Februar - März 2011

Reisebericht: Vietnam - Das Land des aufgehenden Drachens

Bewundern Sie vielfältige Landschaften, traumhafte Buchten und grüne Hochländer. Städte wie Hanoi und Ho-Chi-Minh-City machen diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis. Lassen Sie sich vom Charme Vietnams verzaubern.

Chronistin Karin in Vietnam
Mein Tipp

Charme des Landes des aufgehenden Drachens erleben

Karin, Berge & Meer Chronistin

Guten Tag,

mein Name ist Karin. Ich bin Jahrgang 1948 und wohne in der Nähe von Bremen.

Als Jugendliche habe ich im Erdkundeunterricht davon geträumt, all die fernen Länder zu sehen. Damals undenkbar, kann ich diese Träume heute, wenn auch im bescheidenen Rahmen als Pauschaltourist, verwirklichen. Inzwischen habe ich auch meinen Mann dafür begeistern können. Ihn locken aber im Gegensatz zu mir nicht die ''Alten Steine'' sondern das exotische Essen. Solange wir unsere Koffer noch tragen können, werden wir uns jedes Jahr ein neues Ziel aussuchen.

Dieses Jahr nun freuen wir uns auf Vietnam. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen, was wir auf dieser Reise erleben.

Bis bald aus Vietnam

Karin

1. Tag

Anreise nach Hanoi

Dienstagabend schneit es. Hoffentlich fällt Mittwoch früh die Bahn nicht aus. Aber es geht alles gut. Um 7:30 Uhr fährt unser Zug nach Hannover. Dort treffen wir uns mit Hannes und Angelika. Es ist jetzt unsre fünfte Reise zusammen. Erst mal Frühstücken und dann geht es durch bis Frankfurt. Im Zug stimmen wir uns schon mal auf die Reise ein. Jedes Mal wenn wir in Frankfurt ankommen müssen wir uns neu orientieren. Immer wird gebaut. Aber die grobe Richtung ist klar. Terminal 1 Schalter 456. Natürlich bereits eine lange Schlange. Warum stand im Internet, dass der Schalter 2 Stunden vor Abflug geöffnet wird? Aber als dann die Vietnamesen mit ihrem Gepäck dran waren, wusste ich warum so früh geöffnet wird. Jeder mindestens drei Koffer. Und 60 kg keine Seltenheit.

Nach dem Check In haben wir noch viel Zeit. Dann um 14:00 Uhr einsteigen. Aber wir kommen erst mit fast einer Stunde Verspätung in die Luft. Frankfurt verabschiedet uns mit herrlichem Sonnenschein. Vor uns liegen 10 Stunden Flug. Es gibt einen Begrüßungsdrink und auch zum Abendessen gerne noch mal was Alkoholisches. Wahrscheinlich schlafen dann doch mehr Leute und die Besatzung hat Ruhe. Schön, für jeden Sitz einen eigenen Bildschirm, der funktionierte aber nicht richtig. Mit Schlaf war auch nicht viel, die Kinder an Bord waren sehr unruhig.

Endlich gibt es Frühstück und ein Ende des Fluges ist in Sicht. Es war ein ruhiger Flug. Gott sei Dank. Ich habe immer noch Flugangst. Aber wenn man ferne Länder sehen will muss man da durch. Um 6:45 Uhr empfängt uns Hanoi mit Regenpfützen und kühlen 12 °C.

Der Flughafen in Hanoi ist noch ein bisschen rückständig. Ein einziges Kofferband. Reiseleiter Thang musste lange warten, bis alle da waren. Die Gruppe ist ungewöhnlich groß. Ab geht's zum Bus und gleich zur ersten Besichtigung. Schon die erste Programmänderung. Statt zum Konfuziustempel geht es zum Ho Chi Minh Mausoleum, weil morgen ist Freitag und dann ist dort geschlossen. Aber erst mal erklärt Thang uns die Währung. Wir sind seit dem Geldumtausch alle mehrfache Millionäre. Für einen Euro haben wir 27.000 Vietnamesische Dong erhalten. Nein, ich habe mich nicht mit den Nullen versehen. Aber wie oft wir uns wohl beim Bezahlen versehen werden. Aber beim ersten Mal hat es gut geklappt.

Darüber, und über den ersten Tag in Hanoi berichte ich morgen. Denn gleich geht es in den Bezirk der 36 Gassen und dann zum Abendessen.

Aus Vietnam grüßt

Karin

2. Tag

Hanoi

Wie gesagt, Hanoi empfing uns mit Regenpfützen, aber es regnete nicht mehr. Das erste was in dieser Stadt auffällt, sind die handtuchschmalen Häuser. Es sieht komisch aus, wenn die Front nur aus Haustür im Erdgeschoss und jeweils einem Fenster in den darüberliegenden meist drei Stockwerken besteht. Sie sind ansonsten sehr hübsch im Kolonialstil wenn sie neu angestrichen sind.

Das Mausoleum des Ho Chi Minh liegt in einer großen Parkanlage. Das Ganze wirkt irgendwie ''sozialistisch''. Strenge Kontrolle am Eingang, und bitte nicht vom Fußweg herunter gehen. Der grün Uniformierte hat aber aufgegeben, weil wir wohl zu viele waren, die ungestört nach dem besten Platz zum fotografieren suchten. Leider konnten wir nicht ins Innere und den Präsidenten im gläsernen Sarg anschauen. Unser Reiseleiter meinte, die Schlange der Wartenden sei zu lang und es würde zu viel Zeit kosten. Das hat ein bisschen Unmut hervorgerufen. War aber vielleicht gar nicht schlimm, wenn man Thang Glauben schenkt. Er erzählt, dass der Leichnam jedes Jahr von Spezialisten restauriert werden muss und es vielleicht gar nicht mehr er selbst ist? Wer weiß das sicher? Dafür haben wir die Wachablösung im Stechschritt gesehen.

Der Präsidentenpalast liegt gleich daneben. Hier hat Onkel Ho, wie er liebevoll von den Vietnamesen genannt wird, aber nicht gewohnt. Er hat erst ein kleines Haus, später dann ein luftiges Holzhaus bewohnt. Beide Häuser liegen ebenfalls in dem weitläufigen Parkareal mit schönem alten Baumbestand und Teich.

Hier findet man auch die Einsäulenpagode, Diese Chua Mot Cot, ist einer der ältesten Sakralbauten Hanois und hat ihren Ursprung in einer hübschen Legende: Dem alternden kinderlosen Kaiser Ly Thai To erschien eines Nachts im Traum die Göttin Quan und zeigte ihm einen kleinen Jungen. Bald darauf wurde männlicher Nachwuchs im Kaiserhaus geboren. Ly Thai To ließ aus Dankbarkeit 1049 die Pagode bauen. Sie ist einer Lotusblüte nachempfunden und stand ursprünglich auf einer Holzsäule. Nachdem sie von den Franzosen umgestürzt wurde, wurde sie auf einer Betonsäule wieder errichtet. Ein Stilbruch und sehr unschön. Noch heute wird Quan Am von kinderlosen Paaren um Hilfe gebeten.

Es war nicht gerade warm und so waren wir froh, ins Hotel zu kommen. Das Star View ist schon in die Jahre gekommen, hat aber Flair und große Zimmer. Obwohl es mitten in der Stadt liegt, ist der Straßenlärm mäßig laut.

Mittlerweile war es Zwölf Uhr Ortszeit und wir hatten Hunger. Thang erklärte sich bereit, mit uns in ein echtes vietnamesisches Restaurant zu gehen. Er empfahl uns, in den ersten Tagen nur gut durchgekochte und noch heiße Speisen zu essen. Also gab es Nudelsuppe. Jetzt weiß ich, warum die Vietnamesen alle so zierlich sind. Nudelsuppe mit Stäbchen. Und die Nudeln sind mindestens dreimal so lang wie ordentliche Spagetti. Ich müsste verhungern, Thang schafft das ohne sich zu bekleckern.

Nach einer Mittagspause ging es dann zum Hoan-Kiem-See oder Schwert-See Er ist Hanois berühmtester See und trennt Alt–Hanoi vom einstigen französischen Kolonialviertel. Der See ist ca. 700 m lang und entstand als Rückstausee des Roten Flusses und wurde im 19./20. Jh. teilweise zugeschüttet. Der Name ''See des zurückgegebenen Schwertes'' geht auf eine variantenreiche Legende zurück: Anfang des 15. Jh., während der chinesischen Besatzung, übergab der Sage nach eine riesige, im See lebende, goldene Schildkröte dem armen Fischer Le Loi ein magisches Schwert, welches ihn unbesiegbar machte. Er benutzte das Zauberschwert, um in einem erbitterten Kampf (1418-1428) die Truppen der Ming Dynastie vernichtend zu schlagen, und wurde im Jahre 1428 König. Nach der Siegesparade begab sich der junge König zum See, um den Göttern zu danken. Da tauchte die goldene Schildkröte erneut auf und forderte das Schwert zurück. Bevor Le Loi sich entscheiden konnte, löste sich plötzlich das Schwert aus der Scheide, stieg zum Himmel empor und verwandelte sich in einen großen jadefarbenen Drachen, der über dem See schwebte und dann in die Tiefe stürzte.

