Oktober 2012

Eine Reise nach Äthiopien bedeutet eine Reise in eine andere Welt: Landschaften von aufregender Schönheit und ungewöhnliche Lebensformen. Ein Höhepunkt ist Lalibela mit den bekannten Felsenkirchen. Erleben Sie unvergessliche Momente im Herzen Afrikas.

Ihr Chronist

Hallo liebe Leser!

Bevor die Reise nach Äthiopien beginnt, möchte ich mich kurz vorstellen.

Mein Name ist Edith, ich bin 54 Jahre alt und lebe in Frankfurt. Dort arbeite ich in einem Amt und habe täglich Leute aus aller Herren Länder am Telefon. So manches Heimatland der Anrufer kenne ich schon, aber es gibt noch unzählige, die noch bereist werden wollen.

Zum Flughafen ist es nicht weit, was mir - bei meiner Reiselust - sehr zugute kommt. :-)

Manchmal schaue ich, wehmütig, den Fliegern nach und zähle die Tage (wie in der Weihnachtszeit), bis ich wieder auf Tour gehen kann.

Eigentlich könnte es schon losgehen, denn das Ticket ist bereits da. Auch das Netbook (von mir liebevoll Netti genannt) für meine Tätigkeit als Chronistin liegt samt Zubehör bereit. Aber da es noch nicht Samstag, der 13.10. ist, muss ich noch warten. :-(

Da dies meine xte Reise mit Berge & Meer ist, weiß ich, dass mich eine tolle Reise erwartet, bei der sich die Vorfreude lohnt.

Wie es mir auf meiner Äthiopien-Tour ergeht und was ich so erlebe, könnt ihr dann in meinen Berichten lesen.

Bis zum ersten Bericht wünsche ich Euch eine gute Zeit und grüße herzlich,
Edith

Es geht los...

Das Einchecken ging ratz fatz. Keine lange Warteschlage... die waren alle schon vor mir da. :-(  Es gibt keinen Fensterplatz mehr aber einer am Gang tuts auch.

Ich sitze im Wartebereich und warte, warte, warte…

Der Raum ist total überfüllt und leider auch der Flieger. Es werden Personen gesucht, die freiwillig am nächsten Abend fliegen. Sie bekommen eine Unterbringung im Flughafenhotel und 600 Euro angeboten. Klar finden sich da Freiwillige. Nun müssen deren Koffer aber wieder ausgeladen werden.

Mit einer Stunde Verspätung starten wir dann. Der Flug verlief ruhig und am frühen Morgen ist Äthiopien erreicht.

Nun kann das Abenteuer beginnen...

Gelandet in Addis Abeba

Hallo liebe Leser – Willkommen in Äthiopien

Den Flug habe ich gut überstanden. Die Dame an der Passkontrolle möchte die Telefonnummer von meinem Hotel wissen. Ich mache ihr klar, dass ich auf Rundreise gehe und in verschiedenen Hotels wohne. Ok, sie gibt mir meinen Pass zurück und ich kann zur Gepäckausgabe.

Mein Koffer kommt sofort und ich mache mich auf die Suche nach dem Reiseleiter. Zwei nette Männer begrüßen mich und ich erfahre, dass wir 30 Personen sind. Etwas viel denke ich aber wir werden auf 2 kleine Busse verteilt.

Unterwegs sagt der Reiseleiter, dass die Halbpension erst morgen startet. Nur gut, dass ich noch ein Brötchen dabei habe. :-) Später stellt sich heraus, die Gäste im zweiten Bus haben Frühstück bekommen.

Doch bevor es zum Hotel geht fahren wir zur Bank. Da heute Sonntag ist haben nur wenige Banken offen. Die Münzen gefallen mir und ich beschließe, einen Satz davon mitzunehmen.

Im Hotel angekommen werden die Zimmer verteilt. Ich bekomme 510 und der Lift bringt mich nach oben. Die Koffer werden gebracht. Mein Zimmer gefällt mir. Ein breites Bett, eine Dusche – ich bin zufrieden. Es ist sehr warm in Addis Abeba und da noch Zeit bis zur Besichtigungstour ist, lege ich mich ein wenig hin. Ausgeruht sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Um 13 Uhr starten wir zur ersten Tour. Wir fahren raus aus Addis zu den Eukalypuswäldern. Eine Frau kommt uns entgegen. Auf ihrem Rücken trägt sie ein schweres Bündel Hölzer. Mit dem Verkauf, der Hölzer, verdient sie sich ihren Lebensunterhalt.

