Dezember 2012

Besuchen Sie auf dieser Reise die Wüstenstadt Bikaner, die “blaue Stadt“ Jodhpur sowie die “rosa Stadt“ Jaipur. Freuen Sie sich auf einen Kamelritt durch die Wüste und die Übernachtung im Wüstencamp. Ein weiteres Highlight ist das berühmte Taj Mahal.

Ihr Chronist

Ich bin 49 Jahre alt und habe beruflich wie privat die halbe Welt bereist. Obwohl mich auch Indien seit vielen Jahren fasziniert, kenne ich es bislang nur aus Büchern. Heute weiß ich: es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt. Ich mache mich mit AVASTAMA auf die Suche nach den „Spuren der Maharadschas“ . Wenn Sie mögen, begleiten Sie mich doch „online“. Heute geht’s los!

1./2. Tag: Anreise und erste Eindrücke

Die mit größeren Befürchtungen erwartete Anreise am 07.12. von München über Frankfurt und Amsterdam gestaltete sich unerwartet erfreulich, dank eines funktionierenden Zeitplans der Deutschen Bahn, einer perfekten Nacht im Hilton Garden Inn am Flughafen Frankfurt und einer ausgesprochen zuvorkommenden Flugbegleitung durch die Crew der KLM. Während des langen Fluges konnten sich einige Teilnehmer der Reise schon zusammenfinden. Noch ist die Größe der Gruppe unbekannt. Wir lassen uns überraschen. 

Wir sind da! Vor einer Stunde in Delhi gelandet und von unserem Reiseleiter Manoj müde ins Hotel gebracht. Morgen bzw. heute in wenigen Stunden, soll der Tag für uns 16 mit einer Stadtrundfahrt durch Delhi beginnen und im 260km entfernt gelegenen Mandawa als erster Station der Rundreise enden.

Das schöne Kolonialambiente des Hotels konnten wir nur kurz geniessen. Wir starten also nach dem Frühstück mit Ringen unter den Augen und vor Müdigkeit mangelnder Aufmerksamkeit für die wertvollen historischen Ausführungen unseres Tourguide.

Die Fahrt geht im Linksverkehr durch das „bessere“ Viertel von Delhi. Hier residieren die Reichen und Berühmten. Hier befinden sich die Konsulate und hier besichtigten wir heute das Areal um das berühmte India Gate, das Präsidentenhaus und das House of Parliament. Im Gegensatz zu einigen anderen Vierteln Delhis od. Dellis (Hindi=Landessprache), blitzt, blinkt und blüht es hier an allen Ecken.

Die Briten haben Delhi nach Kalkutta zur Hauptstadt erkoren und bis zum Abzug des britischen Vizekönigs 1947 in 350 Jahren Kolonialherrschaft neben dem Linksverkehr ein beachtliches Erbe an Grünstreifen, Parkanlagen und Straßennetzen geschaffen. Zum Glück hat die Stadt nicht wenige grüne Lungen dieser Art, die sie vor dem sicheren Kollaps durch Smog noch eine Weile bewahren dürfte.

Ich fühle mich zeitweise in die „Dschungelbücher“-Romane des Rudyard Kipling versetzt, so nehmen Flora und Fauna manch menschliche Behausung in Beschlag. Und das noch vor der Regenzeit! Die Besichtigung ist kurz aber intensiv. Wir müssen weiter, da 260 km in Indien eine Reise von vielen Stunden bedeuten können. So war es auch.

Auf der Strecke ins Wüstenstädtchen Mandawa gab es aber unglaublich viele schöne und interessante Eindrücke, die die Fahrt nicht langweilig werden ließen und die ich gerne in vielen Bildern festgehalten hätte ( Leider kann der Bus unterwegs nicht oft anhalten): Konvois von Transindia-Lastwägen (im Staub der entgegenkommenden Fahrzeuge besonders bizarr), Fuhrwerke undefinierbarer Art, die mit vielen großen Säcken überladen sind.

Daran hängen dann noch die Menschen, denen diese Fracht gehört, auf einem langen Weg in den Sonnenuntergang. Bunte Straßenmärkte mit buntem Obst und Gemüse und bunt gekleideten Menschen. Ein Verkehrs- und Lärm aufkommen, das jedem Europäer den Schweiß auf die Stirn treibt. Dazwischen queren fröhlich spielende Kinder, Hunde und Kühe die Fahrbahn.

Unfassbar wie das mit relativ geringem Unfall Geschehen funktionieren kann. Aber es funktioniert. Und manchmal denke ich, vielleicht liegt es an der Unbesorgtheit dieser Menschen. An ihr Vertrauen in die vielen Götter und ihrer positiven Weltanschauung. Es gibt auch ein Leben ohne TÜV-Plakette. Wer schlecht fährt, wird einfach wiedergeboren….. : )

Man sieht viel Armut am Rande von Delhi und auch sonst auf der langen Strecke. Nicht schön, aber die Realität. Man fühlt sich unwillkürlich schlecht, weil es einem selbst so gut geht und sieht dabei dennoch meistens in strahlende Augen.

Aber, die gute Nachricht ist: man kann und sollte auch helfen. Besonders den wirklich sehr kranken und behinderten Menschen am Straßenrand. Auch wenn in Reiseführern davor gewarnt wird. Diese Menschen bekommen staatlicherseits keinerlei Unterstützung. Sie sind auf menschliches Mitgefühl angewiesen! Namaste!

Die Landschaft wird zunehmend fruchtbarer und grüner. Die Menschen dabei sichtbar wohlhabender. Leider ist die Landwirtschaft in Indien auf dem Rückzug, da viele Nachkommen von Bauersfamilien es aufgrund höherer Bildung bevorzugen, in die Stadt zu gehen und zu studieren.

Das Bundesland Rajasthan (Land der Maharadschas-Hindi) ist besonders schön und damit ist auch erklärt, warum sich ausgerechnet hier so viele der einheimischen königlichen Herrscher und deren Nachfahren bis zum heutigen Tage niedergelassen haben.

In Mandawa übernachten wir in einem Colonial Style Hotel. Schade, dass es abends schon so kalt ist. Der Garten ist sehr schön angelegt. Die Zimmer ein wenig überholungsbedürftig. Der Nostalgiecharme überwiegt aber und das Essen, das Essen ist einfach wunderbar!

Den Maharadschas rücken wir jetzt Tag für Tag näher. Morgen geht es ca. 300 km nach Bikaner, wo wir diesmal in einem „echten“ Palast übernachten werden.

