Juli 2013

Reisen Sie mit uns der Sonne entgegen, die in den Sommermonaten oberhalb des Polarkreises nahezu 24 Stunden am Tag scheint. Erleben Sie unvergessliche Naturphänomene und herrliche Landschaften in Skandinavien.

Ihr Chronist

Guten Tag, liebe Leser meines Blogs,

mein Name ist Jens und ich wohne in Sachsen, in der herrlichen Oberlausitz, genauer im Dreiländereck Deutschland/ Polen/ Tschechien.

Ich möchte nirgendwo anders wohnen! Trotzdem zieht es mich jedes Jahr mindestens einmal „in die weite(re) Welt“ hinaus und da uns Berge und Meer die Möglichkeit bietet, lasse ich Sie, liebe Leser, gern teilhaben.

Freuen Sie sich mit mir in diesem Monat auf spannende Tage in Skandinavien – ich werde Ihnen jeden Tag einen Bericht liefern über Erlebnisse und Begegnungen, die wir – meine Frau Inge und ich – so sicherlich nicht erwartet haben.

Eigentlich hat mich meine Frau zu dieser Reise in den Norden überredet, na ja – überzeugt! Nachdem mich Berge und Meer im letzten Jahr auf meine Traumreise in den „Wilden Westen“ gebracht hat, gilt es in diesem Jahr, alle meine Vorurteile und Klischeebilder von Skandinavien abzubauen. Oder werden sie sich bewahrheiten: düstere Sommerkälte und spartanische Unterkünfte, dicke Wolkendecke mit Mückenplage, seltsames Essen, blonde Zopfmädchen und überall Dörrfisch, ewig lange Waldstraßen und trotzdem keine Elche, jedes zweite Wort ist „hej“ und Alkohol ist unbezahlbar – kurzum, Realität gewordene Wallander-Filme?!

Wir werden es herausfinden und Ihnen werde ich es berichten auf unserem Weg durch Schweden, Norwegen und Finnland. Bis dann!

Ihr, Euer Jens

1. Tag: Die Ankunft

Hallo, liebe Blog-Leser,

wie versprochen melde ich mich heute zum ersten Mal vom „Dach Europas“ – jedenfalls heißt unser Reisethema so. Da sind wir also nun, im Land von Pippi Langstrumpf, Knäckebrot und Volvo! Wenn es vielleicht auch nicht höhenmäßig das Dach Europas ist – mit Blick auf die Landkarte ist es das schon. 

Eine Woche werden wir per Bus durch Skandinavien reisen, Schweden durchqueren, in Norwegen die Lofoten und das Nordkap besuchen, in Finnland einen echten Weltpromi zuhause besuchen und wieder nach Schweden zurückkehren, um die Heimreise anzutreten. Wir freuen uns!!!

Nach einem wunderbaren Anflug in einem kleinen Bombardierjet CRJ900 bei fast wolkenlosem Himmel und herrlicher Bodensicht gut in Umea gelandet, werden wir durch unsere Reiseleiterin begrüßt und es geht sofort los. Na ja, erst los, dann zurück und dann wieder los – denn ein Reiseteilnehmer hat seinen Rucksack am Gepäckband stehenlassen! Alle nehmen es gelassen, die meisten haben in ihrem langen Leben schon Schlimmeres erlebt und wir sind auch nur eine kleine Gruppe: 20 Personen.

Dann geht es quasi quer durch Schweden. Wir sehen viele kleine rot-weiße Häuschen, wenige Autos auf der Straße und noch weniger Leute. Wo sind die alle?! Dafür erfahren wir, dass Schweden zu ca. 60% von Wald bedeckt ist. Am Ende des Tages denken wir, ca. 58% gesehen zu haben!

Eine Rast bereitet uns doppeltes Vergnügen: zum einen gibt es als den etwas anderen „Begrüßungsdrink“ Zimtschnecken – schön süß, schön lecker und Kaffee; zum anderen halten wir zweckgebunden zu einer P…pause – auch erfreulich! Es wird und wird nicht dunkel und so sind wir dann gegen 21.00 Uhr im Hotel, sauber, einfach und zweckmäßig.

Das Abendessen wartet: Rentierragout mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren. Fazit: schmeckt prima! Somit sind heute schon mindestens drei Vorurteile ausgeräumt: auch Schweden kennt Sonnenschein, Rentierfleisch schmeckt nicht wie Ziege oder Hammel und kalt ist es auch nicht im Norden. Nur die Rezeptionistin im Hotel, die sieht wirklich aus wie Pippi Langstrumpf!

