März 2015

Reisebericht: Botswana, Namibia & Simbabwe - Flugsafari auf höchstem Niveau

Fliegen Sie mit Ihrem Buschflugzeug über die atemberaubenden Landschaften der Makgadikgadi Salzpfanne und in das Herz des Okavango - Deltas. Haben Sie schon von der ausgedehnten Buschlandschaft und den Raubkatzen von Savute gehört?

Chronisten Sybille und Ernst in Botswana, Namibia und Simbabwe
Mein Tipp

Atemberaubende Landschaften im Süden Afrikas

Ernst, Berge & Meer Chronist

Welche der beiden Philosophien "Gleich und Gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an" das richtige Fundament für die eigene Beziehung darstellt, zeigt sich am ehesten beim gemeinsamen Reisen.

Wir, das sind meine Frau und ich, Ernst, fingen schon in Jugendjahren mit gemeinsamen Touren an, zunächst per Anhalter und Übernachtungen in Jugendherbergen, später, nachdem auch die Kinder erwachsen waren, steigerten wir Anspruch und Erleben durch Backpacker-Reisen in der Dritten Welt.

Nun, im gesetzten Alter, nehmen wir bei komplizierten Reisen gerne die organisatorische Hilfe von Reiseveranstaltern in Anspruch, um auch weiterhin unserem Haupt-Hobby frönen zu können. Wir haben ein Faible für spektakuläre Wasserfälle, darum wird der Besuch der Victoria-Wasserfälle wahrscheinlich unser Highlight der Reise!

1. Tag

Anreise

Bei der Vorfreude auf die Reise denkt man zu wenig an An- und Abreise, und welchen Anteil sie am Gesamten nehmen. Mit dem IC wollten wir von Nürnberg zum Frankfurter Flughafen, doch schon kurz vor Würzburg wurde der Zug langsamer und langsamer. Wir erreichten noch so eben den Bahnhof, aber dann war Schluss, weil der Triebkopf einen Schaden hatte. Bis eine neue Zugmaschine und seltsamer Weise auch ein neuer Lokführer organisiert werden konnten, verging eine Stunde. In Anbetracht der Streiklust bei den LH-Piloten und Lokführern hatten wir zum Glück etwas mehr Fahrzeit eingeplant, so dass die Verspätung am Ende keine Katastrophe wurde.

Mit dem anschließenden langen Nachtflug (Frankfurt-Johannesburg: 11 h), Anschlussflug nach Maun/Nord-Botswana und schließlich im Kleinflugzeug zum Makgadikgadi-Nationalpark wurden es stolze 26 h Reisezeit.

Schön war der Flug im Kleinflugzeug über die afrikanische Busch-Landschaft. Wer den Film "Jenseits von Afrika" gesehen hat, denkt sofort an das Melodram mit Robert Redford als Buschpiloten. Unser Buschpilot hieß Michelle und war eine junge Frau. Vor der Landepiste im Park warteten zwei zünftige Landcruiser, die unsere 12-köpfige Gruppe über holperige Sandpisten zur "Leroo La Tau"-Lodge bringen. Ein äußerst freundlicher Empfang wird uns zuteil, wobei der dargebotene Saftcocktail die müden Reisenden sofort wieder munterer aussehen lässt.

Das war nicht nur nett, sondern auch von Nöten, da nur wenig später zur ersten Safari-Tour aufgebrochen wird (hier Game Drive genannt).

In den offenen und rustikalen Geländewagen machen wir uns auf den Weg, immer in der Nähe des Boteti Rivers bleibend. Hier steht für die Pflanzenfresser das saftigste Gras - und also für die in der Nahrungskette höher stehenden Raubtiere die saftigsten Steaks.

Wir sind überrascht, so viele Zebras und auch Gnus anzutreffen (Zebras bilden die Mehrheit in diesem Park). Nicht in der spektakulären und dichten Menge, wie sie gerne in Fernsehdokumentationen gezeigt wird, stattdessen recht weiträumig verstreut. Zwischendrin immer wieder einige Impalas und Kudus - aber eher wenig.

Um 20 Uhr ist Diner im Haupthaus. Von unseren kleinen Bungalows, die bis zu zweihundert Meter entfernt stehen, dürfen wir im Dunkeln nicht einfach dorthin gehen. Einige der großen und gefährlichen Wildtiere machen gerade nachts die Gegend unsicher, deshalb sind wir dringend gehalten, uns vom Lodge-Personal auf dieser Strecke eskortieren zu lassen. Als Bedrohung ist insbesondere das Flusspferd zu nennen, das im angrenzenden Fluss lebt und nachts an Land kommt, um dort zu grasen.

