Mai 2017

Reisebericht: Rumänien - Wandern in einer der ursprünglichsten Region Europas

Folgen Sie unserem Chronisten durch die charmanten Dörfer und historischen Städte Siebenbürgens. In Sibiu, Medias und Brasov kann man die Vergangenheit allerorts spüren.

Chronist Werne in Rumänien
Mein Tipp

Auf den Spuren der Geschichte Rumäniens

Werner, Berge & Meer Chronist

Liebe Reisefreunde,

Reisen in alle Welt ist schon seit vielen Jahren meine Leidenschaft. Gerne darf es auch etwas abenteuerlich sein. Für die Erlebnisreise nach Siebenbürgen habe ich mich entschieden, weil neugierig auf dieses Land bin. Ich weiß bisher nur, dass es in dem armen Balkanstaat, welcher schon 10 Jahre EU-Mitglied ist, einen blutrünstigen Vampir und einen schlimmen Diktator gegeben haben soll. Peter Maffay ist dort geboren und in den Wäldern leben angeblich noch viele wilde Bären und Wölfe. Ich bin schon sehr gespannt was mich erwartet und werde jeden Tag darüber berichten.

Euer Chronist
Werner

1. Tag:

Ankunft - Azuga - Predeal

Um 11.30 Uhr startet der Airbus der rumänischen Fluggesellschaft TAROM leicht verspätet in Frankfurt. Auf dem Flug bei gutem Wetter über Tschechien, Slowenien und Ungarn gibt es ein einfaches Mittagessen. Schon nach 2 Stunden Flugzeit landen wir auf dem Flughafen im Norden von Bukarest. Die Uhr muss man eine Stunde vorstellen. In Rumänien gilt die osteuropäische Zeit. Am Flughafen Bukarest begrüßt der freundliche Reiseleiter Michael die 18 erwartungsfrohen Gäste aus Deutschland. Er ist ein 26 jähriger Student mit einem etwas harten Akzent. Man kann ihn aber gut verstehen. Mit einem modernen Reisebus, sogar mit Bordtoilette, geht es gleich los auf der E60 in Richtung Siebenbürgen.

Viel mehr als das Gewerbegebiet mit Autohäusern und Baumärkten bekommen die Reiseteilnehmer von der Landeshauptstadt nicht zu sehen. Die etwas eintönige Fahrt nach Norden führt zunächst durch die fruchtbare Tiefebene der Walachei. Währenddessen informiert uns Michael über Land und Leute in Rumänien und über den Ablauf der folgenden Tage, die er uns begleiten wird. Unterwegs machen wir an einer Tankstelle eine Toiletten pPause. Die Toiletten sind sauber und kostenlos.

Nach etwa 2 Stunden Fahrt führt die sehr gut ausgebaute, vierspurige Straße in das waldige Vorland der Südkarpaten. Ziel ist das Städtchen Azuga im Prahova-Tal. Dort befindet sich die renommierte Sektkellerei Rhein, der wir einen Besuch abstatten wollen. Seit 1892 werden hier hervorragende Schaumweine mittels Flaschengärung hergestellt. Früher war Rhein/Azuga sogar königlicher Hoflieferant der rumänischen Könige aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen. Es gibt aber auch sehr gute Rot- und Weißweine aus dieser Kellerei. Inzwischen gehört das, von dem Deutschen Wilhelm Rhein gegründete Unternehmen einem englischen Investor. Nachdem wir uns ausgiebig von der Qualität dieser Edelbrause überzeugt haben und auch nicht wenige Fläschchen den Besitzer wechseln, geht es froh gelaunt in den nahe gelegenen Ort Predeal.