Le Loi ernannte das Tier zum Schutzgeist des Sees. Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an dieses Ereignis ließ Le Loi auf einer kleinen Insel in der Mitte des Sees den dreistöckigen Schildkröten-Turm (Thap Rua) errichten, der bis vor kurzem das Wahrzeichen Hanois war.

Und wie es der Zufall wollte, wurde tatsächlich aus dem See eine Schildkröte von 2.10 m Länge und 250 kg Gewicht aus dem See geborgen. Sie soll 400 Jahre alt geworden sein und wird heute im Jadeberg Tempel ausgestellt.

Der Jadeberg Tempel liegt auf einer Insel im See und ist über eine rot lackierte Holzbrücke, die The Huc Brücke, zu erreichen.

Anschließend liefen wir durch das Viertel der 36 Gassen. In diesem Viertel waren früher die Handwerker zu Hause. 36 Gassen symbolisierten 36 Zünfte, die jeweils in einer Gasse zu finden waren. Auch heute noch ist alles organisiert. Alle Geschäfte bzw. Händler einer Art zusammen. Auch wenn es seltsam anmutet, wenn nach den Fischhändlern die Blumenstände beginnen.

Zum Abendessen fuhren wir alle gemeinsam in ein Restaurant. Sehr schön mit weißen Tischdecken und Stoffservietten. Es gab ein 6-Gänge Menü, was man in Vietnam so darunter versteht. Es hat aber gut geschmeckt. Und ich lerne langsam doch noch mit Stäbchen zu essen.

Aus Vietnam grüßt

Karin

3. Tag

Hanoi

Das Frühstück gab es im 10. Stock mit Blick über Hanoi. Die Vietnamesen kennen kein Brot. Sie essen Morgens, Mittags und Abends Reis. Aber es gab Früchte, Omlett, Suppe und einiges mehr, natürlich auch Weißbrot, so dass jeder etwas finden konnte.

Die Sonne schien leider wieder nicht und es sah regnerisch aus. Macht nichts, auf dem Programm stand für den Vormittag ein Museum. Aber, Überraschung, es war ein Freilichtmuseum. Hier waren die verschiedenen Häuser aus den diversen ländlichen Regionen Vietnams nachgebaut. Die erste Hausgruppe zeigte z. B. die Unterschiede zwischen dem Haus armer und reicher Vietnamesen. Die Armen haben ihr Haus aus Bambus und Lehm gebaut und mit Reisstroh gedeckt. Die Reichen besaßen Holzhäuser mit einem Lehmdach und darüber ein Strohdach. Die Luftschicht dazwischen isoliert bei Hitze. Die Holzwände waren schön verziert. In den Häusern lebten mehrere Generationen zusammen. Für frisch verheiratete junge Paare gab es immerhin einen separaten Happy-Room. Geschlafen wurde auf dem Boden lediglich auf Matten. Das ist heute aber nicht mehr so, wie Thang erklärt. Interessant war auch das Gemeindehaus aus dem Hochland. Sehr hoch und in der Form einer Axt nachgebildet. Mit seltsamen Treppen als Schutz gegen wilde Tiere. Und dann das Grabhaus. Aufklärungsunterricht braucht man in Vietnam glaube ich nicht. Dass die Sonne nicht schien erwies sich jetzt als Glücksfall, denn dann wäre es für dieses wirklich tolle Museum zu warm gewesen.

Weiter ging es zum Konfuziustempel. Der Eingang ist jetzt das neue Wahrzeichen von Hanoi. Der Tempel wurde bereits 1070 gebaut und 1076 wurde hier die erste Universität gegründet. In Vietnam ist das ganze Leben auf der Lehre von Konfuzius aufgebaut. Sie bestimmt die Hierarchie. Zuerst kommt der Herrscher, dann der Lehrer und dann der Vater. Die Kinder bekommen das heute noch schon in der Schule vorgebetet. Wie eine Gehirnwäsche. In dieser Universität wurden die Söhne der Herrscher und der hohen Beamten ausgebildet. Nur wenige bestanden die strengen Prüfungen. Von 1442 bis 1779 wurden die Namen der besten auf Steelen, die von Schildkröten getragen werden eingraviert. Leider wurden viele der Steelen im Indochinakrieg von den Franzosen mutwillig zerstört. Was für ein Frevel. Denn wenn man hier steht, und sich die Geschichte vor Augen führt, erfasst einen schon ein bisschen Ehrfurcht. Im Tempel wird natürlich eine Statue von Konfuzius verehrt. Wir bekamen auch noch Musik, gespielt auf alten Instrumenten, zu hören. Und es gab einen weiteren Tempel mit Statuen berühmter Lehrer im Erdgeschoss und drei wichtigen Königen im Geschoss darüber, streng nach Hierarchie.

Der dritte Programmpunkt heute war der Quan Thanh Tempel. Als Hanoi gegründet wurde, wurde in jeder Himmelsrichtung ein Tempel gebaut. Dies war der Tempel des Beschützers des Nordens. Als letztes war die Tran Quoc Pagode zu besichtigen. Diese ist eine der ältesten Sakralbauten Vietnams. Der Unterschied zwischen einer Pagode und einem Tempel besteht darin, dass nur in einer Pagode zu Buddha gebetet wird, während in den Tempeln vorwiegend Könige verehrt werden. Der Turm dieser Pagode ist neu errichtet. Die Grabtürme der Mönche sind jedoch ursprünglich.

Danach hatten wir Freizeit. Wir sind noch mal in das Viertel der 36 Gassen gegangen. An einem kleinen ganz unscheinbaren Grillstand duftete es verführerisch. Für umgerechnet knapp 1.50 € hatten wir acht leckere und zarte Spieße. Das war schon mal ein guter Einstieg in die vietnamesischen Garküchen.

Abends wollten wir das wiederholen. Also einmal um den Häuserblock und geschaut, wo sitzen viele Leute und wo ist der Boden schmutzig. Denn das ist nach Thang’s Aussage ein Zeichen für die Güte der Küche. An einer Ecke sahen wir einen Topf auf dem Tisch brodeln. Ähnliches kannten wir aus Thailand. Also wurde für uns ein Tisch mit vier Hockern in zwergengröße aufgestellt und wir haben bestellt. Die Verständigung durch Zeigen hat aber nicht wirklich geklappt. Erst bekamen wir in Scheiben geschnittenes Huhn. Dazu gab es eine Tunke im Extraschälchen. Und Stäbchen!! Wir warteten und die Vietnamesen neben uns versuchten ein Gespräch. Sie haben sich offensichtlich gut amüsiert. Wir auch. Dann noch mal Zeichensprache und wir bekamen auch einen brodelnden Topf. Darin Gemüse und noch mal Fleisch. Na gut, aber wie essen? Neben uns nahm ein junges Pärchen platz. Bewährte Methode: Schauen wie die das machen. Man spricht englisch und mit der Völkerverständigung klappt auch das Essen. Die beiden jungen Leute bestaunten uns, sonst wagt es kein Tourist hier zu essen. Alles besteht aus sehr viel Knochen, aber wir werden satt und geschmeckt hat es auch. Der Boden war auch schnell wieder von den einfach fallen gelassenen Knochen sauber gefegt. Das war mal wieder viel für heute.

Dabei habe ich nur einen Bruchteil der Informationen aufgeschrieben, die wir von Thang erhalten haben.

Aus Vietnam grüßt

Karin

4. Tag

Hanoi - Ninh Binh

Wir verlassen heute Hanoi. Es nieselt und die Motorradfahren haben alle Plastikcapes um. Unser Ziel ist Ninh Binh. Hier liegt die ''Halong Bucht der Reisfelder''. Auf dem Weg dahin erzählt uns Thang einiges über das Leben in Vietnam. Am interessantesten fand ich seine Aussagen über die jungen Familien, die er aus eigener Anschauung kennt. Junge Familien leben heute meist mit ihren Eltern zusammen. Das hat ganz einfach ökonomische Gründe. In Vietnam kann eine Familie nicht vom Verdienst des jungen Mannes allein leben. Die Frauen müssen mitarbeiten. So ist es praktisch, wenn die Großeltern die Kinder versorgen. Auch ist Wohnraum sehr teuer. Und die Grundstückspreise in den großen Städten sind mit denen in Europa vergleichbar.

