Juli - August 2019

Schippern Sie zusammen mit unserem Chronisten entlang der Wolga und entdecken Sie das faszinierende Russland. Von Moskau führt Sie die Route über Uglitsch, Goritsy und den Ribynsker-Stausee bis zur Zarenstadt St. Petersburg.

Ihr Chronist

Liebe Fernreisesüchtige!

Ich bin Bernd, Geograph, Winzer und Fernsehtechniker. Meine Frau und ich reisen gern und gern fern.

Bei jeder Reise filme ich und schreibe ein Reisetagebuch. Meine Reisebeschreibungen sind immer subjektiv, persönlich und eigentlich eher für mich.

Das Schreiben hat Spaß gemacht und ich erhielt viel freundlichen Zuspruch.

1. Tag: Moskau

Es ist 10.30 Uhr. Um 11.00 Uhr holt uns ein Freund ab und bringt uns zum Bahnhof nach Würzburg. Wir checken noch mal: Pässe, Geld, Reiseunterlagen - alles da. Für heute ist der Plan 11.55 Uhr bis 13.30 Uhr mit dem Zug zum Flughafen. 17.10 Uhr soll der Lufthansa Flug nach Moskau starten. Wir kommen dort mit 1 Std. plus wegen der Zeitverschiebung an. Eigentlich sind es 2 Std., aber wegen der Sommerzeit in Deutschland ist nur 1 Std. Der Transfer zum Schiff soll 1 - 1.5 Std. dauern - es wird wohl eine längere Nacht werden. Online einchecken ging gestern am Abend nicht. Das Gruppenvisum war wohl nicht hinterlegt, wie uns die freundlichen Damen aus dem Servicebüro der Lufthansa telefonisch sagte. Zumindest konnte ich aber die Plätze 6a und 6b reservieren. Der Zug ist pünktlich, aber recht voll. Wir finden noch zwei Plätze in Fahrtrichtung nebeneinander. Es ist der neue ICE - sehr ruhig und fährt fast ohne Erschütterungen.

Das Einchecken direkt am Fernbahnhof geht auch nicht, da wir keine Bordkarte haben und die Automaten keine ausspucken. Es ist ein Systemfehler. Bei Fragen nach dem Zielland kam nur Deutschland als Auswahl - wie auch gestern online. Also müssen wir mit den Koffern ins Terminal 1 und dort in der Warteschlange einchecken. Es ging dann aber doch recht schnell. Auch die Sicherheitskontrolle war schnell und effizient mit dem Körperscanner. Irgendwie bringen wir die zwei Stunden Wartezeit herum. Bisschen hin und herlaufen, Geschäfte gucken. Dann ändert sich das Gate von 20 auf 26, verbunden mit einem größeren Flieger und neuen Plätzen 16c und 15b - blöd! Aber zum Glück sitzt der lange Kerl mit 15a lieber am Gang. Auch 16c lässt sich gegen 15c tauschen. Nun passt es wieder. Es gibt Pasta oder Chicken. Inge hat Pasta - nicht so gut, ich habe Chicken - ganz okay. Dazu Käse, Brötchen, Kuchen und Kartoffelsalat mit Lachs. Leider hat der Flieger keine Bordinfo. So wissen wir nicht wo wir sind. Nach etwa einer Stunde sind wir über dichten Wolken, die aber nach einer weiteren halben Stunde wieder aufreißen. Wir sind über Land, aber keine Ahnung wo. Viel Grün, kaum Landwirtschaft, manchmal kleine Dörfer. Erst im Landeanflug wird es dunkel.

Wir sind doch ziemlich weit nördlich. Der Flughafen Moskau Domodedovo ist riesig und zum Teil recht modern gestaltet. Die Pass-Kontrolle geht zügig. Die Beamtin ist nett und spricht deutsch. Wo wir herkommen und was wir in Russland machen möchten - Frankfurt und Urlaub. Dann dürfen wir durch, die Einreiseformulare müssen nicht mehr ausgefüllt werden. Mit Hilfe des maschinenlesbaren Passes wird das Formular automatisch gedruckt. Wir müssen nur noch unterschreiben. Zollkontrollen gibt es keine - Greenway wie auch in Europa üblich. Draußen wartet ein junger Mann, Alim unser Reiseleiter. Er spricht gut deutsch und sammelt seine Gruppe mit dem Schild "Berge und Meer" ein. Es dauert etwas, da die Gepäckausgabe nur vereinzelt Koffer ausspuckt. Nachdem etwa 50 Gäste da sind, die Prinzessin Annabell und Wolgastar gebucht haben, laufen wir zur Bushaltestelle. Kurz darauf kommt ein neuer moderner Bus (mit lauter Klimaanlage). Er darf wohl auf dem Flughafengelände nicht parken. Die Koffer werden verladen und es geht los. Da es in Russland bereits 23.00 Uhr ist, sind die Straßen nicht mehr so voll. Es wird eine Lichterrundfahrt, bei der wir bereits viele berühmte Gebäude sehen, die bunt mit LEDs illuminiert sind. Auch der Kreml ist dabei. Leider erklärt Alim nichts. Er möchte wohl eher die Lichterrundfahrt am folgenden Abend verkaufen. Nach ca. 70 Minuten erreichen wir die Schiffsanlegestelle, an der riesige Flusskreuzfahrtschiffe ankern. Wir sind im nördlichen Binnenhafen, der 1937 mit den monströsen stalinistischen Gebäuden fertiggestellt wurde. Das Hauptgebäude ist 150 m lang und hat einen 85 m hohen Turm. Wir müssen drei etwa 130 m lange Flusskreuzfahrtschiffe durchqueren um zur Prinzessin zu gelangen. Diese wirkt mit ihren 80 m geradezu zierlich, passend zu ihrem Namen. Wir werden von einer Frau, in Tracht, mit Kuchen empfangen. Im Tausch gegen unsere Pässe erhalten wir die Kabinenschlüssel. Unsere Kabine 226 liegt in Deck 2 ziemlich in der Mitte. Sie hat alles was man braucht und ähnelt mit ca. 10 Quadratmeter einem Campingwagen. Der erste Eindruck ist trotzdem gut. Auf dem kleinen TV läuft auch die Deutsche Welle und eine Aufnahme des Schiffes von der Brücke aus nach vorn.

