliebenen Realos verbraten – angesichts des hohen Preisniveaus sind es aber zu wenig für eine Shopping-Tour. Ein Abschieds-Strandbummel an der Copacabana? Warum nicht? Faule Stunden am Pool? Alles ist möglich…

Wir entscheiden uns für einen letzten Aktivtag und eine Fahrt auf den Corcovado, zumal der Himmel etwas aufklart und erste blaue Fetzen preisgibt. Also ab in die U-Bahn und für 3.10 Realos (vor vier Wochen übrigens noch für 2.80 zu haben) bis zur Station Largo do Machado. Von dort aus kann man mit dem Taxi oder dem Linienbus Nr. 580 in Richtung Cosme Velho (2.40 Realos) direkt bis zur Talstation der Zahnradbahn Trem do Corcovado fahren. Die Doppelfahrkarte hinauf und herunter sowie der Eintritt schlagen mit 36 Realos pro Person zu Buche.

Geld und Wartezeit (bei uns ca. 40 Minuten, man bekommt ein Ticket für eine bestimmte Abfahrtszeit zugewiesen) sind gut investiert. Der Blick von oben ist traumhaft und gleicht einem Postkarten-Klischee. Kann eine Landschaft so schön sein? Können Felsen wie der Zuckerhut derart majestätisch aus dem Meer ragen und den Häusern zu ihren Füßen einen so einzigartigen steinernen Rahmen geben? Kann das Meer so blau, der Urwald so grün sein? Wer Rio bis jetzt noch nicht in sein Herz geschlossen hat, der tut es auf jeden Fall hier oben.

Das Gedränge ist groß. Jeder scheint vor allem ein Foto-Motiv im Sinn zu haben: Der Partner oder eines der Kinder, gottesgleich vor der 38 m hohen Christus-Statue ihre Arme für das heimische Urlaubsalbum ausbreitend. Um die echte und die steinerne Person gleichzeitig auf ein Bild bannen zu können, braucht der ambitionierte Hobby-Fotograf eine Kamera mit Extrem-Weitwinkel oder akrobatische Fähigkeiten. Offensichtlich eignet sich die Rückenlage am besten dafür, um inmitten des dichten Gedränges den ultimativen Anblick für die Nachwelt auf den Chip zu bannen. Wohl dem, der hier keinen Tritt in den Bauch oder vor die Kamera bekommt.

Noch in der Warteschlange fällt mir eine junge Brasilianerin um den Hals. Wir hatten sie am Tag zuvor zufällig an der Copacabana getroffen und drei, vier belanglose Sätze mir ihr gewechselt. Jetzt treffen wir uns wieder, was ihr einen Freudenschrei und ein Küsschen rechts und links auf meine Wange entlockt. Sie stellt mir ihre Tochter, ihre Freundin sowie die Tochter ihrer Freundin vor. Laut und herzlich freut sie sich, uns noch einmal begegnet zu sein. Eine ähnlich nettes Erlebnis hatten wir schon kurz zuvor schon im Linienbus mit einem jungen Mann.

Ja, es gibt sehr freundliche Menschen hier in Südamerika. Allerorten sind sie uns begegnet – beim Hinflug (erinnert sei an den kleinen Jungen, der im ersten Tagestext eine Rolle spielt) und in durchweg allen Ländern, die wir bereist haben. Zurück bleiben die Erinnerung daran sowie viele Eindrücke und Erlebnisse, die wir nicht missen möchten.

Weniger schön hingegen der Rückflug mit IBERIA. Erst wird der Flieger mit einem seltsamen Gas ausgeblasen (Insider meinten, das diene dem Abtöten von tropischen Bakterien oder Viren am Handgepäck). Es folgt klirrende Kälte, die den Rest (und die meiste) Zeit des Fluges durch stickige, kaum zu ertragende Hitze abgelöst wird. Allein in unserer nächsten Umgebung kollabieren zwei Personen.