3. Tag: Fahrt nach Bikaner

Habe meine Kamera im Hotel vergessen. Da sich einige Teilnehmer unserer Reisegruppe jedoch als echte Kameraden erweisen, war das Problem schnell gelöst. Ich möchte hiermit Susanne danken, die mir mit Ihrer Kamera heute zu wunderbaren Bildern für den Bericht verholfen hat. Abends tauchte dann meine eigene wieder auf. Alles wieder gut. Unsere Reisegruppe wächst übrigens jeden Tag mehr zusammen. Ein echter Glücksfall!

Nun zum Tag: Nach dem Frühstück ging es mit einem kleinen Spaziergang durch das Städtchen Mandawa mit seinen alten Herrscherhäusern. Ehemalige Pracht, leider komplett verfallen. Nur an wenigen Häusern sind die Wandmalereien mit Motiven des Hinduismus und Islam erhalten.

Die ca. 150 Jahre alten Gebäude stehen größtenteils leer, die Stadt wirkt, von den „fliegenden Händlern“ einmal abgesehen ein wenig ausgestorben. Einige Ziegen, Kühe, Hunde, viele Tauben, 1 Kamel, 1 Katze und auch eine Eule haben hier ein einzigartiges Zuhause gefunden. Zur „heiligen Kuh“ in Indien ist allgemein zu sagen, dass sie hier vermutlich kein unnatürliches Ende erleben wird, dafür allerdings als Müllentsorger fungiert.

Wir durften heute ein ehemaliges Herrschafts-Wohnhaus besichtigen, wobei die Betonung auf „ehemalig“ gelegt werden sollte. Dennoch versprüht dieses Gebäude einen derart morbiden Charme, dass man unwillkürlich an einen Fellini-Film denken muss.

Weiter geht’s mit dem Bus in Richtung Bikaner. Hatte ich schon erwähnt, dass mich das gestern noch nervtötende Gehupe auf den Strassen heute nicht mehr stört? Ich glaube, die Erholung beginnt langsam und damit auch die gesteigerte Aufmerksamkeit für die Einführung in die Weisheiten des Hinduismus durch unseren wunderbaren Guide Manoj.

In Bikaner angekommen, besichtigen wir nach einer Mittagspause im Schatten von Akazien das bekannte Junagarh Fort, das bis 1949 seine Funktion als Maharadscha-Palast behielt und heute als gigantisches Museum anschaulich an die prunkvolle Zeit erinnert.

Der Höhepunkt des heutigen Tages jedoch dürfte der Einzug in unser Hotel sein. Beim LAXMI NIWAS PALACE handelt sich um einen ehemaligen Original-Maharadscha-Palast, der nach oben keine Wünsche offen lässt. Man könnte sich schon allmählich an den Luxus gewöhnen….

Und das Essen, das Essen im Palasthof unter Sternenhimmel war wieder wundervoll. Übrigens findet im Palastgarten nebenan gerade eine indische Hochzeit statt. Die hätte der Maharadscha seinerzeit vermutlich auch nicht besser hingekriegt.

Morgen nach dem Frühstück haben sich alle Teilnehmer der Gruppe für einen Ausflug mit dem Tuk-Tuk entschieden. Dann soll es mit dem Bus weiter nach Manvar gehen. Dort erwartet uns das Wüstencamp und eine Kamelsafari. Bericht folgt, sobald wieder eine Internetverbindung zur Verfügung steht.

4. Tag: Ein Trip in die Wüste

Heute also die Weiterfahrt nach Manvar. Winke noch mal sehnsüchtig meinem Prunkzimmer nach, in dem vermutlich auch eine Karawane Platz gefunden hätte und denke – nur sehr kurz - an die Einraumwohnung im verschneiten München.

Zunächst jedoch die versprochene Fahrt im „Tuk-Tuk“, das auf Indisch eigentlich „Taxi“ heißt, der Touristen wegen aber so wie in Thailand genannt wird. Die fakultativ gebuchte 10-Minuten-Fahrt zum Jain-Tempel lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

Sobald wir die sicheren Tore der riesigen Hotelanlage hinter uns lassen, beginnt wieder das pure Leben. Hupkonzerte, Kühe (mitten auf der Straße, eine sogar auf dem für die Verkehrspolizei vorgesehenen Podest mitten auf der Strasse), Hunde, Ziegen, Affen zwischen dampfenden Garküchen, Frauen, die in den offenen Strassenkanälen nach „Schätzen“ schürfen, Bettler, Händler, Plastikmüll in allen Ecken (für die Kühe…), Wohlgerüche und Gestank im Wechsel, genau wie die Gefühle und Eindrücke, die dabei entstehen.

Mit jeder weiteren Minute werde ich mehr „geerdet“, denke unwillkürlich an die soeben wieder erinnerten Lehren des Hinduismus (übrigens die Hauptreligion in Indien) und an die 850 Millionen Leben, die einem mit schlechtem Karma laut Hinduismus blühen. Werde ich im nächsten Leben in einem indischen Strassengraben landen und wenn ja, warum?

Wir dürfen in Bikaner einen Jain-Priester besuchen, der uns den Lebenszyklus im Hinduismus in einer Zeremonie veranschaulicht, in dem er kleine Steine auf einem Tisch zu mehreren Symbolen formt und uns anschliessend seinen wunderschönen Tempel zeigt. Hier lebt er mit Frau und Kind in der 22.Generation und vertritt den sehr flexibel auslegbaren Glauben.

Übrigens: Spenden in die dafür vorgesehene Messingschale gelegt, gehören dem Priester persönlich. Der Tempel und damit die Bevölkerung profitiert von dem Geld, in die Holzbox geworfen. Ein absolutes „no go“ sind: mit Schuhen den Tempel betreten oder diese mit sich tragen oder das Allerheiligste berühren. Da kann es richtig Ärger geben, allerdings gewaltlos….

Nach diesem kurzen Exkurs, geht es mit dem Bus zu unserer nächsten Station: die Wüste THAR bei Manvar. An sich ist unser Reiseverlauf in den Unterlagen genau beschrieben. Dennoch überrascht es immer wieder, dass alles in Wirklichkeit noch viel schöner als erwartet ist.

Im Manvar Resort angekommen werden wir in Jeeps zu einem Picknick inmitten von Rhizinus- und Rapsfeldern gebracht. Die Bauersfamilie bereitet das Essen zu, die Resort-Mitarbeiter kümmern sich um die Deko. An zwei großen weißgedeckten Tafeln wird uns erneut hervorragende indische Küche serviert.

Man denkt, man kennt nach einigen Tagen schon alles. Weit gefehlt. Verschiebe halbernstgemeinte Diätpläne erst einmal und befürchte, dass dieser Teil der Reise ein wenig dekadent wird, vergleicht man ihn mit den normalen Verhältnissen im Land.