2. Tag: Nach Norwegen

06.02 Uhr – ich denke, wir haben Urlaub?! Nichts da, um 7 gibt es Frühstück und um 8 Uhr ist Abfahrt. Das Frühstück ist nicht allzu üppig und wer keine süßsauren Heringshappen mag, hat noch weniger! Es reicht aber für alle zum Sattwerden und nachdem wir von einer ausgewanderten Deutschen freundlichst bedient werden, geht es auf in Richtung Norwegen.

Heute überschreiten wir zum ersten Mal den Polarkreis und ehe wir uns versehen, hat sich der bewölkte Himmel aufgeheitert und wir überfahren die unsichtbare Grenze zwischen Schweden und Norwegen. Wir lernen, dass eine gehisster Wimpel in den Nationalfarben vor dem Haus „sturmfrei“ für Besucher bedeutet und nichts mit Patriotismus zu tun hat.

Prompt fallen die ersten Regentropfen und wir denken, so weit ist es mit der Freundlichkeit beim Wettergott nicht her! Aber das täuscht und wir gelangen am Polarkreis an: baumlose Einöde voller aufgeschichteter Steinhaufen, ein Besucher(nepp)-Zentrum mit ausgestopften Polartieren, Allerweltskitsch und günstigen Norwegerpullovern, made in China. Wir sind der Globalisierung dankbar, aber verzichten!

Nach einer knappen Stunde fahren wir weiter – und fahren und fahren… bis wir gegen Mittag in Fauske zum großen Sonntagsshopping anhalten, Essen muss sein. Wir erstehen zwei Sorten Kekse (!) und fahren weiter – und fahren und fahren…! Unterwegs ein paar „japanische Fotostopps“: anhalten, rausspringen, Fotos knipsen, rein und wieder los! So geht es bis Skutvik, wo wir auf die Fähre zu den Lofoten warten.

Das Wetter hat sich inzwischen verschlechtert, aber gründlich und die Schifffahrtsgesellschaft teilt uns mit, dass der Fährbetrieb eingestellt wird. Toll! Für uns bedeutet das einen Umweg von ca. 60 km zur nächsten Fähre und von dort wieder zurück an unser Tagesziel, den Hauptort der Lofoten, Svolvaer. Gestresst, hungrig und trotz allem „erledigt“ (wie mag es erst unserem bedauernswerten Fahrer gehen?!) landen wir um 22.25 Uhr im Hotel – sehr schön, aber der Sinn für den richtigen Genuss fehlt uns heute.

Wir wollen nur noch relaxen und nach einer kurzen Umplanung für morgen - der Ruhezeit für den Fahrer wegen - sucht sich nach dem Abendessen jeder sein Ruhekissen. Außer mir - ich schreibe für euch diesen Blog, füge ein paar Bilder bei und sage - GUTE NACHT!

3. Tag: Das Tor zum Eismeer

Also doch. Skandinavien ist grau, verregnet und kalt – fehlt nur noch, dass der von mir ungeliebte Kommissar Wallander um die Ecke biegt, aber er ist ja Schwede! Der Tag beginnt mit Wolken, die sich zu einem ausgesprochenen Regentag aufbauen. Und wir wollen doch bei Sonne den nördlichsten Punkt erreichen….

Uns tröstet erst einmal, dass Berge & Meer gestern für uns ein super Hotel bereitgestellt hat, sogar die notorischsten unserer Kritteler haben nichts zu bemerken. Ein sehr schönes Zimmer in einem sehr guten Haus mit einem hervorragenden Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen ließ und: jawohl, liebe Tierschützer, ich habe mit Genuss Walfleisch gegessen und ja, es hat mir hervorragend geschmeckt! Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal in dieser Woche.

Nach den kulinarischen Köstlichkeiten am Morgen decken wir uns schnell noch im Supermarkt mit ein wenig Proviant ein und los geht es – etwas später als sonst, aber unser Fahrer braucht seine Ruhezeiten. Leider erlaubt uns der Zeitplan keine Lofotenrundfahrt und gleich gar keine langwierigen Besichtigungen; so geht es Richtung Tromsoe.

Die Wegstrecke ist schön, aber wegen der immer wieder auftretenden Regenschauer und –güsse bleibt nur selten die Möglichkeit für einen Fotostopp, schade. Trotzdem können wir später wenigstens die Eismeerkathedrale in Tromsoe besuchen.