Da wir zum Abendessen noch nicht da waren, stehen Brotzeitteller und Wasser in der Kabine für uns bereit. Auch liegen für aus ausführliche Informationen über das Schiff und die inkludierten und fakultativen Ausflüge aus. Aus dem markierten Metroplan erkennen wir, dass es nicht weit zur nächsten Metrostation ist. Die Innenstadt können wir ohne Umsteigen erreichen. Werden wir morgen Nachmittag mal machen. Morgen früh ist ja die Kreml Besichtigung im Ausflugspaket.

2. Tag: Moskau

Ich wache früh auf. Es ist schon hell. Ich habe ganz gut geschlafen, die Matratzen sind angenehm hart. Das es nur getrennte Betten gibt ist blöd, aber das haben wir vorher gewusst. Gewöhnen muss ich mich an den Geräuschpegel der Klimaanlage. Das nicht veränderbare Temperaturniveau der Klimaanlage ist im Moment ok. Inge und ich erkunden gegen 7.00 Uhr mal das Schiff, Sonnendeck, Bar und Salon. Ansprechend, aber etwas plüschig. Mal schauen ob Stühle und Liegen am Sonnendeck für alle Gäste ausreichen. Das Frühstück gibt es pünktlich um 8 Uhr, vorher ist die Türe zum Speisesaal geschlossen. Das Frühstück ist abwechslungsreich und es gibt eigentlich alles.

Um 9.30 Uhr geht es in zwei Gruppen zum Kreml. Gruppe 1, mit uns, möchte nur den Kreml besuchen. Gruppe 2 mit 32 € Aufpreis fährt dann noch weiter zum Arbad und zur Erlöserkirche. Da dabei das Mittagessen auf dem Schiff ausfällt, erhalten diese Gäste Lunchpakete. Wir steigen in der Nähe des Haupteingangs zum Kreml aus und besichtigen Türme, die Mauern, das Wasserspiel und die Gartenanlagen außerhalb der Mauer. Beim Haupteingang gibt es Scanner wie am Flughafen. Alkoholika und z. B. Taschenmesser dürfen nicht in den Kreml. Da ich aber mein etwa 40 Jahre altes Schweizer Messer dabei habe, gebe ich es Alim zur Aufbewahrung, der nicht mit in den Kreml geht. Später tausche ich es gegen 5 € wieder ein. Der Witz: am Abend entdecke ich noch ein anderes Taschenmesser im Rucksack, welches aber nicht gefunden wurde. Auch in Frankfurt am Flughafen wurde es übersehen. Wir besichtigen die Dreifaltigkeitskirche und den Dreifaltigkeitstorturm. Vor dem architektonisch unpassenden Kongresspalast erklärt uns Maria viel über das, was wir sehen. Denke so viele Informationen kann sich kaum ein Gast merken. Ich werde halt einiges zu Hause noch mal nachlesen. Wir laufen an der Zwölf-Apostel-Kathedrale vorbei zur Zarenkanone, dann an der Maria-Himmelfahrt-Kathedrale vorbei zum Kathedralenplatz, der vom Glockenturm Iwan des Großen, der Erzengel Kathedrale und der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale, dem Facettenpalast und weiteren wichtigen Gebäude eingerahmt wird. Die Gruppe besichtigte noch ohne uns die Maria-Gewandtlegung-Kathedrale von innen. Uns ist das Gedränge zu groß. Die ganze Welt will halt den Kreml sehen. Plötzlich wird es laut. Zwei große Militärhubschrauber kommen angeflogen. Einer sichert das Gelände, der andere landet. Einige dunkel gekleidete Leute steigen aus und fahren mit vier großen Limousinen und 6 SUVs als Begleitfahrzeuge fort. Später erfahren wir, dass wir hier die Fahrzeuge mit Putin gesehen haben. Beide Gäste-Gruppen treffen sich im Kreml Park und wir laufen zusammen zum Bus. Nun hat es angefangen zu regnen und einige Gäste der Gruppe 2 wollen nun doch nicht mehr die Fußgängerzone Arbad und fahren mit uns zum Schiff zurück.

Das erste Mittagessen ist - wie alle weiteren auch - sehr schmackhaft. Es gibt Salat, Suppe, das Hauptgericht - heute ist es Schweinbraten - und Nachtisch mit Kaffee oder Tee und leckeren Kuchen, der mir aber etwas zu süß ist. Die ganzen MitarbeiterInnen des Schiffes sind sehr freundlich und führen ihren Job sehr professionell durch. So ein toll aufgeräumtes und gereinigtes Zimmer haben wir auch in sehr teuren Hotels selten (oder fast nie) vorgefunden. Wir meinen, dass dies alles manche Unbequemlichkeiten der Prinzessin wett macht. Heute früh habe ich auch das Passwort für das Wlan (30 € für die gesamte Fahrt) geholt. Es funktioniert mit guten Signalstärken und schnellem Zugang überall auf dem Schiff, soweit getestet.

Inge und ich warten bis der Regen aufgehört hat. Dann laufen wir zur etwa 400 m entfernten Bank und lassen mit der VISA Karte 8000 Rubel aus dem Automaten. Direkt nebenan ist am Leningrader Prospekt ein Supermarkt der 24 Stunden am Tag geöffnet hat. Wir laufen weiter zur Metrostation "Rechnoy Vokzal". Für 55 Rubel kann man so lange Metro fahren wie man möchte. Inge und ich kaufen vier Tickets für 220 Rubel und fahren die grüne Linie südwärts bis zur Station "Majakowskaja", die kürzlich zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Auch die Station "Belorusskaja" ist sehr schön mit Marmor aus Weißrussland verkleidet. Weiter geht es zur Station "Teatralaja" in der Nähe des roten Platzes. Es gibt ein paar Fallstricke in der Metro. Viele Infos sind nur kyrillisch geschrieben. Zumindest werden die Stationen während der Fahrt auf Englisch angesagt. Nicht alle Stationen werden immer bedient - nur die, die einen Strich im Metroplan haben. Manche Station haben mehrere Namen, da sich dort Linien kreuzen, die Haltestellen aber nicht einheitlich benannt sind.