Nach einer kleinen Mittagspause im Schatten von Chinin-Bäumen starten wir mit einer Kamelsafari durch die Wüste. Die Kameltreiber bringen uns die Tiere vorbei und ich kann nur sagen, von unten sieht die Reiterei harmloser aus. Dennoch lohnt sich diese Tour, die mit einem sagenhaften Sonnenuntergang ca.1 Stunde später im Camp belohnt wird.

Und damit sind wir beim angekündigten heutigen Reiseziel angekommen: eine Oase inmitten von Sanddünen. Jeder Gast bekommt ein eigenes Luxuszelt (mit Bad und WC). Erinnerungen an Filme wie „Lawrence von Arabien“ und „Jenseits von Afrika“ werden wach.

Wir haben nur nicht viel Zeit, den Traum zu genießen, da ja das Candle-Light-Dinner mit Folklore Show unter freiem Sternenhimmel bereits auf uns wartet, gönnen uns aber einen gepflegten Gin-Tonic am Lagerfeuer. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass Alkohol in Indien ein kleines Vermögen kostet. Seit heute rechne ich in Silberschmuck um, z. B. 2 Gin Tonic haben den Gegenwert eines schönen Sterling-Silberrings mit Halbedelstein. Da fällt die Entscheidung nicht schwer, oder?

Abends wird es frisch in Indien. Es ist auch hier Winter. Man braucht also schon eine etwas wärmere Jacke. Generell liegt die Tagestemperatur aber bei 22° C und hat damit Wohlfühlcharakter, zumindest für uns Mitteleuropäer.

5. Tag: Manvar

Die Nacht im Zelt ist dank Heizstrahler und Kameldecken angenehm, nur leider viel zu schnell vorüber. Ich will die ersten Sonnenstrahlen zum Fotografieren nutzen.

Nach dem Frühstück geht’s in Jeeps weiter. Wir besuchen ein kleines Dorf in der Wüste und hoffen auf ein paar spektakuläre Bilder. Leider läuft gerade wenig Spektakuläres dort ´rum und so sind wir dankbar für einen Adler auf der Flucht, 2 Falken und eine Hauskatze!

Ich denke unweigerlich an witzige Filme und Werbespots, in denen Hornviechern Fellmützen aufgesetzt werden, um sie den Touristen als Raubtiere zu verkaufen und beschließe, mich mit der Katze definitiv nicht zufrieden zu geben, auch wenn sie dem Tiger das Jagen beigebracht haben soll, gemäß indischer Mythologie, sagt Manoj. „Meinen Tiger“ sollte ich mit viel Glück am 11.Tag unserer Reise im Ranthambore Nationalpark bewundern dürfen. Bis dahin haben wir noch ein paar Kilometer vor uns….

Wir besuchen weiter einen Dorfschmied und dessen Familie. Vermutlich hat er aber alle Dorfbewohner eingeladen, denn das kleine Gehöft ist gut gefüllt mit neugierigen Erwachsenen und Kindern. Milde Gaben soll nur das Familienoberhaupt bekommen; das ist in diesem Fall die Mutter und Ehefrau des Schmieds.

Er scheint ihr übrigens gerne das Feld oder die harte Arbeit am Eisen überlassen, während er selbst bei einem Pfeifchen chillt. Chillen oder besser meditieren tun auch 3 ältere Herren, die uns bunt und traditionell gekleidet stolz eine Opiumzeremonie darbieten. Wir dürfen einige Tropfen des homöopatisch verdünnten Rauschmittels probieren. Auf dessen Effekt warten glaube ich heute noch einige von uns….

Nach der Jeepsafari geht es in unser Hotel für diese Nacht und nach einem Mittagessen im Patio der wunderschönen Anlage haben wir – endlich - ein paar Stunden für uns, für Baden im glasklaren Wasser des Pools, für Wäschepflege und für diesen Bericht. Leider gibt es im Hotel keinen Wireless-Lan und ich kann ihn vermutlich erst morgen online stellen.

Dafür wohne ich in einer kleinen Suite, in der ich am liebsten bis zum Reiseende bleiben würde, so geschmackvoll und wohnlich ist sie eingerichtet.

Am späten Nachmittag erkunden wir mit Manoj den knapp 2 Kilometer entfernten Tempel der Mother Goddess, diesmal zu Fuß. Es handelt sich hierbei nicht um die „Mutter Gottes“, sondern um einen weiblichen Gott, eine Göttin und zwar eine sehr wichtige.

Es ist die Göttin, die den Frauen Schönheit und Stärke verleiht. Sie wird oft mit einem Tiger oder Löwen abgebildet und ich kann kaum glauben, dass ich einige Stunden zuvor genau diese Skulptur in Messing bei einem Händler aus Hunderten ausgewählt habe, ohne zu ahnen, welche genaue Bedeutung sie hat.

Folkloremusik. An dieser Stelle möchte ich an alle Reiseveranstalter appellieren: bitte streicht die andauernde Folkloremusik aus dem Repertoire und rettet euren Gästen damit die Abende und den Urlaub! Das schönste Ambiente nützt da ansonsten nix mehr….. Musik in meinen Ohren sind dagegen die Geräusche aus dem Dschungel, die mich sanft in den Schlaf wiegen.

Morgen fahren wir nach Jodhpur und Benswara. Strecke: ca. 230km (= ? jawohl, ca. 5 Stunden!). Bis dann!

6. Tag: Manvar - Jodhpur - Bhenswara

Es hat mich erwischt: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Die Nacht im Zelt war wohl doch ein wenig frisch. Gott sei Dank bleiben nach einem frühen Tagesanbruch ja noch mindestens 4 Stunden Busfahrt, um sich zu erholen.

Dann kommen wir in Jodhpur, der „blauen Stadt“ an. Hier soll uns das Mehrangarh Fort erwarten, Tut es auch. Eine riesige Anlage auf einem 120 m hohen Felsen ist schon von weitem erkennbar. Nach einer Sicherheitskontrolle betreten wir einen gigantischen ehemaligen Maharadscha-Palast, der heute als Museum dient und beeindruckende Kunstschätze beherbergt.

Am Ende der Führung wartet – wie fast überall auf der Welt – der Museums Shop. Hier natürlich landestypisch abgewandelt und wie ein Bazar gestaltet. Eigentlich wollte ich nichts mehr kaufen. Kaufe handgefertigte Pantoffeln aus Kamelleder, die besten, lt. Manoj. Auch die angebotenen (Echt-)Seidentücher sind von besonderer Qualität und Einzigartigkeit. Gehandelt werden kann hier nicht, die Preise sind Festpreise, dafür absolut reell und teilweise geringer als die auf dem „freien Markt“ angebotenen.