Das Städtchen liegt 1.093 m hoch und wird umrahmt von fünf beeindruckenden Bergmassiven, welche vor allem Wintersportler und Wanderer anlocken. Die Nacht verbringen wir in dem kleinen Hotel Piemonte. Empfangen werden wir mit einem Blaubeerlikör. Dann wird jedes Mitglied des Personals einzeln vorgestellt. Das Hotel liegt zwar direkt an der Durchfahrtsstraße und ist etwas in die Jahre gekommen, aber die Zimmer sind groß und sauber, das Personal ist freundlich, das Essen schmackhaft, die Getränkepreise günstig und das W-LAN gratis. Was will man mehr? Am Abend haben wir noch Gelegenheit die Mitreisenden näher kennen zu lernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

2. Tag:

Predeal - Bran - Wasserfall - Cartisoara

Gleich nach dem Frühstück geht es nach Törzburg (Bran). Dort thront ziemlich spektakulär auf einem steilen Felsen die mittelalterliche Burg mit ihren Türmen, Erkern und Zinnen. Erbaut wurde die Burg 1377 von den Siebenbürger Sachsen aus Brasov um die Passstraße zu schützen und um Türkeneinfälle abzuwehren.

Die Burg wird vor allem mit dem allseits als blutrünstig bekannten Fürsten Dracula in Verbindung gebracht. Einen derartigen Fürsten gab es tatsächlich. Es handelt sich um Vlad III. Draculea, welcher im 15. Jahrhundert mit Vorliebe seine Gegner pfählen ließ und deshalb auch den Beinahmen „Tepes“ (der Pfähler) erhielt. Es handelt sich um eine sehr grausame Hinrichtungsart, bei welcher ein eingefetteter Holzpfahl durch die rückwärtige Körperöffnung eingeführt und durch den gesamten Körper getrieben wurde, was zu einem langsamen und qualvollen Tode führte. Nach zeitgenössischen Quellen dürften tausende Osmanen, politische Gegner und deutsche Kaufleute so ums Leben gekommen sein. Ganz aus der Mode gekommen scheint diese Todesart jedoch nicht zu sein. Nach Scholl-Latour ist auch Gaddafi so gestorben.

Jedenfalls dienten die Schauergeschichten als Vorlage für den Roman des Irischen Schriftstellers Bram Stoker. Die Ceausescu-Regierung verlegte den Wohnsitz Draculas aus touristischen Gründen auf die Burg Bran (Törzburg), obwohl Vlad III. wohl nie hier war. Es gibt aber auch keinen Beweis, dass er nicht hier war.

Den 500.000 Besuchern, die jährlich den rund 15-minütigen Aufstieg vom Parkplatz über einen Park zum Seitenportal auf sich nehmen, ist dies anscheinend egal. Auf dem Weg zum Kassenhäuschen geht es an zahlreichen Verkaufsständen vorbei, an denen Dracula gnadenlos vermarktet wird. Da kann einem der Bösewicht fast schon wieder leid tun. Man bekommt neben allerlei Volkskunst Dracula Souvenirs in jeglicher Form angeboten. Die Burg wurde 1920 an die rumänische Königin Maria übergeben, welche die Innenräume im Stil eines Jagdschlosses umgestaltete. Von der ursprünglichen mittelalterlichen Möblierung ist nichts mehr vorhanden. Trotzdem lohnt sich die Besichtigung wegen der schönen Lage, der Architektur und der Aussicht aus dem mehrfach umgebauten Gemäuer. Wir entfliehen nun dem Dracula-Rummel und fahren nach Fogarasch, wo wir eine Mittagspause einlegen.

Anschließend fahren wir auf einer schönen Serpentinenstraße Richtung Balea-Pass. Leider können wir mit dem Bus den Gletschersee nicht erreichen, weil dort noch Schnee liegt. Wir entscheiden die antiquierte Seilbahn zum See nicht zu benutzen und stattdessen zu einem Wasserfall zu wandern. Über Stock und Stein entlang eines Gebirgsbaches kommen wir schließlich an einem eindrucksvollen Wasserfall an, dessen Anblick für den doch recht beschwerlichen Aufstieg entschädigt. Auf dem gleichen Weg geht es wieder zurück zum Bus.

Wir fahren nun am Fuße des schneebedeckten Fogarascher Gebirges vorbei zum Dorf Cartisora (Oberkerz) und besichtigen eine frühgotische Kirchenburg, in welcher ein Zisterzienserkloster beheimatet war. Heute ist es eine malerische Ruine. In einem der noch erhaltenen Gebäude ist die evangelische Kirche untergebracht. Der gesamte Gebäudekomplex macht einen sehr gepflegten Eindruck. Der verantwortliche Pfarrer ist ein hünenhafter Siebenbürger Sachse. Er betreut als guter Hirte die letzten verblieben Schäflein in mehreren Gemeinden. Wir lauschen seinem äußerst kurzweiligen aber auch nachdenklichen Vortrag über die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und über die Zukunftsaussichten seiner Gemeinde.