Nach der endlos scheinenden Nacht landen wir einen gefühlten ganzen Tag später in Madrid. Hier erwartet uns eine peinlich genaue Sicherheitskontrolle (die wichtig ist, keine Frage). Dass jedoch auch jene Dinge, die im Duty-Free-Shop in Brasilien gekauft worden sind, gesondert geprüft und zum Teil kommentarlos eingezogen werden, überrascht und verärgert dann doch. Also: Vorsicht mit allem Flüssigen – sei es eine Wasserflasche, Parfüm oder ein hochprozentiges Zuckerrohrschnaps-Souvenir.

Noch gilt es sechs Stunden Wartezeit, einen weiteren Drei-Stunden-Flug von Madrid nach Berlin und die Autofahrt nach Hause zu überstehen, bis die Reise endgültig vorbei ist.

19. Tag: Bilanz und Ausblick

Geschafft! Mit der großen Südamerika-Reise ist für uns ein Traum in Erfüllung gegangen. Hinter uns liegen – Deutschland und Spanien mal eingerechnet – sieben Länder. Bei elf Flügen haben wir in ca. 42 Stunden reiner Flugzeit rund 30.000 Kilometer zurückgelegt. Weitere rund 1.500 Bus-Kilometer kommen dazu. Wir waren (inklusive Madrid und Tegel) auf elf Flughäfen, haben an neun Stationen Halt gemacht, zwei davon mit dem Reisebus bzw. einem Schiff angefahren.

Insgesamt haben wir uns, großzügig gerechnet, mit 16 Verkehrsmitteln fortbewegt: dem Flugzeug, dem Reisebus, der Eisenbahn, dem Taxi, einem „normalen“ Schiff, einem Katamaran, einem Speedboat und einem Schilfboot. Auch die U-Bahn, der Linienbus, die Straßenbahn, eine Seilbahn, ein mit Elektroauto gezogener Mini-Zug sowie eine Zahnradbahn, das private Auto für die An- und Abreise nach Berlin und natürlich die eigenen Füße waren mit dabei.

Wir haben in neun verschiedenen Hotels übernachtet, deren Qualität durch die Bank weg von durchaus akzeptabel bis gut reichte. Allesamt sind sie wohl schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber für einen Durchreise-Aufenthalt mehr als in Ordnung. Wer Wellness-Oasen sucht, der darf so eine Reise nicht buchen.

Was die Beurteilung im Einzelnen angeht, da mögen die Geschmäcker sich teilen. Unserer Meinung nach ist die Unterkunft am Titicacasee am besten eingerichtet und landschaftlich am schönsten gelegen. Das Hotel in Cusco ist wohl das schlichteste, dafür befindet es sich mitten in der Stadt. Das beste Frühstück gab es unserer Ansicht nach in La Paz, das leckerste Morgen-Obst in Rio de Janeiro. Überall gab es Dinge, die hier besser, da schlechter waren. Wo der eine friert, kommt der andere ins Schwitzen. Das ist ganz normal – so ist das Leben.

Vor Ort hatten wir elf Reiseleiter bzw. -begleiter. Unterschiedlicher hätten sie nicht sein können – hier ein hochkonzentrierter Intellektueller, dort ein Bauer aus den Bergen. Ob wohlüberlegt und zurückhaltend, jugendlich-charmant oder mit südländischem Temperament – alle haben ihre Sache gut gemacht. Durch die Bank weg waren die Damen und Herren freundlich, hilfsbereit und vor allem kompetent. Herzlichen Dank!

Das Reiseprogramm ist gut zusammengestellt. Gleich einer Perlenschnur reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. Trotz der straffen Organisation gibt es – vor allem gegen Ende – Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung. Dort, wo der Ablauf zu holpern scheint, liegen wohl gute Gründe vor. Nur ein Beispiel: So gibt es, wenn wir richtig informiert sind, nur wenige Direktflüge von La Paz nach Santiago de Chile. Deshalb macht sich der zeitraubende „Umweg“ über Lima anscheinend erforderlich. Vielleicht bietet die Zukunft bessere Lösungen.

Wer eine Gruppenreise bucht (wir waren 17, bei der Brasilien-Verlängerung noch sechs), der weiß, auf was er sich einlässt. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Erwartungen, unterschiedliche Meinungen. Deshalb tut man gut daran, Toleranz und Zurückhaltung zu üben – manches, was vor Ort problematisch scheint, nötigt einem zu Hause nur noch ein Lächeln ab.