Habe ich eigentlich schon unsere Reiseleiterin vorgestellt? Nein? Also, sie ist eine sehr nette Dame der örtlichen Agentur und hört auf den schönen deutschen Namen „Waldi“!!! Das ist kein übler Scherz, sondern die finnische Abkürzung für „Waltraut“. Leicht zu merken, birgt aber die Gefahr dummer bzw. unpassender Witze, wenn uns ein Dackel entgegen kommt.

Waldi ist Finnin, geboren in München und spricht daher Deutsch mit bayrischem Dialekt. Sie erklärt uns vieles, beantwortet geduldig selbst die eigenartigsten Fragen und trägt vieles mit Fassung – bewundernswert! Nach einer wieder langen Fahrt erreichen wir Tromsoe, das „Tor zum Eismeer“. Gut, Eis sehen wir keines, aber es ist wenigstens eiskalt für unsere Begriffe, unter 10 °C. Wir machen einen kurzen Stadtrundgang, wiegen den Souvenirladen in falscher Erwartung und fahren mit der Aussicht auf ein leckeres Abendbrot in Richtung Hotel am Stadtrand, Kategorie „ganz gut“.

Das Röhren-TV ist kein Problem, eher das Abendessen. Wir genehmigen uns danach einen aus medizinischer Sicht notwendigen Aquavit, der zum teuersten meines Lebens gerät: Daheim hätte ich dafür eine ganze Flasche trinken können!

Überhaupt sollte nach Norwegen nur reisen, wer entweder gut rechnen kann oder es überhaupt nicht zu tun braucht. Originale und hübsche Schafwollstrickjacken sind für ca. 200 €, die höherwertige, angeblich „kratzfreie““ Variante für ca. 500 € erhältlich. Nepp oder Wertigkeit? Das Preisniveau allgemein regt jedenfalls zum Nachdenken an….

Morgen werden wir die längste Etappe hinter uns bringen und eine „Nachtschicht“ unter der Mitternachtssonne einlegen. Drückt uns die Daumen, das sämtliche nordischen Gottheiten am Wetterhahn drehen – bitte, bitte!

4. Tag: Am Nordkap

Da haben wir uns wohl gestern etwas weit hinausgelehnt mit unserem Wetterbericht! Heute morgen wird es zunehmend heller und wir haben alle Aussichten, den heutigen Höhepunkt bei guter Witterungslage genießen zu können. Wir lassen uns jedenfalls vom Frühstücksbüffet für jegliche Unannehmlichkeit entschädigen, frönen dem Genuss und fahren um 7.45 Uhr gen Norden, Richtung Nordkap.

Die erste Fährüberfahrt heute wird wesentlich ruhiger als die vorgestrige, das Wasser ist ruhig und ebenso geht es uns beim nächsten Fjord, den wir sogar auf dem Oberdeck erleben dürfen. Wir sind beeindruckt von steilen Felsen, von denen reißende Wasserfälle herabstürzen. Oftmals sind noch große Flächen von Gletschereis zu sehen, für uns im Juli ein sehr ungewohnter Anblick. Die Fähre spuckt uns wieder aus und weiter geht es Richtung Nordkap - Mitternachtssonne gucken!

Wir durchqueren die Provinzen Troms und Finnmark, rasten zur Mittagszeit an einem wunderschönen Aussichtspunkt mit Souvenirverkauf durch Sami, deren früherer Name „Lappen“ heute zur Diskriminierung erhoben wurde. Also, die Sami bieten uns einige schöne Dinge an, aber machen kein großes Geschäft.

Dafür mache ich meinen Busnachbarn eine Freude: ich habe mir Trockenfisch gekauft, der als „Proteinsnack“ unter die Leute geht. Der schmeckt richtig gut, aber riecht aus der Tüte, als ob er schon sehr, sehr lange tot wäre! Ich packe ganz schnell wieder ein.

In Alta, der Hauptstadt der Finnmark, sehen wir uns –leider wieder nur im Laufschritt- Felszeichnungen an, die die Vorfahren der heutigen Sami vor 6000 – 2500 Jahren hier angefertigt haben. Wunderschön, aber die Zeit ist viel zu kurz… Nach langer Fahrt gelangen wir im Hotel an, essen (schnell!) zu Abend und ziehen uns warm an – es geht um 21.00 Uhr ans Nordkap.

Dort sind nur einige Busse vor uns, viel weniger als erwartet. Wir besichtigen das Besucherzentrum, die Kapelle und die umliegende Landschaft - alles nun leider doch nicht bei Mitternachtssonne. Um 0.00 Uhr sind trotzdem viele Besucher am Globus, der den nördlichsten Punkt des Kontinents markieren soll (jedenfalls den, der per Auto erreichbar ist!).