Der Rote Platz und die angrenzenden Straßen und Fußgängerzonen sind irre! Viele Leute, tolle Stimmung. Wir sind total begeistert. Das Kaufhaus GUM haben wir heute nur von außen gesehen. Der Besuch innen soll morgen während der Stadtrundfahrt nachgeholt werden. Leider steht ein riesiges Gerüst vor der Basilius-Kathedrale. Sieht aus wie eine Bühne für ein Open-Air-Festival. Das historische Museum, GUM, die Kremlmauer mit dem Lenin-Mausoleum und der Arsenal Eckturm begrenzten den riesigen Platz. Wie gesagt: Begeisterung pur. Wir fahren mit der Metro zurück und haben aber keine Lust die etwa 800 m zu unserem Schiff im Regen zu gehen. Wir nehmen ein Taxi zu 300 Rubel. Das Abendessen ist wieder sehr gut, aber nicht zu reichlich, was bei Vollpension auch richtig ist. Alkoholfreies russisches Bier kostet 3 € für 0,483 l. Mir schmeckt das dunkle russische Bier zu 3,50 € sehr gut. Die Getränke sind nicht frei und werden sofort nach dem Essen in Euro kassiert.

Die meisten Gäste fahren um 20:30 Uhr zum fakultativen Ausflug für 40 € zur nächtlichen Lichter-und Metrorundfahrt. Wir haben auf der Transfer Fahrt vom Flughafen schon viele Gebäude inklusive dem bunt beleuchteten Kreml gesehen und dann nachmittags einiges von der Metro mitbekommen. Stattdessen gehen wir in den Salon auf ein weiteres Bier, wo das "Duo Welthits" spielt. Gitarre und Gesang zu weiterem Playback. Die Musik ist sehr angenehm und entspannt. Es sind tolle Musiker, die Frau singt laut Inge über 4 Oktaven. Wir vermuten, dass es ausgebildete Musiker sind, die keinen besseren Job gefunden haben.

3. Tag: Moskau

Um 7.30 Uhr zwitschern Vögel in unsere Kabine. Der Bordlautsprecher versucht uns zu wecken. Um 9.00 Uhr geht es dann zur Stadtrundfahrt. Es ist noch genügend Zeit für das Frühstück. Kommen um 8.50 Uhr zum Bus und sind die ersten - also auch noch Platz in der ersten Reihe. Der Bus fährt pünktlich ab. Maria, mit dem ausgezeichneten Deutsch, erklärt viel über die Stadt, ihre Bevölkerung ihre Bewohner, die Geschichte und das heutige Leben in Moskau. Wir fahren die Ringstraße in westliche Richtung an der Pferderennbahn vorbei. Immer wieder sehen wir auch die Hochhäuser des neuen Geschäftsviertels. Dann fahren wir die Moskwa entlang und sehen sehr schöne Promenaden und Radwege. Immer wieder gibt es aufwendig gestaltete Gebäude. Unser Ziel sind nun die Sperlingsberge, eigentlich Hügel, aber da Moskau im Flachland liegt, sind die Hügel halt Berge. Wir fahren zur Lomonossow-Universität, eine Stadt für sich. Gegenüber gibt es eine Aussichtsterrasse, von wo aus man fast ganz Moskau überblicken kann. Dann fahren wir zurück "ins Tal", wieder der Moskwa entlang. Wir sehen den Gorki Park und später die in den 90er Jahren neu errichtete Erlöserkirche für ca. 10.000 Gläubige. Durch den normalen Stau erreichen wir schließlich wieder den Kreml. Der Bus parkt in der Nähe der Basilius-Kathedrale und wir laufen bis zum GUM. Eigentlich als Universal-Kaufhaus erbaut beherbergte es heute teure Markengeschäfte aus aller Welt. Natürlich gibt es hier mehr Touristen als Käufer. Hier trennt sich die Gruppe. Wir haben 45 Minuten frei. Inge und ich laufen längst des roten Platzes durch das GUM und dann auf dem Roten Platz zurück zum Treffpunkt. Das hier Mathias Rust mit seiner Cessna gelandet ist - unglaublich! Heute ist das Gerüst, welches den Blick auf die Basilius-Kathedrale verstellt hat, abgebaut und wir können noch schöne Aufnahmen machen.

Gegen 13.30 Uhr kommen wir durch heftige Staus wieder am Schiff an. Während des Mittagsessens legt die Prinzessin mit lauter Marschmusik (keine Traumschiff-Melodie) ab. Die erste Zeit sehen wir Hafenanlagen, in denen Schüttgut be- und entladen wird. Wir gleiten durch das Umland von Moskau. Dörfer, Datschen und ansehnliche Wohnhäuser prägen das Landschaftbild des grünen Gürtels um Moskau. Oft begegnen uns große Binnenschiffe. Es sind auch sehr große Schiffe dabei, die auch die Ostsee befahren. Der Kanal ist oft bis zu 100 m breit. Die Bebauung wird spärlicher und nun gleiten (wirklich sehr leise) wir durch die Taiga-Wälder. Unterbrochen werden diese nur durch kleine Ansiedlungen. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir die erste Schleuse. 18 werden noch folgen. Die fotogenen, monumentalen Schleusengebäude im stalinistischen Baustil sind aus Granit und weißem Kalkstein. Es gibt etwas Wartezeit, aber es passen auch vier große Schiffe in die Schleuse. Das Schleusen dauert etwa 30 Minuten. Nach Dubna fahren wir in die Wolga ein. Sie ist Inbegriff für die russische Heimat. Der russische Fluss, wie die Birke der russische Baum und der Wodka das russische Getränk ist.

Wir bekommen jetzt noch Sicherheits- und Informationsvorträge im Salon und plötzlich klingeln Glocken. Das Zeichen für die Notfall-Übung. Alle müssen in ihren Kabinen die Schwimmweste holen und anlegen. Bei uns prüft eine Frau den korrekten Sitz der Weste. Wir müssen am Gang warten bis ein Offizier kommt, der sich dann mit den Gästen vom Bord-Fotograf ablichten lässt, der die Bilder später verkaufen möchte. 18.30 Uhr ist der Kapitänempfang. Der Kapitän bringt 15 MitarbeiterInnen mit und Sekt für alle. Es gibt eine kurze Ansprache und dann stoßen wir auf die glückliche Reise an. Bis morgen früh werden wir 6 Schleusen durchfahren haben. Wir gehen nach dem Essen noch etwas an Deck und schauen beim Schleusen zu. Kreuzfahrtschiffe haben Vorfahrt, also müssen wir seltener warten. Später gehen wir noch in den Salon wo wieder das "Duo Welthits" spielt. Diesmal moderiert Alim. Heute singen sie auch italienische und spanische Lieder. Leider kommen wir zu "Wind of change" zu spät. Da wir in Moskau nicht mehr dazu gekommen sind kaufen wir auf dem Schiff Trinkwasser zu 3.50 € für 1.5 l. Fest angelegt in Moskau und St. Petersburg muss bar in Euro bezahlt werden. Während der Reise kann auch auf die Zimmernummer angeschrieben werden. Es ist aber recht umständlich, da pro Bestellung ein Formular ausgefüllt und unterschrieben werden muss. Das freundliche Personal mag es wohl auch nicht so sehr, da sie dann ja kein Trinkgeld beim Bezahlen erwarten dürfen.