Wichtig zu erwähnen sei noch, dass man im Fort Geld zu einem sehr guten Kurs wechseln kann. Zum Vergleich: In den Hotels gibt es 64 – 67 INR pro EUR. Hier im Fort sind es heute 68 INR. Nach der Besichtigung geht es weiter mit dem Bus zu unserem eigentlichen Ziel: Bhenswara.

Wir müssen ein paar Mal unvorhergesehen pausieren, da einige Mitreisende leider von Magen-Darm-Beschwerden geplagt werden und auf einer Rundreise kann das schon mal die Hölle bedeuten. Unser Guide Manoj nennt diese Tage „Banana Days“ und deckt uns auf dem Markt mit einem entsprechenden Vorrat für die Weiterreise ein.

Spätnachmittags kommen wir im Ravla Bhenswara Hotel in Bhenswara an. Hierbei handelt es sich wieder um einen ehemaligen Maharadscha-Palast, allerdings um einen vergleichsweise kleinen, was nicht heisst, dass nicht immer noch verschwenderisch viel Platz in den individuell und auch originell restaurierten Zimmern ist.

Der Besitzer, der uns persönlich begrüßt, bewohnt den Palast in 10.Generation. Nur unterbrochen durch die Unabhängigkeit Indiens ab 1947. Da wurde sein Großvater enteignet und erst dem Enkel war es wieder möglich, das Anwesen zu erwerben.

Er hat es aufwändig renoviert und der Kleinstadt Bhenswara damit zu Reichtum durch Arbeitsplätze verholfen. Viele Menschen aus dem Dorf finden hier Lohn und Brot und das ist an einigen neugebauten schönen Häusern auch zu erkennen.

Eine kurze Verschnaufpause im schönen Zimmer (wie gerne würde ich länger bleiben…), dann beginnt die Jeepsafari. In alten Landrovern, die das Herz eines jeden Fans höher schlagen lassen, machen wir uns auf die Suche nach den Leoparden, die hier in großer Anzahl frei leben sollen.

Ich mache es kurz: die Leoparden lassen sich auch nach stundenlanger Safari nicht blicken, dafür ein paar Springböcke und Affen. Der mitgelieferte Sternenhimmel, der schmucke Fahrer und der Masalatee aus Tonbechern waren die halsbrecherische Unternehmung allemal wert.

Einen Programmpunkt dieser Safari möchte ich allerdings kritisieren. Es handelt sich um den Besuch eines Nomadendorfes, an dem das wirkliche Leben der Rabaris besichtigt werden konnte. Nicht dass das nicht interessant ist und es handelt sich dabei auch nicht um den bettelarmen Teil der Bevölkerung im indischen Sinne, dennoch empfand zumindest ich es als äußerst unangenehm, ständig von einer Horde bettelnder Kinder umringt zu sein.

Man durfte den Kindern keine Almosen geben, um sie eben nicht ans Betteln, sondern ans zur-Schule-gehen zu gewöhnen, was auch funktioniert. Das Geld für die Besichtigungstour durchs Dorf bekommt das Dorfoberhaupt, was auch wieder eine Art Entwicklungshilfe bedeutet (hoffentlich nicht nur für das Dorfoberhaupt…). Trotzdem. Menschen sind keine Tiere im Zoo, die man besichtigen kann!

Mein Vorschlag: bitte neben der Folkloremusik nun auch die Dorfbesuche streichen. Kehren wieder ins Hotel zurück. Erschöpft und komplett heiser, aber glücklich, dass es morgen erst um 10:00h weitergeht. Wir fahren nach Udaipur und werden unterwegs die größte Jain-Pilgerstätte Indiens besuchen.

Bis dann und NAMASTE!

7. Tag: Bhenswara - Ranakpur - Udaipur

Wir fahren heute nach dem Frühstück ca. 180 km über Ranakpur nach Udaipur. Bereits auf der Fahrt wird klar: hier ist das Leben deutlich besser, da wasserreicher und grüner. Es tauchen immer mehr Hinweise auf Hotels im Colonial Style auf. In einem verbringen wir die Mittagspause unter Schatten spendenden Akazien.

Auf der Strecke treffen wir ungeplant auf eine Zuckerrohrverarbeitung. Wie vor 200 Jahren werden hier die Zuckerrohrstangen von Männern geschält, gepresst und in verschiedenen, in den Boden eingelassenen Steintrögen, dampfend zu flüssigem Rohrzucker verarbeitet, der in Metallkanister abgefüllt und an den Endverbraucher direkt verkauft wird.

Überall riecht es nach Honig. Die indischen Küche nutzt dieses gesunde Naturprodukt für die Verfeinerung vieler Gerichte. Leider gibt es keine Melasse zu kaufen. Die müsste man vorbestellen, meint Manoj. Einige von uns erwerben 1 Kilo der süßen Fracht und hoffen insgeheim, dass der Zoll in Amsterdam beim Rückflug den Inhalt richtig interpretiert und der Topf in der Zwischenzeit nicht ausläuft.

Der nächste Stopp ist an einer Gewürzmühle. Hier werden Chilis, Curcuma und Koriander verarbeitet. Auch wie vor 200 Jahren unter Zuhilfenahme eines Ochsen, der viele Kreise um eine Steinmühle ziehen muss. All diese Gewerke finden am Straßenrand statt. Man kann also direkt vom Erzeuger sehr gute Qualität zu einem sehr guten Preis erwerben.

Dann geht es weiter zu unserem eigentlichen Ziel: dem größten Jain-Tempel Rajasthans. Zur Erinnerung: Jain-Jünger unterscheiden sich von den Hindus dadurch, dass sie absolut kein Tier töten, weder für dessen Fleisch, noch dessen Haut. Absolute Gewaltlosigkeit ist in diesem Glauben das oberste Gebot. Daher konnten die Jain keine Bauern werden und waren seit jeher für den Handel verantwortlich und entsprechend wohlhabend.

Der heute besichtigte Tempel wirkt zunächst von aussen unspektakulär, verglichen mit dem, was wir bisher gesehen haben. Bedenkt man aber, dass diese Kultstätte, die sich auf insgesamt 3.600 m² erstreckt bis auf den Sockel vollständig aus weißem Marmor (aus Rajasthan) gebaut ist, in welchem feinste Steinmetzarbeit mit spektakulären Schnitzereien steckt, dürfte das weltweit einzigartig sein.

Der Bau daran dauerte vergleichsweise kurze Zeit. In nur 60 Jahren entstand dieses Bauwunder. Wir dürfen es nur barfuß betreten und keinerlei Lederartikel an uns tragen, was die Ehrfurcht vor diesem Gebäude noch erhöht. Auch das Berühren von Gegenständen ist verboten. Gegen eine Gebühr darf fotografiert werden.