Kaum vorstellbar ist, dass in Siebenbürgen einmal ca. 800 000 Deutschstämmige wohnten, welche hier ein blühendes Gemeinwesen aufgebaut hatten. Sie waren im Mittelalter vor allem den Angriffen der Osmanen und Tataren ausgesetzt. Bis auf einige wenige Zurückgebliebene sind nun alle fort. Sie wurden je nach politischer Lage umgebracht, deportiert, freigekauft, umgesiedelt oder sie sind ausgewandert. Die sogenannten Siebenbürger Sachsen hinterließen ein ca. 850-jähriges kulturelles Erbe, welches nun unaufhaltsam dem Verfall preisgegeben ist. Nachgerückt sind vor allem Roma, welche oft nicht das Interesse und den Ehrgeiz haben die historischen Gebäude zu erhalten.Wir hätten noch lange dem Pfarrer zuhören können. Leider müssen wir noch ein gutes Stück zu unserem Hotel fahren.

Ziemlich müde von den zahlreichen Erlebnissen kommen wir dann gegen 19.30 Uhr im Hotel Vila Briana Paltinis an. Das Hotel befindet sich weit außerhalb jeder Ortschaft an einer Nebenstraße. Das hat den Vorteil, dass es absolut ruhig ist. Wir sind auch die einzigen Gäste.

Während des Abendessens können wir noch einmal den Tag Revue passieren lassen. Die Geschichte von Vlad III. Dracula beschäftigt doch noch manchen Reisegast. Nachdem nämlich Vlad selbst auch keines natürlichen Todes gestorben war, wurde sein Kopf in Honig eingelegt dem Sultan in Konstantinopel überbracht. Der Körper wurde auf einer Insel bei Bukarest bestattet. Als man das Grab öffnete, fand man keinen Leichnam. Dies gibt mir wiederum zu denken. Ich werde den Wirt fragen, ob er nicht einen Knoblauchschnaps hat.

3. Tag:

Hotel Vila Briana - Hohe Rinne - Sibiel - Hotel Vila Briana

Nachdem wir die Nacht in dem einfachen Hotel Vila Briana recht ruhig verbracht haben, geht es nach dem Frühstück zunächst zu einem Dorf am Fuße des Cidrel-Gebirges, wo wir uns in einem kleinen Krämerladen mit Proviant eindecken.

Die dreistündige Vormittagswanderung beginnt bei der Hohen Rinne (Paltinis) auf einer Höhe von 1.400 m. Auf einem unbefestigten Waldweg geht es gemächlich bis auf eine Almwiese auf 1.600 m. Auch in Rumänien hat der Borkenkäfer gewaltig zugeschlagen. Zahlreiche umgestürzte Baumstämme versperren den Weg. Die Mittagspause auf der Almwiese wird musikalisch umrahmt von Kukuksrufen. Überall blühen wilde Krokusse und Sumpfdotterblumen. Die Almwiese wird von einer Schafherde baumfrei gehalten. Der Rückweg erfolgt durch einen Wald voller Heidelbeersträucher und endet an einer Skipiste. Unterwegs treffen wir kaum andere Wanderer. Bei den Rumänen ist das Wandern nicht sehr populär.

Anschließend fahren wir in das Dorf Sibiel (Budenbach). Bei einer rumänischen Familie bekommen wir Kaffee und Kuchen sowie den unvermeidlichen Schnaps angeboten. Dann besichtigen wir die orthodoxe Dorfkirche. Äußerlich könnte man sie für eine evangelische Kirche halten. Man ist völlig überrascht, wenn man eintritt und eine bunt bemalte Kuppel sowie eine Ikonostase vorfindet. Neben der Kirche und dem Friedhof befindet sich das sehenswerte Hinterglasikonen-Museum. Ein verstorbener Priester hat hier zahlreiche naiv gemalte Hinterglasikonen aus ganz Rumänien zusammen getragen. In einem Kiosk ganz in der Nähe kann man neu gemalte Hinterglasikonen auch käuflich erwerben. Davor brütet ein Storch auf einem abenteuerlich verkabelten Telefon- und Strommasten.