Als Vor-Vorspeise gibt es eine mehrstimmige Gesangseinlage des gesamten Lodge-Personals, Polonaise inbegriffen. Gut dargebracht und eine nette Geste.

2. Tag

Makgadikdadi Nationalpark

Frühes Wecken um 5.30 Uhr, denn in der freien Natur gilt: "Der frühe Vogel frisst den Wurm". Für unsere Reisegruppe lautet die angepasste Weisheit: "Nur der frühe Tourist bekommt viele Tiere vor die Kamera".

Als wäre es eine Verabredung zum Brunch um 10.30 Uhr, treffen aus allen Himmelsrichtungen kommend Elefantenbullen am Fluss ein. Sie saufen ausgiebig, nehmen aus selbst gegrabenen Erdgruben Mineralien auf, bepudern sich mit Sand und Schlamm und trotten irgendwann ganz ruhig und majestätisch von hinnen.

Warum hier keine weiblichen Elefantengruppen mit Kälbern anzutreffen sind, erklärt der Guide mit den saisonalen Bedingungen: die Familien sind wegen der Kleinen weiter flussaufwärts gezogen, wo es mehr Wasser gibt. Was man tatsächlich nur mit eigenen Augen erleben kann und nicht in den romantisch verbrämten Filmen gezeigt bekommt, ist die beträchtliche Umformung der Landschaft durch Elefanten, im konkreten Fall der Grüngürtel beidseits des Flusses. Es ist eine menschliche Reaktion, neue Eindrücke zunächst mit ähnlichen Bildern aus der eigenen Vergangenheit zu vergleichen.

Mir kam deshalb der spontane Gedanke, in einem aufgelassenen Truppenübungsplatz zu sein. Die Bäume waren in einem erschreckend demolierten Zustand, abgebrochen, umgestürzt, mit aufgerissener Rinde. Dazu alle paar Meter Erdgruben, die der schon erwähnten Mineralienaufnahme und dem Schlammbad dienen, und die auf mich wie überdimensionierte Schützengräben wirken. Das sind zwar die natürlichen Vorgänge in der Natur, jedoch ein Schock, wenn man sie so nicht erwartet hat.

Unser Guide bemüht sich dankenswert um unsere Bildung. Bei jeder sinnvollen Gelegenheit hält er an, steigt aus und hält einen kleinen Vortrag. Warum die Landschaft hier anders aussieht als in den später folgenden Nationalparks, entsprechend die Tierpopulation hier so ist und nicht anders usw.

Verdächtig kam dem Touristen vor, dass kaum richtig große Bäume vorhanden sind - das werden doch nicht auch die Elefanten gewesen sein? Beruhigender Grund: in früher Urzeit hat es in diesem, heute brettflachen Gelände vulkanische Aktivität gegeben, bei der sich eine schwefelhaltige Sedimentschicht abgelagert hat. Große Bäume gelangen mit ihren tief reichenden Wurzeln in diese Schicht und vergiften sich dabei leider.

3. Tag

Makgadikgadi nach Moremi

Aha, jetzt (erst?) geht mir der Tages-Fahrplan unserer Reise auf, der sich nämlich sinnvoll an den Abläufen in der von uns besuchten Wildnis orientiert. Zum frühen Aufbruch gehört, dass wir anschließend bereits um 11.00 Uhr wieder in die Lodge zurückkehren (Brunch Time) und erst um 15.30 Uhr mit der Nachmittags-/Abendtour beginnen.

In den Mittagsstunden machen die Tiere mehr oder weniger Siesta und die Zeit dürfen auch wir für Persönliches nutzen. Doch jeden zweiten Tag wird in genau diesen Stunden unsere Weiterreise betrieben. Respekt - sehr effizient!

Beim heutigen morgendlichen Game-Drive streifen wir ein letztes Mal durch den Makgadikgadi-Park. Erleben die Restevertilgung durch Geier, bei der die Reste mal einem jungen Kudu gehörten, den Löwen am Abend zuvor gerissen hatten. Zur Mittagsstunde heißt es dann Abschiednehmen von Leroo La Tau. ("Fußspuren eines Löwen"). Mehrere Busch-Flugzeuge bringen uns im Vierer-Päckchen in einem 50-minütigen Flug zum Nationalpark Moremi.

