März 2016

Reisebericht: Jordanien - Kontraste wie sie schöner kaum sein können

Marhaba - Willkommen in Jordanien! Folgen Sie unserer Chronistin auf Ihrer Reise durch Jordanien. Sie wollten schon immer eines der sieben Weltwunder der Moderne entdecken? Dann freuen Sie sich auf Petra, die verlassene Felsenstadt. Erkunden Sie Wadi Rum, unwirkliche Landschaften und das Tote Meer.

Chronistin Inge in Jordanien
Mein Tipp

Kontraste in Jordanien erleben

Inge, Berge & Meer Chronistin

Ich bin Inge und lebe in Köln.

Zum Glück bin ich in der Situation, viel Zeit mit einigen bevorzugten Tätigkeiten verbringen zu können, z. B. Reisen und Lesen. Mit anderen Worten: Ich bin in Rente.

Schon als Kind hatte ich bestimmte Reiseziele, aber je mehr Reisen ich unternehmen konnte, umso mehr Ziele kamen dazu, und ich denke nicht, dass ich so alt werden kann, alles abzuhaken.

1. Tag

Ankunft in Amman

Marhaba ist arabisch und heißt „Hallo“ und so grüßt man in Jordanien.

Ich möchte nach Jordanien reisen Oje ... Ist das gut? Ja, das ist die Frage. In meinem Bekanntenkreis gab es zwei grundsätzlich gegensätzliche Reaktionen. Die einen fanden es ganz verständlich, dass man auch in diesen Zeiten Jordanien besucht, mit der Begründung: Jordanien gilt in dieser, von Kriegen heimgesuchten Region noch als relativ ruhig und sicher, mit Israel gibt es einen Friedensvertrag. Aber wer weiß, wie lange es noch so bleibt. Es gibt genug Länder in Nahost, die man nicht ohne Bedenken als Tourist besuchen kann: Irak und Syrien z. B., und dort sind so viele Kulturgüter zerstört worden.

Die Anderen empfinden unterschwellig ein Unbehagen, wenn man an arabische Länder als Ziele denkt. Aber früher konnte man auch nach Paris oder Istanbul ohne Vorbehalte reisen. Mittlerweile kann man nirgendwohin mehr absolut sicher sein. Nun denn, das Reisen will ich mir generell nicht verbieten lassen.

Wir sind am Abend erst in Jordaniens Hauptstadt Amman angekommen. Al-Mamlaka al Urdunnijja heißt Jordanien offiziell auf Arabisch (übersetzt: Haschemitisches Königinreich Jordanien). In der Staatsflagge steht grün für den Islam, weiß für die Omajjaden, schwarz für die Abbasidendynastie. Der Stern symbolisiert die, dem Koran vorangestellten, sieben Grundsuren des islamischen Glaubens.

Amman hatte im Laufe der Geschichte auch schon mehrere Namen, vorher hieß die ammonitische Hauptstadt Rabbath-Ammon, später in der graeco-romanischen Zeit Philadelphia.

Bis zur Ankunft im Hotel sind wir immer wieder durch Info-Tafeln oder Bilder auf Mitglieder des jordanischen, Königshauses aufmerksam geworden, immerhin sind sie als Haschemiten mit dem Propheten Mohammed verwandt.

Die Besichtigungen beginnen am nächsten Tage und bis dahin: Mai alslama ist arabisch heißt „Auf Wiedersehen“

2. Tag

Amman

Heute ist Besichtigung in Amman und Jerash angesagt. Diese Stadt wurde auf sieben Hügeln erbaut, wie jede Stadt, die auf sich hält, aber inzwischen hat man mehr als 20 Hügel besiedelt. Naturgemäß sind die Straßen recht steil, der Verkehr ist chaotisch. Man hat wohl versucht, Ordnung in den Straßenverkehr zu bringen, indem man das deutsche Verkehrssystem einführte. Nachdem deswegen aber mehr als 35.000 Fahrer ihren Führerschein verloren, ist man freudig ins Chaos zugekehrt.

In der Frühe konnten wir die König Abdullah Moschee besichtigen. Die Frauen müssen sich sehr „kleidsame“ schwarze Umhüllungen samt Kapuze anziehen, nur so und ohne Schuhe dürfen wir den imposanten Innenraum betreten. Die Kuppel ist mit leuchtenden Mosaiken ausgelegt und darunter hängt ein tonnenschwerer, vergoldeter Leuchter. In der direkten Nachbarschaft stehen einige christliche Kirchen. Es herrscht ein tolerantes Religionsgemisch von allerlei christlichen und islamischen Glaubensrichtungen. Danach fahren wir nach Jerash, das bedeutet „Wald“. In antiker Zeit war das also eine sehr grüne bewaldete Gegend. Von Bäumen und Wald ist nichts mehr zu sehen, heute sieht man an den Straßenrändern zahlreiche Gärtnereien mit einer Fülle leuchtender Blumen.