Fest steht, dass man bei dieser Art des Reisens vielleicht mit einer Nervensäge, einem Vordrängler oder einem Besserwisser rechnen muss. In den meisten Fällen trifft man jedoch auf interessante und interessierte Menschen, mit denen man ein großartiges Erlebnis teilt und sich freut, sie kennengelernt zu haben. Vielleicht gibt es sogar das eine oder andere Wiedersehen…

K. Mera

P. S. in eigener Sache: Die vorliegenden Berichte sind zumeist Produkte der Nacht. Geschrieben nach einem anstrengenden Tagesprogramm, erstellt nach individuellen Eindrücken und formuliert nach bestem Wissen und Gewissen. Sollten sich inhaltliche oder Tippfehler eingeschlichen haben, bittet die Autorin um milde Nachsicht.

Damit verbunden ist die Hoffnung, den einen oder anderen Leser der Texte auf diese Reise neugierig gemacht bzw. dazu ermutigt zu haben. Sie ist angesichts ihres Preises bestimmt kein „Schnäppchen“, aber eine lohnende Investition in Allgemeinbildung und Erfahrungsschatz. Versprochen!

Ihre Reiseleiter

  Lima, Ena Cabrera

 

  Cusco, Ivan Palomino

Der typische peruanische Cocktail Pisco Sour, der Wein Tacama “Blanco de blancos Tacama“ (“weiß von weißen“), ein leckeres Alpaka-Pfeffersteak, feine Cebiche (roher Fisch in Limonensaft mariniert) und Kokatee sind nur einige der Delikatessen, die Sie in Peru genießen können.

Besuchen Sie uns und lernen Sie die exotische Flora (Orchideen, Kokastrauch, Papaya, Avocado) und reiche Fauna mit zahlreichen Vogelarten (Kondore, Kolibris, Schwalben) kennen. Gerne erzähle ich Ihnen etwas über Geschichte, Archäologie und Kultur meiner Heimat. Lernen Sie mit mir das mythische goldene Tawantinsuyu Inkareich mit der Hauptstat Cusco kennen.

Machu Picchu wartet imposant im Nebelwald auf Sie. Ich empfehle Ihnen den schönen blauen Tititcacasee mit den Uros Inseln. Die Küste, das Hochland und der Urwald bilden zahlreiche Klimazonen und ökologische Nischen.

Kommen Sie nach Peru und genießen Sie eines der schönsten und vielfältigsten Länder Südamerikas!

Buenos Aires, Silvia Barbero

Als echte "porteña"- so wie wir Einwohner von Buenos Aires gennant werden- freue ich mich Ihnen meine wunderschöne Stadt vorzustellen!
 
Mein Name ist Silvia Barbero. Ich bin hier in Buenos Aires geboren und aufgewachsen aber ich habe ausserdem ein Tourismus Diplom bekommen.

Die schönsten Seiten, Anekdoten, Geschichte Gestern und Heute, Hintergründe und Tips, ich bin mit alle Geheimnisse meiner einmaligen Stadt vertraut: was bedeutet für uns Tango, wo es authentisch zu erleben ist, die besten Steaks und unsere vielfältige Küche, Austellungen, Konzerte, unsere vitale Kultur und das pulsierende Nachtleben.
 
Ich bin im Rhythmus des Tangos aufgewachsen und mit diesem Klängen werden wir "Mein Geliebtes Buenos Aires" mit Herz und Leidenshaft entdecken!!
 

Rio de Janeiro, Alexandre Ristoff

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Mein Name ist Alexandre Ristoff, es freut mich als Carioca den Gästen meine besondere Stadt Rio de Janeiro zeigen zu dürfen.

Nicht nur die Geschichte, sondern auch das heutige Leben in dieser pulsierenden 12 Millionen Stadt ist spannend, die nicht umsonst als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet wird.

Berge & Meer bedeuten für mich, gut organisierte Programme, sympathische und interessierte sowie auch gut vor informierte Gäste.

Rio de Janeiro ist nicht nur schöne lange weiße Strände sondern auch Farben frohes Leben und immer freundliche Menschen mit einem Lächeln im Gesicht.