Überhaupt scheint jeder in Addis vom Verkauf zu leben. Wohin man auch schaut. Überall wird was angeboten. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Addis Abeba hat den größten Freiluftmarkt von Afrika. Es gibt nix, was es hier nicht gibt. Ich bin einfach überwältigt von dem großen Angebot.

Zurück am Hotel ziehe ich noch mal alleine los. Ich will zur Moschee, die ganz in der Nähe ist. Was ist denn da für ein Radau...ich geh mal schauen. Fußball...tausende von Menschen stehen dicht gedrängt an der Straße und schauen gebannt auf eine große Leinwand. Polizisten regeln das Chaos und als ein Tor fällt tobt de Menge. Ich mache mir nichts aus Fußball, bin aber doch von der Stimmung faziniert. Morgen werde ich wohl erfahren, wie das Spiel ausging.

Und wie es mit der Reise weitergeht, das erfahrt ihr auch morgen. Jetzt wünsche ich eine gute Nacht mit süßen Träumen.

Verschiedene Landschaften

Hallo zusammen, da bin ich wieder.

Heute war der dritte Tag unserer Rundreise. Er führte uns von Addis Abeba nach Bahir Dar...knapp 600 km. Damit wir nicht zu spät ankommen, sind wir schon um 6:30 Uhr gestartet. Auch um diese Zeit herrscht in Addis schon Hochbetrieb...diese Stadt kommt nie zur Ruhe. Zum Glück kann ich im Bus noch etwas träumen.

Wir fahren durch die unterschiedlichsten Landschaften. An der „Blue Nil Gorge“ machen wir einen Foto Stopp. Diese Schlucht ist eine der schönsten in Afrika. Weiter geht es durch fruchtbare Gebiete in denen Mais und sogar Sonnenblumen wachsen. Auch Wälder gibt es hier. Die Bäume haben sehr schlanke Stämme und stehen dicht zusammen - nicht geeignet für eine PP.

Zwischendurch machen wir Halt und schauen uns einen kleinen Markt an. Unser Reiseleiter kauft ein paar Bananen. Wir können sie selbst essen oder an die Affenhorde verfüttern, die ums nächste Eck, am Straßenrand wartet.

Den nächsten Stopp haben wir an einer schönen Stelle im Tal. Dort gibt es eine alte und eine neue Brücke. Um uns etwas die Füße zu vertreten, laufen wir über die alte und steigen dann wieder in den Bus ein.

Einen weiteren Halt hatten wir an einer Moschee. Um rein zu dürfen mussten wir die Schuhe ausziehen aber Kopftücher brauchten wir nicht. Ohne Blitz durften wir fotografieren - filmen kostete extra.

Ansonsten gibt es über den Tag nicht viel zu berichten, da wir ja die meiste Zeit im Bus verbrachten. Nun haben wir die Zimmer bezogen und waren zum Abendessen.

Mein erster Eindruck - hier könnte ich es wohl länger aushalten. Damit soll es genug für heute sein.

Ich wünsche euch eine gute Zeit.

Herzliche Grüße von eurer Chronistin,
Edith

Tanasee und Wasserfälle

Hallo liebe Leser.

Heute werde ich vom 4. Tag der Rundreise berichten. Vom Morgen bis zum späten Nachmittag hat dieser Tag mit Wasser zu tun. Frisch geduscht steige ich aus der Dusche und stehe grade wieder im Nassen. Die Kabinentür schließt nicht richtig und somit war mein Bad unter Wasser...macht nix, es trocknet doch wieder. :-)

Nach dem Frühstück geht’s auf die Boote. Wir starten zur Fahrt auf dem Tanasee. Dieser soll der größte in Äthiopien sein. Bis auf einen Pelikan gab’s leider nichts zu sehen.