Es ist schon ein tolles Gefühl, bei fast sekündlich wechselnden Lichtverhältnissen um Mitternacht die taghelle Landschaft genießen zu können. Nachdem wir alles ausreichend fotografiert und „erkundet“ haben, geht es zurück ins Hotel. Es wird Zeit - wir sind todmüde und morgen geht es ja schon wieder nach Finnland!

5. Tag: Wir verlassen Norwegen

Der Wecker meldet sich -wie immer in dieser Woche- zur unpassenden Zeit! Gestern haben wir unseren Nachtausflug zum Nordkap gemacht, heute verlassen wir Norwegen auf kurzem Weg, um weiter nach Finnland zu ziehen.

Kurz hinter Honningsvag ist unser erster Halt angesagt, wir besuchen einen deutschen Auswanderer (schon wieder einer, klar – aber warum bloß nach Norwegen?!) in seinem musealischen Werkstattladen „Silberschmiede“ oder andersrum?! Egal, er hat ein paar nette Geschichten zu seinen Stockfischen parat, die unter der Decke hängen. Der älteste soll angeblich von 1945 und noch immer genießbar sein. Na ja, Angler… Fischer sind bestimmt nicht viel zurückhaltender! Nebenbei bietet er seine Waren feil: ebenfalls ein Sammelsurium an Kunsthandwerk, Messer, Silberschmuck und Krimskrams, der Kunst sein soll. Auf alle Fälle ist das alles hübsch anzuschauen.

Ein paar Kilometer weiter die nächste Rast mit Kaffee und Zimtschnecken. Waldi und unser schwedischer Fahrer haben wohl am heutigen Morgen mit unseren „kleinen Augen“ gerechnet oder haben sie ein paar Kilometer übrig??? Auf unserer Weiterfahrt landen wir in Karasjok, der heimlichen Hauptstadt der Sami. Im örtlichen -man ahnt es!- Sami-Laden wird die Erstattung der Mehrwertsteuer abgewickelt, letzte norwegische Kronen in Postkarten investiert und noch einmal zurückgeblickt, denn nur ein paar Meter weiter kommt schon Finnland.

Auf einer ziemlich eintönigen Fahrt durch Wald und Wald und Wald treffen wir wieder ein paar Rentiere, wie schon öfter in der letzten Zeit, und Waldi erzählt viel Interessantes über Finnland und die Samen. In Inari, am gleichnamigen Fluss, befindet sich ein Museum, das wir besuchen. Besonders schön, dass die Erläuterungen in Finnisch, Sami, Englisch und Deutsch gehalten sind. Toll!

Leider ist die Zeit viel, viel zu kurz, um sich alles einschließlich der Multimediaschau anzusehen, aber wir bekommen wenigstens noch eine Doku zum Thema Nordlicht mit. Schade, dass das gesamte Programm so kurz gestrickt ist, hat der Veranstalter mit allgemeinem Desinteresse gerechnet oder vom Grünen Tisch entschieden oder was? Wir sind jedenfalls ziemlich gefrustet; wollten nicht nur am Nordkap stehen und Bus fahren, sondern auch etwas von Land und Leuten sehen. Das gibt noch Punkteabzug, aber mächtig!

Etwas angesäuert fahren wir die letzten Kilometer ins Hotel nach Saariselkä, einen reinen Wintersportort, essen gut zu Abend und freuen uns an leicht (aber nur „leicht“) moderateren Preisen für Getränke. Jetzt bekommen wir unseren Schrecken mit der Rechnung sogar noch in Euro serviert! Das Hotel hat aber noch einen sehr guten Shop, der besonders den Damen eine gut sortierte Auswahl an Souvenirs bietet und den Herren einen ausgelasteten Abend beschert, wenn sie nicht gerade einen Tagesbericht zu schreiben haben….

6. Tag: Auf der Suche nach Rudolf

Wir werden in Finnland wach - und vergessen fast, dass wir noch weit hinter dem Polarkreis in die Sonne blinzeln! Heute werden wir Rudolf besuchen. Schönes Wetter, schmackhaftes Frühstück, gutes Hotel. Das alles dürfen wir genießen, denn wir starten heute später.

Gleich an der Hotelausfahrt nehmen sich erst einmal ein paar Rentiere die Vorfahrt; es muss doch mal gezeigt werden, wer hier das Sagen hat! Die Autofahrer wissen das aber und so kommen wir bisher um jede kritische Situation herum. Wir fahren eine schöne Strecke durch Waldgebiete, Seenlandschaft und kleinere Ortschaften bzw. Ansiedlungen, wenn auch die dürftige Besiedlung deutlich wird. Überhaupt wirkt Finnland auf uns schon wesentlich osteuropäischer als Norwegen, der russische Einschlag wirkt deutlich. Und das liegt nicht nur an der nächsten Zeitzone…!