4. Tag: Uglitsch

Um 8.00 Uhr wird schon Frühsport auf dem Sonnendeck angeboten. Kurz vor 9.00 Uhr kommt dann eine Durchsage das gleich der Kirchturm der im Stausee versunkenen Stadt Kaljasin steuerbord, also rechts, zu sehen ist. Also erst fotografieren und dann zum Frühstück. Den ganzen Tag werden Vorträge, Kurse und Informationen über die Bordlautsprecher durchgegeben. Echt schöne Gegend, viele Datschen, welche eher Luxus-Ferienhäuser sind, Yachthäfen, Badeleitern, manchmal noch kleine Strände, kleine Dörfer und viel, viel, viel, viel Wald. Während des Mittagsessens erreichen wir die Schleuse von Uglitsch, die als Triumphbogen ausgebildet ist. Um 14.00 Uhr legen wir dann in Uglitsch an. In drei Gruppen geht's zu Fuß zur Besichtigung.

Wir sehen im Uglitscher Kreml, die Christi-Verklärungs-Kathedrale und die Kirche des Dimitri auf dem Blute. Sie wurde 1692 mit ihren 5 Kuppeln erbaut und erinnert an den neunjährigen Sohn Iwan des Schrecklichen, der hier unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Zu sehen sind noch weitere Kirchen- und Klostertürme. Im Park steht noch der erste Traktor von Uglitsch, der während der Sowjetzeit in der Kathedrale untergebracht war, die als Scheune diente.

Weiterhin ist es ein tolles Wetter 25 Grad, etwas Wind. Wir haben die Führung vorzeitig verlassen und waren in einem kleinen Laden Getränke kaufen. Die Verkäuferin ist sehr freundlich. Wir haben acht Bier und 4 Liter Wasser zu 730 Rubel, als ungefähr 10 €, gekauft. Auf dem Rückweg zum Schiff haben wir noch vier Babuschka-Topflappen gekauft zu je 50 Rubel. Der Hauptplatz von Uglitsch ist geprägt von Häusern aus der Sowjet-Zeit und vielen uns unverständlich bunten Werbetafeln - alles sehr schön und so unerwartet. Auch ein Supermarkt, den wir später zufällig sehen, war von außen so für uns nicht ersichtlich.

Pünktlich legen wir um 17.00 Uhr wieder mit Marschmusik ab. Nachher wird noch ein Wolga-Chor unter den Gästen zusammengestellt. Wir genießen die Fahrt auf der Wolga, mal einige hundert Meter, manchmal bis über 1 km breit. An den Ufern sind viele Badende und Angler und Menschen zum Camping gekommen. Es ist Freitag und herrliches Wetter und ich denke viele bleiben über das Wochenende. Die Ufer sind wunderschön, viel Wald - meist Nadelwald. Manchmal kommen auch Motorboote und Jetskis vorbei. Mich wundert, dass es keine Segelboote gibt. Na ja, vielleicht sind bei den Russen eher Motore in Mode. Etwa zwei Stunden nach dem Abendessen fahren wir bei Sonnenuntergang in den Rybinsker Stausee ein. Die Sonne versinkt dort genau vor unserem Schiff. Wahnsinnig schön!

Wir rennen immer mal von Steuerbord nach Backbord und umgekehrt weil die Sonne mal hier, mal dort besser zu sehen ist. Den Abend beschließen wir im Salon wieder mit dem "Duo Welthits", die mal diesmal romantische Lieder spielen. Wir kaufen für 10 € eine CD: noch mal: so schön haben wir uns die Kreuzfahrt nicht vorgestellt. Wir sind auch froh, dass wir mit der Prinzessin ein kleines Schiff gewählt haben. Die meisten Gäste sind sehr nett und man lernt sich schnell kennen. Bei den Anlegern müssen wir immer wieder große Schiffe durchqueren, da nebeneinander "geparkt" wird. Ich glaube, wir haben bei der Wahl des Schiffes alles richtig gemacht. Natürlich gibt es auch Dinge, auf der Prinzessin, die uns nicht so gefallen. Siehe die Gegenüberstellung nach dem Fazit der Reise.

5. Tag: Goritsy - Ribynsker-Stausee

Heute können wir es ganz gemütlich angehen lassen. Wieder ist bis Nachmittag "Seetag". Habe gestern so viel gefilmt und fotografiert, dass ich die eine oder andere Datsche, Waldlichtung, Kirche oder Schleuse heute unaufgenommen lassen kann. Die Besiedlung ist auch noch mal dünner geworden. Heute Nacht haben wir ja den Rybinsker Stausee durchfahren und heute früh die Stadt Tscherepowez an Backbord gesehen. Nach 9.00 Uhr waren wir in den Schleusen 7 und 8 - zwei Schleusen nebeneinander. Gerade fahren wir durch die Sysminski Überschwemmung.

Vormittags werden auch die fakultativen Ausflüge in St. Petersburg vorgestellt, über das russische Essen informiert und eine Matroscka-Malstunde angeboten. Wir sitzen am Sonnendeck und lassen die beruhigende Landschaft an uns vorüber gleiten. Das Wetter ist angenehm warm und der Fahrtwind wirkt erfrischend.

Mit etwa ½ Stunde Verspätung erreichen wir Goritzy, eine Kleinstadt, die ihre Entstehung und Entwicklung der benachbarten Kloster Kirillo-Belosersky verdankt. Das Kloster erlebte als feudales, kulturelles Zentrum im 16.- 17. Jahrhundert seine Blüte. Es wurde in im 17. Jahrhundert dann als Festung ausgebaut. Es ist riesig, hat eine 11 m hohe und 7 m dicke Mauer und wird seit 1957 restauriert. Es ist nur 7 km von Goritzy entfernt und wir werden mit zwei Bussen in 10 min hingebracht. Die (schlechte) Straße führt durch landwirtschaftliches Gebiet. Wir sehen viele zum Teil alte Holzhäuser, die oft auch schön verziert sind. Sowohl an der Anlegestelle in Goritzy, als auch beim Busparkplatz vor dem Kloster versuchen viele Händler ihre Waren an Frau und Mann zu bringen. Es gibt viel Kleidung und die üblichen lustigsten Souvenirs wie Matroschkas.