Die Beschränkung auf nur vier Passagiere rührt vom Gepäck, für das es nicht mehr Stauraum im kleinen Flieger gibt. Die Thermik der Mittagshitze ist mit Turbulenzen verbunden - diese lässt die kleine Maschine durch den Äther hüpfen, ohne Rücksicht auf die wertvolle Fracht im Inneren. Wieder erwartet uns eine wunderbar ins Landschaftsbild eingefügte Lodge, halb als Pfahlbau ins von hohem Schilf umsäumte Wasser gelegt. Schnell die Sachen im Camp Xakanaka abgelegt und in die Landrover zur Nachmittagspirsch gestiegen.

Sehr interessant, wie stark sich dieser Nationalpark vom vorherigen unterscheidet. Hier stehen viele große Bäume, auch weite Graslandschaft, und dafür kaum buschhohe Macchia, wie sie bereits wenige 100 m vom Boteti-River entfernt die Landschaft in Makgadikgadi prägt. Auch der Tierbestand ist ein anderer. Plötzlich bekommen wir unsere ersten Kaffernbüffel zu Gesicht - und zwar viele - sehen erheblich mehr Antilopen in Gruppen und einzeln durchs Gelände streunen; dafür jetzt keine Zebras und Gnus mehr.

Laut Guide sind diese beiden Arten gerade in Makgadikgadi zur Zwischenstation auf ihrer Wanderung. Unser Chalet ist ein großes und stabil gebautes Canvaszelt, keine 20 m vom deutlich geformten Trampelpfad der Flusspferde entfernt. Den benutzen die Hippos auf ihrer nächtlichen Futtersuche. Klar, das damit gilt, bei Dunkelheit nicht ohne Eskorte zu gehen.

In der Abenddämmerung grasen friedlich im nahen Umfeld zwei Impalas, eigentlich schreckhafte Fluchttiere. Offensichtlich haben sie gelernt, dass von den Touristen keine Gefahr ausgeht, und dass im Gegenteil Löwen, Leoparden, Hyänen dieses Revier eher meiden.

In der Nacht werden wir vom brummigen Grunzen der Flusspferde geweckt. Mit der Taschenlampe beobachten wir durch die Fenster aus Moskitonetz, wie eine Hippo-Mutter mit Kind sich zu den vom Lodge-Gärtner frisch gewässerten Grasflächen begeben.

4. Tag

Moremipark Tagestour

In der morgendlichen Dunkelheit kommt einer der Lodge-Angestellten zum Canvaszelt und ruft ein vorsichtiges "Good Morning" durchs Mückennetz-Fenster. Unsere Grußantwort ist ihm die Bestätigung, dass wir wach geworden sind.

Es erwartet uns ein gutes Frühstück vom Büffet, wobei zu den Getränken noch die erfreuliche Tatsache hinzukommt, dass in den von uns besuchten Lodges grundsätzlich und über den ganzen Tag Getränke zur freien und kostenlosen Verfügung stehen. Damit ist nicht nur Wasser oder Zuckerwasser (Cola, Limonade) gemeint - nein, auch Bier, Wein und Schärferes, z. B. der schnell zum Gruppenfavoriten avancierte Likör Amarula aus heimischer Frucht.

Von uns Europäern wird das Klima durchgängig als angenehm bis zu “sehr warm“ empfunden, doch an diesem Morgen kommt die Sonne nicht richtig zum Vorschein. Unter bedecktem Himmel im Fahrtwind des offenen Autos fühlen auch wir Mitteleuropäer eine gewisse Morgenfrische.

Besonderheit dieses Nachmittags ist eine Bootsfahrt auf dem Khwai-River. Analog zu den 6-sitzigen Geländeautos an Land stehen uns jetzt 6-sitzige Flachboote mit Verdeck zur Verfügung. Wir kurven durch Seitenarme des scheinbar reglos stehenden Flusses, beobachten prustende Flusspferde und sehen plötzlich über den dichten und hohen Schilfwald zwei verdächtige graue Felsen hinausragen. Bis zum halbem Bauch ins Wasser eingetaucht, steht ein Bilderbuch-Elefant vor uns und erntet, was ihm fast von alleine ins Maul wachsen will. Es ist schon ein älterer Bulle, mit starken Stoßzähnen und einem Rüsselansatz wie es der Oberkörper eines Menschen sein könnte (im mobilen Unterricht haben wir gelernt: mit dem Alter wächst auch die Dicke des Rüsselansatzes).

