Die älteste Nation Afrikas überrascht ihre Besucher mit einer kulturellen Vielfalt und einem tiefreligiösem Glauben, der seinesgleichen sucht. Die Felsenkirchen Lalibelas geben dafür ein beeindruckendes Zeugnis. Auch die Weiten des Hochlands, wo der Kaffee seinen Ursprung hat, mächtige Flüsse und unberührte Seen machen Äthiopien zu einem unvergesslichen Reiseziel.

Steckbrief

Äthiopien ist ein beeindruckend vielfältiges Land. Hier leben mehr als 80 verschiedene ethnische Gruppen mit ihren eigenen Sprachen und Traditionen. Zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt des Landes liegen übrigens knapp 4.800 m. Erfahren Sie hier mehr über Zahlen und Fakten zu Äthiopien!

Fläche

1.1 Mio. km²

Angrenzende Länder

Im Norden Eritrea, im Süden Kenia, im Osten Dschibuti und Somalia sowie im Westen Sudan.

Hauptstadt

Addis Abeba

Einwohner

88 Mio. (2010)
Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 80 ethnischen Gruppen. Politisch und kulturell dominieren die Amharen, deren Sprache auch Amtssprache ist. Die Oromo wiederum bilden mit über 20 Millionen Menschen die zahlenmäßig größte Gruppe.

Höchster Punkt

Ras Deshen (4.620 m)
Äthiopien ist neben Lesotho das am höchsten gelegene Land Afrikas. 50 % der Landesfläche liegen höher als 1.200 m und 5 % sogar über 2.500 m.

Tiefster Punkt

Cobar Senke (-116 m)
Die Senke liegt im Großen Afrikanischen Grabenbruch, der sich in Nordost-Südwest-Richtung mitten durch Äthiopien zieht.

Währung

Äthiopischer Birr. Es gibt Banknoten Wert von 1, 5, 10, 50 und 100 Birr sowie Münzen im Wert von 1, 5, 10, 25 und 50 Cents. 100 Cents ergeben 1 Birr.

Stromspannung

200 V, 2-polige Stecker, Adapter empfohlen

Zeitzone

MEZ + 2 Stunden

Telefonvorwahl

00251

Domainendung

et

Klima & Reisezeit

In Äthiopien herrscht ein durchaus gemäßigtes Klima, obwohl es im tropischen Afrika liegt. Wie in den Tropen üblich, gibt es nur geringe Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter, dafür steigen die Temperaturen auf dem Weg vom Hoch- ins Tiefland rasch an. Die klimatischen Unterschiede innerhalb Äthiopiens sind nämlich im Wesentlichen von den verschiedenen Höhenlagen beeinflusst.

Im Allgemeinen ist das Klima in Äthiopien gemäßigt. Die unterschiedlichen Höhenlagen sind jedoch für 3 unterschiedliche Klimazonen verantwortlich. Bis zu einer Höhe von 1.000 m herrscht feuchtes oder trockenheißes Klima (tropisch-heiße Zone). Zwischen 1.000 und 2.500 m ist das Klima gemäßigt mit angenehmen Durchschnittstemperaturen von 20 bis 25 °C (warm-gemäßigte Zone). Über 2.500 m herrschen deutlich kühlere Temperaturen (kühle Zone). Eine Sonderstellung nimmt die Danakil-Wüste im Drei-Länder-Eck Eritrea, Dschibuti und Äthiopien ein, die als einer der heißesten Orte der Welt gilt. In dieser geologisch aktiven Zone herrschen z. T. Tagestemperaturen von über 50 °C im Schatten.

Die Niederschlagshöhe variiert stark in Abhängigkeit von den vorherrschenden Winden und der Höhe. Sie schwankt zwischen durchschnittlich 500 mm jährlich in den Niederungen und 2.000 mm in den Bergregionen. In den Wintermonaten steht Äthiopien unter dem Einfluss des Nordost-Passats, welcher der Region am Roten Meer etwas Regen bringt. In den Sommermonaten strömt der Passat nach Nordafrika, was zu reichlich Niederschlag im nördlichen Hochland führt.

Die Niederschläge fallen nicht gleichmäßig über das ganze Jahr verteilt, sondern konzentrieren sich auf 2 Regenzeiten. Die längere Hauptregenzeit fällt in die Monate Juni bis September. Im Anschluss folgt eine längere Trockenperiode. Zwischen Februar und März ereignet sich schließlich eine kleinere Regenzeit, auf die eine erneute Trockenzeit bis Juni folgt.