18.30 Uhr fährt unsere Prinzessin mit Marschmusik weiter. Um 19.30 Uhr startet der russische Abend. Alle Kellnerinnen und Kellner sind in Tracht. Jeder bekommt am Eingang zum Speisesaal einen Wodka. Auch die Speisen sind heute ziemlich typisch für Russland und wie immer sehr lecker. Das "Duo Welthits", die sich eigentlich Oleg und Olga nennen, spielen russische Volkslieder und die Nationalhymne, zu der alle aufstehen.

Am Eingang zum Weißen See, der den Namen vom weißen Sand am Strand und am Boden hat, steht der zerfallene Turm einer versunkenen Kirche. Wir passieren ihn um 21.00 Uhr. Es frischt auf und es gibt etwas Seegang. Wir beschließen den Tag wieder im Salon bei etwas Bier und hören Oleg und Olga zuerst bei weiteren russischen Volksliedern, dann bei Tanzmusik zu.

6. Tag: Vytegra - Weißer See

Wache um 2.00 Uhr auf. Es ist fast taghell. Die weißen Nächte gibt es hier wohl auch. Um 9.00 Uhr gibt es Frühstück. Auf dem Sonnendeck ist es ungemütlich. Es regnet und ist kalt. Heute früh fahren wir durch sechs Schleusen mit insgesamt 70 m Höhenunterschied. Um 11.00 Uhr sind wir in Wytegra, können aber noch nicht anlegen, da dort noch ein anderes Schiff liegt. Gerade läuft im Fernsehen die jährliche Flottenparade mit Ansprache von Putin in St. Petersburg. Wir haben noch kurz beim Russischunterricht reingeschaut. Bleibt aber wohl nicht viel hängen.

Unterwegs haben wir wieder viele Kilometer nur Wald gesehen, einige Holzhäuser in kleinen Gruppen und zwei Holz-verladestationen. Habe gelesen, dass das Holz meist nach Finnland exportiert wird. Die haben zwar genügend Holz, aber das russische ist billiger.

Um 12.00 Uhr kann die Prinzessin in Wytegra anlegen. Wytegra ist quadratisch angelegt und hat heute etwa 10.000 Einwohner. Früher wurden Verbannte hierher geschickt. Heute scheint die Hauptverdienstmöglichkeit wohl die Kanalverwaltung. Wir laufen zum Heimatmuseum und später zum U-Boot. Es sind nur etwa 300 m zum Heimatmuseum im Erdgeschoss eines Plattenbau-Wohnhauses. Wir erreichen das Museum über eine ungepflegte Allee mit einem Grünstreifen in der Mitte, der wieder einmal gemäht werden könnte. Die Straße hat zum Teil sehr große Schlaglöcher. Im Museum wird die Geschichte von Wytegra mit Schautafeln, Bildern und vielen ausgestopften Tieren und Modellen erzählt. Es ist recht anschaulich und informativ. Zur Sowjetzeit seien die Exponate in einer Kirche untergebracht worden. Inge und ich laufen noch zum Mahnmal des unbekannten Soldaten. Nach der Abmeldung von der Gruppe laufen wir schon mal zum U-Boot vor. Es ist fast 100 m lang und seit den 50er Jahren ein Museum. Das U-Boot B440 wurde 1969 in Leningrad gebaut und fuhr durch Nord- und Ostsee, Schwarzes Meer, Mittelmeer und Atlantik. Es konnte 90 Tage auf See bleiben. Wir laufen durch das U-Boot und die lokale Führerin erklärt die Technik des Bootes. Vor dem U-Boot ist eine Bühne aufgebaut. Zu sehr lauter Salsa-Musik und anderen schnellen Rhythmen tanzen dort Mädchengruppen. Es wird gegrillt, es gibt Vergnügungen für Kindern und einen kleinen Markt mit Spielwaren und Souvenirs.

7. Tag: Mandrogi

Heute ist ein gemütlicher "Bordtag". Wir fahren "wie immer" durch Wälder in Richtung Onegasee. Es gibt wieder Russischunterricht. Die Überfahrt über den Onegasee ist wirklich sehr stürmisch. Der Onegasee ist mit etwa 10.000 km² der zweitgrößte europäische See - nur der Ladogasee ist noch größer. Der Onegasee liegt auf der gleichen geographisch Breite wie der Nordteil von Kamtschatka und Jakutsk in Sibirien. Viel höher hätten die Wellen nicht sein dürfen. Später sagte der Kapitän, dass wir gerade noch so durchgerutscht sind. Am späten Vormittag hätten die Wellen wieder 2.50 m betragen - also deutlich über der Zulassung von 1.70 m.

Gegen Mittag sind wir wieder im sicheren Fluss Swir, dem einzigen Abfluss aus dem Onegasee. Wir durchfahren den südlichen Rand der karelischen Taiga. In den riesigen Kiefern- und Birkenwäldern des hügeligen Flachlandes tummeln sich noch heute Bären, Wölfe und Elche, aber nur 4 Einwohner pro KM². Oft diente das nördliche Karelien, als kleines Sibirien zur Verbannung. Es gibt hier bis zu 200 Tage Winter mit bis zu -44 Grad.

Am Vormittag lief noch der Film "Rasputin" im Bordkino. Um 16.30 Uhr erhalten wir die Infos wann wer zum Flughafentransfer bereit sein soll. Die ersten Flüge sind schon sehr früh am Morgen. Wir sind erst gegen 17.00 Uhr dran. Der Chor der Gäste probt noch mal russische Volkslieder für den Talentwettbewerb am Abend.

Dann wird noch einmal zu einem Treffen gebeten. Der Tourleiter und der Kapitän verkünden, dass der Ladogasee bis zu 3 m Wellen hat und wir keinesfalls über den See weiterfahren dürfen. Wir werden morgen von drei Bussen abgeholt und nach St. Petersburg in ein Vier-Sterne-Hotel gebracht. Angelegt wird heute Abend in Mandrogi, wo eigentlich im Museumsdorf ein längerer Aufenthalt geplant war. Wir packen noch vor dem Kapitänsdinner. Alle werden von ihm mit einem Glas Sekt begrüßt. Es gibt kleine Portionen Kaviar dazu. Wieder spielen Oleg und Olga ein paar Lieder. Wir wissen nicht ob die Planänderung gut oder schlecht ist. Auf jeden Fall sehen wir so auch etwas von Karelien von der Straße aus. Am Abend gibt es noch eine Tombola, mit Preisen aus dem Souvenirshop. Der Lospreis betrug 15 €, jedes Los gewinnt. Dann folgt die Talentshow. Wir sind zu spät gekommen da wir noch bis zu den letzten Sonnenstrahlen an Deck waren. Als wir kommen spielen die Tourguides gerade Sketche - alle lachen. Dann gibt es noch ein Theaterstück und da die gebuchten Schauspieler nicht erschienen sind, sollen die Gäste einspringen. Etwa die Hälfte der Zuschauer wurde "gecastet". Das Stück erinnert an Kindergeburtstag, aber alle haben viel Spaß! Lauthals wird gelacht und den Schauspielern applaudiert.