Der hohe Schilfsaum macht es unmöglich zu erkennen, wo der Übergang zum festen Land ist. Viele Wasserlilien - mir als Seerosen vertraut - stehen im Wasser und manchmal auch unserem Boot im Wege. Krokodile entdecken wir keine; das einzige (Renommier-)Krokodil hatte sich schon in der Lodge auf dem Steg ausgebreitet, gerade als wir die Boote besteigen wollten.

Der abendliche Abschluss der Nachmittagstour wird, parallel zum realen Sonnenuntergang, mit einem "Sundowner" zelebriert. Ein Picknick mit Getränken, kleinen Snacks und der äußerst stimmungsvoll versinkenden Sonne. Darauf ein "Pula" (Prost).

5. Tag

Moremi nach Savute

Die Morgen-Safari muss aus logistischen Gründen kürzer ausfallen. Zum Mittag ist Weiterreise angesagt, wieder per Safari-Flugzeug, und mit dem Ziel: Savute Nationalpark. Unser Guide Harrison hatte vor seiner jetzigen Tätigkeit in Xakanaka zwei Jahre dort gearbeitet, also konnte er einige Tipps geben und unsere Erwartung zusätzlich befeuern.

Immer noch und drängender denn je, machen wir uns auf die (fotografische) Jagd nach Leoparden. Harrison, im Fahren halb nach vorne und halb zum Boden neben der Fahrertür äugend, findet eine passende Fußspur. Wir folgen ihr, aber die Diva will sich nicht zeigen.

In vorbildlicher Organisation wird die Reisegruppe erst zum ausgiebigen Brunch und dann zum nahen Rollfeld verbracht. Nur wenige Minuten dauert es, da verrät Brummen am Himmel, dass unsere Lufttaxis schon in der Einflugschneise sind. Über uns steht ein blauer Himmel, der mit mittelgroßen Kumuluswolken gleichmäßig durchsetzt ist, so wie schon an den Vortagen und dennoch verlustfrei bilderbuchschön ist. Diese Wolkenformation wird für mich von nun an "Botswana-Bewölkung" heißen.

Dahinein tauchen wir, das abwechslungsreiche Busch- und Savannenland unter uns lassend. Harrison hatte recht mit seinen Versprechungen, die Savute-Safari-Lodge sei die komfortabelste Unterkunft unter den Lodges des gemeinsamen Betreibers "Desert & Delta Company". Schon auf der Fahrt zum Camp stellen sich einige der Big Five wie auf Bestellung am Wegesrand zur Pose.

Am künstlichen Wasserloch, genau vor der Terrasse unseres Chalets, wartet bereits ein Elefant mit Trink- und Fressvorführung. Beim aktuell niedrigen Wasserstand in Flüssen, Seen und Teichen des Okavango Deltas - das Delta ist kein riesiger See, eher eine Marsch-Landschaft mit vielen Teichen und Flächen, die saisonal mal unter Wasser stehen, nur sumpfig sind oder gar trocken liegen.

Die künstliche Nachhilfe am Lodge nahen Wasserloch garantiert nicht nur die dauerhafte touristische Attraktion, sie ist auch eine echte Lebenshilfe für die durstigen Savannenbewohner während der Dürreperioden. 15.30 Uhr Afternoon Tea, und ab geht es auf Safari. Viel offene Savanne empfängt den Besucher, mit vereinzelten Bäumen und losem Buschwerk bestückt.

Das kommt dem Bild sehr nahe, das man idealistisch von Afrika-Landschaften hat, in dem Löwen und Geparden durchs hohe Gras schleichen. Plötzlich liegen sie einfach da, die Könige der Tiere, als Familie beim Nachmittagsschlummer im schattigen Buschrand. 13 Löwen zählen wir, mit einem männlichen Bruderpaar als Familienvorstand, ein paar erwachsenen Weibchen und mehrheitlich jungen und mittelalten Nachkömmlingen. Alle Tiere sehen richtig propper aus, was nicht verwundert, wenn man die vielen im Areal herumlaufenden Häppchen sieht.

6. Tag

Savute Tagestour

Hurra - es gelingt uns doch noch, einen Leoparden vor die Linse zu bekommen. Angstfrei kreuzt er unseren Weg, nur wenige Meter vom Auto entfernt. Dieses sorglose Verhalten ist sicherlich dem dauernden Besucherdruck geschuldet, an den sich die Tiere letztendlich gewöhnt haben.