Eine Erklärung für die an der Frontseite sehr schmalen dafür aber nach hinten langen Häuser liefert er heute auch. Wenn jemand ein Grundstück kauft, muss er immer die ganze Tiefe kaufen. Eine Parzellierung wie bei uns mit gegebenenfalls einer neuen Erschließungsstraße gibt es nicht. Also kann die Grundstücksgröße nur durch die Frontbreite bestimmt werden. Da die Häuser aber auch aneinander gebaut werden bzw. sehr dicht beieinander stehen. Gibt es keine Fenster an den Seiten. Licht und Luft gibt es durch einen ''Lichtbrunnen'' in der Mitte. Auch ist nur die Front hübsch gestaltet. Wenn noch kein weiteres Haus daneben steht, sieht man eine hässliche Betonwand an der Seite.

Eine Erklärung für die überwiegende Zahl junger Menschen - der Anteil der unter 35-jährigen beträgt über 50 % - hat er natürlich auch. Das kommt durch einen fatalen Kreislauf. In Vietnam werden die Menschen selten satt. Um den Hunger zu stillen essen sie dann Maniok. Der hat aber viel Säure und lässt sie nachts nicht schlafen. Also macht man Liebe und bekommt viele Kinder. Das wiederum vergrößert die Armut und den Hunger. Dann isst man wieder Maniok, dann kann man wieder nicht schlafen …….

Als wir uns Ninh Binh nähern ändert sich die Landschaft. Immer mehr und höhere Karstkegel ragen empor. Wir wollen eine Bootsfahrt durch die Reisfelder machen. An der Anlegestelle erwarten uns unzählige kleine Boote. Jeweils zu zweit gehen wir in ein Boot. Wasser ist so gar nicht meine Welt. Und zu so einem kleinen flachen Boot habe ich kein Vertrauen. Aber man will ja nicht feige sein. Ein junger Mann steigt ein, dann setzt sich noch ein junges Mädchen dazu und es geht los. Es sind jede menge Boote auf dem Wasser und es ist nicht tief. Zur allgemeinen Verwunderung wird mit den Füßen gepaddelt. Dann wird unser Boot noch mal ans Ufer gelenkt und Mama steigt mit einer großen Kiste zu. Das Boot wackelt und mein Herz auch. Nach einer Weile kommt ein anderes Boot längsseits und Mama steigt um. Es wackelt wieder. Dann aber ist Ruhe und ich fange an, das ganze zu genießen. Rechts und Links werden Reisfelder angelegt. Die Menschen arbeiten in gebückter Haltung bis zu den Knien und mehr im Wasser. Dahinter ragen die Karstkegel in die Höhe. Man sieht Fischer fast bis zur Brust durchs Wasser waten und mit Netzen nach kleinen Fischen. Muscheln, Krebsen und Schrimps angeln. Eine fast unwirkliche Kulisse, die noch gesteigert wird als wir durch drei Grotten fahren müssen. Diese sind so niedrig, dass man sich fast den Kopf anstößt.

Nach der letzten Grotte wird es wieder real. Hier warten schon die Früchte- und Getränkehändler auf uns. Die Mittagszeit ist überschritten und da kommt das ganz Recht. Unsere Bootsleute bekommen natürlich auch was spendiert. Das machen wir aber gern. Wenn ich mir vorstelle ich müsste so arbeiten.

Ich vergaß zu erwähnen, dass der Wettergott mal wieder gnädig war. Die Bootsfahrt verlief im Trocknen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Hua Lu. Hier steht der Tempel des ersten Kaisers der Dinh Dynastie. Noch im Original und nicht zerbombt. Heute am Samstag waren viele Vietnamesen unterwegs und es herrschte ziemliches Gedränge. Im Tempel des Kaisers sind die Schwellen zum Schutz gegen das Eindringen böser Geister besonders hoch. Die Holzstatuen im Inneren stellen den Kaiser und seine Söhne dar. In einem kleinen Nebenraum steht ein leerer Thron, um den sich wieder eine Legende rankt: Es ist der Thron der Frau des Kaisers. Diese verliebte sich in den Oberbefehlshaber der Armee und beide ließen den Kaiser ermorden. Witwen durften bei den Viet nicht wieder heiraten sondern mussten bei den Söhnen leben. Ihr Sohn war 6 Jahre alt und Thronfolger. Da aber die Chinesen schon wieder Krieg anfingen und der Oberbefehlshaber sie mit seinen Soldaten verjagte, wurde die neue Ehe mit der Kaiserin geduldet und er neuer Kaiser. Am Todestag des ersten Kaisers wird jedoch die Statue der Dame, die ansonsten im Nebentempel mit ihren neuen Gemahl zusammen verehrt wird, in den ersten Tempel gebracht und dort von ihren Nachkommen geschlagen. Nach drei Tagen geht sie dann zurück. Was für eine Strafe.

Den Nebentempel haben wir natürlich auch besucht. Dort kann man auch noch die Reste der Zitadelle sehen, die erst Mitte des vorigen Jahrhunderts gefunden wurden. Die ganze Anlage hat mir persönlich gut gefallen.

Unser heutiges Hotel ist neu und die Zimmer mehr als großzügig mit Holzfußboden und Marmor im Bad. Es liegt etwas außerhalb und weil es angefangen hat zu regnen, beschließen wir im Hotel zu essen. Wir gönnten uns ein 3 Gänge Menü aus Krabbensüppchen mit Huhn, Ziege mariniert an Zitronengras und flambierten Bananen. Gestern vor dem Wirtshaus im Spessart in der Gosse, heute im Schloss Bellevue.

Aus Vietnam grüßt

Karin

5. Tag

Halong Bucht

Heute hieß es früh aufstehen. Wir hatten eine lange Fahrt bis zur Halong Bucht vor uns. Leider regnete es. Schon um sieben Uhr saßen wir alle im Bus. Um 12:00 Uhr sollten wir unser Ziel erreicht haben. Die Fahrt ging durch endlose Reisfelder. Reis wird in Vietnam im Norden zwei mal, im Süden sogar drei mal geerntet. Die Felder sind Eigentum der Bauern. Meist bauen sie nur für den eigenen Bedarf an.

Thang erzählte heute Morgen über einheimische Früchte. Außer denen, die wir mittlerweile auch in Europa kennen gibt es noch einige mehr. Ich erspare mir eine Aufzählung, denn die Namen habe ich kaum verstanden. Die Vietnamesen haben doch eine andere Lautmalerei als wir. Und die Schreibweise bei Thang abzufragen hat auch nicht viel Sinn, denn bei uns sind diese Früchte doch nicht bekannt. Behalten habe ich aber eines: Eine Stinkfrucht schmeckt sehr lecker, es ist aber verboten, sie in unseren Bus oder ein Flugzeug mitzunehmen. Jetzt sind wir natürlich alle neugierig. Sicher werden wir auf einem Marktbesuch eine finden und probieren können.

Zur Untermauerung unseres Wissens haben wir an einem Stand angehalten. Hier gab es Ananas. Aber eine kleinere Sorte als die, die wir kennen. Junge Frauen schälten sie und ließen ein Stück Stiel stehen. Die dunklen Punkte, die beim Schälen immer bleiben, schnitten sie so heraus, dass ein schräges Muster entstand. Dann wurde sie halbiert und wir konnten am Stiel anfassen und sie bis auf den Kern abknabbern. Zu Hause ist die Ananas oft faserig und hart. Diese aber schmeckten sehr gut, ein klein wenig anders als die großen Früchte.

Inzwischen hatte sich die Landschaft verändert. Die Reisfelder waren verschwunden und die ersten Karstkegel tauchten auf. Wir hatten pünktlich die Halong Bucht erreicht und bestiegen unsere Dschunke. Es wimmelt nur so von Menschen. Hier fahren zur Hauptzeit 400 Boote. Leider war das Wetter sehr diesig und von dem Panorama, mit dem diese Region beworben wird, war aber auch gar nichts zu sehen. Schade. Aber das tröstet auf der anderen Seite, dass bei dieser Tour keine Übernachtung auf dem Boot drin war.

Erst mal gab es Mittagessen. Es fing an mit Calamaris, ging weiter mit Frühlingsröllchen, großen Schrimps, dann Krebsschalen gefüllt, einen ganzen gegrillten Fisch und als Beilage Reis und Rapsblätter, zum Schluss gebratene Nudeln und als Nachtisch Melone. Nur kein Neid ihr zu Hause.