8. Tag: St. Petersburg

Um 5.00 Uhr zwitschern Vögel in unsere Kabine, dann erklingt leise Musik. So wird hier ja immer geweckt. Wir frühstücken etwa gegen 6.00 Uhr, haben aber beide keinen richtigen Hunger. Die Koffer werden vor die Tür gestellt. Sie sind mit einer blauen Schleife für Bus 3 gekennzeichnet. Gegen 7.00 Uhr gehen wir von Bord. Wir haben noch Trinkgeld in die verteilten Kuverts gegeben und in die bereitgestellte Box gesteckt. Auch den Beurteilungsbogen haben wir meist mit Bestnoten ausgefüllt. Wir laufen noch etwas durch die ersten Bereiche von Mandrogi. Die Häuser sind noch nicht geöffnet aber von außen sind sie schön anzuschauen. Die vor den Bussen abgestellten Koffer werden noch von ihren Besitzern identifiziert und los geht die Fahrt. Etwa 10 km geht es durch den Wald auf engen Feldwegen. Dann kommen wir zu einer asphaltierten Straße. Es sind noch etwa 260 Kilometer bis St. Petersburg. Die Straße ist super in Schuss, je näher wir nach St. Petersburg kommen desto besser. Aber weiterhin fahren wir durch die Taiga, halt nur auf der Straße. Wieder gibt es nur selten einzelne Häuser und Siedlungen. Wir kommen durch zwei Städte, die mit Ampeln und Schallschutzwänden ausgestattet sind. Immer wieder gibt es aber blaue Bushaltestellen mit beleuchteten Fußgängerüberwegen und Zebrastreifen. Es müssen also in den Wäldern mehr Leute leben, als die Häuser, die von der Straße aus zu sehen sind, lässt sich vermuten. Nach etwa zwei Stunden gibt es eine "technische Pause" von 40 Minuten. Was lange erscheint, hat aber gepasst, denn es gibt zwei Toiletten, die neu und sauber sind. Wir trinken Latte und Cappuccino aus dem Automaten zu je 150 Rubel - sehr wohlschmeckend. Am Horizont werden die Häuser nach und nach mehr, auch Hochhäuser sind zu sehen. Ikea ist auch da. Wir fahren ewig lang (schätze so 30 km) um die ganze Stadt im Uhrzeigersinn auf der Ringstraße herum. Es geht auch über hohe Brücken mit einer tollen Sicht auf das Meer und den Hafen. Unser Hotel ist das ParkInn by Radisson früher hieß es Pribaltiyskaya. Es liegt auf der Insel Wassilostrowski. Es stammt noch aus Sowjetzeiten und hat ca. 1200 Zimmer. Alles ist erstklassig renoviert. Wir haben aus unserem Zimmer 10058 im 10. Stock einen herrlichen Ausblick. Wir können auch die Anlegestelle der wirklich großen Kreuzfahrtschiffe sehen. Zwei liegen gerade dort. Nach etwa einer Stunde beginnt die Stadtrundfahrt. Die freundliche Fremdenführerin Tatjana erklärt - wie gewohnt - sehr ausführlich. Wir fahren an die Neva und machen immer wieder ein Fotostopp bei den Brücken, der Eremitage, bei Kirchen und Palästen. Von der Flottenparade am Sonntag (immer letzter Sonntag im Juli) liegen noch Kriegsschiffe im Fluss auch die "Astor" und die "Deutschland", beides ehemalige Traumschiffe, sind wohl zur Flottenparade gekommen. Weiter geht es zur Feste Peter und Paul vorbei am Schlachtschiff Aurora, von dem aus die Oktoberrevolution gestartet wurde. Dann geht es in die Innenstadt zum Nevsky- Prospekt und zum Künstlerpark. Mich wundert wie wenige Fußgängerzonen es gibt. Das Auto ist halt hier noch ein mächtiges Statussymbol.

Ab hier fahren Inge und ich mit dem Taxi ins Hotel. Tatjana besorgt ein Taxi, das nach ca. 5 Minuten da ist. Sie hat als Fahrpreis 500 Rubel ausgehandelt. Was für eine Fahrt von 40 Minuten, besonders wegen der Staus, wirklich nicht viel ist. Wir geben dem freundlichen Fahrer noch etwas Trinkgeld, was er etwas verwundert nimmt. Wir haben uns auch etwas unterhalten, obwohl er keinerlei Fremdsprachen, konnte. Aber die fehlenden Sprachkenntnisse müssen ja die Kommunikation nicht unbedingt einschränken. Wir essen im Hotel zu Abend. Es gibt Buffet - wohlschmeckend und reichlich. Das Bier kostet hier 375 Rubel, alkoholfreies Bier 300 Rubel. Im Fernsehen im Hotel sind die einzigen deutsche Sender RTL, Eurosport und NTV.

9. Tag: St. Petersburg

Wir schlafen aus und frühstücken gemütlich, denn schließlich geht es erst um 10.00 Uhr zur Eremitage. Unsere Reiseleiterin Marina stellt uns ihren Mitstreiter Maxim vor, jeweils ca. 25 Gäste werden beiden zugeteilt. Ganz simpel: Gruppe Marina sitzt hinter dem Fahrer im Bus Gruppe Maxim hinter dem Reiseleiter. In allen russischen Touristen-Bussen nehmen die Reiseleiter Reihe 1 Beifahrerseite für sich in Anspruch. Zu meiner Zeit als Reiseleiter vor ca. 30 Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Für die wenigen Kilometer vom Hotel zur Eremitage benötigen wir aufgrund des Staus fast eine Stunde. Endlich angekommen sehen wir die lange Schlange der Gruppen die heute auch die Eremitage besuchen wollen. Wir brauchen fast eine weitere Stunde bis wir vor dem Eingang stehen. Wir müssen durch eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen gehen. Alles was wir in den Taschen haben muss durch den Scanner geschoben werden. Getränke dürfen nicht mitgenommen werden, ebenso Taschen und Rucksäcke. Diese haben wir aber sowieso im Bus gelassen. Wir haben Funkempfänger mit Kopfhörer erhalten, die recht weit die Stimme von Maxim in unsere Ohren übertragen. Inge und ich setzten sich etwas von der Gruppe ab um allein Eindrücke zu sammeln. Das ist völlig unmöglich. Tausende von Touristen drängen sich durch die zum Teil engen Gänge und Treppen. Maxim sagte: bitte die Eremitage nur im Winter besuchen. Nun waren wir aber schon mal hier und haben einen ersten Eindruck gewonnen, kommen aber eventuell noch mal im Winter wieder. Das Mittagessen wird aufgrund des langen Staus und der Wartezeiten um eine halbe Stunde verschoben.