Wir waren noch nicht richtig vom Bootssteg weg als einige aus der anderen Gruppe zu uns umsteigen mussten. Wasser war ins Boot geschwappt und es gab nasse Füße. Doch kaum hatten wir Asyl gewährt, kam eine große Welle und auch meine Schuhe wurden gesäubert. :-) Da es kein weiteres Boot gab rutschten wir zusammen, damit jeder im trockenen Bereich sitzen konnte.

Ziel der Tour waren die Inselklöster. Auf einem steinigen Pfad ging’s den Berg hoch...warum müssen Kirchen immer auf einem Berg liegen…. Doch die Strapaze hat sich gelohnt, denn das Innere der Kirchen ist wunderschön bemalt. Wir bekommen viel erklärt. Da wir in christlichen Kirchen sind, kennen wir natürlich die Geschichten, die abgebildet sind.

Auf dem Rückweg machen wir halt an einer Kaffeehütte. Wir probieren Kaffee aus Bohnen, die von dieser Insel stammen, hmmm, der war lecker. Danach geht es zurück zum Hotel und wir haben Mittagspause – mein Badezimmer steht immer noch unter Wasser…

Um 14 Uhr starten wir wieder. Nun sind die Nil Wasserfälle dran. Weißt du wie viel Sternlein stehen...nein? Macht nix – ich weiß auch nicht durch wie viele Schlaglöcher wir gefahren sind. Der Bus rüttelt und schüttelt uns durch die Gegend.

Wir fahren mitten durch einen Marktplatz, der aber ganz anders ist. Hier gibt es keine Verkaufsstände, sondern jeder sitzt mit seinen Waren auf dem Boden...das müssen wir fotografieren. Weiter geht’s und wir schauen einem Bauern beim Pflügen zu.

Endlich ist es soweit. Wir halten auf einem Parkplatz. Von hier aus geht es zu Fuß weiter. Hätte ich geahnt, wie steinig und beschwerlich der Pfad ist, ich wäre beim Bus geblieben. Dann hätte ich aber ein großartiges Naturschauspiel verpasst.

Zum Glück war da ein netter junger Mann, der mir über den anstrengenden Weg halt... natürlich nicht kostenlos, aber er hat seine Arbeit sehr gut gemacht und bekam dann auch ein ordentliches Honorar.

Die Wasserfälle sind atemberaubend. Bis zu 45 Meter stürzen die Wassermassen in die Tiefe. Ein Bild an dem ich mich gar nicht satt sehen konnte. Vergessen war die ganze Anstrengung – die Qual hat sich gelohnt.

KO aber glücklich und zufrieden kam ich im Hotel wieder an – nun war auch mein Bad wieder trocken. :-)

Morgen geht es weiter nach Lalibela.

Land und Leute auf dem Weg von Bahir Dar nach Lalibela

Hallo zusammen, da bin ich wieder. Heute hatten wir einen faulen aber doch auch anstrengenden Tag. Um 8 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Lalibela.

Da es für die Mittagszeit kein Restaurant gab haben wir erst mal am Supermarkt angehalten. Wir kauften ein, der Fahrer wusch die Scheiben -- war auch mal notwendig.

Wir fuhren aus Bahir Dar raus zu einem Aussichtsplatz. Man hatte einen tollen Blick über das Umland. Danach ging’s zu einem Palast. Das Tor ist zu und wir dürfen nicht rein. Wir wollen ein paar Fotos durch den Zaun machen aber das wird uns verboten. Der Wachmann fordert ein „Trinkgeld“ – neeee, für Nichts zahlen wir auch nicht.

Die weitere Strecke führte uns durch herrliche Landschaften. Tiefe Schluchten und fruchtbare Felder. Unterwegs machten wir immer wieder Fotostopps. Natürlich war auch ein Markt zu besichtigen. Ruck zuck waren wir umringt von Schafen, Ziegen, Eseln und Kindern -- Wahnsinn, wie viele es davon gibt.

Oft ist ihre Kleidung zerrissen und voller Löcher. Alles wird getragen bis es auseinander fällt. Fehlt an unserer Kleidung ein Knopf, wird das Teil einfach aussortiert. Wir wurden bestaunt, gefragt wo wir herkommen oder auch angebettelt. Man schubst, drängelt und schiebt – das ist nix für mich.