Eine zweistündige Wanderung über Streuobstwiesen führt uns zu einem benachbarten Dorf, wo wir auch die orthodoxe Kirche besichtigen.

Am Abend sind wir zu Gast in einem ehemaligen Bauernhof in Sibiel. Die Besitzer haben die Bewirtung von Feriengästen als Einnahmequelle entdeckt. Dabei geht es ziemlich rustikal zu. Eine Trachtengruppe führt rumänische Volkstänze vor, an denen sich die Gäste auch beteiligen. Als Hauptspeise gibt es Krautwickel mit Maisbrei. Zu den rumänischen Gerichten gibt es neben Wein natürlich Schnaps. Angeboten wird er vor dem Essen, während des Essens und nach dem Essen. Rumänische Obstbrände haben zwischen 50 und 55 % Alkoholgehalt, oft sogar mehr. Sie werden meist schwarz gebrannt und zu jedem Anlass getrunken. Als nach dem EU-Beitritt die Brennerlaubnis auf 50 l pro Haushalt beschränkt wurde, kam dies bei vielen Familien auf dem Land einer Katastrophe gleich. Gott sei Dank wird nur selten kontrolliert.

Übrigens sollte man rumänischen Trinkgenossen nicht zuprosten. Prost heißt auf Rumänisch nämlich Dummkopf. Dieses Missverständnis wird kaum zur Völkerverständigung beitragen. Man sollte es eher mit „Noroc“ versuchen, was so viel wie Glück bedeutet.

4. Tag:

Vila Briana - Rasniari - Trainei - Poplaca - Sibiu - Vila Briana

Unsere heutige Wanderung beginnt in Rasniari (Städterdorf). Die Bevölkerung lebt hier von der Holzwirtschaft, von der Schafzucht und von der Schafskäse Herstellung, wofür die Ortschaft auch berühmt ist. Die bunten Häuser stehen, wie in Siebenbürgen üblich, in Reih und Glied. Auf einen Giebel folgt ein Tor dann wieder ein Giebel und ein Tor. So bildet sich eine geschlossene Straßenfront, hinter der sich das private Leben für Fremde unsichtbar abspielt.

Nachdem wir den Ortsrand verlassen haben, wandern wir auf einem unbefestigten Feldweg hinauf auf eine Anhöhe, von der man noch einmal einen schönen Blick auf das idyllisch zwischen Obstbaumhainen gelegenes Dorf hat.

Zwischen Blumen übersäten Frühlingswiesen geht es weiter bis zu einem kleinen Weiler mit etwa 20 Häusern namens Trainei. Hier hausen vor allem Roma, welche sich selbst "Tigani", also Zigeuner nennen, in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Hühner tummeln sich auf der unbefestigten Hauptstraße und aus jedem Gehöft bellen die Hofhunde. Statt Autos hat man hier Pferdefuhrwerke. Das Dorf scheint aus der Zeit gefallen und vergessen worden zu sein. Vielen Roma in Rumänien geht es ähnlich schlecht. Nur wenige Roma Fürsten sind, auf welchen Wegen auch immer, zu großem Reichtum gelangt und stellen diesen mit ihren phantasievollen Villen protzig zur Schau.

Die schöne Wanderung endet nach etwa 5 km im Dorf Poplaca (Gunzendorf), wo gerade ein Radrennen stattfindet. Unterwegs kamen wir auch an einigen unschönen wilden Müllkippen vorbei. Der rumänische Staat bemüht sich und richtet Naturschutzgebiete ein. Bei Teilen der Bevölkerung scheint das Umweltbewusstsein jedoch stark unterentwickelt zu sein.

Den Nachmittag verbringen wir in der schönen Stadt Sibiu (Hermannstadt). Die von Siebenbürger Sachsen gegründete Metropole besitzt südliches Flair und könnte sich genauso gut in Süddeutschland oder Österreich befinden. 2007 war Sibiu sogar europäische Kulturhauptstadt. Wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen hat der ehemalige Bürgermeister Klaus Werner Johannis. Seit 2014 ist er sogar Staatspräsident.