Tana See

Die beste Reisezeit für Äthiopien sind die Monate Oktober bis Mai, da diese Monate außerhalb der Hauptregenzeit liegen. Von November bis Januar sind die Temperaturen am angenehmsten. In diesen Monaten ist auch die Anzahl der Sonnenstunden mit durchschnittlich 10 Stunden täglich am höchsten. Daneben gibt es ein paar regionale Unterschiede: Die Historische Route im Norden bereisen die meisten zwischen September und April. Für das Omo-Land im Süden sind die Monate Ende Juli bis Mitte Oktober sowie Ende November bis Mitte Februar die beliebteste Reisezeit.

Amtssprache

Amharisch
Daneben existieren schätzungsweise 80 weitere Sprachen mit rund 200 Dialekten. Englisch ist als Bildungssprache und an den höheren Schulen verbreitet.

Regionen

Städte

Addis Abeba

Die Hauptstadt des Landes markiert in der Regel Anfang und Ende jeder Äthiopien-Reise, denn hier befindet sich der einzige internationale Flughafen des Landes. In Addis Abeba leben etwa 3.5 Millionen Menschen auf einer Fläche von 530 km². Die Stadt liegt zentral in Äthiopien, am Fuße des Mount Entoto, und erstreckt sich auf Höhen von 2.200 bis 3.00 m, damit ist sie die dritthöchste Hauptstadt weltweit. Vom 3.000 m hohen Plateau des Berges Entoto haben Sie den besten Panoramablick über ganz Addis Abeba.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt die Addis Abeba Universität, die 1950 gegründet wurde. Das palastähnliche Gebäude beherbergt auch das Ethnologische und das Nationalmuseum, wo u. a. das Skelett des Frühmenschen “Lucy“ zu bewundern ist. Verpassen Sie auch nicht die Dreifaltigkeitskathedrale, die größte und prächtigste moderne Kirche des Landes. Sie ist zwar im europäischen Stil erbaut, im Inneren ist jedoch mit typisch äthiopischen Wandmalereien verziert. Großer Beliebtheit erfreut sich auch der Mercato, der größte Markt der Stadt und einer der größten Freiluftmärkte Afrikas. Hier wird alles Mögliche verkauft, vom Vieh über Kunst und Schmuck bis hin zum Computer.

Axum

Die historisch bedeutende Stadt Axum im Norden Äthiopiens zählt mit ihren gigantischen Stelen, Obelisken und königlichen Grabmälern zum UNESCO-Weltkulturerbe. Einzigartige Zeugnisse aus vergangenen Tagen dokumentieren noch heute den einstigen Glanz und die Macht des axumitischen Königreiches. Axum kontrollierte bereits im 2. Jahrhundert nach Christus den Zugang zum Roten Meer, was den Handel mit Persien, Arabien, Indien und Ceylon ermöglichte.

Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion und Axum auch religiöses Zentrum, im 10. Jahrhundert schließlich zerfiel das Reich. Der Legende nach brachte König Menelik I. die sagenumwobene Heilige Bundeslade mit den beiden Tafeln der Zehn Gebote von Jerusalem nach Axum. Seitdem wird sie in der Kathedrale der Heiligen Maria von Zion aufbewahrt, die jährlich Ziel Tausender von Pilgern ist. Der Stelenpark ist eine weitere berühmte Sehenswürdigkeit. Viele Stelen, die zwischen dem 3. und 10. Jahrhundert errichtet wurden, dienten als Grabsteine, unter denen sich die Gräber von Fürsten und Königen befinden.

Bahir Dar

Die kleine Stadt Bahir Dar liegt südlich von Gondar am Ufer des idyllischen Tanasees im Hochland von Abessinien. Hier segeln einheimische Fischer noch mit traditionellen Papyrus-Booten über das Wasser des Sees. Die Stadt entstand einst aus einer Jesuitensiedlung und dient heute den meisten Besuchern als Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den spektakulären Nilwasserfällen. Der Blaue Nil stürzt nur 30 km von hier die Tis Isat-Fälle ("Rauchendes Wasser") hinab und bietet dem Betrachter ein unvergessliches Naturschauspiel.