Brasilien lässt immer noch heute Besucher Platz,neues zu Entdecken von üppiger Botanik  über tropische Wälder bis zu Kulturen Monumenten.

Unsere Stadtrundgänge sind von spektakulären Gebäuden über Geschichte von großen Persönlichkeiten bis zu modernen beeindruckenden Monumenten, von noch lebenden Künstlern wie die Künstler-Treppe von Selaron in Lapa.

Zum Standard eines Aufenthaltes in Rio de Janeiro gehört natürlich auch der Besuch des Zuckerhutes mit der Seilbahn und der Christus-Statur mit der Zahnradbahn.

Zu meiner Person ich bin 33 Jahre alt und habe deutsche Abstammung und durfte als Jugendlicher 6 Jahre in Frankfurt am Main Leben und habe dabei die Schönheit und Bedürfnisse meiner Kunden kennengelernt. Heute Lebe ich wieder in Rio de Janeiro als Familien Vater von 2 Kindern im Alter von 3 und 7 Jahren und meiner Frau im Centrum - Santa Teresa. Für mich Reiseleiter zu sein, ist Herzenssache und ich liebe meine Arbeit.

Ich freue mich auf den Besuch der Gäste von Berge & Meer in Rio de Janeiro, wo man Freundschaften gerne schließt.

Ihr Reiseverlauf

Reisen Sie auf den Spuren der Inka und bewundern Sie die Ruinen von Cusco und Machu Picchu. Ihre Reise führt Sie ins Andenhochland zum Titicacasee und in die höchstgelegene Großstadt der Erde, nach La Paz. Genießen Sie in Santiago de Chile den Mix aus Kolonialstil und Moderne bevor Sie das Weinanbaugebiet um Mendoza kennenlernen. Ihre Reise endet in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, der Welthauptstadt des Tangos. Zum Schluss geht es noch nach Brasilien.

1. Tag - Anreise
Linienflug nach Lima. Empfang am Flughafen und Transfer zum Hotel.

2. Tag - Lima
Auf einer halbtägigen Stadtrundfahrt besuchen Sie die koloniale Innenstadt mit der Plaza de Armas und dem Regierungspalast, dem Rathaus, dem erzbischöflichen Palais und der Kathedrale, um nur die prächtigsten Bauten an diesem geschichtsträchtigen Platz zu nennen. Danach geht es in die modernen Wohnviertel von San Isidro und von Miraflores, wo Sie Zeit für einen Bummel durch die typischen Kunsthandwerkermärkte haben. Abschließend besichtigen Sie den sogenannten Liebespark mit herrlichem Blick auf den Pazifik. Der Rest des Tages steht Ihnen zur freien Verfügung.

3. Tag - Lima - Cusco
Morgens Transfer zum Flughafen und Flug nach Cusco. Nach Ankunft Transfer zum Hotel. Am Nachmittag halbtägige Stadtrundfahrt, die Sie zunächst zum Mittelpunkt des Inka-Reiches führt, der Plaza de Armas. Hier finden Sie die Kathedrale, die auf den Ruinen eines Inka-Palastes erbaut wurde. Weiter geht es in die Altstadt mit ihren wunderschön restaurierten Bauten im Kolonialstil, wie z. B. Korikancha, ein alter Sonnentempel der Inka. Im Anschluss besichtigen Sie Sacsayhuaman, eine 3 km über der Stadt gelegene Festungsruine, die einen einmaligen Blick über Cusco bietet. Anschließend machen Sie einen Abstecher zu dem ehemaligen Bad der Inka Tambo Machay, dem riesigen Fels Qenqo sowie der kleinen Festungsruine Puca Pucara.

4. Tag - Cusco
Dieser Tag steht zur freien Verfügung. Erkunden Sie Cusco auf eigene Faust oder nehmen Sie an einem ganztägigen Ausflug zum Besuch des Pisac Indio Marktes und der Ruinen von Ollantaytambo inklusive Mittagessen (vor Ort zu buchen) teil.