Als ich zurück im Bus war, war ich richtig froh. So viele Menschen und Tiere um mich machen mich fix und fertig. Auch wenn wir Unterwegs in der Wildnis hielten waren sofort jede Menge Kinder um uns -- wo kommen die nur immer so schnell her. Verständigt man sich untereinander darüber, dass Touris unterwegs sind? Wenn ja, dann wüsste ich gerne wie, denn Handys haben sie nicht…

Gut gefallen hat es mir in einem kleinen Dorf, indem man uns nicht bedrängte. Wir durften uns eine Hütte von innen ansehen Auf dem Boden brennt ein Feuer und gibt etwas Wärme ab. Leider aber auch dicke Qualmschwaden. Es gibt ein paar Schüsseln, Töpfe und Decken. An einer Wand hängen Zeitungsseiten – Tapeten. Wir erfahren, wie die Menschen hier leben und von was sie sich ernähren – mein Gott geht es uns gut…

Bis nach Lalibela sind es noch 64 km. Allerdings haben wir jetzt keine gut ausgebaute Straße mehr sondern eine holprige Piste. Gegen die, die gestern zum Wasserfall führte, ist sie aber Gold.

Kurz nach 16 Uhr erreichen wir unser Hotel in Lalibela. Ich bekomme den Zimmerschlüssel und schau mir meine neue Bleibe an. Einige der Möbel sollten mal erneuert werden, aber es ist alles sauber und benutzbar. Ich warte auf meinen Koffer – ewig, es tut sich nix – also beschließe ich mal zu schauen wo er bleibt. Es stellt sich heraus, dass mein Koffer mit dem anderen Bus kommt und der ist noch lange nicht in Sicht.

Ich nutze die Zeit um nach Internet zu fragen. Nein, auf dem Zimmer gibt es keins. Deshalb kommt dieser Bericht verspätet bei euch an. Somit lasse ich es für heute gut sein und wünsche eine gute Nacht – bin gespannt, ob das Bett bequem ist.

Liebe Grüße bis bald von eurer Chronistin,
Edith

Mit gefangen, mit gehangen

Hallo liebe Leser – schön, dass ihr wieder rein schaut.

Dachte ich, dass die Tour zu den Nilfällen anstrengend war, so wurde ich heute eines Besseren belehrt :-) Wir durften etwas länger schlafen – wohl um genug Kräfte zu sammeln – und um 9 Uhr ging’s los. 11 Felsenkirchen galt es zu besichtigen – 5 am Morgen und 6 nach der Mittagspause.

Der Bus brachte uns zum Eingang des riesigen Geländes. Erst wurden die Tickets gekauft, fotografieren ist frei, filmen kostet extra – dann wurden die Rucksäcke nach Waffen durchsucht. Nachdem bei keinem was gefunden wurde durften wir rein.

Ein örtlicher Führer erklärte uns die Geschichten der Kirchen und unser Reiseleiter übersetzt es. Dann begann die Qual. Steile, steinige Pfade rauf und wieder runter. Stufen – die nix mit irgendeiner Norm zu tun hatten mussten erklommen werden – im nächsten Leben will ich eine Bergziege werden oder längere Beine haben. Mir war oft gar nicht wohl in meiner Haut aber es waren immer helfende Hände zur Stelle und es gab tröstende Worte – gleich haben wirs geschafft, es ist nur noch ein kleines Stück. :-)

Als ich dann einmal sagte, dass ich zur nächsten Kirche nicht mit hoch klettere bekam ich zu hören: nix da – mit gefangen, mit gehangen. Also kletterte ich wieder mit.

Einige der Kirchen sind durch Tunnel mit einander verbunden. Zum Glück bin ich da nicht mit rein, denn der Ausgang endete mit einer sehr steilen Treppe. Unser Reiseleiter brachte mich –und ein paar andere Gruppenmitglieder – über einen Trampelpfad zum Tunnelausgang.

Besonders beeindruckt war ich von der Kirche auf deren Dach ein Kreuz abgebildet ist. Sie ist in jedem Äthiopien Buch abgebildet und wurde auch schon oft im Fernseher gezeigt. Die ganzen Felsenkirchen stehen unter dem Schutz der UNESKO und das sind sie auch wert.