Auch der Tanasee mit seinen Inseln ist ein beliebtes Ausflugsziel. Dort gibt es Jahrhunderte alte Klöster zu entdecken, die Kunstschätze, Ikonen und kostbare Handschriften beherbergen. Einige der Klosterinseln sind jedoch nur für Männer zugänglich.

Gondar

Die Stadt Gondar mit ihren Burgen und Schlössern liegt auf etwa 2.000 m am Fuße des Simien Gebirges. Im 17. Jahrhundert war Gondar die Hauptstadt des Landes, gegründet von Kaiser Fasilidas. Zu dieser Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem einflussreichen Handelszentrum, das im Austausch mit Sudan, dem Hafen Massawa am Roten Meer sowie mit den Landesteilen südlich des Blauen Nils stand. Der Palastbezirk in der Stadtmitte wurde innerhalb einer imposanten, 900 m langen Stadtmauer mit 12 Toren über hunderte Jahre von verschiedenen Herrschern ständig erweitert.

Zu den bedeutendsten Bauten zählen der aus dem Jahr 1632 stammende Palast des Fasilidas, die Bibliothek von Kaiser Yohannes I. sowie der Palast der Kaiserin Menteweb. Eine zentrale Rolle spielt auch heute noch das Bad des Fasilidas, ein Bassin, in dessen Mitte sich ein Wasserschloss erhebt. Jedes Jahr zum Timkat-Fest wird das Becken mit Wasser gefüllt und mit Prozessionen und Zeremonien an die Taufe Jesu Christi im Jordan erinnert.

Lalibela

Der für seine Felsenkirchen berühmte Wallfahrtsort Lalibela liegt auf etwa 2.500 m im Norden Äthiopiens. Die 11 monolithischen, in leuchtend roten Tuffstein gehauenen Kirchen wurden im 12. und 13. Jahrhundert nach Christus geschaffen und gehören heute zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Gotteshäuser blieben über die Jahrhunderte weitestgehend unversehrt, wodurch originale Gemälde, Fresken und Handschriften immer noch bestaunt werden können. Jedes der Bauwerke, die eine Höhe von bis zu 10 m erreichen, ist architektonisch einzigartig und reflektiert eine wunderschöne Kunstfertigkeit. Der Legende nach hatte König Lalibela von Gott selbst den Auftrag erhalten, diese Kirchen zu bauen, und die Gläubigen waren von den Meisterwerken so beeindruckt, dass der Mythos entstand, Engel wären am Bau beteiligt gewesen.

Auch in der heutigen Zeit sind die Kirchen Orte gelebter Gottesverehrung. Die Bedeutsamkeit dieses Ortes spiegelt sich im Glauben der Menschen aus allen Landesteilen wider, wenn sie zu Weihnachten und Ostern in Lalibela ihre christlich-orthodoxen Traditionen zelebrieren. Ein Besuch zum Timket- oder Genna-Fest ist daher besonders zu empfehlen. Das Hochland, das Lalibela umgibt, eignet sich zusätzlich hervorragend für Ausflüge in die Natur und Trekking-Touren. Unternehmen Sie z. B. eine Wanderung durch die wunderschöne Berglandschaft zur Felsenkirche Mariam, die auf etwa 3.000 m am Berg Asheten über Lalibela liegt. Auch die Höhlenkirche Nakuto La’ab ist einen Besuch wert. Im Kloster können Sie eine Sammlung antiker Kreuze, illustrierter Handschriften und Ikonen besichtigen. Die Kirche ist zudem berühmt für ihre heilige Quelle, die seit dem 13. Jahrhundert noch nie versiegt sein soll.

Kultur

Äthiopien weist eine lange und stolze Geschichte auf, die bis zu den Anfängen der Menschheit zurück reicht. Es gehört zu den ältesten Staaten der Erde und ist das einzige durchgehend unabhängige Land Afrikas, das heute noch besteht. Lassen Sie sich überraschen vom kulturellen Reichtum, dem tiefen religiösen Glauben und der Alltagskultur dieses Landes!