Jerash ist das alte Gerasa, eine der größten römischen Ausgrabungen in Nahost. Die beeindruckenden Reste z. B. der Hadriansbogen, die Säulen bestandene „Hauptstraße“ und mehrere Tempel inmitten blühender Frühlingsblumen, Wiesen und weidenden Schafen bilden eine großartige Kulisse vor der modernen Stadt. Hier habe ich die schönsten korinthischen Kapitelle gesehen. In einem der Theater werden wir von einem typischen, jordanischen „Tattoo“ überrascht: Drei Musiker spielen auf Trommeln und Dudelsack, dessen Ursprung wohl in Mesopotamien zu suchen ist und nicht in Schottland.

Nach dem Mittagessen kehren wir nach Amman zurück und fahren dort auf die Zitadelle mit einem umwerfenden Rundumblick. Die Häuser der Stadt scheinen aus einem Baukastensystem - quadratisch praktisch gut - zu bestehen bieten aber einen homogenen Eindruck, weil alle aus einem hellen Stein erbaut wurden.

Auf der Zitadelle selbst findet man wiederum Überreste vieler antiken Hochkulturen, die das kleine Jordanien irgendwann einmal überrollt haben, auch islamische Spuren der Omayyaden, seien es Tempel, Moscheen oder Statuen. Von einer kolossalen Herkulesstatue sind - sage und schreibe - drei Finger und ein Arthrose freies Kniegelenk erhalten.

Das benachbarte Museum ist ein kleines, verstaubtes Schatzkästchen, mit Zeugen aus der frühen Menschheitsgeschichte. Besonders hervorheben möchte ich eine neolithische Ton Figur von Zwillingen, die mit fragenden Mandelaugen und gerümpften Stupsnasen ihren Betrachtern begegnen.

Das beherrschende Thema an diesem Tag ist das Wasser. Die Jordanier haben zu wenig davon. Das geht soweit, dass man in Amman nur einmal in der Woche für 24 Stunden Wasser vom Wasserwerk bekommen kann. Dann rauscht es aus allen Hähnen, ansonsten muss man sich mit riesigen Wasser- Behältern behelfen. Wir haben an diesem Tag für unseren Geschmack zu viel davon. Denn wir haben - hoffentlich vorübergehend - das mitteleuropäische Aprilwetter importiert. Es schwankt zwischen stürmischen Regenschauern, Dauergefiesele und strahlendem Sonnenschein, der sogar Sonnenbrand verursachen kann. Zum Abschied gehen wir, auch bei strömendem Regen, durch malerische Altstadtviertel und Märkte.

Mai alslama

3. Tag

Madaba

Heute ist ein Tag der Ausblicke und Rundblicke, das bedeutet: viel Busfahren und viele Höhen erklimmen.

Das erste Ziel ist Gadara, ein historischer Ort, der heute Umm Qays heißt.

Bis wir in Gadara angekommen sind haben wir doch einige Wälder durchfahren, die bisher der Abholzung entkommen konnten. Hierher fahren wohl viele Jordanier am Freitag in der heißen Jahreszeit, um im Schatten zu entspannen und ihr Mittagessen zu grillen.

In Gadara findet man wieder Siedlungsgeschichte der Antike mit Resten einiger interessanter Tempel und Kirchen. Manch ein schöner Tempel, diesmal in oktogonalem Grundriss mit schwarzen Basaltsäulen, wurde später gerade gut genug für eine christliche Kirche. Besonders aufregend war neben den Ausgrabungen der Blick auf die gegenüberliegenden Hügel, die etwas dramatisch immer abwechselnd in der Sonne und im Schatten lagen: das sind die Golanhöhen, die nun zu Israel gehören. Früher zog sich hier die syrische Grenze entlang. Der Nebenfluss des Jordans, der Yarmuk, führt hier noch einiges Wasser und neben ihm verläuft ein Grenzzaun. Neben den Golanhöhen kann man auch den See Genezareth mit der israelischen Stadt Tiberias in der Sonne liegen sehen.