5. Tag - Cusco - Machu Picchu - Cusco
Heute steht ein ganztägiger Ausflug zur wohl berühmtesten Inkastätte Südamerikas auf dem Programm: Machu Picchu. Mit dem Bus geht es zunächst zur Bahnstation von Ollantaytambo oder Poroy, von wo aus Sie eine wunderschöne Zugfahrt durch das malerische Flusstal des Urubamba nach Aguas Calientes unternehmen. Weiterfahrt mit Bussen hinauf zur Ruinenstadt. Anschließend ausführliche Besichtigung der Ruinenstätte. Nachmittags Rückfahrt nach Cusco.

6. Tag - Cusco - Juliaca - Puno (ca. 370 km)
Heute steht eine ganztägige Busfahrt von Cusco nach Puno auf dem Programm (inklusive Lunchbox)*. Während der Fahrt durch das peruanische Hochland geht es entlang der schneebedeckten Berggipfel bis auf über 4.300 m Höhe und wieder bergab nach Puno, das direkt am Titicacasee liegt. Das auf ca. 3.856 m gelegene Binnengewässer ist der höchste schiffbare See der Erde. Unterwegs besichtigen Sie die Stadt Andahuaylillas sowie die Ruinen von Racchi. Transfer zum Hotel. *Bei einer Gruppengröße von bis zu 9 Reisenden wird die Busfahrt evtl. zusammen mit anderen Reisenden unter englischsprachiger Reiseleitung durchgeführt. Ab 10 Personen wird die Gruppe von einem deutschsprachigen Reiseleiter begleitet. Bei einer Gruppengröße von 15 und mehr Personen erfolgt ein Privattransfer mit deutschsprachiger Reiseleitung.

7. Tag - Puno - Titicacasee - La Paz (ca. 270 km)
Am frühen Morgen haben Sie Gelegenheit zum Besuch der Uros Indianer auf ihren schwimmenden Inseln (vor Ort zu buchen). Nach dem Frühstück geht es mit dem Bus weiter auf die bolivianische Seite des Sees. Zunächst nach Copacabana, dem wahrscheinlich wichtigsten Wallfahrtsort Lateinamerikas, nach dem auch der berühmte Strand von Rio de Janeiro benannt wurde. Anschließend geht es weiter mit dem Katamaran über den Titicacasee zur Sonneninsel (inklusive Mittagessen). Dort soll der Legende nach der Sonnengott der Inka gewohnt haben. Anschließend Weiterfahrt nach La Paz, die Stadt, die verteilt auf einer Höhe von ca. 3.500 – 4.000 m liegt und damit als höchstgelegene Großstadt der Erde gilt.

8. Tag - La Paz
Nach dem Frühstück halbtägige Stadtrundfahrt durch La Paz. Die Stadt besitzt viele gut erhaltene Bauten aus der Kolonialzeit und in den engen Gassen der Altstadt findet noch heute der malerische Indiomarkt statt. Besuch des Valle de la Luna, dem Tal des Mondes, mit seiner in Jahrmillionen geformten Mondlandschaft. Der Nachmittag steht Ihnen zur freien Verfügung.

9. Tag - La Paz - Santiago de Chile.
Transfer zum Flughafen und Flug nach Santiago de Chile. Empfang am Flughafen und Transfer zum Hotel.

10. Tag - Santiago de Chile.
Halbtägige Stadtrundfahrt durch Santiago de Chile, eine Stadt voller Kontraste. Sie fahren vorbei am Club Hipico, einer Pferderennbahn in einem sehr ursprünglichen Wohnviertel. Unterwegs sehen Sie den Regierungspalast La Moneda, die Universidad de Chile, die San Francisco Kirche, die Nationalbibliothek und den Santa Lucia Berg, wo Santiago im Jahr 1541 gegründet wurde. Im Stadtzentrum besuchen Sie den Hauptplatz ″Plaza de Armas″ mit der Kathedrale und der alten Post. Danach geht es zum Museo Chileno de Arte Pre-Columbino, eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt mit präkolumbischen Kunstwerken aus Chile, Ecuador, Peru und Mittelamerika. Weiter geht es zum Mercado Central, dem Hauptmarkt für Fisch und Meeresfrüchte. Durch das Künstlerviertel Bellavista fahren Sie zum Cerro San Cristobal, von dessen Aussichtspunkt man einen herrlichen Rundblick über die Stadt hat. Von dort aus besuchen Sie die modernen Wohngebiete Vitacura und Las Condes sowie das Geschäfts- und Einkaufsviertel Providencia. Der Rest des Tages steht Ihnen zur freien Verfügung.