Feiertage

07. Januar - Genna (Weihnachten)
Das Weihnachtsfest beginnt in Äthiopien am 6. Januar mit einem Gottesdienst, bei dem sich tausende Menschen in und vor den Kirchen versammeln. Viele Gläubige tragen beim Betreten der Kirche eine Kerze mit sich. Traditionell stehen Frauen und Männer in getrennten Bereichen der Kirche und es werden überlieferte Weihnachtslieder gesungen. Vielerorts werden Krippen aufgebaut und die Geburt Jesus nachgestellt. In größeren Kirchen werden Tabots, Nachbildungen der 10 Gebote, von einem Priester um die Kirche getragen. Die Weihnachtsprozessionen dauern bis zum frühen Morgen. Besonders prachtvoll wird das Weihnachtsfest in Lalibela zelebriert, da die Geburt Jesu und des Königs Lalibela auf denselben Tag fallen.

18./19. Januar - Timkat (Fest der Taufe Jesu)
Das Timkat-Fest zählt zu den hohen orthodoxen Feiertagen Äthiopiens und gilt als einer der eindrucksvollsten Festtage des Landes. Am Vortag werden die heiligen Tabot-Tafeln gut verhüllt in feierlichen Prozessionen zu auserwählten heiligen Taufplätzen gebracht. Tausende Gläubige begleiten die Prozessionen mit Gesängen und Gebeten und große silberne Kreuze, prachtvolle Festkleidung sowie kostbare Sonnenschirme aus Samt und Brokat blitzen aus dem Prozessionszug hervor. Spezielle Gottesdienste werden dann in den frühen Morgenstunden an den Taufstellen abgehalten, wo sich die Gläubigen zu Zeremonien versammeln.

Palmsonntag - Hosanna (April/ Mai)
An Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, erinnern sich gläubige Christen an Jesu Einzug in Jerusalem. An diesem Feiertag ist die Segnung der Palmwedel ein beliebter Brauch. Die Menschen streuten damals als Zeichen der Ehrfurcht Zweige von Palmen auf den Weg Jesu. Die lauten Rufe während dieses Tages führten zu dem Beinamen Hosanna. In Axum wird der Palmsonntag in besonders farbenprächtigen liturgischen Gewändern und mit Fahnenprozessionen gefeiert.

11. September - Enkutatash (Neujahr)
Enkutatash ist der erste Tag des neuen Jahres, der nach äthiopischem Kalender auf den 11. September fällt. Enkutatash bedeutet Juwelengeschenk und geht auf die Zeit der Königin von Saba zurück. Das Datum kennzeichnet das Ende der Regenzeit und die historische Rückkehr der Königin von Saba vom Besuch des Königs Salomon. Während des Neujahrsfests gibt es ausgiebige Feierlichkeiten und die Menschen tauschen Neujahrsgrüße und Karten aus.

27. September - Meskal (Kreuzerhöhungsfest)
Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an das Auffinden des Kreuzes Christi und dessen feierliche Präsentation in der Grabeskirche am darauffolgenden Tag. Es ist für die Orthodoxe Kirche eines der Hochfeste und auch die Katholische Kirche betrachtet diesen Tag als Gedenktag, nach dem julianischen Kalender am 14. September. In der Orthodoxen Kirche ist es Brauch, das Kreuz zu erheben und in alle Himmelsrichtungen zu zeigen, woher der Name des Festes kommt.

29./30. November - Hidar Zion (Marienfest)
In der heiligen Stadt der äthiopischen Christen, in Axum, befindet sich der Legende nach die heilige Bundeslade, die als Symbol Marias gilt. Hidar Zion wird als höchstes aller Marienfeste von Tausenden Pilgern gefeiert. Bereits am Vorabend werden die Prozessionswege geschmückt und Liturgien in Form von Riten, Gebeten und sakralen Tänzen abgehalten. Am eigentlichen Morgen des Festes begibt sich der Prozessionszug, angeführt von Priestern in bunten liturgischen Gewändern, von der Marienkathedrale durch die geschmückten Straßen bis zum offiziellen Versammlungsplatz unter einem Ficusbaum.