Mit Hilfe der EU entstand eine Vorzeigestadt für Rumänien. Beeindruckend sind die großartigen Plätze und die gut erhaltenen renovierten Gebäude aus verschiedenen Epochen. Während unseres Aufenthaltes findet ein internationales Jazz-Festival statt.

Eine nette Legende erzählt man sich über die 1859 errichtete gusseiserne Lügenbrücke. Diese würde nämlich erbeben und einstürzen, falls sie ein Lügner betritt. Ich habe vorsichtig meinen Fuß darauf gesetzt und sie sogar überquert. Die Brücke steht immer noch.

5. Tag:

Vila Valor - Birthälm - Reichesdorf - Meschen - Mediasch - Bazna

Heute stehen Kirchen und Kirchenburgen auf unserem Programm. Siebenbürgen ist berühmt für seine 160 mehr oder weniger gut erhaltenen Kirchenburgen von denen 6 sogar unter dem Schutz der UNESCO stehen. Die Bevölkerung konnte sich in früheren Zeiten bei Gefahr darin zurückziehen. 4 dieser Kirchenburgen und Kirchen wollen wir heute besichtigen.

Unsere Fahrt führt uns zunächst durch eine liebliche Landschaft mit verschlafenen Dörfern aus denen überall ein spitzer Kirchturm hervorlugt. An manchen Wohnhäusern erinnern deutsche Inschriften an die früheren Bewohner. Am Ortsrand eines alten Dorfes sieht man Häuser der Neubürger. Reiche Roma haben hier riesige Villen mit einer sehr phantasievollen Architektur gebaut. Die Fahrt endet in dem Dorf Birthälm.

Dominant auf einem Hügel mitten im Ort trohnt die mächtige Kirchenburg Birthälm. 3 Mauerringe schützten die Burg vor Angriffen von Osmanen und Tartaren. Es handelt sich um die größte und wehrhafteste Kirchenburg Siebenbürgens. Das Prunkstück der Kirche ist der Hochaltar von 1524. Beeindruckend ist auch die raffinierte Mechanik des riesigen Fallenriegel-Schlosses an der Tür zur Sakristei.

Nur 6 km weiter wartet schon die nächste Attraktion auf uns in Reichesdorf. Der 84-jährige Kurator Jochen Schass stellt uns voller Stolz seine Dorfkirche vor. Es handelt sich um eine ehemalige Kirche des Zisterzienserordens mit geheimnisvollen Steinmetz Arbeiten. In den Reliefs der Säulen kann man verborgene heidnische Symbole und Gesichter aus keltischer Zeit erkennen. Was den Steinmetzen im 14. Jahrhundert veranlasst hat derartige heidnischen Symbole aus der vorchristlichen Keltenzeit in einer christlichen Kirche darzustellen, bleibt wohl ein Geheimnis.

Herr Schass erzählt in einer sehr sympathischen Art auch vom früheren Leben der Siebenbürger Sachsen in dem Weindorf Reichesdorf. Weinstöcke gibt es hier schon lange nicht mehr. Der Wein aus Siebenbürgen war in früheren Zeiten überall sehr begehrt. Die Weinrebe "Silvaner" kommt ursprünglich auch von hier. Jochen Schass und seine Frau sind die letzten Siebenbürger Sachsen in Reichesdorf. Wer nach ihnen dieses Kirchenjuwel beschützen soll, wissen sie nicht. Es gibt keinen Nachfolger.

Die nächste Station ist die imposante Kirchenburg Meschen. Frau Marianne Rempler führt uns durch das alte Gemäuer mit Wehrgang, Speckturm und Kirche. Sie betreibt auch eine Pension für Feriengäste im Pfarrhaus. Voller Stolz erzählt sie, dass auch schon Prinz Charles hier gewesen sei und sich für die Wehranlage interessiert habe. In Meschen leben auch nur noch 6 Siebenbürger Sachsen und es sind alles ältere Leute.