Nachdem die letzte Kirche besichtigt war, brachte uns der Bus zum Hotel zurück. Dort saß ich dann noch mit ein paar aus der Gruppe im Garten zusammen und wir unterhielten uns über das Erlebte.

Ich weiß nicht, wann mir je meine Oberschenkel so weh taten. Nur gut, dass wir morgen die meiste Zeit im Bus verbringen. Leider müsst ihr auch auf diese Zeilen etwas warten. Ich hoffe, dass es ab morgen wieder mit dem Internet klappt. Nun freue ich mich auf mein Bett. Ich sage gute Nacht und ciao bis zum nächsten Bericht.

Liebe Grüße, Eure Edith

Mein Schutzengel schläft

Ausgeschlafen, die Koffer schon verladen und das Frühstück genossen steigen wir in den Bus. Auf dem Plan stehen viel Natur und am Nachmittag das Kloster „Estephanos“ in Haik.

Es bleibt also Zeit, um eine Schule zu besuchen. Wir sind neugierig, wie man in den Dörfern unterrichtet. Bonbons, Kulis, Seife und andere Kleinigkeiten wollen wir den Kindern schenken. Für uns sind das Cent Artikel, für die meisten Äthiopier allerdings fast unerschwingliche Dinge.

Kurz hinter Lalibela müssen wir anhalten - was ist denn los? - aha, eine Baustelle. Nicht nur wir, sondern auch die Arbeiter, sind schon früh auf den Beinen.

Nutzen wir doch einfach die Zeit, um einen letzten Blick auf die hügelige Landschaft zu werfen. Vor uns sehen wir die Serpentinen, über die wir gleich ins Tal hinunter fahren werden. Es geht ganz schön runter und ich bin froh, dass es trocken ist – bei Regen wäre es mir sicher nicht ganz wohl in meiner Haut gewesen.

Es geht weiter und der tolle Ausblick vertreibt die düsteren Gedanken. Wir sind guter Dinge und nach kurzer Zeit stoppen wir an ein paar flachen Gebäuden - das ist also die Schule. Nun heißt es den Foto schnappen und raus aus dem Bus.

Es geht etwas schräg nach unten und ich frage den Reiseleiter ob es nicht eine bessere Stelle gibt, um auf das Schulgelände zu gelangen. Er verneint und gibt mir seine Hand als Stütze. Wir gehen los und nun geht alles blitzschnell - ich rutsche - um Himmelswillen, wo ist denn mein Schutzengel, der mir bisher über alle Hindernisse geholfen hat - schläft er?

In meinem Kopf schlagen die Gedanken Purzelbäume - mein Fuß darf sich nicht drehen, sonst kann’s ernsthafte Probleme geben. Gleichzeitig nehme ich alles wie in Zeitlupe wahr. Ich rutsche weiter, kann mich nicht abfangen. Auch unser Reiseleiter kommt ins Wanken.

Ich versuche meinen Fuß aufzusetzen, aber ich kann mein Bein nicht heranziehen. Einige aus der Gruppe kommen gelaufen um zu helfen. Auch die Einheimischen sind aufmerksam geworden und wollen wissen was passiert ist. „Sie muss sich setzen, damit sie sich ausruhen und erholen kann“ wird vorgeschlagen aber wohin setzen?

Auf den Boden komme ich nicht runter und auf den Fuß kann ich nicht auftreten. Bei jedem Versuch schreie ich vor Schmerzen auf. Ein Stuhl muss her. Jemand läuft los und besorgt ihn – den hat er wohl der Lehrerin unterm Hintern weg geklaut. So, ich sitze aber wie komme ich nun zum Bus? Laufen kann ich nicht. Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg halt zum Prophet. Der Bus fährt ganz nah zu mir heran – wie ist der bloß die Böschung herunter gekommen?????

Da ich immer noch nicht auftreten kann beschließt man, mich zu tragen. Hatte ich gehofft mal auf „Händen“ getragen zu werden, so hatte ich mich geirrt. Man schnappt mich mit samt dem Stuhl und trägt mich zum Bus. Ich komme mir vor wie der Kaiser von China. Aber der hatte es hoffentlich bequemer.