Vor fünf Tagen hatte Baba, unser Guide, sie(!) noch mit dickem Bauch gesehen, doch jetzt ist sie wieder schlank und rank. Das Versteck ihrer Jungen vermutet Baba auf einem der 7 Basalt-Hügel, die es in diesem Park gibt. Die Hügel und herumliegenden Gesteinstrümmer sind Vulkan-Überbleibsel aus der erdgeschichtlichen Jugend. Die Kooperation der Guides, per Sprechfunk sich gegenseitig zu informieren, sobald ein interessantes Tier gesichtet wird, und sogleich alle dorthin zu fahren, hat den Charakter einer Hetzjagd. Allerdings ohne deren tödlichen Ausgang.

Wie aus dem Nichts erscheinen bis zu sieben Geländewagen am ansonsten einsamen Besichtigungspunkt. Die letzte Regenzeit war leider verspätet angelaufen und hatte gemeiner Weise auch noch einen Monat zu früh aufgehört. Botswana spürt seit einigen Jahren den Klimawandel, der sich in dem ursprünglich wasserreichen, jedoch sehr flachen Okavango Delta leicht zu einer Dauer-Dürre ausbilden könnte.

Die Park-Administration hat dem entgegen wirkend an einigen wichtigen Plätzen Pumpstationen und künstliche Wasserlöcher angelegt. Eine gute und nachhaltige Symbiose, wie schon am Wasserloch an der Lodge. Den Touristen können die Tiere an bekannten und übersichtlichen Stellen zuverlässig vorgeführt werden, bei gleichzeitiger Hilfe für diese wertvollen Mitgeschöpfe in ihrem immer schwerer werdenden Überlebenskampf.

Die Befürchtung, die ich anfangs hegte, dass die ständige Präsenz von Touristen das arttypische Verhalten der Tiere verändern würde, sehe ich in den großflächigen Game Reserves nicht gegeben. Die Anwesenheit der Autos ist offensichtlich der Nähe von anderen Großtieren vergleichbar (Elefanten, Nashörner etc.). Zumal von diesen viereckigen Blech-Tieren keine Gefahr ausgeht, sind sie ihnen egal - wie die Gnus den Zebras und umgekehrt.

7. Tag

Savute nach Chobe

Der anstehende Grenzübertritt nach Namibia, zur Savanna Lodge im Chobe Nationalpark, verlangt eine Stundenplanänderung. Zur morgendlichen Safari-Tour nehmen wir gleich unser Gepäck mit, da schon um 09.45 Uhr Abflug sein wird. Mit "Qualität statt Quantität" wird uns dieser verkürzte Trip entschädigen.

Das Jagdglück lacht, denn wir stoßen erneut auf unsere Leopardenmutter. Sie ist schon auf dem Heimweg zu ihren Kindern, als sie im Vordergrund eine Gruppe sorglos vor sich hin pickender Guineafowls erblickt. Wir sitzen mucksmäuschenstill im Auto. Tief geduckt schleicht sie sich an die Vögel heran. Doch dann muss eines der Hühner sie entdeckt haben, denn mit lautem Geschrei stieben sie auseinander und fliegen auf.

Die kluge Leopardin weiß wohl, dass die Guineafowls nicht gut fliegen können, denn sie hetzt trotz Erfolglosigkeit hinter, bzw. unter ihnen her. Den nahen rettenden Baum, den die Vögel zum Durchatmen nutzen wollen, springt sie mit einem 3 m-Satz an, rennt geradezu den Baum hoch und hechtet zum avisierten Opfer, das auf einem äußeren Ast sitzt. Mit dem Maul erfasst sie das Huhn und versucht gleichzeitig sich beim Fallen an den viel zu dünnen Zweigen festzuhalten.

Für eine Sekunde hängt sie mit allen Vieren nach oben und dem Rücken erdwärts in bedrohlicher Lage an den nachgebenden Ästen. Doch elegant, wie es sich für eine Katze gehört, dreht sie sich im Fallen um und landete sicher auf dem Boden - das immer noch zeternde Opfer zwischen den Zähnen. Was für eine Demonstration körperlicher Perfektion!