Unsere letzte Kirche heute ist die Margarethenkirche in Mediasch. Es handelt sich um die Stadtkirche in der 50.000 Einwohner zählenden Ortschaft. Eine Schülerin aus der benachbarten deutschen Schule erklärt uns die Sehenswürdigkeiten in der Kirche. Die evangelische Gemeinde hat immerhin noch 800 Gemeindemitglieder.

Zum Abschluss des heutigen Tages ist es den Reiseteilnehmern freigestellt an einer zweistündigen Wanderung durch den Wald über einen Hügel nach Bazna teilzunehmen. Dort befindet sich unser Hotel, wo wir den Tag ausklingen lassen.

6. Tag:

Bazna - Boian - Bazna

Heute fahren wir mit dem Planwagen von Bazna nach Boian (Bonnesdorf). Mit 2 PS ziehen wir gemächlich an den fruchtbaren Feldern vorbei. Bauern winken uns freundlich zu. Auf den Wiesen grasen Kühe und die Störche suchen nach Futter.

Im Tante-Emma-Laden machen wir einen Zwischenstopp und decken uns mit Proviant ein. Die Lebensmittel in Rumänien sind für uns wirklich billig. Wir gehen dann zu Fuß durch das Dorf in Richtung Kirche. Es fällt auf, dass hier sehr viele Roma leben. Die Männer sitzen vor dem Haus und haben anscheinend keine Arbeit.

In der mächtigen Kirchenburg von Bonnesdorf werden wir vom Planwagen Kutscher mit einem Glas Weißwein begrüßt. Die evangelische Kirche strahlt einen eigentümlich, morbiden Charme aus. Man sieht, dass hier schon lange keine Gottesdienste mehr stattgefundenen haben. In dem Ort leben auch keine deutschstämmigen Einwohner mehr, welche sich um die Erhaltung der Kirche kümmern könnten.

Wir begeben uns nun auf die Wanderung zurück nach Bazna auf einem Feldweg und dann auf einem Fußpfad durch die Felder und Wiesen. Am Wegrand blühen Heckenrosen, der Kuckuck ruft aus dem nahen Wald und die Schäfer hüten ihre Herden. Unterwegs begegnen wir einem ca. 30 jährigen Siebenbürger Sachsen, welcher uns stolz seine Bienenkästen zeigt und von seinen Zukunftsplänen hier in Rumänien erzählt.

Nachdem wir uns im Hotel Casa Bazna etwas frisch gemacht haben, gehen wir zur Kirchenburg von Bazna. Früher hieß der Ort Baaßen. Die Kirche steht imposant auf einem Hügel und ist über eine lange Treppe zu erreichen. Das Prachtstück der Kirche ist die Barockorgel mit einem hervorragenden Klang. Wir dürfen einem Orgelkonzert beiwohnen, was für mich den Höhepunkt des Tages darstellt. Anschließend können wir noch auf dem Turm die uralten, vorreformatorischen Glocken bewundern. Leider hat die evangelische Kirchengemeinde nur noch 13 Siebenbürger Sachsen als Mitglieder und die sind auch nicht mehr die Jüngsten.

Nach dem Abendessen gibt es rumänische Folklore. Zwei Musiker spielen rumänische Volksmusik. Dazu tanzen drei Paare in ihren Trachten Volkstänze.

7. Tag:

Bazna - Sighisoara - Brasov - Predeal

Unser bisheriger Reiseleiter Michael musste uns leider verlassen, was wir alle sehr bedauern. Er hat einen Prüfungstermin an der Uni. Die Deutschkenntnisse des Ersatz-Reiseleiters sind bei Weitem nicht so gut.

Zunächst fahren wir gute 2 Stunden nach Sighisoara, dem früheren Schäßburg. Die Stadt hat knapp 30.000 Einwohner und liegt an dem Fluss Nagy-Küküllő (Große Kokel). Die mit einer Ringmauer und Wehrtürmen versehene, mittelalterliche Stadtburg wurde im Jahr 1999 wegen ihrer Einzigartigkeit zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Vom Busparkplatz in der Unterstadt gehen wir die Strada Turmuli hinauf auf die Oberstadt und kommen direkt am Wahrzeichen an, welches alles überragt und den Blick auf sich zieht. Es handelt sich um den mächtigen Stundturm aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Einige Reiseteilnehmer besichtigen das kleine Stadtmuseum im Turm und genießen vom obersten Stockwerk von einer offenen Holzgalerie die Aussicht auf die Altstadt mit ihrem Häusergewirr.