Wir fahren nun zum Jordantal hinunter und dann weiterhin entlang des Tales. Dabei haben wir in der Ferne den Blick auf israelisches Gebiet, zwischendurch taucht eine der beiden offiziellen Grenzübergänge von Jordanien nach Israel auf. In dieser Landschaft sieht man immer wieder umherziehende Schafherden, außerdem wird viel Obst- und Gemüsebau betrieben. Es gibt unzählige Bananenstauden, Dattelpalmen, Olivenhaine und Obstgärten zu sehen. Jetzt blühen auf den Wiesen die ersten Frühjahrsblumen und manches Feld sieht gelb leuchtend aus.

In Pella, das hoch über dem Jordantal liegt, ist unsere Mittagspause. Dort bekommen wir in der Sonne ein Picknick serviert. Dabei können wir über die ganze Breite des Jordantales bis zum gegenüberliegenden Rand blicken. Im Dorf zu unseren Füßen wieder Spuren der verschiedensten Kulturen Griechen, Römer, Byzantiner Araber und Osmanen. Wie viele Heere dieser Völker mögen durch dieses Tal gezogen sein.

In Ajlun begegnen wir den Spuren von Sultan Saladin: einer seiner Verwandten ließ hier im 12. Jahrhundert eine islamische Burg errichten, die einzige in Jordanien. Sie thront sehr wehrhaft über einem Kreuzpunkt mehrerer Wadis und diente zum Schutz der Handelswege im Kampf gegen die fränkischen Kreuzfahrer.

In Anjara besuchen wir eine christliche Pilgerstätte. Ein koptischer Priester erzählt uns von einem wahren Wunder einer blut-weinenden Marienstatue.

Diesmal kommen wir zwar bei Regen in Amman an, aber im Tagesverlauf hat uns der Regen verschont.

Mai alslama

4. Tag

Schwimmen im Toten Meer

Heute sind wir in die "Unterwelt" hinabgestiegen, nämlich zum Jordan und dem Toten Meer, die bis zu 400 m unter dem Meeresspiegel liegen.

In Bethanien am Jordan hat ein gewisser Johannes einen gewissen Jesus vor einiger Zeit mit dem hoffentlich klaren Flusswasser getauft. Heute ist der Jordan an diesem Punkt eine schlammige, trübe Brühe. Nichtsdestotrotz kommen die Pilger freudig und in Scharen an diesen Ort - sowohl an die jordanische als auch die israelische Uferseite - um einzutauchen und zudem Flaschen mit dem besonderen Wasser abzufüllen. Sogar der Papst hat vor ca. einem Jahr diesen Ort besucht.

Wir selbst wollen auch eintauchen, aber später am Toten Meer. Dort verbringen wir einige Zeit in einem wunderbar angelegten Resort, das gegenüber von Qumran liegt, dem Fundort der Schriftrollen vom Toten Meer. Das Schwimmen im Meer entpuppt sich als großer Spaß, obwohl das Wasser nicht besonders warm, dafür aber sehr salzig ist, ca. 30 % Salzgehalt. Dadurch kann man nicht untertauchen, geschweige denn schwimmen, sondern sich gemütlich, alle Viere ausgestreckt treiben lassen. Wir haben es auf dem Rücken und dem Bauch probiert und dümpeln aber in beiden Fällen wie eine Boje im Wasser. Ich hatte zum Schluss allerdings Probleme, wieder auf die Füße zu kommen und hätte es auch nicht ohne meine persönliche "Baywatch-Truppe" geschafft. Aus dem Meer aufgetaucht habe ich dann höchstpersönlich den Salzgehalt geprüft, indem ich ein wenig an meiner Schulter geleckt habe. Pfui, es ist so salzig, dass es fast bitter schmeckt.

Nach dem Mittagessen sind wir zurückgekehrt in die Oberwelt, auf 700 m, auf den Berg Nebo. Wir können von oben aus das "Gelobte Land" überblicken. Dort hat vor langer Zeit schon Moses gestanden, nachdem er seine Israeliten aus Ägypten bis dorthin geführt hatte. Jahwe hat ihn das Ziel erblicken lassen, aber leider war das für ihn das Ende der Reise. Wenn man es etwas salopp ausdrücken darf, waren Moses und seine Gefährten die erste Touristengruppe dort oben, und wir waren auch nicht die einzigen.