Inge und ich verlassen die Eremitage am Ausgang zur Neva. Wir müssen noch durch einen recht ruhigen Eingang in den Palast. Wir laufen noch durch den Triumphbogen mit sechs Pferden zum Generalstabsgebäude und von dort bis zur Nevsky-Prospekt. Das Mittagessen wird uns im Hotel Azimut gereicht. Es hat ebenso wie unser Hotel über 1.000 Zimmer und ist seit den Sowjetzeiten neu renoviert worden. Hier sind hauptsächlich Reisegruppen untergebracht. Laut Booking.com kosten beide Hotels etwa 100 € pro Doppelzimmer und Nacht. Gegen 16.00 Uhr sind wir wieder im Park Inn Hotel. Wir ruhen uns noch etwas aus und laufen dann zu einem Supermarkt neben dem Hotel. Das Abendessen lassen wir ausfallen. Inge hat Magenprobleme und ich keinen richtigen Hunger. Nachdem wir einen Überblick über St. Petersburg gewonnen haben, habe ich etwas Zeit die Erlebnisse zu sortieren.

10. Tag: St. Petersburg

Wir wachen wieder ziemlich früh auf. Ich lese noch etwas im DuMont "St Petersburg". Kann mich schon recht gut orientieren. Das Frühstück schmeckt nicht mehr. Es ist zwar alles da, aber halt der touristische Einheitsbrei. Wir sehnen uns nach unserer Prinzessin zurück, wo alle Gerichte "mit Liebe" zubereitet wurden. Gegen 10 Uhr fahren wir in die City. Direkt am Hotel fahren mehrere Bus-Linien zur nächsten U-Bahn-Station "Primorskaya". Hier steigen wir schon nach der zweiten Station wieder aus der grünen Linie aus. Die Station bei der grünen Linie heißt "Gostiny Dvor", bei der blauen Linie, die sich mit ihr hier kreuzt aber "Nevsky-Prospekt". Wir sind im Zentrum. Der Bus hat für zwei Personen 72 Rubel, die Metro 90 Rubel gekostet. Wir sitzen etwas in einem Park, schauen etwas den Passanten zu und laufen dann zu einem großen Kaufhaus. Dieses besteht auch nur aus kleinen Einzel-Läden und ist für uns überhaupt nicht attraktiv. Inge hat wieder Rückenschmerzen und so fahren wir mit dem Metro wieder in Richtung Hotel. Da Inge nicht auf einen Bus warten will, nehmen wir ein Taxi für 200 Rubel. Wir essen eine Kleinigkeit im Hotel zum Mittag und fahren dann gegen 15 Uhr mit Bus und Metro wieder in die Stadt. Wir bummeln in Richtung Neva, laufen dort durch eine kleine Fußgängerzone mit Bücher-Ständen entlang. Wir unterhalten uns etwas mit Souvenirverkäufern, finden aber nichts, was wir unbedingt haben möchten. Unterwegs an der Eremitage fotografiere ich noch meine "leider leere" Regent Flasche. Wie bei jeder Urlaubsreise nehme ich einen meiner Regent mit, trinke ihn dann am weitesten entfernte Ort und fotografiere ihn dann dort prominent.

Ganz plötzlich werden Inges Rückenschmerzen wieder stärker und sie will sofort mit einem Taxi ins Hotel fahren. Der nächste Taxifahrer will je nach Taxameter 800 bis 1100 Rubel haben. Schließlich willige ich ein. Der Taxifahrer ist freundlich, wir unterhalten uns mithilfe einer Übersetzungs-App. Er fährt nach Google Maps um Staus herum und wir kommen zügig am Hotel an - allerdings zu 950 Rubel. Wir gehen noch in einen großen Supermarkt direkt neben dem Hotel. Es gibt eine große Auswahl. Alles ist auch auf Chinesisch beschriftet und auch fast alle Verkäuferinnen und die Damen an der Kasse sprechen Chinesisch. Eine Chinesin vor uns an der Kasse kauft teure Getränke und Kaviar. Ich kaufe etwas Bier und zwei Flaschen russischen Wein als Souvenir für zu Hause. Nach dem Abendessen bekommen wir unsere Pässe zurück und den Hinweis, dass wir bereits um 14 Uhr zu Flughafentransfer abgeholt werden. Von hier ist es etwas weiter als von der geplanten Schiffsanlegestelle. Wir laufen noch einmal um das große Hotel herum und schlafen bald ein. Heute sind wir laut Schrittzähler 18000 Schritte gelaufen!