Tief beeindruckt fahren wir abends nach Udaipur weiter, das eingebettet in einen wunderbaren Grüngürtel und Bergkulissen auf uns wartet. Hier ist unser Guide Manoj zuhause und eigentlich will er einen schönen Abend mit seiner Familie verbringen, als ihn ein Notruf aus der Gruppe ereilt.

Eine ältere mitreisende Dame ist schwer erkrankt und muss ärztlich versorgt werden. Zum Glück für sie stellt sich bald heraus, dass es in der Reisegruppe zufällig eine Fachärztin für Innere und Allgemeinmedizin gibt, sowie eine Krankenschwester und natürlich viele weitere helfende Hände.

Unser Guide ist fast 24 Stunden täglich mit fachlicher und menschlicher Kompetenz für uns im Einsatz und es ist an der Zeit, ihn dafür ganz besonders zu loben. Ihm, der Aufmerksamkeit der Reisegruppe und dem Einsatz unserer Ärztin Sha-Sha ist es nicht zuletzt zu verdanken, dass unsere liebe Christel überlebt hat und von ihrer Versicherung bald sicher nach Deutschland zurückgebracht werden kann.

An dieser Stelle sollte man vielleicht den Altersdurchschnitt der Reisegruppe verraten: rüstige und weniger rüstige 65 Jahre!

8. Tag: Udaipur

Heute besichtigen wir die Stadt Udaipur und ihren berühmten Stadtpalast, der zusammen mit dem angeschlossenen Luxushotel die größte Anlage Rajasthans darstellt und einst die Mewar Herrscher beherbergte. Heute ist es ein großes Museum und beliebter Ausflugszielort der einheimischen Bevölkerung, besonders durch den angeschlossenen Picholasee, auf dem wir gleich eine kleine Bootsfahrt machen.

Der Fahrtwind tut gut, denn heute ist es mit 26 Grad schon richtig warm geworden. Die auf dem See angelegte und bebaute Halbinsel, entstammt dem Entwurf des späteren Mogulkaisers Shah Jahan erbaut. Er schuf auch das legendäre Grabmahl Taj Mahal, das wir am Ende unserer Reise als Höhepunkt besichtigen dürfen.

Wir genießen kurz einen Minted-Iced-Tea und die herrliche Anlage und setzen dann unsere Besichtigungstour in Udaipur fort. Es folgt der Garten der Mädchen der Ehre (Sahellion-Ki-Bari) und im Anschluß daran besuchen wir auf Wunsch einer Mitreisenden eine Malschule, in der die berühmten Miniaturbilder auf Papier, Seide oder Kamelknochen angefertigt werden. Raten Sie mal, wer nichts kaufen wollte!

Der Abend klingt im Garten eines romantisch beleuchteten Restaurants in der Innenstadt mit einem wunderbaren Essen aus. Wir fahren müde, aber zufrieden ins Hotel.

Morgen steht uns eine lange Fahrt im Bus bevor: ca. 405 km sind es bis Jaipur und das bedeutet 10 Stunden Fahrt!

9. Tag: Udaipur - Jaipur

Die Fahrt ging dank ausreichender Toiletten Pausen und kurzweiligen kunsthistorischen Vorträgen von Manoj absolut erträglich und unerwartet schnell vorüber.

Eine kleine Mittagspause legten wir wieder in einem wunderschönen bis auf die Elektroinstallation und Möblierung original erhaltenen Haus im Kolonialstil der 20er Jahre ein, das einer ehemaligen Maharadscha Familie gehört und heute als (Romantik-)Hotel geführt wird. Viel zu früh muss es weitergehen.

Hier ist es Zeit, einmal unseren beiden Fahrern zu danken, die sich in liebenswürdigster Weise um ihre Gäste kümmern und vor allem sicher Bus fahren können, was in Indien eine echte Herausforderung ist. Um allen kursierenden Gerüchten aus Übersee vorsichtshalber gleich zuvor zu kommen: es handelt sich bei unserer Reisekutsche um einen großen vollklimatisierten Reisebus mit Liegesitzen.

Da wir nur 16 Personen sind, kann es sich fast jeder von uns auf 2 Plätzen bequem machen. Die Koffer werden im dafür vorgesehenen Kofferraum und nicht auf dem Dach (!) transportiert. Der Bus wird täglich gereinigt und auch von außen gewaschen.

Somit dürfte dann für jeden erkennbar sein: hier verreist Deutschland! Wir checken im „Clarks Amber“ ein und genießen das Ambiente eines Luxushotels. Besonders erwähnenswert: im 08.Stock gibt es eine „Open-Air-Bar“ mit wunderbarer Aussicht auf die Millionenstadt Jaipur.

Es ist ein wenig frisch dort oben um diese Jahreszeit, ein Besuch lohnt sich jedoch allemal und wärmen kann man sich ganz wunderbar von innen mit leckerem indischen Rum. Das Essen schmeckt immer noch ausgezeichnet, allerdings lässt das straffe Tourprogramm für den Genuss manchmal zu wenig Zeit.

10. Tag: Jaipur

Nach dem Frühstück geht es mit dem Bus zum „Palast der Winde“. Eine der vielen Kulissen in der Altstadt von Jaipur. Die Stadt wurde 1727 von Maharaja Jai Singh II. als neue Hauptstadt des Fürstenstaates Jaipur gegründet und gehört damit zu Rajasthans jüngeren Städten.

Jaipur wird die Pink City (die „rosarote Stadt“) genannt. Die Bezeichnung bezieht sich auf die rosarote Farbe der Gebäude im Altstadtviertel. Den Anstrich erhielt sie 1853 in Vorbereitung auf den Besuch von Prinz Albert von England, dem Ehemann der britischen Königin Victoria. Rosarot ist Rajasthans traditionelle Farbe der Gastlichkeit.

Zurück zum „Palast der Winde“, der nur als Fotomotiv interessant ist: ringsum findet ein bunter Bazar statt. Viele Strassenhändler – darunter auch stark behinderte – bieten ihre Waren an. Manoj erklärt, dass sie unterstützt werden sollten, denn sie ziehen es vor zu arbeiten, anstatt zu betteln.

Allerdings nicht ziellos. Er erklärt uns das Preisgefüge und die Gruppe bevorratet sich auch an den noch kommenden Sightseeing Points mit attraktiven kleinen Mitbringseln. So ist jedem geholfen und – Weihnachten steht vor der Tür!