Wir wollen zur Stadt Kasane fliegen, die südlich des Caprivi-Streifens liegt. Dieser Teil Namibias ist durch den Grenzfluss Chobe River von Botswana getrennt. Seine Bedeutung zieht der Ort aus der Anwesenheit eines Flughafens. Diesmal holt uns eine 12-sitzige Maschine ab, die die Gruppe sogar in Einem transportieren kann. Wieder geflogen von Michelle, die schon mit vertrautem Hallo begrüßt wird. Ruhiger Flug und sanfte Landung erwarten uns auf der Asphaltpiste in Kasane.

Es folgt die Ausreiseformalität am botswanischen Ufer, dann mit Booten auf die andere Seite des Chobe zur namibischen Kontrollstation übergesetzt, dann 40 Minuten mit den Booten weiter flussaufwärts bis zum Endziel: Savanna Lodge. Beim Aussteigen am Bootssteg der Lodge hören wir aus der Richtung des Hauptgebäudes einen vielstimmigen Gesang, mit dem uns das Lodge-Personal Willkommen heißt. Schon wieder ein (positives) Überraschungserlebnis, auch diese Lodge erweist sich als Unikat hinsichtlich Architektur und liebevoller Ausstattung. Nicht anders die Gäste-Quartiere, die als strohgedeckte Chalets großzügig übers Gelände verteilt sind. Bereits vor der Chalet-Tür steigt die Neugier, wie spezifisch mag das Innendesign diesmal sein.

Die Nachmittags-Safari ist eine Bootsfahrt auf dem Chobe: einmal rauf und runter. Am Ufer zeigen sich die "üblichen Verdächtigen", Elefanten, Büffel, Giraffen, Antilopen und nicht zu vergessen: Hippos. Als am Himmel die dunklen Wolken sich immer mehr verdichten, es nicht nur in der Ferne grummelt und blitzt, sondern auch Regen auf uns niederprasselt, brechen wir die Tour ab. Den Sundowner gibt es diesmal an der Lodge-Bar.

8. Tag

Chobe Tagestour

In der Nacht hatte es weiter geregnet und auch gewittert. Dabei gab es einmal einen Donnerschlag, der uns nicht nur aus dem Schlaf, sondern beinahe aus dem Bett geworfen hätte, wäre da nicht das Moskitonetz im Wege gewesen. Der Blitz muss in nächster Umgebung der Lodge eingeschlagen haben.

Eine Handvoll Gruppenmitglieder hatte sich für die frühe Wanderung im Umfeld des Camps angemeldet. Mit Regenumhang bewaffnet fahren wir in einen Nebenarm des Chobe River und steigen schließlich irgendwo aus. Von dort wird der Rückweg zur Lodge per pedes absolviert. Der verheißene Informationsgewinn bezüglich Vögeln, Insekten und Pflanzen bleibt aus. Nicht schlimm, weil das Motiv auf unserer Seite ohnehin die ausgiebige Bewegung während der Wanderung war.

Aus Sicherheitsgründen ist es nämlich während der Game Drives nicht gestattet, sich bei den Pausen mehr als 10 m vom Auto zu entfernen. Nach dem erst später eingenommenen Frühstück fährt die wieder aufgefüllte Truppe per Boot zu einem kleinen Village, um ein bisschen die Lebensweise der Einheimischen kennenzulernen - und ein paar der dort handgefertigten Souvenirs zu kaufen.

Das Village (55 Einwohner) wird von der Lodge etwas unterstützt. Nach dem Afternoon Tea soll die gestern abgebrochene Bootstour vervollständigt werden. Doch die meisten Wildtiere halten sich diesmal zurück. Gut, dann richten wir unser Augenmerk eben verstärkt auf die im und über Wasser lebenden Kreaturen. Krokodile und Hippos zeigen sich trotz möglicher Wochenend-Stimmung zur Kooperation bereit.

Gleich mit uns tuckern verschieden große Hotelschiffe auf dem ruhigen Gewässer dahin, dazu noch einige Boote, die danach aussehen, als würde dort eine River Boat Shuffle stattfinden. Es ist Samstag, da werden die jungen Einheimischen aus dem nahen Kasane sicher genauso gerne Party feiern wollen wie überall auf der Welt.

Zum Diner um 19.30 Uhr gehen wir - wildnis-erfahren, wie wir uns schon dünken - allein zum Haupthaus. Nur ein paar Schritte im Dunklen zurückgelegt, da lässt uns das tiefkehlige Rufen eines Löwen erschauern. Innehalten, abschätzen in welcher Richtung und Entfernung der Löwe stehen könnte. Gefühlt befindet er sich genau zwischen uns und dem Haupthaus. Dann doch lieber zurück ins Chalet und dort gewartet, bis der Escort uns verabredungsgemäß abholt.