Und dann kam auch das Postkartenpanorama. Zwar schien die Sonne immer noch nicht, aber auch dies hatte seinen Reiz. Die aus dem Wasser ragenden Kalksteinfelsen hatten die unterschiedlichsten Formen. Mal klein, mal größer, mal rund, mal mit gezacktem Kamm, mal einzeln stehend, oft in Gruppen hintereinander, so dass die verschiedenen grünen und grauen Farbtöne wie durchsichtig erschienen. Diese Region ist nicht umsonst Weltkulturerbe.

Um die Bucht rankt sich natürlich wieder eine Legende: Ein Drachen, der in den Bergen wohnte ist herabgestiegen und zur Küste gelaufen. Dabei hat er mit seinem Schwanz tiefe Furchen in den Boden gezogen. Als er ins Meer eingetaucht ist, wurde das Land überflutet. 1.969 Erhebungen blieben zurück. Der vietnamesische Name der Bucht ist ''Vinh Ha Long'' das heißt ''Bucht des untertauchenden Drachen''.

Obwohl wir gute vier Stunden auf dem Wasser waren, war es keinen Augenblick langweilig. Zwischendurch konnten wir auch noch eine Fischzucht anschauen. Auf schwimmenden Tonnen waren längs und quer Planken befestigt. Dazwischen waren Netze gespannt in denen die verschiedensten Fische und Meerestiere schwammen. Thang erklärte, dass die Tiere meist klein gefangen werden, dann hier wachsen und an die Restaurants und Hotels verkauft werden. Das geschieht über Zwischenhändler, die im Gegenzug Waren für die Fischerfamilie mitbringen, denn die wohnte auf diesem Gebilde in zwei winzigen Hütten. Es war faszinierend. Ich sagte ja schon, ich habe Angst vor Wasser. Normalerweise weigere ich mich, so etwas wie diese Konstruktion zu betreten. Das hatte ich aber völlig vergessen.

Als wir gegen halb fünf wieder von Bord gingen waren wir uns einig: Es war so ein schöner Tag.

Aus Vietnam grüßt

Karin

6. Tag

Wasserpuppentheater in Ninh Giang

Das Mithrin Hotel in Halong hatte zwar nicht so große Zimmer wie das in Ninh Binh, war aber ebenso gut. Das Frühstücksbuffet ließ nichts zu wünschen übrig.

Um 8:00 Uhr machten wir uns auf nach Ninh Giang. Heute sollten wir ein Wasserpuppentheater sehen. Auf der Fahrt dorthin erzählte Thang wieder sehr anschaulich vom allgemeinen Leben in Vietnam. Ich will versuchen dies hier zusammengefasst wieder zu geben. Wenn in Vietnam ein Kind geboren wird, wird einen Monat später ein Fest gefeiert. Dann bekommt es nämlich erst seinen Namen. Früher war die Säuglingssterblichkeit sehr hoch, so dass man erst mal abwarten musste, ob es am Leben blieb. Diese Tradition hat man beibehalten. Die Kinder gehen fünf Jahre zur Grundschule und dann vier Jahre auf eine weiterführende Schule. Danach kommen ggf. drei weitere Jahre auf einem Gymnasium und ein Studium. Entweder kommt eine Ausbildung und man macht sich selbständig, oder man arbeitet als Reisbauer oder wird Beamter. Beamte verdienen am meisten Geld. Thang nennt es Spielgeld. Denn für alles müssen Beamte bestochen werden. Es ist wie in einem Hamsterrad. Wer nicht mitläuft, fliegt raus.

Es gibt so gut wie keine Singles in diesem Land. Aber, wenn ein Paar heiratet, ist es egal, wann es die Unterschrift vor dem Gesetz leistet. Die Feier mit der Familie ist der Zeitpunkt, ab dem die Eheschließung vor der Allgemeinheit gültig ist und ab dem sie zusammenleben dürfen. Zur Feier kommt die ganze Familie. Und das können leicht 500 Leute werden. Man schenkt Geld und bringt zu Essen mit. So ist das Ganze bezahlbar.

Gut passte, dass wir gerade am Friedhof vorbeifuhren. So konnte Thang an Ort und Stelle über die vietnamesische Beerdigung erzählen, die ein bisschen makaber ist. Der Verstorbene wird zunächst in einem Sarg beerdigt. Das Grab wird mit Sand und Blätter vom grünen Tee aufgefüllt. Das bindet einmal Feuchtigkeit, zum anderen kann man im Sand die Knochen besser wiederfinden. Ja, ich habe mich nicht vertippt. Nach zwei Jahren wird der Tote wieder ausgegraben, die Knochen sorgfältig abgeschabt, und mit Reisschnaps abgerieben. Dann werden sie wieder beerdigt und nun kommt eine Art Sarg aus Stein oder Marmor auf das Grab. Dies ist auch der Zeitpunkt für die Trauerfeier.

In Ninh Giang wurde noch mal deutlich, was wir schon geahnt haben. Die Vietnamesen haben das Reihenhaus erfunden und es zur Scheibchen-Villa weiterentwickelt. Es war faszinierend zu sehen, wie schmal die Fassaden und wie schön sie gestaltet waren. Und die Seiten einfach grauer Beton. Nur bei den Eckhäusern sah man manchmal die Fortsetzung der Fassade.

Vorbei an endlosen Reisfeldern fuhren wir in ein kleines Dorf. Zu Fuß ging es weiter und wir hörten schon vom weiten Musik. Das Wasserpuppentheater. Jedes Dorf hat einen Teich in dem solch ein Theater steht. Abends nach der Arbeit führen die Männer hier Theaterstücke aus dem Leben der Bauern auf. Zuschauer sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Neben der Theaterbühne sitzen die Musiker und die beiden Erzähler, ein Mann und eine Frau, in Traditioneller Bekleidung. Die Puppen sind ''zweigeteilt''. Die obere Hälfte eine richtige Figur, unten im Wasser werden sie an langen Stangen bewegt. Die Puppenspieler stehen im Wasser hinter einem Bambusvorhang.

Und dann ging es los. Feuerwerk (im Miniformat) und Rauch: ein feuerspeiender Drache schoss durchs Wasser. Nacheinander bewegten sich Schlangen durchs Wasser, zwei Ringer traten gegeneinander an, Fischer mit Angeln und solche mit Netz waren zu sehen. Eben alles aus dem Leben der Bauern nachempfunden. Mit uns sahen einige Einheimische sich die Aufführung an. Die Künstler kamen hinter dem Bambusvorhang hervor und bekamen viel Applaus. Sie freuten sich offensichtlich über uns und die Blitzlichter.

Zu diesem Ausflug gehörte ein Mittagessen. Über eine Brücke ging es zum ''Lokal'' inmitten eines kleinen Sees. Es wurden wieder mehrere typisch vietnamesische Speisen aufgetragen. Na ganz original waren sie nicht. Es fehlten die Knochen. Was es damit auf sich hat erzähle ich vielleicht noch mal, wenn mir sonst nicht genügend Berichtenswertes einfällt.

Jetzt sind wir auf dem Weg zum Flughafen und es geht nach Da Nang.

Aus Vietnam grüßt

Karin

7. Tag

Hoi An

Unser Flug von Hanoi nach Da Nang ging am Abend. Bis wir aber im Hotel waren, war es schon nach 22:00 Uhr. Darum durften wir heute Morgen ausschlafen. Unser Hotel lag am Son Thu Bon und wir frühstückten auf der Terrasse mit Blick auf den Fluss.

Um 9:00 Uhr ging es los zur Stadtbesichtigung in Hoi An. Zuerst ein Handwerkszentrum. Sehr interessant, wie Lampions von Hand gefertigt werden. Auch ein sehr alter Webstuhl stand dort. Es gab natürlich auch allerhand zu kaufen. Danach das Chinesische Handelshaus und einen Tempel, in dem die Schutzgöttin der Seefahrer verehrt wurde.

Anschließend ging es über den Markt. Hier gab es an den vielen Ständen alles bunt durcheinander zu kaufen. Gewürze neben eingelegten Schlangen, Küchenmesser neben kandiertem Ingwer und Tigerbalsam, exotische Früchte, Fisch, Bekleidung westlicher und vietnamesischer Art und natürlich Garküchen. Ein Mix aus Farben und Gerüchen.