Kalender

Der Äthiopische Kalender stellt eine Variante des Koptischen Kalenders dar. Er ist dem Koptischen in der Jahreszählung um 276 Jahre voraus. Unserem Gregorianischen Kalender läuft die äthiopische Zeitrechnung hingegen um 7 Jahre und 8 Monate hinterher. Während also der Rest der Welt mit dem Jahreswechsel 1999/2000 das Millennium feierte, befand sich Äthiopien immer noch in den 1990er Jahren. Das Kalenderjahr beginnt in Äthiopien am 11. September, bzw. in Schaltjahren am 12. September. So begann das äthiopische Jahr 2000 am 12. September 2007.
In Äthiopien gibt es 12 Monate mit je 30 Tagen und einen Schaltmonat am Jahresende mit 5 bzw. 6 Tagen (abhängig davon, ob es sich um ein Schaltjahr handelt oder nicht). Damit ist Äthiopien das Land der 13 Monate, wodurch es auch mit dem Attribut "13 months of sunshine" versehen ist. Durch internationale Verbindungen wie dem Flugverkehr herrscht in Äthiopien ein Nebeneinander beider Kalender, und im ganzen Land sind Kalender mit beiden gültigen Daten erhältlich. Unterschiede gibt es weiterhin in der Rechnung der Tageszeiten, wobei der äthiopische Tag um 6.00 Uhr mit der Stunde Null beginnt. Um 6.00 Uhr äthiopischer Zählweise ist somit Mittagszeit.

Religion

Äthiopier sind überwiegend tief gläubig. Etwa 90 % der Einwohner gehören verschiedenen Glaubensgemeinschaften an. Die Religionszugehörigkeit ist so unterschiedlich wie die ethnische Zusammensetzung. Die beiden großen Glaubensgemeinschaften bilden äthiopisch-orthodoxe Christen (gut 40 %) sowie sunnitische Muslime (etwa 35 %). Daneben existieren äthiopisch-evangelische Christen, Katholiken, Anhänger von Naturreligionen sowie Juden.
Das äthiopisch-orthodoxe Christentum ist vor allem unter den Stämmen der Amharen und Tigray verbreitet und stellt die historisch einflussreichste Religion dar. Äthiopien zählt damit zu einem der ältesten christlich geprägten Staaten der Erde. Der Islam hat in Äthiopien ebenfalls eine mehr als 1.000 Jahre alte Geschichte. Vor allem in Harar, Wällo, und Jima bildeten sich Zentren islamischer Gelehrsamkeit heraus.
Eine Sonderrolle nehmen die Falascha ein, die äthiopischen Juden, auch Beta Isra’el (Haus Israel) genannt. Diese Gemeinschaft bildete sich im Mittelalter aus politisch-religiös verfolgten Gruppen heraus. Kaiser Haile Selassie I., der von 1930 bis 1974 regierte, hatte Einfluss auf die Herausbildung der afro-amerikanischen Glaubensgemeinschaft der Rastafari in Äthiopien. Eine kleine Gruppe von Anhängern findet sich in Shasheme südlich von Addis Abeba, seitdem sich dort Heimkehrer aus den USA und Jamaika niederließen.

Geschichte

Das Land, auf dem sich heute der Staat Äthiopien befindet, war bereits vor 3.5 Millionen Jahren besiedelt. Die Überreste von "Lucy", das 3 Millionen Jahre alte und damit älteste weitgehend erhaltene Skelett eines Hominiden wurde hier gefunden. Heute ist es im Nationalmuseum der Hauptstadt Addis Abeba ausgestellt.
Der Überlieferung zufolge geht die Geschichte des Staates Äthiopien bis ins 10. Jahrhundert vor Christus zurück, als die legendäre Königin von Saba nach Jerusalem reiste, um den weisen König Salomon zu treffen. Ihr gemeinsamer Sohn Menelik I. wurde der Stammvater der äthiopischen Könige und somit der Gründer einer lang anhaltenden und bedeutenden Dynastie. Aus dieser Legende entwickelte sich bis in die heutige Zeit ein Vielvölkerstaat aus mehr als 80 ethnischen Gruppen und ebenso vielen Sprachen. Auch die Traditionen, Brauchtümer und Lebensstile sind sehr facettenreich. Gerade im Süden von Äthiopien leben die kontrastreichen Stämme nahezu unberührt von Einflüssen der modernen Außenwelt.
Äthiopiens Kultur entwickelte sich vorwiegend im Norden des Landes, wo faszinierende Städte heute die einmalige "Historische Route" bilden, die Besucher in ihren Bann zieht. Das Land ist zudem die älteste unabhängige Nation Afrikas und unterscheidet sich dadurch deutlich vom Rest der schwarz-afrikanischen Länder. Im Zuge des Kolonialismus geriet Äthiopien zwar immer wieder unter europäischen Einfluss, wurde jedoch nie vollständig erobert.