Danach wird unser Reisetag zur Butterfahrt, weil wir einen Souvenirshop und dazugehörige Mosaikwerkstatt ansteuern. Es ist erstaunlich, auf welchem Untergrund man Mosaiken anbringen kann, sogar auf einem Straußenei. Niemand möchte anfangs etwas kaufen, aber die meisten kommen am Ende doch mit einer mehr oder weniger großen Tüte aus dem Laden, und zwar stolz, denn wir haben den Preis gut heruntergehandelt.

In Madaba lernen wir in einer christlichen Kirche die größte Mosaik-Landkarte der Welt kennen, die in byzantinischer Zeit von den Gebieten Palästina bis Ägypten gefertigt wurde. Sehr Detail verliebt ist z. B. die Altstadt von Jerusalem dargestellt.

Das war ein sonniger, überaus abwechslungsreicher Tag, und gut gelaunt treten wir den Rückweg nach Amman an.

Mai alslama

5. Tag

Umm el Rasas

Unser 5. Tag in Jordanien beginnt mit Sonne und sie bleibt uns auch erhalten. Wir verlassen Amman mit einer Fahrt durch das Nobel- und Botschaftsviertel. Die amerikanische Botschaft gleicht einer waffentrotzenden Festung, auf deren Dach unzählige Satellitenschüsseln und Sendemasten ihre "Fühler" ausstrecken. Die meisten der Prachtvillen gehören wohl Irakern und Bürgern der Golfstaaten, weniger den Jordaniern.

Wir beginnen unsere Etappe mit Kultur und sehen in Umm er Rasas weitere Beispiele byzantinischer Mosaikkunst. Der Höhepunkt sind die Bodenmosaiken der St. Stefanskirche. Sie weisen als Besonderheit eine Umrahmung aus Vignetten diverser Städte aus Jordanien, Palästina und Ägypten auf.

Statt Kultur kommt erst mal wieder Natur. Wir erreichen den "Grand Canyon" Jordaniens, Wadi Mujib, und fahren in steilen Kehren von 800 m auf 200 m hinunter und nach jeder Kurve ergeben sich immer neue faszinierende Ausblicke auf besondere geologische Formationen. Auf 200 m überqueren wir die Mauer eines Stausees, um dann wieder auf ca. 800 m ebenso abenteuerlich aufzusteigen. Dort können wir die Atmosphäre des Landschaftsbildes während des Mittagessens vertiefen. Ich muss von dem Eindruck wohl sehr gefangen genommen sein, und so habe ich erst nach einem Umtrunk mit hiesigem Arrak und ca. 30 Minuten nach Abfahrt vom Restaurant mit heißem Erschrecken meinen Fotoapparat vermisst.

Ein Telefonat unseres hilfsbereiten Reiseleiters klärt die Lage: er ist im Restaurant beim Canyon liegengeblieben. Dennoch gehen mir wütende Selbstbeschimpfungen und 1.000 Probleme durch den Kopf. Umkehren geht nicht, unser Reiseplan ist zu straff. Die heutigen Fotos brauche ich für den Reisebericht und morgen kann ich nur mit einem Apparat in der Hand durch Petra laufen. Aber dann erhalte ich Hilfe von den Mitreisenden: zunächst einmal viel Verständnis und Mitgefühl, einen "Zweitapparat" und das Angebot des Fotoklaus. Also Abregen und auf den nächsten Tagespunkt einstellen.

Wir erklettern die Kreuzritterburg Shaubak, die später von den Mamelucken übernommen wurde. Der Ausblick zeigt uns wieder geologische Leckerbissen. Aber das ist nur der Vorgeschmack also amuse guele auf die weiteren geologischen Sensationen, wie eine Menuefolge mit vielen Gängen. Wie eine Vorspeise entpuppt sich auch der Blick auf das Dana- Naturreservat.

Dann kommt die Hauptspeise als Ausblick von außen auf die geologische Umgebung der Nabatäaerstad Petra. Man sieht eigentlich nur die äußere Umhüllung. Sie liegt in der Abendsonne und sieht abgeschottet und geheimnisvoll aus.

Die Nachspeise hebe ich mir für morgen auf.

Mai alslama

6. Tag

Petra

Petra wartet auf uns. Für viele ist Petra der ausschlaggebende Grund für diese Jordanienreise, dementsprechend ist unsere Erwartung hoch.

Unser Reiseleiter hat uns eingestimmt: Petra ist Mafia. Alles in Petra vom Hotel bis zu den Pferdekutschen ist in der Hand der Beduinen. Sogar die Regierung traut sich an diese Pfründe nicht heran. Die Preise sind überhöht und die Materialien der Souvenirs minderwertig.