Richtig entnervend wird es dann allerdings am Amber Fort, zu dem wir in Jeeps gebracht werden. Hier kann man sich vor super professionellen und durchaus übergriffigen Strassenhändlern kaum retten. Es ist kaum möglich, sich auf das riesige Fort mit der atemberaubenden Aussicht zu konzentrieren.

Erst in den Innenhöfen ist wieder an ein geregeltes Sightseeing zu denken. Hier erwarten uns Wandmalereien, Textil- und Waffenmuseen und die ehemalige Königsresidenz mit den 2 größten (Ganges-) Wasserbehältern aus purem Silber weltweit!

Die Fläche des Forts nimmt fast ein Siebtel der Fläche Jaipurs ein. Schnell durchlaufen wir eines der größten Observatorien der Welt: das Jantar Mantar, denn es wird jetzt richtig heiß und wir sehnen uns alle nach einer kleinen Mittagspause, zu der uns Manoj in ein original vegetarisches Restaurant in der Altstadt von Jaipur einlädt.

Anschließend besuchen wir auf Wunsch einer Mitreisenden eine Textilfabrik und lernen viel über die Herstellung der traditionellen Stoffe und vor allem deren Qualität. Abends sind wir in ein Restaurant in der Innenstadt geladen und morgen geht es dann wieder weiter in den Ranthambore Nationalpark. Es steht die Jagd auf das beste Tigerfoto der Reise bevor. Es bleibt also spannend!

11. Tag: Ausflug in den Ranthambore Nationalpark

Wir fahren heute nur 190 km in den Ranthambore Nationalpark, dafür benötigen wir aber gefühlte 10 Stunden, da wir auf alten Strassen fahren, die mittlerweile zum Weltkulturerbe zählen und nicht renoviert werden dürfen. Gelebte Entschleunigung!

Die Stimmung ist aber unverändert gut, nicht zuletzt durch zahlreiche „Shopping““-Möglichkeiten an den Raststätten. Belohnt werden wir dann richtig bei der Ankunft im wunderschön angelegten Safari-Resort mit gemütlichen Zimmern in Apartementform und eigener Veranda.

Können das perfekte Ambiente nur kurz genießen, denn gleich geht es weiter zur Safari in großen Landrovern. Man kann verschiedene Strecken im Park nehmen. Mit etwas Glück treffen wir auf unserer Route auf die Tigerin mit den 3 Babies oder den „Single“-Tiger.

Im letzten Jahr wurden nach einer langen Babypause 24 Tiger geboren, alle haben überlebt. Damit steigen unsere Chancen auf „Jagderfolg“. Wir durchfahren die Wildnis und treffen auf einige interessante Tiermotive. Unser Tiger ist leider nicht dabei, wir haben wohl die Niete gezogen, denn auf einer anderen Route konnten Hotelgäste zeitgleich wunderbare, einzigartige Fotos von Tigern schießen.

Der Abend ist damit fast gelaufen; furchtbar enttäuscht kehren wir ins Hotel zurück. Dem ausgesprochen zuvorkommenden Hotelpersonal, unserem Guide Manoj und einer harmonischen Gruppe ist es zu verdanken, dass der Abend am Gartenfeuer mit ein paar guten Drinks und noch besseren Gesprächen einen guten Abschluss findet.

Die Nacht ist nur kurz, denn morgen geht es gleich sehr früh mit dem Zug weiter nach Bharatpur.

12. Tag: Weiterfahrt nach Bharatpur

Im Dunkeln bricht die Gruppe auf zum 10 min entfernten Bahnhof von Ranthambore, der erstaunlich europäisch durchorganisiert ist. Zug fahren ist die preiswerteste Art der Fortbewegung in Indien. Fast jeder kann sich die Fahrt leisten. Es gibt unterschiedliche Klassen und wir staunen, wie bequem wir als „normale“ Klasse reisen.

Die 2,5 Stunden vergehen wie im Flug. Schnell sind wir wieder im Bus und fahren zu unserem Hotel. Bis zum Ausflug am Nachmittag wäre jetzt eigentlich Freizeit vorgesehen, Manoj schlägt aber vor, aufgrund des sehr straffen Programms morgen, den Besuch von Fatehpur Sikri vorzuziehen.

Wir besuchen die sandsteinrote Stadt mit den weißen Marmorpalästen und der großen Moschee in der Hochebene westlich von Agra. Leider sind die fliegenden Händler auch im Inneren der Anlage so aufdringlich, dass man sich kaum auf die Sehenswürdigkeit konzentrieren kann.

Manoj erklärt die historische Bedeutung und wir besichtigen mit Kopftuch und ohne Schuhe die geweihte Erde. Im Palastareal gibt es eine Kapelle, in der man ein rotes Band in ein Fenstergitter binden kann. Man bittet damit um die ersehnte Geburt eines Sohnes. Wird der Wunsch erfüllt, pilgert man erneut nach Fatehpur Sikri und nimmt eines der Bänder wieder mit nach Hause.

Ziemlich mitgenommen kehren wir ins Hotel zurück und erholen uns bis zum Dorfausflug, der – wie auch der vorbeschriebene – nicht unbedingt hätte stattfinden müssen. Morgen wird es aber wirklich aufregend: wir werden endlich das berühmte Taj Mahal sehen. Vorher steht aber noch die Fahrradfahrt durch das Vogelschutzgebiet an und die 60km bis Agra.

Bis morgen!

13. Tag: Das Highlight der Reise: Taj Mahal

Die Nacht im Hotel mit dem bisher schlechtesten Service (da konnte auch die schöne Innenarchitektur nichts mehr retten) geht schnell vorüber und wir starten zum Ausflug in den nahe gelegenen Vogelpark.

Fahrradfahren in Indien bedeutet nicht selbst fahren, sondern sich mit einem Rikscha-Fahrer auf den Weg zu machen und das tun wir, in Wolldecken und dicke Jacken gehüllt, denn es ist saukalt. Aber es lohnt sich – wie immer!

Nach einigen hundert Metern erwartet uns ein Naturschauspiel besonderer Art: Aus dem Nebel erheben sich Hunderte von Störchen und anderen Wasservögeln und gruppieren sich zu einem perfekten Foto, das ich gerne in meiner Sammlung gehabt hätte.

Wir besuchen eine kleine Tempel Anlage und die „Gedenkstätte“ nicht der Opfer, sondern der Vogeljäger, die bis in die 60er Jahre des letzten Jahrtausends als Ehrengäste ihre Abschussquoten in Stein meißeln ließen (wir sprechen von A-Promis!). Der Spitzentagesumsatz liegt bei über 5.000 Tieren. Darauf muss man unbedingt stolz sein....