Mein Fuß wird dick und es muss was geschehen. Mein Stoffbeutel wird ausgeleert, nass gemacht und zum Kühlen genommen. Wasser haben wir genug an Bord, denn wir bekommen täglich eine Flasche – das gehört zu den Leistungen. Rucksäcke werden auf die Busstufe gelegt und mein Bein darauf gebettet. Wir fahren zum Mittagessen und man besteht darauf, dass ich mit am Tisch sitze. Also kommt wieder ein Stuhl her und ich werde wieder durch die Gegend geschaukelt. Dieses Schauspiel ist nun immer fällig, wenn ich raus oder rein in den Bus muss.

Wir brauchen eine Salbe und eine Binde, damit wir den Fuß versorgen können. Nach einiger Zeit kommt unser Fahrer zurück. Er hat eine Apotheke gefunden und nun kann ich verarztet werden.

An dieser Stelle muss ich mal ein dickes Lob an alle sagen, die sich so toll um mich gekümmert haben.

D A N K E, ihr wart einfach super.

Hänschen Rosenthal hätte gerufen, das war spitze und wäre dabei in die Luft gesprungen – das verkneife ich mir aber lieber. Von nun an kann ich die tolle Landschaft nur noch vom Bus aus genießen und auch den schönen See – an dem das Kloster liegt – kann ich nur aus der Ferne bewundern. Unser Reiseleiter bringt mir etwas Sand vom See - für meine Sammlung - fand ich ganz süß von ihm.

Am Abend fahren wir vor unserem heutigen Hotel, in Kombolscha, vor. Wieder wird ein Stuhl gebracht und ich werde in die Hotelhalle getragen. Mein Zimmer liegt im ersten Stock, einen Lift gibt es nicht. Kein Problem, wir tragen dich hoch. Ich bekomme schon Angst als ich die Treppe nur sehe. Meine Bitte nach einer Decke und einem Platz auf dem Sofa in der Halle stößt auf taube Ohren.

Erst als man mich schon ein ganzes Stück rauf geschafft hat gibt es plötzlich doch noch ein freies Bungalow Zimmer. Also wieder runter und einmal durch den Garten. Endlich habe ich ein bequemes Bett und ein WC. Aber wie komme ich ins Bad rein?

Wieder helfen mir die Gruppenmitglieder. Wir stellen Stühle quer durch den Raum und nun kann ich ins Bad hopsen – sah sicher gut aus. Essen und Trinken bekomme ich aufs Zimmer gebracht und alle kümmern sich liebevoll um mich. So viel Aufmerksamkeit habe schon ewig nicht mehr genossen. Unter diesen Umständen hätte ich aber gerne darauf verzichtet….

Nun wünsche ich mir nur noch eine ruhige und schmerzfreie Nacht.
Gute Nacht und träumt was Schönes.

Der Kreis schließt sich

Meine Nacht ist ruhig verlaufen. Der Fuß ist dick und es haben sich Blasen gebildet aber ich habe keine Schmerzen – das deutet auf einen Bruch hin. Ich bekomme Frühstück ans Bett, dann wird mein Koffer geholt und der obligatorische Stuhl gebracht.

Wieder werde ich zum Bus geschaukelt. Dort erwartet mich schon unser Fahrer. Wir bekommen es mittlerweile ganz gut hin, mich möglichst schmerzfrei, rein in den Bus und wieder raus zu bugsieren.

Bevor wir Kombolcha hinter uns lassen erleben wir noch wie man hier „Hand in Hand“ arbeitet. Auf einer Baustelle geht es zu wie in einem Ameisenhaufen. Das Gerüst wimmelt von Arbeitern. Eimer mit Zement, Werkzeugen und allem, was man so braucht, wird von einem zum anderen weitergereicht. So was muss man mal gesehen haben.

Sonst habe ich nicht viel vom letzten Tag in Äthiopien. Wie schon gestern genieße ich auch heute die Landschaft nur aus dem Bus heraus. Wir halten an einigen schönen Stellen an, um Fotos zu schießen. Trotz der Sonne ist es oft lausig kalt, denn es weht ein frostiger Wind. Kein Wunder, bei über 2.000 Meter Höhe.

Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön und ich drücke bei jedem Stopp – einem der Mitreisenden – den Foto in die Hand, damit ich ein paar schöne Bilder bekomme. Die kann ich mir dann später am PC in Ruhe anschauen.

Am Nachmittag treffen wir wieder in Addis Abeba ein, so schließt sich der Kreis. Unsere Rundreise geht ihrem Ende entgegen. Im Hotel gibt es einen Rollstuhl – mit dem die Mitarbeiter aber leider nicht umgehen können – und einen Lift. Wir finden auch ein Zimmer für mich in dem es keinen Absatz, zum Badezimmer, gibt.

Die Gruppe fährt zum Abschiedsessen. Ich bleibe im Hotel und verzichte auf den bunten Abend. Meine Gedanken drehen sich um den Rückflug und wie es weitergehen wird. Noch wissen wir nicht was mit dem Fuß los ist, es kam kein Arzt um sich die Sache anzusehen.

Morgen Abend bin ich in Deutschland – alles wird gut…

Heimkehr

Am frühen Morgen wache ich auf und mache mich reisefertig. Unser Reiseleiter kommt und fragt was ich frühstücken möchte. Etwas Kaffee und Kuchen reichen mir. Damit das Hotelpersonal keine Gelegenheit bekommt mir helfen zu wollen holt mich unser Busfahrer noch vor dem Kofferverladen ab. Routiniert hilft er mir in den Bus und ich warte bis die Gruppe vollzählig ist.

Noch einmal fahren wir durch Addis Abeba. Wieder fällt mir auf, wie armselig die Wellblechhütten sind. Ich frage mich, wie die Menschen in den modernen Häusern klar kommen sollen und wer sich die Wohnungen überhaupt leisten kann.

Wir erreichen den Flughafen, bekommen unsere Koffer und nehmen Abschied vom Reiseleiter und Busfahrer. Sie dürfen uns nicht ins Flughafengebäude begleiten. „Sicherheitsbereich“ wer soll hier wem was tun oder was wegnehmen?

Für mich wird ein Rollstuhl besorgt und ich werde durch alle Kontrollen geschoben. Trotzdem ich nicht auftreten kann muss ich immer wieder aufstehen und werde abgetastet. Allmählich stinkt mir das. Man bringt mich zu Gate 8 und da steh ich nun. Von der Gruppe ist nix mehr zu sehen. Die Zeit vergeht, niemand beachtet mich.

Plötzlich kommt Leben in die Menge. Alle strömen zum Ausgang, kommen zurück und laufen weg. Was ist denn da los? Als ich fast alleine bin rufe ich mal nach dem Personal. Nach einer Ewigkeit kommt jemand und fragt wo ich denn hin will – na nach Frankfurt. Das ist aber an Gate 2. Ok, und wie komme ich da hin? Man schiebt mich bis zum Flieger und ich hopse - kann ich ja nun schon prima - zu meinem Platz. Endlich sehe ich auch einige aus meiner Reisegruppe – man bin ich froh.

Der Flug verläuft gut und es heißt, dass in Frankfurt Hilfe auf mich wartet. Dem ist auch so. Doch leider hat man vergessen zu sagen, dass ich nicht laufen kann. Kein Problem. Nach wenigen Minuten ist ein Rollstuhl zur Stelle und wir rollen zur Gepäckausgabe.

Mit meinem Koffer im Schlepptau geht es nun zur Flughafenklinik. Der Arzt schaut sich meinen Fuß an und lässt mich in die Uni Klinik bringen. In der Notaufnahme wird mein Fuß geröntgt. Nun erfahre ich endlich was los ist. Mein Sprunggelenk ist innen und außen gebrochen. Damit werden sie 5 – 6 Wochen Spaß haben meint die Ärztin, lässt mir einen Gipsverband verpassen und schickt mich auf Station.

So endet meine Reise, ans Horn von Afrika, auf die ich mich ein ganzes Jahr gefreut habe ….

Ihr Reiseverlauf

Erleben Sie kulturelle Vielfalt in Äthiopien. Begeben Sie sich auf einen Streifzug durch einen der ältesten christlich geprägten Staaten der Erde, lassen Sie sich von der bewegten Geschichte und Schönheit Äthiopiens faszinieren und lernen Sie die historischen Stätten sowie die faszinierende Landschaft des Nordens kennen.