Oje , jetzt sollen wir uns noch freuen?!

Aber er erzählt uns auch über die Nabatäer, ein Nomadenvolk, das aus Arabien hierhin eingewandert ist. Die Bedeutung des Nabatäerreiches, das sich bis nach Syrien erstreckte, erschließt sich aus dem Handel und der Kontrolle der Karawanenstraßen. Lange Zeit galt Petra als uneinnehmbar und die Römer konnten die Stadt nur durch Verrat einnehmen. Was beinahe ungehindert eindringen konnte, war das Wasser. Es gab und gibt immer wieder wahre Fluten in dieser Region. In vorgeschichtlicher Zeit hat Wasser den "Siq", den schmalen Zugang und den engen Verlauf von ca. 2 km geformt. Die Nabatäer kanalisierten sowohl den Zulauf mit Tonröhren als auch den Abfluss über eine offene Rinne. Eventuelle Überschwemmungen wurden am Eingang vorbei in ein Sammelbecken geleitet. In der Neuzeit war man lange Zeit nicht so schlau, so dass einige Besucher in dieser trockenen Gegend ertranken.

Zum Glück können wir trockenen Fußes durch den Siq gelangen. Diesen gewundenen Weg zu gehen, ist wie eine langsame, sich immer steigernde Vorbereitung auf den Anblick am Ende. Nach jeder Windung steht man vor einem neuen überraschenden Ausblick auf die Formen, die Gestein, Wind und Wasser geschaffen haben. Licht und Schatten machen es nochmals spannender. Die Felsen leuchten manchmal in vielfältigen Farben. Am Ende treten wir aus dem Schatten in den Sonnenschein vor dem Schatzhaus und müssen diesen überwältigenden Eindruck auf uns wirken lassen.

Im weiteren Verlauf des Tages sehen wir die meisten der historischen Bauwerke der Nabatäer und auch die Römer waren ja schon hier. Aus berufenem Mund hört man, dass unter Geröllmassen noch Vieles auszugraben sein wird.

Beim Rückweg ist der morgendliche Schwung in der Sonne dahingeschmolzen und wir schaffen diese Strecke nur mithilfe von einigen Pausen und kühlen Getränken. Granatapfelsaft und quietschgrüner Zitronentee mit Minze sind belebend. Jeden Zugriff der Beduinen Mafia haben wir heldenhaft abgewehrt, seien es Souvenirs oder Versuche, uns auf Pferd, Esel oder Kamel zu setzen. Ich muss einräumen, ich war in Versuchung, mir den Weg leichter zu machen. Am Ausgang des Touristenzentrums ist eine halbrunde Arena, wo die Erschöpften, Fußkranken und Dürstenden noch einmal ausruhen.

Aber es hat sich gelohnt.

Mai alslama

7. Tag

Wadi Rum

Heute Morgen nehmen wir Abschied von Petra, von der Panoramastraße können wir noch einmal einen sehnsüchtigen Blick auf das äußere Gelände der Nabatäerstadt werfen.

Danach fahren wir Richtung Süden ins Wadi Rum. Dort warten 3 Pick-Ups auf uns. Auf der offenen Ladefläche sind Holzpritschen eingebaut. Zum Schutz unserer Hinterteile und des Rückens gibt es Sitz- und Rückenpolster. Die Fahrt zwischen all den Felsen des Wadis begeistert uns alle, wieder ein Highlight und, um bei der Menü Sprache der Vortage zu bleiben, ein ordentlicher Nachschlag. Einige der Mitreisenden fühlen sich an andere Landschaften der Erde erinnert, z. B. Kappadokien, Monument Valley oder Namibia. Aber Wadi Rum hat auch seinen eigenen Reiz, den wir mit allen Sinnen genießen können: Der Wind pfeift uns ordentlich um die Ohren, in manchen Felsformationen kann man mit etwas Phantasie Elefanten Sphingen oder Büffel erkennen, zwischen den Zähnen knirscht der Wüstensand, unser Hinterteil fühlt sich manchmal recht unsanft auf die Sitzbank geknallt und bei den Beduinen können wir Ambra und Moschusdüfte riechen.

In deren Zelten aus Ziegenhaar werden wir an einem Lagerfeuer gastlich bewirtet und trinken einen köstlichen Tee aus Salbei, Kardamom und Zimt. Ich frage mich nur, wo sind all die Pottwale und Moschusochsen für diese Düfte????. Aber einige andere Attraktionen warten noch auf uns: Schriftzeichen der Nabatäer auf einem Felsen, Zeichnungen von Steinböcken und Menschenfiguren auf einer Steilwand, große und kleine Steinbögen, die durch die Erosion geschaffen wurden.