Im Gespräch mit ihm erfahren wir, dass zwar unsere Richtungseinschätzung gestimmt hat, der Löwe selbst aber noch sichere 200 m jenseits des Hauses entfernt war. Die Dunkelheit mag ihren Teil beigetragen haben, dass uns das königliche Organ so nah vorkam.

9. Tag

Chobe nach Victoria Falls

Um 9.00 Uhr finden wir uns am Bootssteg der Lodge ein, inklusive Gepäck, weil die Weiterreise nach Victoria Falls/Simbabwe ansteht. Noch mal alle lästigen Aus- und Einreiseprozeduren für Namibia und Botswana.

Mittlerweile weiß ich auch, dass der Namensteil "Tswana" den um 1600 eingewanderten Volksstamm im heutigen Botswana bezeichnet, der die Urbevölkerung der kleinwüchsigen Sana (Buschmänner) in die heutige Minderheitenposition gedrängt hat.

Ein Kleinbus bringt uns zur Grenzstation nach Simbabwe. Wie überall auf der Welt, je ärmer und rückständiger ein Land ist - Simbabwe gehört zu den Ärmsten - umso ausgiebiger zelebriert es die Bürokratie der Grenzformalität. Auf dem Weg von der Grenze zum A’Zambesi Hotel in Victoria Falls quert unterwegs das inoffizielle Wappentier Simbabwes stolz und fotogen die Straße.

Eine Riesen-Rappenantilope, die stark vom Aussterben bedroht ist (nur noch 70 Exemplare im Hauptverbreitungsgebiet Angola). Ein dunkles kräftiges Tier, fast so hoch wie ein Pferd. Laut Guide wehrt sich das Tier bei einem Löwenangriff, der zumeist von hinten auf den Rücken des Opfers erfolgt, durch eine rückwärtige Dolchstoßbewegung seiner langen, nach hinten gebogenen Hörner.

Victoria Falls hat 66 000 Einwohner; die Umgebung ist hügelig und sieht sehr fruchtbar aus. Man versteht leicht, dass Simbabwe in Vor-Mugabezeit die Kornkammer Afrikas und ein wohlhabendes Land gewesen sein muss. Von einem Hügel können wir über den Grenzfluss Sambesi hinweg, in ca. 10 km Entfernung, die Großstadt Livingstone/Sambia erblicken.

Diesmal empfängt uns nicht das familiäre Ambiente einer Lodge, sondern ein Hotel. Schon sickern die kleinen Annehmlichkeiten eines Hotelbetriebes ins Gemüt, wie Nachrichten im TV sehen, W-LAN auf dem Zimmer, variable Tischzeiten etc. Trotz vorhandenem, wenn auch langsamem Internet-Anschlusses in den Lodges, fehlte mir der Kontakt zur Welt jenseits der Nationalparks doch etwas.

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung, d. h. auf zur Shoppingtour in Victoria Falls (trotz Sonntag haben viele Geschäfte wenigstens bis 17 Uhr geöffnet). Endlich finden wir auch ein in Form und Größe passendes, und mit jedem Tag begehrenswerter gewordenes Holz-Hippo. Warum auch immer ist uns gerade dieses Tier ans Herz gewachsen, obwohl laut Statistik kein anderes der großen Tiere mehr Menschen tötet als das Flusspferd. Doch mit seinen runden Formen, so gemütlich im Wasser liegend und ab und zu die kleinen Kugelohren wackelnd, verbreitet es offensichtlich ein sympathisches Gemütlichkeitsschema. Den beruhigenden Grunzton kann ich schon etwas nachmachen.

10. Tag

Victoria-Falls

Das Highlight der Reise naht. In der Ferne steigt Wasserdampf auf, als käme er vom Kühlturm eines Kraftwerks. Vorgewarnt, dass die vom Wasserfall verursachten Regenfälle am Ende zur gleichen Durchnässung führen, als stünde man direkt unterm Wasserfall, verhüllen sich die meisten Gruppenmitglieder mit Regenumhängen.