Nach einem erfrischenden Spaziergang und einem kleinen Frühstück im Hotel geht es weiter zu unserem nächsten Programmpunkt: die 2 Millionenstadt Agra. Früher als die schmutzigste Stadt Indiens verschrien, heute angeblich sauber. Muss darüber noch ein wenig meditieren….

Wir besuchen zunächst das Agra Fort, das „Rote Fort“. Das Rote Fort in der nordindischen Stadt Agra ist eine Festungs- und Palastanlage aus der Epoche der Mogulkaiser und diente im 16. und 17. Jahrhundert mit Unterbrechungen als Residenz der Moguln. Das Rote Fort wurde 1983 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Ein Teil des Geländes wird heute militärisch genutzt und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach dem Check-In im Clarks Shiraz (verdient die 5 Sterne wirklich!) und einer kurzen Erfrischung dürfen wir es endlich sehen: das TAJ MAHAL.

Das Taj Mahal wurde 1983 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Heute gilt es wegen der perfekten Harmonie seiner Proportionen als eines der schönsten und bedeutendsten Beispiele des Mogulstils in der islamischen Kunst. Außerdem wird das Taj Mahal als Gebetsstätte der muslimischen Bürger genutzt.

Eines kann ich sicher sagen: so beeindruckt hat mich noch kein Denkmal. Die Größe, die Lage, die Baukunst, einfach alles ist perfekt. Die 20.000 Handwerker haben ganze Arbeit geleistet, in den 17 Jahren. Es gibt ein Geheimnis um die Halle, in denen die Sarkophage (erst Mumtaz, später der Gatte) aufbewahrt werden und das wird hier natürlich nicht verraten.

Besuchen sie das Taj Mahal selbst, die Reise lohnt sich allemal.

Morgen steht unser letzter Ausflug im Rahmen des fakultativ gebuchten Paketes an: Boot fahren und Kamel reiten. Lassen wir uns überraschen.

Der letzte Tag in Indien

Früh raus und ab in den Chambai Nationalpark. Wir fahren auf einer Strasse, die ich mal so bezeichnen möchte: wer das einfache Indien in 2 Stunden kennen lernen möchte, sollte hier fahren. Was sich hier am Strassenrand an buntem Treiben darstellt ist unbeschreiblich.

Handwerker und Händler und Getier jeglicher Art, gerade so, als wollte jeder zeigen, was er hat und kann. Den Hunden und Kühen scheint es besonders zu gefallen, sich im dichten Strassengetümmel auch noch auf die Fahrbahn zu drängen. Geht leider nicht immer glücklich aus und so sehen wir erstmals auch Verkehrsopfer.

Für die ca. 40 km benötigen wir sportliche 2 Stunden. Wir fahren zunächst in ein beschaulich gelegenes Gut, das an eine mexikanische Hazienda erinnert. Hier werden wir später zu Mittag essen. Wie schön und gleichzeitig unwirklich, diese Idylle nach all den gerade erlebten Eindrücken ist.

Von hier aus werden Ausflüge in die Umgebung und eben auch in den Nationalpark organisiert und durchgeführt. Wir fahren mit dem Bus diesmal nicht bis ganz zur Anlegestelle und sind dankbar für die paar hundert Meter Bewegung in den Sanddünen.

Im Morgenlicht liegt der Chambai Fluss ruhig vor uns, einige Nomaden haben ihre Zelte aufgebaut, einige Boote sind am Ufer zu erkennen. Die Spiegelung wird von Minute zu Minute schöner. Es ist ein unwirkliches Bild von unglaublicher Schönheit. Ich kann es aus bekannten Gründen leider nicht fotografieren und bin dankbar dafür.

Derartige Augenblicke sollte man nur genießen und in der Erinnerung und im Herzen speichern. Wir fahren also in 2 Booten auf dem Fluss, der zunächst recht unspektakulär wirkt, zumindest was die örtliche Fauna betrifft. Dann jedoch sehen wir mehr und mehr seltene Wasservögel. Als dann ein zentnerschweres Riesen Alligator ins Wasser eintaucht und unserem Boot recht nah kommt, wird allen Teilnehmern ein wenig warm…Nervenkitzel pur!

Mit jetzt sehr viel aufmerksamerem Blick bemerken wir am Ufer immer mehr Krokodile, die sich im stärker werdenden Sonnenlicht aalen. Kennt man eigentlich nur vom Tierpark und da ist eine sichere Absperrung! Ein einmaliges Erlebnis!

Nach der Rundfahrt steht ein Kamelritt auf dem Programm, den wir alle inzwischen souverän meistern. Anschließend geht es mit Geländewagen durch die Schluchten zum verlassenen und verfallenen Ater Fort. Hatte ich das Dschungelbuch schon erwähnt?

Morgen geht die Reise zu Ende und ich bin hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach der weihnachtlichen Heimat, die noch so weit entfernt ist und der Faszination dieses so gegensätzlichen und damit aussergewöhnlichen Landes.

Fahren Sie hin! Indien wird Sie und Ihr Leben nachhaltig bereichern.

Namasté!

Ihr Reiseverlauf

Während Ihrer Erlebnisreise durch Indiens farbenprächtigen Norden stehen Städte wie Jaipur, Bikaner oder Agra auf dem Programm. Freuen Sie sich auf abenteuerliche Safaris im Rhantambore-Nationalpark oder in der Wüste Thar.