Bei einer Rast landen wir - oh Zufall! - an einem Souvenirshop, der außer dem üblichen Kram auch gutes, einheimisches Kunsthandwerk bietet. Die Preise sind zwar gepfeffert, aber landesüblich und liegen noch unter den schwedischen und norwegischen. Besonders Lederartikel, Knochen- und Hornschnitzereien sowie traumhafte Rentierfelle haben es uns angetan. Für ein Fell von der Größe eines Schaffells berappt man etwa 70 -100 Euro, jedoch ist die Qualität Welten vom Schaf entfernt, das heißt unvergleichlich höher.

Der nächste Halt für uns ist die Stadt Rovaniemi, Heimat des Weihnachtsmannes. Jedenfalls sagt das der Reiseführer… Das Weihnachtsdorf stellt sich als eine Ansammlung von Souvenirshops, Imbissen und Christmas-Disneyland heraus, in dem man allerdings ein bisschen bummeln und seine Weihnachtspost für dieses Jahr schon mal schreiben, bunkern und termingerecht mit Sonderstempel verschicken lassen kann! Auch ein Foto oder Video auf USB-Stick (39,00 Euro) mit Santa Claus ist doch was… für Asiaten, die der Rote Alte ganz und gar aus dem Häuschen bringt! Es gibt einige schöne Handwerksarbeiten, aber auch hier preislich nicht „von ohne“. Die Imbisse sind zu vergessen. Gern hätten wir noch das unterirdische Arctic Museum in Rovaniemi besucht, aber dafür reicht die Zeit leider nicht.

So fahren wir weiter Richtung Övertornea, wo wir übernachten werden. Wir überqueren den Torne-Fluss und Finnland ist Geschichte! Keiner braucht zu erklären, dass wir wieder in Schweden sind - man sieht es an den Häusern, den gepflegten Grundstücken und dem ganz anderen Baustil - einfach etwas „puppiger“. Kurz vor unserem heutigen Etappenziel halten wir an einer Stelle, die den Polarkreis auf schwedischem Gebiet markiert - und sogar in Deutsch erklärt!

Waldi, die Reiseleiterin, hat sich mit Fahrer Johnny eine besondere Überraschung ausgedacht: ein Moltebeeren-Verkostung! Die Beeren sind eine nordische Spezialität, aus der man Konfitüre, Likör und Wein herstellt. Die Getränke probieren wir und befinden beides für gut! Dazu Kaffee und Zimtschnecken - das Abendbrot kann kommen. Nur mal so, falls es Kartoffelbrei mit Rentierfleisch gibt… Gibt es dann übrigens tatsächlich. Wegen der nordischen Küche braucht sich also niemand den weiten Weg zu machen. Finnland hat übrigens die höchste Selbstmordrate in Europa…!

Wir drehen noch eine Runde durch’s Dorf, aber die Mücken treiben uns im Eiltempo zurück ins Hotel. Wie mag es manch unfreiwilligem Sibirier da gehen, wir jedenfalls fühlen uns den Biestern schon mit Autan ausgeliefert. Morgen ist unser vorletzter Tag in Skandinavien. Wir wollen ihn noch mal in vollem Umfang genießen, bevor sich unsere Urlaubsfahrt dem Ende zuneigt. Übrigens: Rentier Rudolf, das mit roten Nase, haben wir nicht getroffen. Wird wohl doch ein Märchen sein!

7. Tag: Anfang und Ende

Tag 7 ist heute - der letzte vollständige Urlaubstag, wenn wir von der Heimreise absehen. Schade! Es geht heute schon etwas gemächlicher zu.

Wir fahren von Övertornea in Richtung Umea, wo wir angekommen sind und von wo wir auch wieder abfliegen werden. Erste Zwischenstation ist Haparanda am Torne-Fluss, dort gibt es Stromschnellen, die diesen Namen wirklich verdienen. An dieser Stelle befinden sich eine Fischersiedlung und ein Campingplatz, die Fischer gehen ihrer „Jagd“ auf ganz besondere Weise nach: sie keschern die Fische, besonders Fellchen, mit Netzen, die sie an langen Stangen befestigt haben.

Das mag ja noch angehen, aber ihr „Arbeitsplatz“, ist ein einziges Risiko: es sind lange Stege, die in jedem Frühjahr neu errichtet werden und etwa 30 Meter in den Fluss hinausragen. Besser gesagt, sind es reichlich wacklige Brettergestelle, vor deren Betreten Nichteingeweihte strengstens gewarnt werden!