Hoi An war um 1600 eine bedeutende Handelsstadt mit Seehafen. Chinesen und Japaner siedelten sich hier an um ihre Waren zu verkaufen, da deren Länder sich nach außen abgeschottet hatten. Aus dieser Zeit stammt die Japanische Brücke, die das Viertel der Chinesen mit dem der Japaner verband. Ebenfalls in dieser Zeit wurde das Wohnhaus einer chinesischen Familie gebaut, das bis heute mit wunderbar verzierten Holzwänden fast ursprünglich erhalten ist. Die Nachfahren wohnen noch in dem Gebäude. Hoi An ist oft überschwemmt. 2009 stand das Wasser mannshoch im Haus, wie die Markierungen an einem Ständer zeigen. Dann zieht man einfach in den ersten Stock. Insgesamt ist die Altstadt fast unzerstört. Daher wurde sie auch zum Weltkulturerbe erklärt.

Am Nachmittag stand eine Radtour auf dem Programm. Wir wollten ein Gemüsedorf besuchen. Zuerst ging es noch ein Stück weit durch die Außenbezirke der Stadt. In Vietnam gibt es nur zwei Verkehrsregeln: Immer in Bewegung bleiben und hupen. Autos und vor allem die Massen von Motorrädern fahren einfach um den Vordermann, den Querverkehr oder den Fußgänger herum. Vor roten Ampeln bleiben auch nicht alle stehen, und wenn Auto und LKW nebeneinander fahren, passt immer noch ein Motorrad durch. Dennoch haben wir innerhalb der Städte keine Unfälle gesehen oder Blaulicht gehört.

Dann ging die Tour weiter durch Gemüsegärten. Thang zeigte uns eine kleine Pflanze mit winzigen gelben Blüten. Erdnüsse! Die gelben Blüten wachsen irgendwann wieder in die Erde und das werden dann die Nüsse. Wer von uns hat sich darüber schon mal Gedanken gemacht? Viel zu schnell waren wir am Ziel. Alle wären gern noch ein bisschen länger gefahren.

Im Gemüsedorf wurden wir erst mal mit einem exotischen Getränk empfangen. Kleine schwarze Kerne in einem Glas. Es schmeckte erfrischend und würzig. Frosch-Eier klärte Thang uns auf, aber erst nach dem wir getrunken hatten. Nein, es waren die Samen einer Basilikumart. Bei einem Gang über die Felder erfuhren wir, dass jeder Familie ein Feld gehörte, welches sie selber bearbeitete. Die verschiedensten Gemüse und Kräuter werden hier angebaut. Zum Beispiel der Raps, dessen Blätter wir auf dem Schiff gegessen haben. Gedüngt wird mit Algen. Gegossen wird von Hand mit großen Kannen, das Wasser aus einem Brunnen geschöpft. Das Gemüse wird entweder auf den Märkten oder an die Hotels verkauft.

Danach bekamen wir Kostproben aus Garten und Küche. Es war alles sehr hübsch angerichtet und schmeckte wirklich gut. Ich hatte geglaubt, dass ich mit Stäbchen mittlerweile gut umgehen kann. Aber bei einem der Gerichte musste eine Art Pfannkuchen mit Salat, Gurke und Kräutern belegt und in Reispapier eingewickelt werden. Und wieder muss ich üben.

Abends sind wir noch durch die Altstadt gebummelt. Ganz angenehm ist, dass man von den Händlern nicht bedrängt wird. Hoi An ist die Stadt der Lampions. Statt Straßenlaternen sind quer über die Straße Lampions gespannt. Und auch in unserem Hotelgarten ist alles stimmungsvoll beleuchtet. Schade, dass meine Kamera dieses wunderschöne Bild nicht hergibt.

Grüße aus Vietnam von

Karin

8. Tag:

Da Nang und Hue

Heute wollen wir uns in Da Nang das Cham-Museum ansehen bevor es dann nach Hue geht. Auf dem Weg dahin kamen wir an den Marmorbergen vorbei. Diese fünf Berge werden mit den fünf Elementen Wasser, Feuer, Erde, Metall und Holz gleichgesetzt. Aus diesen Bergen wird Marmor abgebaut, der in einer nahegelegenen Werkstatt zu Figuren verarbeitet wird. Wir machten einen kurzen Stopp. Eine Fülle der unterschiedlichsten Figuren waren zu sehen. Ihren letzen Schliff bekommen sie noch von Hand.

Die Cham waren ein eigenes Volk und lebten in Zentral Vietnam, während die Viet(namesen) Nordvietnam bevölkerten. Die Vietnamesen wurden von China beeinflusst und ihre Religion ist der Buhddismus, die Cham dagegen orientierten sich nach Indien und hängen dem Hinduismus an. Heute lebt nur noch eine verschwindend geringe Minderheit der Cham in Vietnam. Im Gegensatz zu den Indern, deren Hauptgott Shiva der Zerstörer ist, ist der Hauptgott der Cham Vishnu der Bewahrer.

Ein Großteil der Tempel wurde im Indochinakrieg durch die Franzosen zerstört. Die Figuren, die wir heute im Museum sehen können, wollten sie eigentlich nach Frankreich verschiffen. Das unterblieb aus Geldmangen und so wurde das Museum gegründet.

Weiter ging es Richtung Wolkenpass. Der schien seinem Namen alle Ehre zu machen und die Bergkette lag in den Wolken. Als wir aber höher fuhren, hatten wir zum Teil eine atemberaubende Aussicht auf die Bucht von Da Nang. Zum Fotografieren saß ich heute leider auf der falschen Seite des Busses. Der Vietnamesische Name ''Hai Van Pass'' heißt so viel wie ''Wolke vom Meer''. Die Amerikaner konnten im Vietnamkrieg diesen Pass nicht überwinden, da die Vietkong die einzige Straße blockierten in dem sie Handgranaten warfen.

Nach einer kurzen Mittagspause in einem Restaurant, in dem leider sehr viele Busse Rast machten, ging es an der Küste entlang. Bei einem Fotostopp sahen wir einen winzigen Bahnhof, an dem ein Bahnbeamter eine Fahne hoch hielt, obwohl der Zug vorbei fuhr. Ordnung muss ein.

Hue war unter der Nguyen Dynastie bis 1945 die Hauptstadt von Vietnam. Im 17. Jh. wurde die Zitadelle oder auch Königspalast nach chinesischem Vorbild als Stadt in der Stadt gebaut. In der ''Halle der Höchsten Harmonie'', ganz in Rot und Gold, hielt der Kaiser hof. Vor der Halle im ''Hof der Feierlichkeiten'', der von neun Stelen unterteilt war mussten die Mandarine, streng nach Rang aufgestellt, warten. Die eigentliche verbotene Stadt war der Bereich, in dem die Konkubinen untergebracht waren, der König Minh Mang soll 500 an der Zahl und mit ihnen 142 Kinder gehabt haben. Wann hat der eigentlich regiert. Und 500 Frauen auf engstem Raum? Demgemäß soll der König auch gesagt haben, das große Reich kann er beherrschen, den kleinen Bereich in seinem Palast aber nicht.

Thang hat sehr viel zu erzählen gewusst aus dieser Zeit. Das kann man gar nicht alles behalten. Nur noch so viel, alles war streng nach Feng Shui ausgerichtet. Und auch heute noch richten sich die Vietnamesen danach. Die Richtung eines Hauses wird bestimmt nach dem Sternzeichen seines Erbauers und passt das nicht, dann wird halt die Küche entsprechend umgebaut und die Betten in die richtige Richtung gestellt. Zahlen müssen ungerade sein und die neun ist die wichtigste Zahl. Fünf Elemente plus vier Jahreszeiten.

Mit einer Rikscha ging es durch die Rush Hour zum Hotel. Wie gesagt, immer vorwärts, nur, so eine Rikscha hat keine Hupe. Wir sind aber angekommen und das Hotel ist eine echte Überraschung. War an den anderen schon nichts auszusetzen war dies ein ''Aha Erlebnis''. Alles in Bambus, sogar die Lampen. Auf das Frühstück morgen bin ich gespannt.

Das war aber noch nicht alles. Zum Abendessen wurden wir abgeholt. Zieht Euch nicht so warm an, warnte Thang, wir essen im Haus und nicht draußen. Hatten wir ohnehin nicht angenommen, draußen war es schon recht kühl. Aber weiter berichte ich morgen, denn heute reicht der Platz nicht mehr.

Aus Vietnam grüßt

Karin

9. Tag

Parfümfluss und Königsgräber

Das Frühstück ließ wie immer nichts zu wünschen übrig. Heute war es noch ein wenig üppiger. Bevor ich aber über den heutigen Tag schreibe, wollte ich noch vom gestrigen Abendessen berichten. Wie gesagt, hatte Thang uns geraten, uns nicht zu warm anzuziehen. Beim Betreten des Lokals wussten wir auch warum: Alle bekamen die Kleidung der Mandarine zum überziehen. Das Gelächter war groß. Aus unserer Mitte wurde ein Königspaar bestimmt und mit Musikbegleitung und Laternen ging es in den Speisesaal. Alle mussten sich zum Gruppenfoto aufstellen. Vietnamesische Musiker begleiteten das Essen. Das bestand wieder aus mehreren Gängen und war einfach bei jedem Gang superschön dekoriert. Ein mehr als gelungener Abend.