Natur

Naturraum

Geprägt ist Äthiopien in erster Linie durch sein Hochland, hier befindet sich das größte zusammenhängende Hochplateau Afrikas auf 1.200 bis 3.500 m. Der Großteil des Hochlands von Abessinien hat Mittelgebirgscharakter, das jedoch an einigen Stellen mehrere hundert Meter steil abfällt. Hier haben die großen Flüsse Nil, Omo und Takaze tiefe Schluchten in den Fels hinein geschnitten.

Eine weitere naturräumliche Besonderheit ist der Große Afrikanische Grabenbruch, der sich von Süd-West nach Nord-Ost durch das Land zieht. Hier, im Rift-Valley, befindet sich die sagenumwobene Quelle des Blauen Nils. Aus diesen Gegebenheiten resultieren die großen Kontraste zwischen Bergen, die bis auf über 4.500 m über das Hochplateau ragen, und Senken, die z. T. unter dem Meeresspiegel liegen.

Nationalparks

Zum Schutz der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt hat Äthiopien 13 Nationalparks etabliert. Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Auswahl daraus genauer vor.

Nechisar Nationalpark
In unmittelbarer Nähe zur Stadt Arbaminch, im Süden des Landes, liegt dieser gut 500 km² große Park. Hier sind Tierarten wie Kuhantilope, Steppenzebras, Dikdiks und Kudus beheimatet. Im Nationalpark befindet sich der Chamosee, wo Sie Krokodile, Flusspferde und verschiedene Vogelarten wie Pelikane beobachten können.

Mago Nationalpark
Im Südwesten Äthiopiens ist der 2.160 km² große Mago Nationalpark zu finden, der durch eine Savannenlandschaft geprägt ist. Er dient v. a. dem Schutz von Großsäugetieren wie Giraffen, Büffeln und Elefanten. Insgesamt sind hier über 80 Säugetier- und 250 Vogelarten beheimatet. In der Region des Parks lebt das Volk der Mursi, bekannt für ihren auffälligen Körperschmuck, zu dem beispielsweise die verzierten Lippenteller der Frauen sowie Schmucknarben gehören.

Simien Nationalpark
Der knapp 180 km² große Nationalpark befindet sich im Norden Äthiopiens und ist insbesondere für seine eindruckvollen Berglandschaften bekannt, die zu Wanderungen oder mehrtägigen Trekkings einladen. Er wurde u. a. zum Schutz von gefährdeten Tierarten wie dem Dschelada (Blutbrustpavian), Äthiopischen Steinbock und dem Äthiopischen Wolf eingerichtet.

Omo Nationalpark
Dieser Park im Südwesten ist der älteste Nationalpark des Landes, gegründet 1959, und gut 4.000 km² groß. Die Vegetation ist geprägt von offener Gras- und Buschsavanne sowie von Galeriewäldern. Tierliebhaber können dort Elan-Antilopen, Büffel, Elefanten, Giraffen, Geparden, Zebras, Topi-Antilopen und Guereza-Affen sowie mehr als 300 Vogelarten beobachten.

Flora

Die abwechslungsreiche Topographie und unterschiedliche Klimate sorgen für eine vielseitige Pflanzenwelt. In Äthiopien finden Sie Bergregionen mit alpiner Vegetation, Savannen und immergrüne Feuchtwälder. Insbesondere das Hochland ist biologisch interessant, denn von den etwa 7.000 höheren Pflanzenarten sind gut 10 % endemisch. Baum- und Straucharten wie Akazien, Wacholder, Affenbrot- und Maulbeerfeigenbäume sind nach wie vor häufig anzutreffen, auch wenn die Bestände seit Anfang des 20. Jahrhundert durch Rodungen dezimiert werden. Durch die Aufforstung mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen dominieren diese inzwischen in machen Regionen. Nicht zuletzt ist Äthiopien auch das Ursprungsland von Kulturpflanzen wie Kaffee und der Getreideart Teff.

Fauna

Zur artenreichen Tierwelt Äthiopiens zählen verschiedene Insekten- und Spinnenarten, Reptilien wie Krokodile sowie Vogelarten wie Reiher, Marabus, Pelikane und Flamingos. In den Savannen der Nationalparks sind auch Großwildarten wie Elefanten, Büffel und Flusspferde anzutreffen. In den Bergregionen schließlich sind Affen, Luchse und Gazellen beheimatet. Eine vom Aussterben bedrohte Primatenart ist der Dschelada (Blutbrustpavian), der nur im Hochland Äthiopiens vorkommt. Er ist im Simien Nationalpark unter strengen Schutz gestellt.