Wir staunen und besichtigen stattdessen lieber das kleine Fischereimuseum, perfekt in Finnisch, Schwedisch und Englisch ausgeschildert, sowie die in der Nähe befindliche Sauna-Akademie mit Musterbauten der hier üblichen Saunen. Wir lernen, dass sich Skandinavier schieflachen über den Unsinn, der in Europa als „Original Finnische Sauna“ verbreitet wird!

Anschließend geht es weiter gen Süden, eine schöne Wegstrecke entlang in die Altstadt von Lulea, in die „Gammelstad“. Hat mit „vergammelt“ gar nichts zu tun, sondern ist eine ehemalige Kirchenstadt. Laut Kirchenordnung hatten die Vorfahren ihre regelmäßigen Gottesdienste zu absolvieren, kamen jedoch von soweit her, dass sie in Lulea übernachten mussten. Sie bauten sich also kleine Hüttchen, die dann dem Zweck der Übernachtung dienten.

Diese kleine Siedlung samt Kirche ist wunderbar erhalten und zum großen Teil – wenn auch zu anderen Zwecken – heute noch genutzt. Unter anderem wird schönes Kunsthandwerk verkauft, Mitbringsel der „anderen Art“. Man kann sogar nicht Vorrätiges bestellen und daheim auf die kostenlos nachgesandten Artikel warten. Praktisch! Für das angrenzende Freilichtmuseum fehlt uns (natürlich!) wieder die Zeit, aber wir sind wohl auch besonders langsam und an zu vielem interessiert….

Wir lassen Lulea hinter uns und fahren Richtung Umea. Die Landschaft wird grüner, waldiger und irgendwann verschwinden allmählich auch die ansonsten ständig präsenten Wildschutzzäune an den Straßen. Nun werden wir wohl doch keinen Elch mehr treffen… Vielleicht gut so, der Busfahrer freut sich jedenfalls. Wir rasten noch einmal mit Kaffee und Zimtschnecken und dann sind wir auch schon gleich im Hotel.

Wir gehen gemeinsam zum Abendessen in ein Restaurant gleich in der Nähe, anschließend versuchen wir einen Spaziergang durch die Innenstadt. Es lohnt sich aber leider nicht, die Kulturhauptstadt des Jahres 2014 erweist sich als ziemlich schmutzig, voller Baustellen und die Bürgersteige sind um 21.00 Uhr fast überall hochgeklappt.

Die paar Restaurants, die noch geöffnet haben, laden uns absolut nicht zur Einkehr ein und wir finden recht zeitig ins Hotel zurück Unseren Busfahrer Johnny haben wir schon verabschiedet, er fliegt heute noch nach Stockholm. Für uns geht es morgen nach Hause, um 13.00 Uhr fährt uns ein neuer „Johnny“ zum Airport!

8. Tag: Das war's

Das war’s. Nach ewig langem Wünschen, fast ebenso langem Suchen, vielen gedanklichen und gegenständlichen Reisevorbereitungen und – nicht zuletzt – ungeheuer vielen neuen Eindrücken ist unser Skandinavientrip zu Ende. Schon zu Ende, leider.

Heute geht es nach Hause, für den einen oder anderen bestimmt schon wieder mit neuen Plänen im Kopf! Erst einmal schlafen wir im Hotel ungewohnt lange und nehmen ein etwas chaotisches Frühstück zu uns – wie das halt nun mal so ist, in einem Garni-Hotel zwischen quengelnden Kindern und unausgeschlafenen Eltern: laut, unaufgeräumt, überfordertes Personal und zermanschtes Buffet.

Wir flüchten uns für den Vormittag in die Stadt, konstatieren ein allgemein astronomisches Preisniveau, wobei wir immer die Kosten ins Verhältnis zum Nutzen setzen. Allmählich wird uns klar, warum uns deutsche Urlauber fast nur im Wohnmobil begegnen: Die Geschichte vom mitgeschleppten Proviant für 14 Tage, 3 Wochen ist kein Märchen, sondern traurige Notwendigkeit. Dann noch ein, zwei Kinder im Schlepptau und der Mini-Lkw ist ein Muss.

Und nicht nur den Proviant würde ich mitnehmen: Akkus, Toilettenartikel, Getränke, Lebensmittel, T-Shirts, Mückenspray, einfach alles – nur Ansichtskarten sollte man vor Ort kaufen (oder besser: Lappi mitnehmen, Email mit Anhang heimschicken!!!).