Das heutige Programm sah einen Garten, eine Pagode, eine Flussfahrt und zwei Königsgräber vor. Der Garten war leider noch geschlossen. Aber wie immer hat alles zwei Seiten, dafür waren wir früh bei der Pagode und die einzige Gruppe. Es war eine himmlische Ruhe. Die Thien Mu Pagode wurde bereits 1601 gegründet. Wie immer rankt sich eine Legende um den Bau. Der Oberbefehlshaber des damals amtierenden Königs war nach Hue geschickt worden, um gegen die Cham zu kämpfen. Im Traum erschien ihm eine weiße Frau, die ihm versprach, wenn er hier eine Pagode errichte, wird er selber ein König werden. So geschah es dann auch. Die Pagode ist noch heute eines der wichtigsten Heiligtümer der Vietnamesen und der Turm das Wahrzeichen von Hue. Aus dieser Pagode stammt auch der Mönch, der sich 1963 in Saigon aus Protest gegen das Diem-Regime verbrannt hat. Heute leben hier Kindermönche, d. h. Jungen aus armen Familien. Das Mönchstum ist im übrigen freiwillig. Ein Mönch kann jederzeit aussteigen.

Die Pagode liegt direkt am Huong Giang, dem Parfüm- oder Duftfluss. Der Name kommt daher, dass in der Region Bauern ihre Gärten am Ufer angelegt hatten und die Blumendüfte über den Fluss wehten. Nicht etwa weil hier Räucherstäbchen angezündet wurden, wie in einigen Reiseführern steht. Heute gibt es mehr Dieselgestank. Wir gingen also gleich weiter aufs Boot und fuhren etwa eineinhalb Stunden vorbei an üppig grünen Ufern bis zum ersten Königsgrab. Wir sahen viele mit Sand beladene Boote oder solche, die Sand förderten.

Das erste Königsgrab war das Grab von Minh Mang. Diesem König verdanken die Vietnamesen eine erste Infrastruktur, die eigene Sprache, die lateinische Schrift und die traditionelle Kleidung, die noch heute getragen wird. Das Gebiet für den Bau der Gräber besser der Grabanlagen, wurde noch zu Lebzeiten der Könige ausgesucht. Nach Feng Shui sollte vorne Wasser und im Rücken eine Anhöhe sein, hier der Parfümfluss und das eigentliche Grab, das in einem Hügel liegt. Die Grabanlage selber war im Prinzip aufgebaut wie eine Königsstadt. Steinerne Mandarine, Pferde und Kampfelefanten warteten wie im richtigen Leben im ''Hof der Feierlichkeiten'' und auch die kinderlosen Konkubinen durften nach dem Tod des Königs hier bis zu ihrem Tod leben. Das Gelände wurde zwar vor dem Tod ausgesucht, gebaut wurde aber erst nach dem Tod. Der Bau des Grabes von Minh Mang dauerte 100 Tage. Eigentlich wenig, wenn man die Bauten und die Größe des Geländes sieht. Aber ganz schön lange, wenn man an die Aufbewahrung der Leiche denkt.

Ganz anders aber war das zweite Königsgrab. Das Grab von König Tu Duc, der 1847 den Thron bestieg. Dieser hatte keine Kinder, für einen König die Höchststrafe. Er war daher des Regierens überdrüssig und ließ seine Grabanlage schon zu Lebzeiten bauen. Die Vietnamesen sagen, ein Bau aus Blut und Knochen. Die 3.000 Soldaten, die hier arbeiten mussten, wurden geschlagen und sind zum Teil verhungert. Wie überhaupt dieser König nicht beliebt war. Ihm wird nachgesagt, er habe sein Land an die Franzosen verkauft. Tu Duc hat die Königsstadt verlassen, sich in seine Grabanlage zurückgezogen und hier zusammen mit seinen Lieblingskonkubinen gelebt. In einem Pavillon am Wasser hat er Gedichte und Theaterstücke geschrieben, die im eigens gebauten Theater aufgeführt wurden. Manche Aufführungen haben dreißig Tage gedauert. Die Lindenstraße wurde also auch in Vietnam erfunden, kam eine Bemerkung aus der Gruppe.

Nachdem wir uns noch angeschaut hatten, wie Räucherstäbchen hergestellt wurden und Thang uns durch vietnamesische Hüte auf den Temperaturschock in Saigon vorbereitet hat, wurden wir in die Freizeit entlassen.

Wir vier haben die genutzt um uns unters Volk zu mischen. Dabei sind wir auf eine katholische Kirche gestoßen. Der junge Priester spielte gerade mit seinen Jungs Fußball und von Kirche war nichts zu sehen. Nach einigem hin und her in beiderseitigem schlechten Englisch führte er uns dann eine Treppe hoch und da war das Gotteshaus. Er machte extra für uns die Beleuchtung an und das Kreuz war in blaues Licht getaucht. Dann kam auch noch der alte Priester. Sehr alt auch an Jahren und gekleidet wie eben ein alter Mann ohne Frau im Hintergrund. Aber im Geiste vornehm. Er gab jedem von uns die Hand und freute sich sichtlich, dass sich die Touristen sich auch mal für seinen Tempel interessierten. Sie würden eine Primär- und Sekundarschule führen und hätten es unter den Kommunisten sehr schwer, erzählte er in gutem Englisch. So haben wir an diesem Tag jemandem eine Freude gemacht.

Aus Vietnam grüßt

Karin

10. Tag

Saigon - Tunnelsystem der Vietcong

Wir brauchten nicht so früh aufstehen wie wir eigentlich befürchtet hatten. Um 7:00 Uhr ging es Richtung Flughafen Hue, von wo aus die Maschine um 8:40 Uhr nach Saigon fliegen sollte. Sollte! In die Luft gegangen sind wir dann um 11:30 Uhr. Es war Nebel.

In Saigon empfingen uns satte 32 °C und eine noch höhere Luftfeuchtigkeit als in den vergangenen Tagen. Unser Bus hatte lila Gardinen und darüber noch weiße Spitze. Eine Augenweide. Leider gingen Gott sei Dank Klimaanlage und Lautsprecher nicht so richtig. Morgen gibt es einen neuen Bus.

Da wir einen Vormittag verloren hatten, ging es gleich weiter nach Cu Chi. Hier ca. 70 km von Saigon entfernt hatten die Vietcong ihr berühmtes Tunnelsystem gegraben. Das System war 200 km lang mit einem Ausgang zum Saigonfluss. Begonnen wurde damit bereits 1946 im Krieg gegen die Franzosen. Im Vietnamkrieg wurde das System dann ausgebaut. Es enthielt alles um zu überleben. Schlafräume, Gemeinschaftsräume, Küche und sogar ein Hilfslazarett. Es hat mich sehr beeindruckt, obwohl ich für Krieg und Gewalt wirklich nichts übrig habe.

Zum Graben gab es lediglich eine Hacke, der Sand wurde in Kartoffelkiepen ähnlichen relativ kleinen Körben weggetragen. Die Eingänge waren so klein, dass man glaubt, da passt unmöglich ein Mensch hinein. Und sie waren sehr gut getarnt. Die Vietcong haben auch grausame Fallen für ihre Gegner installiert: Trat man drauf, tat sich plötzlich die Erde auf und man fiel oder trat in spitze Pfeile, die dazu noch mit Gift präpariert waren.

Gegraben hat die Zivilbevölkerung, das ganze Dorf Cu Chi. Die Amerikaner haben nicht unterscheiden können, wer war Vietcong und wer war Zivilist. Sie konnten auch die Vietkong mit ihrem System nicht in den Griff bekommen. Tagsüber waren die in den Tunneln verschwunden, nachts wurden sie aktiv. Die Eingänge wurden streng geheim gehalten. Darum haben die Amerikaner alles ohne Rücksicht zerstört. Zwei drittel des Waldes wurden vernichtet. Um die Welt gegangen ist das Bild des kleinen Mädchens. Sie ist inzwischen in Kanada verheiratet, hat zwei Kinder und das Buch ''Das Mädchen hinter dem Foto'' geschrieben.

Thang erklärt, dass die jungen Vietnamesen keinen Hass auf die Amerikaner haben. Er findet nur, dass man diesen Krieg hätte verhindern müssen. Dann wäre Vietnam heute ein genauso blühendes Land wie beispielsweise Japan oder Korea.