Ganz in der Nähe des Turms soll angeblich Vlad III., also der berühmte Dracula geboren sein. In seinem Geburtshaus wird deshalb im Dracula-Restaurant eine blutrote Tomatensuppe angeboten und Dracula-Kaffee verkauft. Im oberen Stockwerk kann man sein Geburtszimmer besichtigen mit einem fast echten Dracula, der zu Gruselmusik aus seinem Sarg steigt. Man hat in der Nähe sogar ein Dracula-Denkmal aufgestellt. Die Rumänen verehren ihn als Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit. Seine Grausamkeiten sieht man ihm großzügig nach.

Über holpriges Pflaster aus Flusskieseln schlendern wir durch die engen Gassen mit den hübschen, renovierten, alten Häusern. Ein weiteres Wahrzeichen ist die Schäßburger Burgkirche auf einem Hügel über der Altstadt. Der Zugang erfolgt über einen langen, überdachten Weg mit vielen Stufen. Die evangelische Kirche beherbergt historische Stollentruhen aus dem 16. Jahrhundert, Wandmalereien, alte Teppiche sowie einige Altäre und sakrale Gegenstände aus aufgelassenen Kirchen aus dem Kirchenbezirk Schäßburg.

Nach einer Mittagspause geht es weiter nach Brasov (Kronstadt). Die 250.000 Einwohner zählende Großstadt war früher eines der Zentren der Siebenbürger Sachsen. Zahlreiche, gut erhaltene Bürgerhäuser zeugen vom Wohlstand der ehemaligen Bewohner. Heute ist es eine modern anmutende Universitätsstadt mit vielen Straßencafés in der Fußgängerzone, schicken Boutiquen und hippen Bars in den historischen Gebäuden. Wir besichtigen die riesige schwarze Kirche von Kronstadt mit ihrer alten Teppichsammlung, Wandgemälden und Altären aus anderen Kirchen. Danach haben wir Freizeit und können die Stadt auf eigene Faust erkunden.

Ab 17 Uhr fahren wir nach Predeal in das Hotel Piemonte, wo wir schon am ersten Tag übernachtet hatten. Es war das beste Hotel auf der ganzen Reise.

8.Tag:

Predeal - Sinaia - Bukarest - Frankfurt

Auf der Fahrt in Richtung Bukarest machen wir Halt im Ferienort Sinaia. Der Ort hat seinen Namen von dem Berg Sinai. Dort war im 17. Jahrhundert der Adlige Mihail Cantacuzino, welcher hier nach seiner Rückkehr 1695 ein Kloster bauen ließ.

Zunächst besuchen wir die reich bemalte orthodoxe Kapelle. Weiter oben am Berg steht das zwischen 1873 und 1883 erbaute Schloss Peles. Es diente als Sommerresidenz des, im Rumänien immer noch sehr beliebten Königs Karl I. aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen. Es wurde erbaut im historisierenden Stil nach dem Geschmack der damaligen Zeit. Die 160 Innenräume sind überladen mit einer verschwenderischen Fülle von kostbaren Kunstwerken, Schnitzereien, Gemälden und reich verzierten Möbeln. Sehenswert ist auch die umfangreiche Waffensammlung. Nachdem wir einige der beeindruckenden Zimmer besichtigen konnten, fahren wir zum Flughafen, wo wir um 16 Uhr dann unseren Heimflug nach Frankfurt antreten.

Fazit:

Wer einen Urlaub abseits der ausgetretenen Touristenpfade bevorzugt und an Natur, Kultur und Geschichte interessiert ist, für den ist Siebenbürgen genau richtig. Die Preise sind für uns extrem niedrig wie auch die Kriminalität. Der Reiseleiter meinte, dass die Ganoven alle in Deutschland ihrem Handwerk nachgehen würden. In Rumänien wäre man sehr sicher. Ich kann die Reise nach Siebenbürgen durchaus weiterempfehlen und interessiere mich nun auch für die anderen Landesteile Rumäniens.

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