Gewässer

Der größte See des Landes und gleichzeitig der höchstgelegene See Afrikas ist der Tanasee. Er liegt auf 1.830 m und besitzt eine Fläche von mehr als 3.000 m². Der Abfluss des Sees ist der Blaue Nil beim Ort Bahir Dar. Viele weitere Seen sind insbesondere im Bereich des Großen Afrikanischen Grabenbruchs zu finden. Dazu zählt der Langano, der sich etwa 200 km südlich von Addis Abeba befindet. Der Langano ist einer der wenigen Seen Äthiopiens, in dem das Baden ausdrücklich erlaubt ist. Charakteristisch ist der hohe Sodagehalt seines Wassers, wodurch es eine rotbraune Färbung erhält und sich weich und seifig anfühlt.

Zu den wichtigsten und bekanntesten Flüssen des Landes gehört der Blaue Nil. Seinen Namen verdankt er den dunklen, erdigen Sedimenten, die er aus seinem Ursprungsgebiet im Hochland wegschwemmt. Er durchfließt den Tanasee und stürzt anschließend bei Tis Isat 42 m in die Tiefe. Diese Wasserfälle sind ein beeindruckendes Naturschauspiel, das jährlich viele Besucher anzieht. Zum Nil vereinigt sich der Blaue mit dem Weißen Nil schließlich bei Khartum im Sudan. Ein weiterer wichtiger Fluss Äthiopiens ist der 760 km lange Omo. Entlang seiner Ufer im Südwesten leben viele Volksstämme und er durchfließt auch 2 Nationalparks, den Omo- und den Mago-Nationalpark.

Essen & Trinken

Das Nationalgericht in Äthiopien ist "Injera", ein Fladenbrot aus Sauerteig, das aus einem krautartigen Getreide namens "Teff" zubereitet wird. Injera wird zu Fleisch oder Gemüse und zusammen mit verschiedenen würzigen Saucen ("Wot") serviert. Der Fladen ersetzt Teller und Besteck, gegessen wird traditionell mit den Fingern der rechten Hand. Durch das Gewürz Berbere ist das äthiopische Essen im Allgemeinen würzig scharf. Die scharfe Berbere-Soße wird meist separat in kleinen Schalen gereicht. Während der Fastenzeit verzehren die Orthodoxen Christen ausschließlich Gemüse und Hülsenfrüchte. Die Äthiopier speisen in der Regel zusammen an einem großen Tisch. In bäuerlichen Gegenden dient ein gewebter Korb als Esstisch.

Als beliebte traditionelle Getränke gelten der süße Honigwein Tej und das Hirsebier Talla. Und natürlich muss auch erwähnt werden, dass Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist, der hier "Buna" genannt wird. Der Legende nach entdeckte ein Ziegenhirte in der Region Kaffa die Wirkung der Kaffeefrüchte bei seinen eigenen Ziegen, die bis in die Nacht munter umher sprangen. Zu Beginn gossen dann äthiopische Mönche den ersten Kaffee auf. Aus dieser Zeit erhalten geblieben ist die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie als soziales Erlebnis, bei der frisch gerösteter Kaffee in einer besonderen Kanne (Jabana) ausgeschenkt wird.

Wissenswertes von A - Z

Äthiopien ist kein alltägliches Reiseland und nicht so touristisch erschlossen, wie Sie es vielleicht von anderen Pauschalreisen gewohnt sind. Deshalb stellen sich vor einer Reise natürlich mehr Fragen als sonst. Wie verhalte ich mich richtig? Was muss ich mitnehmen? Lesen Sie weiter, wir wollen Ihnen einige Tipps und Hinweise mit auf den Weg geben.

Anreise

Der internationale Zielflughafen des Landes ist der Bole International Airport in Addis Abeba (ADD). Zu den wichtigsten Fluggesellschaften, die von Deutschland aus regelmäßig nach Äthiopien fliegen, gehören: Ethiopian Airlines, Lufthansa und Egypt Air. Die Flugdauer ab Frankfurt/Main beträgt knapp 7 Stunden.