Zur besten Rush Hour fuhren wir ins Hotel, dass ziemlich zentral in Saigon liegt. Die Koffer waren schon auf dem Zimmer. Noch ein bisschen frisch machen und dann etwas zu Essen suchen. Heute sollte es mal wieder Abenteuer sein. In Saigon tobt das Leben. Eine breite Straße und auf der unzählige Mopeds fuhren die einen unheimlichen Krach machten. Autos gab es hier auch schon wesentlich mehr als in Hanoi. Aber offensichtlich fahren alle sehr rücksichtsvoll. Denn man hörte höchst selten einen Krankenwagen.

Wir fanden ein Straßenrestaurant in dem es schon ganz voll war. Aber, wieder schnell noch einen Tisch und vier Stühle dazu und jemand geholt, der Zeichensprache konnte. Dann konnten wir an der Theke aussuchen. Reis mit Gemüse und gegrilltem Fleisch. Sehr lecker, und das Fleisch ganz zart. Als wir Stäbchen verlangten, auf dem Tisch standen nur Gabeln und Löffel, mussten die erst aus dem Restaurant nebenan geholt werden. Als es ans Bezahlen ging machte das Ganze einschließlich Getränke nicht mal fünf Euro für vier Personen. Trinkgeld wollten sie nicht annehmen. Als wir aber sagten, für's Baby, strahlte das junge Paar, die Tanten und die Oma. Schon uns als Gäste zu haben, hat sie offensichtlich glücklich gemacht, und dann auch noch ein Geschenk. Wir strahlten zurück und uns wurde bewusst: Wir sind in Saigon!

Es grüßt vom anderen Ende der Welt

Karin

11. Tag

Kreuzfahrt auf dem Ben Tre River

Eine Flusskreuzfahrt auf dem Ben Tre River sollte es heute sein. Der Fluss liegt im Mekong Delta ca. zwei Stunden Fahrt von Saigon entfernt. Wir fuhren auf der einzigen Autobahn Vietnams. Ausnahmsweise waren hier keine Motorräder zugelassen. Die Autobahn war nicht im entferntesten zu vergleichen mit dem was wir darunter verstehen. Es ist lediglich eine Straße die etwas besser ausgebaut ist.

Unterwegs erzählte Thang vom Leben der Bewohner des Mekongdelta. Im Gegensatz zum Norden und zu Zentralvietnam haben es die Bewohner sehr leicht. Sie leben wie im Schlaraffenland. Das Land ist sehr fruchtbar. Es gibt keine Taifune und keine Überschwemmungen. Wird im Norden ein großer Fisch gefangen, wird er verkauft. Hier werden die Freunde eingeladen, Schnaps gekauft und ein Fest gefeiert. Lernt ein Mädchen einen jungen Mann aus dem Delta kennen, sagen die Eltern ''Oh'' und denken ''ein Säufer''.

Das Motorboot wartete schon auf uns. Thang nahm noch ein paar Früchte zum probieren mit an Bord und dann ging es los. Der Fluss war sehr breit und beide Ufer von Palmen gesäumt. Rechts und links sah man immer wieder große Stapel von Kokosnüssen die zum Transport verladen wurden. Auf dem Fluss transportierten voll beladene Boote Kokosnüssen und Holz, am Ufer standen kleine ''Datschen''. Die Fotoapparate klickten nur so.

Erste Station war eine Ziegelfabrik. Im Delta gibt es fetten Tonboden, der zu einer Art Klinker verarbeitet wird. An einer Press- und Schneidemaschine demonstrierte Thang, wie die Roh-Ziegel hergestellt werden. In großen kegelförmigen Öfen, ebenfalls aus Ziegel, werden diese dann gebrannt. Der Transport zum und das Aufschichten im Ofen wird überwiegend von Frauen gemacht. Zum Brennen verwenden die Vietnamesen die Spreu vom Reis und die Asche wird anschließend wieder als Dünger auf die Reisfelder aufgebracht. Das ist echte Kreislaufwirtschaft.

In der Region um Ben Tre wachsen überwiegend Kokosnuss-Palmen. Daher war unser nächster Halt auch ein Kokosnuss verarbeitender Betrieb. Was man aus solch einer Frucht alles machen kann. Zuerst bekam jeder eine Nuss und wir tranken die Milch. Die schmeckt aber nur von der jungen Nuss. Sind die Nüsse älter, dann wird die Milch zu Bonbons verkocht. Schmeckten sehr lecker, sind aber schlecht für falsche Zähne.

Von der äußeren weichen Schale werden zuerst die langen Fasern abgezupft und zu Matratzen verarbeitet. Was dann übrig bleibt, wird Orchideen-Dünger. Man pflanzt die Blumen auch direkt hinein, also eine Blumenschale. Die harte Schale des Kerns wird als Brennmaterial benutzt. Mehr Geld bringt es, wenn sie zu Aktivkohle verarbeitet und exportiert wird. Aktivkohle wird z. B. bei der Abwasserreinigung als Filter eingesetzt. Das Fruchtfleisch wird ausgepresst und daraus Kokosmilch zum Kochen und Backen gemacht. Wir Frauen dachten praktisch und haben uns auf die Küchenlöffel und Pfannenschaber gestürzt. Endlich mal ein nützliches Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

Weiter ging es jetzt durch enge Seitenarme des Ben Tre River. An der nächsten Anlegestelle erwarteten uns Fahrräder mit denen wir zum Mittagessen radelten. Wer nicht Radeln mochte, wurde auf einem kleinen Anhänger mit Motorrad davor kutschiert.

Wie gehabt, bestand das Mittagessen wieder aus mehreren Gängen. Attraktion war dieses mal der gegrillte Elefantenohrfisch. Zusammen mit Gurke, Ananas und Nudeln in Reispapier eingewickelt. Einwickeln mussten wir natürlich selber. Dann gab es neben gebratenem Reis und Nudeln noch riesige Garnelen. Und als Nachtisch eine Yakfrucht.

Wer dachte, das war es jetzt mit dem Fluss, lag falsch. Zu Fuß ging es durch das Gelände zurück ans Wasser. Wir bekamen einen typischen Reisstrohhut gegen die Sonne aufgesetzt und wurden mit kleinen Booten zurück zu unserem Motorboot gerudert. Wer paddelt, weiß wie schön so etwas ist. Man hat einen völlig anderen Blickwinkel aufs Ufer.

Zurück in Saigon besuchten wir noch den Binh Tai Markt. Das ist ein Großhandelsmarkt riesigen Ausmaßes. Es wird überwiegend mit dem Telefon gearbeitet, geordert und verkauft. Und zwar von Frauen. Die Waren stapelten sich. Es herrsche ein unheimliches Gedränge. Man bekam kaum Luft. Was für ein Kontrast zur Ruhe am Fluss.

Und dann bekam ich meine Stinkfrucht. Sie roch auch nicht schlimmer als der Großmarkt, schmeckte aber wirklich gut.

Es war mal wieder ein wirklich schöner Tag

Aus Saigon grüßt

Karin

12. Tag

Stadtbummel durch Saigon

Das Hotel in Saigon ist zwar sehr schön, aber das Frühstück war in den anderen Hotels irgendwie besser.

Heute Mittag 12:00 Uhr geht es für die Einen nach Hause und für die Anderen ins Strandhotel. Daher ging es schon um halb acht los zur Stadtbesichtigung. Zuerst die Oper. Weil heute Sonntag ist, findet vor der Oper ein Freiluftkonzert statt. Ich habe mich gefragt, wie das bei dem Verkehrslärm gehen soll. Aber als die Musiker sich einstimmten war alles klar. Sehr laut. Gegenüber der Oper liegt das berühmte Hotel Caravelle und ein paar Schritte weiter das noch berühmtere Hotel Rex. Das Rex war während des Vietnamkrieges die Nachrichtenzentrale der Amerikaner. Hier trafen sich nachmittags alle Journalisten wenn die offiziellen Nachrichten frei gegeben wurden.

Weiter ging es zum Rathaus. Ein sehr schöner Bau. Davor ein Denkmal Ho Chi Min’s, tatsachlich betitelt mit Bac Ho, Onkel Ho. Im Gegensatz zu Hanoi machte Saigon einen modernen Eindruck, Alles wirkte sehr gepflegt und großzügig angelegt. Man hatte ein Gefühl von Dynamik und Aufbruch.

Vorbei an einem großen Park voller junger Leute, die scheinbar dort frühstückten fuhren wir zur Hauptpost und zur Kathedrale Notre Dame, die einander gegenüber liegen. Das Viertel ist während Herrschaft der Franzosen entstanden und wird im Volksmund ''Klein Paris'' genannt. In der Kirche fand gerade ein Gottesdienst statt. Sie war gut besucht. Die Hauptpost war noch im ursprünglichen Zustand erhalten, aber topp renoviert. Innerhalb der Post waren Souvenirläden mit sehr moderaten Preisen. Da sieht man den Sozialismus. Bei uns wären an so exponierter Stelle die Preise gleich einiges höher als anderswo.