Zur Mittagszeit essen wir etwas geschützt unter Felsen unser Picknick in der Nähe von einigen Beduinenzelten und Kamelen. Dieses Mal dürfen wir die organischen Überbleibsel unseres Picknicks an Ort und Stelle lassen, z. B. Bananenschalen, Apfelkitsche, da die umherlaufenden Tiere der Beduinen das gerne recyclen.

Nachdem wir wieder weich in unserem Reisebus sitzen können, fahren wir bis Aqaba. Allein der Anblick des sehr sauberen Wassers des Roten Meeres erfrischt nach all dem Sand und den Steinen und bei einem jordanischen, sehr süßen Kaffee und kühlen Getränken geniessen wir die "fahrerlose" Zeit.

Zurück geht es nach Amman. In der Zwischenzeit habe ich Nachricht von meinem Fotoapparat erhalten, er ist wieder da!!! In Amman und wartet auf mich.

Die Fahrt zieht sich lange hin, aber der Anblick der faszinierenden Felslandschaften lenkt uns ab. Wir passieren das Tote Meer bei Sonnenuntergang, der Vollmond steht über den jordanischen Bergen und hinter dem Toten Meer kann man den Lichtnebel einer Großstadt erkennen, vielleicht Jerusalem.

In Amman wird uns in einem Spezialitäten Restaurant ein orientalisches Abendessen serviert, das besser ist als alle vorhergehenden, also ein gelungener Abschluss. Morgen früh geht es nach Hause.

Mai alslama

8. Tag

Abschied von Jordanien

Heute Morgen kehren wir nach Deutschland zurück und es ist Zeit für eine Rückschau.

Es hat mir sehr gut gefallen in Jordanien; nicht nur die außergewöhnliche Natur, mich beeindrucken immer die Spuren der vergangenen Kulturen, die hier so zahlreich sind. Gerne hätte ich noch mehr erfahren, denn es gibt noch einige Highlights mehr, vor allem in den Museen.

Wir haben in 2 verschiedenen Hotels übernachtet, sie waren adäquat, ein Paar Probleme gibt es immer. Das Essen war schmackhaft und reichlich, aber die wenigsten von uns werden in der kommenden Woche Hühnchen essen wollen. Wenn man das Preis- Leistungs- Verhältnis berücksichtigt, war alles in Ordnung.

Unser Busfahrer hat uns souverän von Nord nach Süd gefahren, sogar vielleicht manches Mal ein Strafmandat riskiert. Unser Reiseleiter hat uns zielgerichtet durch das dichte Tagesprogramm geführt, aber uns dennoch viel Freizeit am Nachmittag und Abend gelassen. Er war ausgesprochen hilfsbereit, besonders in meinem Schadensfall hat er die Zusammenführung von mir und meinem Fotoapparat erfolgreich organisiert. Obwohl Mohammedaner, hat er uns Arak spendiert und außerdem Leib und Leben aufs Spiel gesetzt, um auf den Torbogen im Wadi Rum steil hinaufzuklettern.

Auf dem Flughafen sehen wir nochmals die Bilder der Königsfamilie. Die Jordanier lieben ihren König Abdullah II. sehr und waren überrascht über sein politisches Geschick, bedauern es aber, dass er besser Englisch als Arabisch spricht.

Wir sind dann königlich geflogen, aber das einzig königliche war der Name Royal Jordanian Airline und die vergoldete Krone auf dem Höhenruder. Alles andere war genauso gut bzw. so schlecht wie bei anderen Fluglinien.

Zur Frage der Sicherheit in Jordanien: wir haben uns nie unsicher gefühlt oder auch nur eine Andeutung von Risiko erfahren. Aber der Tourismus ist eingebrochen in diesem wunderschönen Land, was uns den Vorteil gebracht hat, an manchen Orten alleine oder nur mit wenig Touristen zu sein. Für Jordanien ist es ein ungeheurer Nachteil, denn der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen.

P.S. Zum Vertiefen noch 2 Fotos von Petra, dem Höhepunkt der Reise

P.S. Nachtrag: Die schwarze Lilie siehe 3. Tag der Reise - ist die Nationalblume Jordaniens

Nun zum letzten Mal: Mai alslama

Sie möchten auch nach Jordanien reisen?

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