11. Tag - Santiago de Chile - Mendoza (ca. 340 km)
Auf der Fahrt nach Mendoza in Argentinien (Fahrtdauer ca. 8-9 Stunden, bis einschließlich 9 Personen öffentlicher Bustransfer ohne Reiseleiter mit Hoteltransfer, ab 10 Personen privater Bustransfer bis Hotel) überqueren Sie heute die Andenkordillere. Von Santiago de Chile Richtung Osten geht es immer höher hinauf, bis Sie zunächst das Wintersportgebiet Portillo erreichen. Dieses liegt am Fuße des höchsten Berges Südamerikas, dem Aconcagua (ca. 6.963 m). Die Grenze zu Argentinien wird anschließend in einem Tunnel überquert. Dort angekommen passieren Sie zunächst den kleinen Ort Cuevas. Durch das Uspallata Tal erreichen Sie schließlich die Stadt Mendoza, die auf einer Höhe von ca. 761 m liegt.

12. Tag - Mendoza - Buenos Aires (ca. 60 km)
Am Vormittag unternehmen Sie eine kurze Panorama-Tour (ca. eine Stunde) durch die Provinzhauptstadt Mendoza. Anschließend erwartet Sie eine halbtägige Tour durch das Weinanbaugebiet Mendozas, das ca. 70% der Weinberge Argentiniens umfasst und als das wichtigste Südamerikas gilt. Dabei werden Sie die Gelegenheit haben, 2 unterschiedliche Weingüter zu besichtigen. Gegen Abend Transfer zum Flughafen von Mendoza und Flug nach Buenos Aires. Nach Ankunft Empfang am Flughafen und Transfer zum Hotel.

13. Tag - Buenos Aires
Halbtägige Stadtrundfahrt in Buenos Aires. Dabei besichtigen Sie die Plaza de Mayo, das historische Zentrum von Buenos Aires. Um den Platz herum befinden sich der Regierungssitz (″Casa Rosada“), dessen rosafarbener Anstrich auf den Präsidenten Domingo F. Sarmiento zurückgeht, die Catedral Metropolitana sowie das Cabildo, das ehemalige Rathaus. Außerdem sehen Sie die Viertel La Boca, San Telmo, Recoleta mit dem Friedhof, auf dem Eva Perón begraben liegt und die mit ca. 140 m angeblich breiteste Prachtstraße der Welt, die Avenida 9 de Julio. Der restliche Tag steht Ihnen zur freien Verfügung.

14. Tag - Buenos Aires - Iguazú
Transfer zum Flughafen und Flug nach Iguazú. Nach Ankunft besuchen Sie die argentinische Seite der Wasserfälle im Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Argentinien.

15. Tag - Iguazú.
Besuch der brasilianischen Seite der Wasserfälle. Heute können Sie den Panoramablick auf die Fälle genießen, die aufgrund ihrer unberührten Lage im tropischen Urwald zu den eindrucksvollsten Natursehenswürdigkeiten Südamerikas gehören. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung.

16. Tag - Iguazú - Rio de Janeiro
Am Vormittag Transfer zum Flughafen und Flug nach Rio de Janeiro. Nach Ankunft Transfer zum Hotel. Am Nachmittag unternehmen Sie eine halbtägige Stadtrundfahrt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Rio de Janeiro. Sie sehen u.a. das Stadtzentrum, die Kathedrale, die Oper und die Avenida Rio Branco. Im Anschluss geht es mit der Seilbahn hinauf auf den berühmten Zuckerhut, dem Wahrzeichen Rios. Von hier haben Sie einen herrlichen Blick auf den Corcovado mit seiner Christusstatue und die Guanabara Bucht sowie auf die Niteroi-Brücke.

17. Tag - Rio de Janeiro
Der Tag steht zur freien Verfügung.

18. Tag - Abreise
Transfer zum Flughafen und Rückflug nach Deutschland.

19. Tag - Ankunft in Deutschland