Auf dem Vorplatz zur Kirchen waren unzählige Brautpaare im Hochzeitsstaat. Die konnten doch alle unmöglich zur gleichen Zeit getraut werden. Wurden sie auch nicht. Sie ließen sich hier nur fotografieren. Aber mit was für einem Aufwand. Professionelle Fotografen, Hilfspersonal das Kleider und Schleier drapierte, und sogar Make Up Stylisten. Wie Thang erklärte, waren die Kleider meist geliehen.

Der nächste Programmpunkt war der Unabhängigkeitspalast. Hier wurde am 8. April 1975 das Ende des Vietnamkrieges verkündet. Den Palast konnten wir auch von Innen besichtigen. Die offiziellen Räume sehr prunkvoll, während die Privaträume eher spartanisch eingerichtet waren. Das Gebäude war sehr gut besucht darunter auch eine Menge Schulklassen.

Als letztes stand das Kriegsmuseum an. Thang warnte, das sei sehr grausam. Nur wer wolle sollte mitgehen. Ich wollte. Zuerst waren Teile eines Gefangenenlagers aufgebaut. Wenn man sich vorstellt, dass Menschen in engsten Stacheldrahtkäfigen der Sonne ausgesetzt waren, ließ es einen schaudern. Im Gebäude selber waren dann ''nur'' Fotos zu sehen. Im Erdgeschoss solche, die von der Solidarität der Welt mit den Vietnamesen zeugten. Und von amerikanischen Soldaten, die den Wahnsinn des Krieges nicht mehr mitmachen wollten. Das stimmte ein wenig versöhnlich. Eine Treppe höher dann Bilder zerstörter Dörfer und daneben wie sie heute aussehen. Als dann aber Bilder von Kindern ausgestellt waren, die durch den Einsatz von Nervengift schwere Missbildungen davongetragen haben, habe ich mir den Rest erspart.

Zurück im Hotel kam der Abschied von Thang. Das viel uns tatsächlich ein bisschen schwer. Wir hatten in dieser Woche einen jungen sehr sympathischen Vietnamesen kennengelernt. Er hat uns viel über seine Heimat auch außerhalb des offiziellen Programms vermittelt, war immer da wenn man ihn brauchte, immer guter Laune und nichts schien ihm zu viel.

Nun liegen sechs Stunden Transfer ins Strandhotel hinter uns. Der erste Eindruck ist gut. Mal sehen wie es morgen ist. Ich bin müde und möchte nur noch schlafen.

Grüße aus Vietnam

Karin

13. - 16. Tag

Pandanus Resort in Mui Ne

Erst mal Grüße an alle aus der Gruppe, die am Sonntag nach Hause fliegen mussten.

Wir dagegen dürfen uns noch ein paar Tage hier im Pandanus Resort am Strand von Mui Ne von der Rundreise erholen. Die Anlage ist sehr weitläufig. Die Zimmer sind in zwei- oder dreigeschossigen Häusern oder auch in kleinen Bungalows untergebracht. Dazwischen liegen große Grünflächen mit Palmen bestanden. Überall stehen Kübel mit Pflanzen, Bougainvillea blühen üppig in allen Farben. Viele von uns haben zwei Schlafzimmer und zwei Bäder. Die Zimmer sind ansprechend eingerichtet. Mit Safe und Kühlschrank. Ein bisschen wenig Stauraum bietet der Schrank. So bleibt einiges an Bekleidung weiter im Koffer. Der Pool liegt nahe am Strand. Schatten finden wir unter Palmen. Es sind ausreichend Liegen vorhanden, so dass jeder einen Platz findet. Keine Belegungsschlacht noch vor dem Aufstehen! So bald man sich blicken lässt kommt ein Boy und bringt Auflagen und Handtücher.

Auf dem Frühstücksbuffet ist alles da. Angefangen von Müsli, über Marmelade, Wurst und Käse, Eier in jeder Form frisch zubereitet, vietnamesische Speisen, bis zu Obst und kleinen Kuchen. Und es schmeckt alles. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, bereits morgens Suppe und gebratenen Reis zu essen. So gut wie hier hat das noch nirgends geschmeckt.

Nachmittags lädt der Gästemanager die neu angekommenen Gäste zu Wein und Käse ein, um launig ein bisschen was über das Hotel und die Umgebung zu erzählen. Nicht nur Neuankömmlinge, auch alle anderen sind dazu eingeladen. Das Gute ist: Dennis ist aus Hannover, und so gibt es nicht die geringsten Sprachprobleme. Er ist sehr hilfsbereit und immer zum Gespräch aufgelegt.

Montagabend gab es ein Grillbüffet am Pool. Mit 22 US$ für vietnamesische Verhältnisse ein bisschen teuer. Und wir hatten Bedenken, denn nachmittags war starker Wind aufgekommen. Aber unser Tisch stand windgeschützt, Das Buffet bot vielerlei Fisch und Fleisch, das frisch gegrillt wurde. Eine Life-Band spielte. Wir haben den Abend genossen.

Das Hotel liegt etwas abseits. Drumherum wenig Infrastruktur, aber gegenüber zwei Straßenlokale und eine öffentliche Buslinie. Das Pandanus bietet einen kostenlosen Shuttle nach Mui Ne. Dauert ca. 15 Minuten und den haben wir gestern Abend in Anspruch genommen. Weil wir mittags nur eine Kleinigkeit gegessen hatten, waren wir hungrig. Schon auf den ersten Blick sah man ein Lokal neben dem anderen. Zwei jungen Damen lockten uns in ein kleines Lokal, das in der dritten Reihe lag und nur durch einen langen Gang zu erreichen war. Sunset war der Name und es war sehr romantisch. Hübsch beleuchtete Bäume und weiße Tischdecken. Moderate Preise und gutes Essen.

Mui Ne selber hat uns nicht so gut gefallen. Auf der Wasserseite an schnurgerader Straße kilometerlang ein Hotel neben dem anderen, dazwischen kleine etwas feinere Läden aber ohne großes Sortiment. Und jede Menge Lokale. Auf der anderen Straßenseite kein Gehweg, schreckliche hallenartige Verkaufslager und ebenfalls jede menge Restaurants. Richtig schön zum Bummeln war hier nichts. Viele Menschen und scheinbar alles fest in russischer Hand. Nein, das reizt uns nicht zum wiederkommen. Das Pandanus genügt. Gegenüber sitzt man zwar nicht so romantisch wie im Sunset. Das Essen ist aber genau so gut und preiswerter. Hier hat sich am Abend auch die Truppe von Berge und Meer zum Essen getroffen. Ich soll ausrichten: Ganz ohne Gruppenzwang. Wir haben uns gut vertragen.

Heute Morgen haben Angelika und ich uns zum Kochkurs für vietnamesische Küche angemeldet. Wir waren unter uns, denn außer uns beiden war nur noch ein Ehepaar aus unserer Gruppe dabei. So machte das Ganze richtig spaß. Zuerst einen Salat mit Tintenfisch, dann als Hauptgericht Hühnchen geschmort mit Zitronengras und Paprika, zum Schluss eine Nudelsuppe mit Bambussprossen und Minze. Dazu gehörten bei jedem Gericht natürlich noch ein paar andere Zutaten. Wie von Dennis schon angekündigt, reichte alles was einer gekocht hatte locker für zwei Personen, und nicht mal das haben wir geschafft. Die Rezepte haben wir natürlich auch bekommen und werden die zu Hause nachkochen wenn wir unseren Freunden von der Reise erzählen.

Auch einen vom Hotel angebotenen Ausflug haben wir noch mitgemacht. Neben weißen und roten Sanddünen noch der Märchenfluss. Eine wirklich märchenhafte Landschaft.

Und natürlich im Meer und im Pool gebadet. Sogar ich. War badewannenwarm. Und diese bunten Muscheln. Normalerweise schüttelt mein Mann den Kopf, wenn ich anfange zu sammeln. Dieses Mal hat er mitgemacht.

Jetzt sitze ich hier wieder auf meinem Liegestuhl (so ein Netboock hat ja Batterie) und möchte mit einem Spruch von Hannes frei nach Heinz Erhard enden:

An den Palmen,

Blatt für Blatt

sitzt Urlaub,

schön, wenn man ihn hat.

Vom südchinesischen Meer verabschiedet sich aus der Berichterstattung

Karin

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