Fotografieren

Als Besucher sollten Sie immer um Erlaubnis bitten, bevor Sie Einheimische fotografieren. Die meisten werden damit einverstanden sein, einige werden jedoch einen kleinen Geldbetrag als Gegenleistung verlangen. In Kirchen ist das Fotografieren ohne Blitz in der Regel erlaubt, für Videos fällt oft eine Gebühr an. Vom Fotografieren von Regierungsgebäuden, Polizeistationen und militärischen Einrichtungen sollten Sie absehen, hier gelten strenge Verbote.

Gesundheit

Die größten gesundheitlichen Probleme für Touristen stellen in der Regel Magen-/Darminfektionen dar, verursacht durch ungewohntes Essen und verunreinigtes Wasser. Dem können Sie vorbeugen, indem Sie sich an folgende Vorsichtsmaßnahmen halten:

Nur Wasser aus Flaschen trinken, kein Leitungswasser.
Auch zum Zähneputzen Flaschenwasser nehmen.
Fliegen von den Nahrungsmitteln fernhalten.
So oft wie möglich die Hände mit Seife waschen.
Rohes Obst und Gemüse immer schälen.
Auf Salate, Eis, Eiswürfel, frische Milch, frische Säfte und nicht durchgegartes Fleisch verzichten.
Lassen Sie sich vor Reiseantritt von Ihrem Hausarzt bzgl. Impfungen und Ihrer Reiseapotheke beraten.

Kleidung

In den tieferen Regionen ist eine leichte, strapazierfähige Kleidung in hellen Farben, beispielsweise aus Baumwolle ratsam. Mit langen Ärmeln und Hosen sollten Sie sich tagsüber vor der Sonne und abends vor den Moskitos schützen. Im Hochland brauchen Sie ganzjährig warme, wasserabweisende Kleidung. Eine Sonnenbrille gehört grundsätzlich ins Gepäck.

Kommunikation

In Addis Abeba und jeder anderen größeren Stadt ist die Nutzung von Post, Telefon, Internet und Fax problemlos möglich. Von Postämtern und Telecentern können Sie relativ günstig nach Deutschland telefonieren (3 Minuten für ca. 60 Birr = 2.50 Euro). Diesen Service bieten auch viele Hotels an, jedoch zu deutlich höheren Preisen. Je nach Anbieter können Sie auch Ihr Handy in Äthiopien nutzen oder Sie besorgen sich vor Ort eine äthiopische SIM-Karte.

Souvenirs

Beliebte Souvenirs aus Äthiopien sind religiöse Gegenstände wie Kreuze und Ikonen sowie traditionelles Kunsthandwerk wie handgeflochtene Körbe, Holzschnitzereien und Schmuck. Mit dem Kauf solcher Objekte können Sie die Einheimischen finanziell unterstützen und die Erhaltung der handwerklichen Traditionen fördern. Denken Sie jedoch daran, dass antike Stücke nicht ausgeführt werden dürfen. Es ist ratsam, sich beim Kauf von Kunsthandwerk von fachkundigen Einheimischen beraten zu lassen, um sich vor überhöhten Preisen zu schützen.

Reiseexperten

Reiseexpertin Andrea Bohnsack

Äthiopien ist anders. Anders als der Rest Afrikas und anders als wir es uns vorstellen. Äthiopien mag eines der ärmsten Länder der Welt sein, aber es hat viel zu bieten: üppige Natur, weite Hochebenen, vielfältige Kulturlandschaften und liebenswerte Menschen.

Sie werden ein Land erleben, das die Heimat einer der ältesten jüdisch-christlichen Kulturen ist und dessen Geschichte bis zu den Anfängen der Menschheit zurückgeht. Hier sind Kirchen keine Museen, sondern werden täglich von Gläubigen benutzt.

Lalibela mit seinen aus dem Fels herausgeschlagenen Gotteshäusern ist ein ganz besonders magischer Ort und natürlich das Highlight einer jeden Äthiopien Reise. Lassen Sie sich inspirieren vom Land am Blauen Nil!

Reiseberichte

Chronistin Edith über ihre Äthiopien-Rundreise im Oktober 2012

Mein Name ist Edith, ich bin 54 Jahre alt und lebe in Frankfurt. Dort arbeite ich in einem Amt und habe täglich Leute aus aller Herren Länder am Telefon. So manches Heimatland der Anrufer kenne ich schon, aber es gibt noch unzählige, die noch bereist werden wollen.

Wie es mir auf meiner Äthiopien-Tour ergangen ist und was ich so erlebte, könnt Ihr in meinen Berichten lesen.