Und tatsächlich, auf dem etwa 1.3 km langen Wanderweg entlang der Schlucht, über dessen gegenüberliegender sambianischer Kante sich der Sambesi in vielen Teilströmen erbricht, wechselt das Klima zwischen leichtem Nieselregen und heftigem(!) Regenguss.

Die Thermohydraulik des tosenden Wassers entwickelt ein eigenes Klima, mit teils kräftigen Böen und besagtem Dauerregen. Doch in nur 100 m Entfernung von der Schlucht herrschen bereits wieder die normalen Wetterverhältnisse.

Viel Wasser fließt den Sambesi und den Katarakt herunter, denn wir befinden uns am Ende der Regenzeit. Ein schwieriges Unterfangen, seine tiefseeuntaugliche Kamera sicher und trocken zu halten und dennoch die eine oder andere Aufnahme in den Kasten zu bringen. Trotz aller Mühe weisen insbesondere die späteren Bilder im Display Wasserflecken auf. Hoffentlich trocknet der Apparat schadensfrei aus. Was für die Kleider kein Thema ist, die sind schon eine Stunde später wieder trocken, die Schuhe schaffen es immerhin bis zum nächsten Morgen.

Als Abschluss - wenn auch nicht als krönender - findet zum Nachmittag eine Bootsfahrt auf dem Sambesi statt, eine Vergnügungsfahrt mit Bewirtung. Jetzt, zum Schluss der Tour, ist es nicht mehr ganz so aufregend, wenn sich ein einzelner Leguan oder Krokodil am Ufer zeigt, und selbst die Entdeckung von Hippos ist fast schon "business as usual". Immerhin wurde die Flussfahrt noch ein gemütlicher Ausklang, den man zu intensiveren Gesprächen mit den vertraut gewordenen Mitreisenden verwenden konnte.

11. Tag

Abreise

Ein ähnlich langer Trip wie auf der Hinreise wirft seinen drohenden Schatten voraus. 10:00 Uhr auschecken und Fahrt zum Airport von Victoria Falls. Schon nächstes Jahr soll es im dann von Chinesen zügig ausgebauten Flughafen (wenn’s hochkommt, zwei Jahre Bauzeit; kein Vergleich mit dem BER in Berlin) Direktverbindungen nach Frankfurt/Main geben.

Erst nach 13.00 Uhr hebt der Flieger Richtung Süden, Johannesburg, ab. Dort 4 ½ h Wartezeit in Souvenir- und Cafeshops totschlagen, bis um 19.30 Uhr der SAA-Airbus 340 Johannesburg Richtung Norden verlässt. Gerüchteweise ist schon zu Ohren gekommen, dass in Deutschland ein Schneesturm übers Land fegen würde. Ob dadurch die vorgesehene Landung in Frankfurt in Frage gestellt wird? Es geht aber alles glatt - bis wir am Bahnsteig stehen.

Mehrere Züge sind aufgrund der Sturmschäden bereits ausgefallen oder werden Verspätung haben. Na prima, warum sollte die Bahn-Rückfahrt besser laufen als die Hinfahrt. Anruf nach Hause, man brauche uns erst eine Stunde später am Zielbahnhof abholen. Doch "Ende gut, (fast) Alles gut" kommen wir irgendwann müde zu Hause an.

Resümee

Die eigentliche Reise (innerhalb Afrikas) war ein echter Erfolg! Eine sehr klug ausgewählte Folge an Etappen hielt die Spannung hoch und ermöglichte ein weites Erlebnisspektrum. Vier in der landschaftlichen Struktur ungleiche Nationalparks, mit ebenso verschiedenem Wildtierbestand, darin die Lodges mit spezifischem und ansprechendem Interieur.

Für uns Normaltouristen, die lediglich einen Eindruck von der wilden afrikanischen Natur bekommen wollten, ist der nominell kurze Zeitraum völlig ausreichend. Es ist nun mal so, der 237-te Elefant hat unvermeidlich Ähnlichkeit mit dem ersten und 20 anderen auch. Die Zeit, um ganz seltene Begebenheiten zu erhaschen, können und wollen wir uns sowieso nicht nehmen. Die Reise war daher von Berge & Meer genau richtig getimed!

Ein großes Kompliment an Regierung und Bewohner des Staates Botswana, vertreten durch die in den Reservaten und Lodges angestellten Mitarbeiter. Ihre Freundlichkeit und die geradezu preußische Disziplin bescherten uns ein schönes und ungetrübt von sonst üblichen Randproblem(ch)en garniertes Reiseerlebnis.

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