1. Tag - Anreise. Abends Linienflug von Frankfurt nach Addis Abeba.
2. Tag - Addis Abeba. Morgens Ankunft in Addis Abeba. Empfang am Flughafen durch die Reiseleitung und Transfer zum Hotel. Addis Abeba ist die dritthöchstgelegene Stadt der Welt (2.200 - 3.000 Meter) mit über 5 Millionen Einwohnern. Hier besuchen Sie das Nationalmuseum - wo Sie unter anderem das Skelett der Urahnin Äthiopiens “Lucy“ bewundern können - und den Mercato - Afrikas größten Freiluftmarkt. Übernachtung in Addis Abeba.
3. Tag - Addis Abeba - Bahir Dar (ca. 560 km). Nach dem Frühstück fahren Sie weiter nach Bahir Dar im Norden Äthiopiens. Die Reise führt Sie über gepflasterte Straßen durch die trockene und schöne Landschaft im Hochland dieses traditionsreichen Landes. Unterwegs halten Sie an der “Blue Nile Gorge“ - einer der schönsten Schluchten Afrikas. Abendessen und Übernachtung in Bahir Dar.
4. Tag - Bahir Dar. Am Vormittag steht ein Besuch der blauen Nilfälle an. Hier stürzen Wassermassen bis zu 45 Meter tief in den Blauen Nil. Am Nachmittag unternehmen Sie eine gemütliche Bootsfahrt auf dem malerischen Tanasee, dem größten See Äthiopiens. Hier besuchen Sie die Inselklöster Ura Kidane Mihret und Azwa Mariam, die beide aus dem 14. Jahrhundert stammen und mit ihren alten Malereien und Handschriften locken. Abendessen und Übernachtung in Bahir Dar.
5. Tag - Bahir Dar - Lalibela (ca. 310 km). Heute fahren Sie weiter nach Lalibela. Unterwegs besuchen Sie einen lokalen Markt in der historischen Stadt Debre Tabor sowie das traditionelle Dorf Awramba, bekannt für seine gewebten Handarbeiten. Außerdem halten Sie an verschiedenen Amhara Dörfern, die Ihnen einen Einblick in das äthiopische Dorfleben geben. Abendessen und Übernachtung in Lalibela.
6. Tag - Lalibela. Die Besichtigung der weltbekannten, aus Fels geschlagenen Kirchen des Königs Lalibela mit ihrer mystischen Kultur und Geschichte, die inoffiziell als 8. Weltwunder gehandelt werden, sind das heutige Tageshighlight. Sie zählen zum UNESCO Weltkulturerbe und sind Äthiopiens meist besuchte Attraktion. Abendessen und Übernachtung in Lalibela.
7. Tag - Lalibela - Haik - Dessie - Kombolcha (ca. 300 km). Heute fahren Sie quer durch die szenisch schönen Dilb Berge, besuchen diverse tolle Aussichtspunkte und treffen auf die freundlichen Amhara Menschen in dieser Region. Anschließend geht es weiter über Haik - wo Sie das Haik Estephanos Kloster aus dem 13. Jahrhundert besichtigen werden - und Dessie nach Kombolcha, wo auch das Abendessen und die Übernachtung stattfinden.
8. Tag - Kombolcha - Addis Abeba (ca. 350 km). Am frühen Morgen begeben Sie sich auf die Rückreise nach Addis Abeba. Genießen Sie die herrlichen Aussichten auf die Landschaften der Amhara und des Oromia Hochlandes im Großen Afrikanischen Grabenbruch. Kurz vor Ankunft in der Hauptstadt unternehmen Sie noch einen Abstecher zu einem Stammesdorf der Oromo. Abschiedsabendessen in einem der besten traditionellen Restaurants Addis Abebas. Probieren Sie typisch äthiopische Gerichte und lassen sich von lokalen Folkloretänzern unterhalten (alkoholfreie Getränke inklusive). Übernachtung in Addis Abeba.
9. Tag - Abreise. Am Morgen Transfer zum Flughafen und Rückflug nach Deutschland.