Trotzdem war es für uns eine besonders schöne Woche, wir haben (wirklich nur) ein wenig vom Norden kennengelernt: unglaubliches, blaues Licht, eine Zeit ohne Dunkelheit, Sonne um Mitternacht, „wilde“ Rentiere, fremdes Essen (aus Rentieren!), Öko-Freaks, die mit Energie umgehen, als wenn es genug davon gäbe, unaufdringlich freundliche Skandinavier, die größtenteils auf Anhieb Englisch sprechen und -am allerschönsten- wir haben Landschaft gesehen.

Unendlich weite Landschaften, in denen sich Himmel und Erde tatsächlich am gesamten Horizont trafen, ohne Häuser, Türme, Masten, Autos, Straßen, Lampen, Plakate. Landschaften, in denen es so still war, dass wir Vögel hörten und den Nordwind, der uns um den Kopf heulte – sonst nichts. Wir haben wieder einmal gelernt, dass es mehr gibt, als was wir für erstrebenswert halten. Wie es uns erschien, sind die Skandinavier sich sehr wohl ihres Lebens bewusst, denken an sich und ihr Volk und dessen Wohlergehen. Da kommt auch schon mal die in Deutschland über alles gepriesene Globalisierung zu kurz….

Das finnische Bildungssystem ist ein Beispiel: Die Eltern kaufen nur die Schulmappe – alles andere der Staat und jeder Schüler (!) hat seinen eigenen PC. In solchen Staatsgefügen hat eben auch das Volk schon mal das Recht, den Beitritt zur EU zweimal nacheinander abzulehnen. Volkes Wille…! Verhütet -nebenbei gesagt- auch die Kunstwährung „Euro“ – der wirtschaftliche und soziale Erfolg (3% Arbeitslosigkeit…!) gibt dem dann auch irgendwie recht. Wir haben aber auch gelernt, dass man in einer Woche Busfahrt kein Land kennenlernt, keine Menschen. Die Zeit war definitiv zu kurz, viel zu kurz.

Gern hätten wir mehr davon gehabt, aber das ist eine Frage der Organisation, hinter der wiederum eine vertretbare Kalkulation stehen muss. Ein Teufelskreis! So lassen wir sie denn zurück, die Trolle, Elche, Ölquellen, Nils Holgersons, die Rentiere, Amundsens, Nobels, den Weihnachtsmann, Wollgräser und Pippi Langstrumpfs in ihrer Mitternachtssonne, deprimierte und deprimierende Krimi-Kommissare, die letzten Nomaden Europas unter und über dem Polarkreis, Die Nordkap- und Polarkreis-Diplome, die vielen schönen Orte mitten im Nichts – an all das und noch viel, viel mehr werden wir uns noch lange und gern erinnern.

Ihr Reiseverlauf

Diese Reise führt Sie durch die herrlichen Landschaften, vorbei an den großartigen Sehenswürdigkeiten im Land der Mitternachtssonne. Unvergessliche Naturphänomene, unberührte Landschaften, majestätische Bergmassive, wilde Küsten und üppige Wälder - abwechslungsreicher könnte eine Region nicht sein. Tauchen Sie ein in die Welt des zauberhaften Nordeuropas.