1. Tag - Anreise. Linienflug mit Zwischenstopp nach Delhi. Nach Ankunft Begrüßung durch Ihre deutschsprachige Reiseleitung und Transfer zum Hotel.
2. Tag - Delhi - Mandawa (ca. 260 km). Am Vormittag unternehmen Sie eine Orientierungsfahrt durch Delhi, auf der Sie unter anderem das India Gate, das Präsidentenhaus und das House of Parliament sehen. Im Anschluss Fahrt nach Mandawa und Transfer zum Hotel.
3. Tag - Mandawa - Bikaner (ca. 190 km). Während des Stadtrundgangs durch das verschlafene Wüstenstädtchen Mandawa entdecken Sie einige der typischen Havelis und Herrenhäuser. Im Anschluss fahren Sie nach Bikaner und besichtigen das Junagarh Fort, eine der imposantesten Palastanlagen Rajasthans, das Ganga Golden Jubilee-Museum sowie die Jain-Tempel.
4. Tag - Bikaner - Manvar (ca. 230 km). Heute erhalten Sie authentische Einblicke in das Leben auf einer typischen Farm in der Nähe von Manvar. Erleben Sie anschließend eine einmalige Kamelsafari durch die Wüste Thar (Dauer ca. 1.5 – 2 Stunden). Ein besonderer Höhepunkt Ihrer Reise ist heute die Übernachtung in einem Wüstencamp. Genießen Sie die einzigartige Atmosphäre der Wüste bei einem Galadinner mit einer Folklore Tanzshow.
5. Tag - Manvar. Nach dem Frühstück im Camp unternehmen Sie eine Geländewagensafari zu einem nahegelegenen Dorf. Die Tour durch das Dorf bringt Ihnen das ruhige Leben der freundlichen Menschen in der Wüste näher. Am Abend Spaziergang durch das Dorf Khiyansaria und Besichtigung des Tempels Mother Goddess.
6. Tag - Manvar - Jodhpur - Bhenswara (ca. 230 km). Auf Ihrem Weg nach Bhenswara legen Sie einen Zwischenstopp in Jodhpur ein und besuchen das Mehrangarh Fort. Die Festung thront auf einem 120 m hohen Felsen über der Stadt und beherbergt eine der eindrucksvollsten Palastanlagen Rajasthans. Weiterfahrt nach Bhenswara und Hoteltransfer. Der Nachmittag steht Ihnen für eigene Erkundungen zu freien Verfügung. Im Rahmen des Ausflugspakets können Sie an einer Geländewagensafari teilnehmen. Diese Tour zeigt Ihnen das wirkliche Bhenswara. Sie sehen die Rabaris (Hirten) in ihrer bunten Kleidung mit Turbanen und mit etwas Glück entdecken Sie auch Leoparden in ihrer natürlichen Umgebung.
7. Tag - Bhenswara - Ranakpur - Udaipur (ca. 180 km). Weiterfahrt nach Ranakpur, wo sich die großartigsten Jain Tempel Indiens befinden. Nach Ankunft Besichtigung dieser bedeutenden Kultstätte, die sich über eine Fläche von ca. 3.600 m² erstreckt.
8. Tag - Udaipur. Während der Stadtbesichtigung durch Udaipur besuchen Sie den Stadtpalast, der einst die Mewar Herrscher beherbergte und heute als Museum dient sowie den Sahelion-Ki-Bari, den Garten der Mädchen der Ehre. Anschließend Fahrt um den Fateh Sagar See, vorbei am Puppenmuseum, am Lok Kala Mandal und der Statue von Maharana Pratap. Am Nachmittag haben Sie Zeit zur freien Verfügung. Oder nehmen Sie im Rahmen des Ausflugspakets teil an einer Bootstour auf dem Pichola See (Durchführung des Ausfluges ist vom Wasserstand des Sees abhängig).
9. Tag - Udaipur - Jaipur (ca. 405 km). Heute verlassen Sie Udaipur. Während der langen Busfahrt nach Jaipur sammeln Sie viele neue Eindrücke von der Umgebung und können die bisherigen Erlebnisse auf sich wirken lassen. Nach der Ankunft Transfer zum Hotel.
10. Tag - Jaipur. Fahrt mit dem Geländewagen zum Amber Fort mit Fotostopp am “Palast der Winde“. Im Inneren des klassisch romantischen Forts bestaunen Sie an den Wänden gemalte Szenen in Miniatur – z. B. von Festen, Kriegen und der Jagd. In der Siegeshalle (Jag Mandir) wurden viele kleine Spiegel und Edelsteine in den Putz eingebettet. Am Nachmittag besichtigen Sie die Stadt, den Stadtpalast des Maharadschas, das Waffenmuseum und die ehemalige Königsresidenz, die fast ein Siebtel der Fläche Jaipurs einnimmt. Besuch des aus Stein und Marmor erbauten Observatoriums Jantar Mantar, eines der größten der Welt.
11. Tag - Jaipur - Ranthambore (ca. 160 km). Nach dem Frühstück Fahrt zum Nationalpark Ranthambore. In diesem Gebiet leben Leoparden, Krokodile, Schakale und zahlreiche Vogelarten. Bekannt ist der Park vor allem für seine majestätischen Tiger, die Sie mit etwas Glück bei der abenteuerlichen Dschungelsafari in offenen Trucks (Canter) beobachten können.
12. Tag - Ranthambore - Bharatpur. Transfer zum Bahnhof, Zugfahrt nach Bharatpur und Transfer zum Hotel. Der Rest des Tages steht Ihnen zur freien Verfügung. Auf Wunsch können Sie im Rahmen des Ausflugspakets an einem Ausflug mit Geländewagen zu nahe gelegenen Dörfern teilnehmen. Sie besuchen die Farmer und können während eines Tees in einem indischen Haus nähere Informationen über ihr Leben erfahren.
13. Tag - Bharatpur - Fatehpur Sikri - Agra (ca. 60 km). Vor dem Frühstück unternehmen Sie eine Fahrradtour (Dauer ca. 1 Stunde) durch ein Vogelschutzgebiet. Auf Ihrem Weg nach Agra machen Sie einen Zwischenstopp in Fatehpur Sikri, der sandsteinroten Stadt mit weißen Marmorpalästen in der Hochebene westlich von Agra. Am Nachmittag besuchen Sie das legendäre Grabmal Taj Mahal, das 1631 vom Mogulkaiser Shah Jahan zur Erinnerung an seine Gemahlin Mumtaz Mahal errichtet wurde. Im Anschluss sehen Sie das Rote Fort, das mit seinen majestätischen Toren, prachtvollen Türmen und Bastionen eine der größten Befestigungsanlagen der Welt ist. 20 m hohe Doppelmauern werfen ihre schützenden Schatten und lassen die Macht vergangener Herrscher erahnen.
14. Tag - Agra. Tag zur freien Verfügung. Im Rahmen des Ausflugspakets nehmen Sie teil an einem Tagesausflug in den Chambal Nationalpark. Früh am Morgen fahren Sie nach Ater. Sie gehen an Bord eines Motorbootes und fahren auf dem Fluss Chambal durch den Nationalpark, ideal für Vogel- und Wildtierbeobachtungen. Zurück in Ater steigen Sie um und unternehmen eine Kamelsafari durch die Schluchten bis zum Ater Fort. Danach haben Sie etwas Zeit, um das Fort zu erkunden, bevor Sie im Anschluss Ihre Rückfahrt nach Agra antreten.
15. Tag - Agra - Delhi (ca. 200 km). Vormittag zur freien Verfügung. Am Nachmittag Rückfahrt Richtung Delhi. Nach Ankunft Fahrt zu einem Hotel, in dem Ihnen einige Zimmer zum Frischmachen zur Verfügung gestellt werden. Anschließend Abendessen in einem lokalen Restaurant und Transfer zum Flughafen.
16. Tag - Abreise. Rückflug mit Zwischenstopp nach Deutschland. Ankunft in Deutschland am selben Tag.