1. Tag - Anreise -Tärnaby/Hemavan (ca. 355 km) Flug nach Umeå und Empfang durch die deutschsprachige Reiseleitung. Die erste Etappe führt Sie in nordöstliche Richtung, durch Zentrallappland in die wundervollen Fjäll- und Gebirgslandschaften des Storfjälls-Massivs. Übernachtung im schön gelegenen Tärnaby/Hemavan.
2. Tag -Tärnaby/Hemavan - Skutvik - Lofoten (ca. 460 km). Nach dem Frühstück fahren Sie in Richtung Norden und begeben sich entlang malerischer Gebirgslandschaften bis an die schwedisch-norwegische Grenze, wo Sie anschließend in Mo i Rana am Ranafjord wieder auf das Meer treffen. Nur wenige Kilometer entfernt gelangen Sie an die erste Polarkreisstation Ihrer Reise. Danach entdecken Sie die Region um den Svartisen-Nationalpark mit dem gleichnamigen Gletscher. Entlang der wunderschönen Küstenstraße gelangen Sie anschließend in die Region Fauske, wo Sie den ersten norwegischen Fjord entdecken werden. Durch weitere Fjordgebiete fahren Sie bis zum Hafen der Stadt Skutvik. Hier wartet bereits eine Fähre auf Sie, welche Sie nach Svolvaer auf den Lofoten bringen wird. Genießen Sie den beeindruckenden Anblick auf die karge Landschaft während Ihrer Fährüberfahrt. Übernachtung auf der Lofoteninsel.
3. Tag - Lofoten - Tromsö (ca. 420 km). Heute haben Sie die Möglichkeit, die einmalige Gegend näher zu erkunden. Umgeben von steilen Bergspitzen, die sich majestätisch aus dem Meer erheben, befinden sich unzählige Fischerhütten- und boote in den malerischen Buchten. Die traditionelle Fischereikultur ist noch immer allgegenwärtig, der berühmte Stockfisch wird Ihnen hier sehr oft begegnen. Nach diesen spannenden Eindrücken führt die Weiterreise auf die nördliche Inselgruppe der Västerålen und weiter über Andselv und Nordkjostbotn in die ”Eismeerstadt” Tromsö. Übernachtung in Tromsö.
4. Tag - Tromsö - Nordkap (ca. 495 km). Heute machen Sie sich auf den Weg zum Höhepunkt Ihrer Reise – dem Nordkap. Sie fahren mit der Fähre über den Ullsfjord und den Lyngenfjord und können vom Wasser aus den einzigartigen Anblick der majestätischen Lyngenalpen genießen, die bis zu 1.600 m hoch aus dem Eismeer ragen. Weiter geht es entlang der wildzerklüfteten Küstenstraße nach Alta am Altafjord, der bekannt ist für seine Felszeichnungen. Über Kåfjord und durch den Tunnel auf der Insel Mageroya fahren Sie weiter nach Honningsvåg. Nach dem Check-In in Ihrem Hotel für heute Nacht fahren Sie zum sagenumwobenen Nordkap. Genießen Sie den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes von der mehr als 300 m hohen Klippe um Mitternacht, wo es hell ist und bei gutem Wetter sogar die Mitternachtssonne über dem Nordmeer scheint. Ein einmaliges Fotomotiv erwartet Sie. Bestaunen Sie auch die Bilder und Filme in der Nordkaphalle. Übernachtung in Honningsvåg.
5. Tag - Nordkap - Karasjok - Saariselkä (ca. 425 km). Nach dem Frühstück fahren Sie entlang des malerischen Porsangerfjordes und über die Stadt Karasjok, das Zentrum des indigenen Volks der Samis, in Richtung Süden. Auf dem Weg durch die wunderbare Landschaft der Region Finnmarken können Sie die Erlebnisse des gestrigen Tages noch einmal Revue passieren lassen, bevor Sie den Inari-Fluss erreichen, der die natürliche Grenze zwischen Norwegen und Finnland bildet. In Inari besuchen Sie ein samisches Museum. Entlang des gleichnamigen Sees, dem größten See in Nordfinnland, gelangen Sie weiter südwärts nach Saariselkä. Der ehemalige Samiort ist heute ein modernes Wintersportzentrum im finnischen Lappland. Übernachtung in Saariselkä.
6. Tag - Saariselkä - Rovaniemi - Övertorneå (ca. 365 km). Durch die unberührten Seen- und Waldgebiete Nordfinnlands erreichen Sie zunächst das "Tor zu Finnisch Lappland", die Stadt Rovaniemi. Hier erwartet Sie ein Besuch des einzigartigen Weihnachtsmanndorfes, welches direkt an der Polarkreisstaion gelegen ist. Im Anschluss überqueren Sie erneut den Polarkreis und fahren an den finnisch-schwedischen Grenzfluss Torneälven und anschließend weiter in die beschaulische Stadt Övertorneå in Schwedisch Lappland. Übernachtung in Övertorneå.
7. Tag - Övertorneå - Luleå - Umeå (ca. 410 km). Weiter südlich gelangen Sie heute in die Hauptstadt der Region Norrbotten, nach Luleå. Hier besuchen Sie die sogenannte ”Gammelstad”, die Altstadt Luleå. Durch die Landhebung ist das Bottnische Meer in den letzten Jahrhunderten zurück gedrängt worden, sodass "Gammelstad" heute ca. 10 km landeinwärts liegt. Bewundern Sie die historischen Holzbauten, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Entlang der Küste führt Sie Ihre Reise weiter über Piteå, entlang der "schwedischen Riviera" mit ihren langen Sandstränden bis nach Umeå. Übernachtung in Umeå.
8. Tag - Abreise. Je nach Abflugzeit haben Sie die Möglichkeit Umeå, die Kulturhauptstadt 2014, auf eigene Faust zu erkunden. Transfer zum Flughafen und Rückflug nach Deutschland.