11. Tag: St. Petersburg

Wir wachen leider recht früh auf und schauen noch etwas Fernsehen. Wir warten auf Nachrichten, die aber in der gewohnten Form nicht kommen. Nach dem Frühstück, das wieder nicht so gut schmeckt, gehen wir gegen Mittag noch etwas in Richtung Strand. Wir überqueren eine Brücke über die mautpflichtige Stadtautobahn und sehen dann den neuen Gazprom-Tower. Er wird mit 374 m das höchste Gebäude Europas werden. Manche sehen in der Form eine große Fackel, andere beschreiben es als Segel. Zum Strand ist es dann doch noch etwas weit. Wir kehren um wir prüfen ob wir alles richtig gepackt haben und gehen um 13.30 Uhr in die Lobby. Unser Transferbus steht schon bereit und die Koffer werden verladen. Pünktlich um 14.00 Uhr fahren wir zum Flughafen. Wir brauchen etwa 40 Minuten über die Stadtautobahn. Ich hatte am Vorabend schon online eingecheckt. Diesmal klappt es. Wir haben die Plätze 10a und 10b. Ich zeige die online Bordkarte auf dem Handy vor und wir bekommen die Bordkarten aus Papier. Wir geben die Koffer auf. Inges wiegt 22 kg, meiner 20 kg. Da ist in der Flughafenhalle keine Sitzplätze sind und es nichts zum Anschauen gibt, gehen wir weiter durch die Sicherheitskontrolle. Die beiden Wasserflaschen haben wir noch leer getrunken. Die Passkontrolle ist wieder schnell und zügig, Zollkontrollen gab es wieder keine. Leider gibt es auch in St. Petersburg nicht wie in Frankfurt die Möglichkeit diese wieder nach der Sicherheitskontrolle mit Trinkwasser zu füllen. Dafür kostet aber eine 0,5 Liter Wasserflasche nur 100 Rubel. Wir schlendern etwas durch den riesigen Duty Free Bereich, finden aber wieder nichts was wir wirklich brauchen können. Kaufen von den letzten Rubel noch eine Tafel Schokolade. Unser Gate ändert sich noch, ist aber kein Problem. Da Inge schlecht stehen kann, dürfen wir mit einem älteren Ehepaar aus unserer Gruppe und Eltern mit Kindern als erste einsteigen. Diesmal dürfen wir die Plätze, die wir laut Bordkarte haben, behalten. Es ist ein ruhiger Flug. Wir fliegen über das Baltikum, sehen manchmal die Küste der Ostsee. Auf Höhe von Rostock schwenkt der Flieger dann nach Süden und beginnt bald mit dem Landeanflug auf Frankfurt. Der Kapitän sagt manchmal an wo wir gerade sind an. Wir kommen etwas vor der geplanten Zeit an. Der Airbus parkt auf dem Vorfeld. Die Zubringerbusse stehen bereit und wir werden zügig zum Terminal 1b gefahren. Schon am Flugzeug werden unsere Pässe erstmals kontrolliert dann noch mal bei der automatischen Passkontrolle. Als wir am Gepäckband ankommen, kommen auch unsere Koffer gerade aufs Band. Wir beeilen uns noch den Zug um 20.36 Uhr zu erreichen. Es klappt und so sind wir schon gegen 22 Uhr in Würzburg. Wir fahren mit einem Taxi für 26 € nach Theilheim. Wir sind wieder zu Hause genießen alkoholfreies Bier und dann den Schoppen vom eigenen Weinberg.

Fazit

Fazit der Reise

Russland muss man selber erleben. Alle Beschreibungen spiegeln nur einen Teil des Erlebnisses wieder.

Mit der Freundlichkeit der Menschen haben wir so nicht gerechnet. Jeder versucht zu helfen damit wir uns wohlfühlen. Die Reiseleiterin verhilft zu einem günstigen Taxi, selbstverständlich können wir den gebuchten Ausflug am Abend noch stornieren, da Inge sich nicht wohlfühlt. Der Taxifahrer verzichtet auf Geld, da er nicht wechseln kann - aber ich habe es mit Trinkgeld ausgeglichen. Der Kellner lässt mehrere Mitarbeiter nach Kamille Tee suchen, drei Damen änderten ihren Spaziergang um uns zu einer gewünschten Adresse zu bringen. Die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. Alle waren sehr hilfsbereit, also sehr gastfreundlich.

Alles funktioniert, alles ist sehr sauber. Ampeln zeigen die Sekunden an bis es rot oder grün wird und alle Treffen und Abfahrten sind pünktlich. Vieles was ich vorher über Russland gehört habe, habe ich ganz anders erlebt. Es gibt sicherlich auch in Moskau und St. Petersburg Plattenbausiedlungen, aber die alten 8- bis 10-stöckigen Wohnhäuser und viele neuen Wohntürme zeigen einen architektonischen Charme.

Moskau und St. Petersburg sind viel größer als erwartet. Natürlich habe ich vorher über die Städte gelesen, aber ein Gefühl für die Größe kam erst während der Reise.

Moskau besteht aus dem historischen Kern, der wunderbar hergerichtet ist. Es gibt restaurierte Adelspaläste und Kirchen, aber auch viele postmoderne Prunkbauten. Aber es gibt auch neue Geschäfts- und Büroviertel wie das „Moskwa-City“ mit Hochhäusern und natürlich ein Gürtel von Wohnbereichen. Moskau soll die teuerste Stadt Europas sein. Die Stadt erscheint bunt – nicht nur durch die großen Leuchtreklamen und die nachts farbig beleuchteten Bauwerke.

Die Fahrt auf dem Wasserweg der Zaren beschert Erlebnisse der Weite und der überwältigenden Natur Russland. Viele Kilometer sehen wir nur Wasser und die Taiga-Wälder an den Ufern. Aber immer wieder einmal Holzhäuser, kleine Dörfer und die Kuppeln von Klöstern und Kirchen sind zu sehen. Es gibt etwas Wassersport und Camping.

In St. Petersburg ist alles viel größer als ich es mir vorgestellt habe, die Newa ist breiter, die Prospekte sind breiter, die Häuser sind größer, die Sehenswürdigkeiten sind mehr. Also alles beim ersten Kurzbesuch nicht fassbar. Wir sollten noch mal im Sommer zum Flanieren und im Winter ohne Touristen wiederkommen. Sommer? Heute ist der 31. Juli, es sind etwa 15 Grad, es ist trüb und sehr windig. Was kann Peter den Großen dazu bewogen haben in solch einer Gegend die Reichtümer Russlands in steinerne Kunstwerke zu stecken? Ich weiß es nicht, werde mich aber schlau machen. Das maritime Umfeld gefällt mir natürlich als Segler.

Nun aber das absolut abschreckende Erlebnis: der Verkehr. Wir sind ja von Moskau schon viele Staus gewohnt, die dort meist in breiten, oft 8-10 spurigen Straßen zum Verweilen einladen. Aber in St. Petersburg sind die Straßen oft nur mit wenigen Fahrstreifen ausgestattet, die Staus sind übermächtig und verderben die Laune und den Zeitplan nachhaltig. Wahnsinnig schöne Straßen und Promenaden verkommen zu Verkehrs-Schneisen - kleine Fußgängerzonen sind Feigenblätter. Vielleicht würde eine City Maut wie in London helfen oder getrennte Bus- und Taxi-Spuren. Denke aber diese Erfahrungen haben schon andere Städte gemacht und Problemlösungen entwickelt. Hier befindet sich das sonst so moderne St. Petersburg bildlich gesehen noch im Mittelalter. Heute wollte ein Krankenwagen mit Martinshorn und Blaulicht schneller vorankommen, keine Chance. Alle Mitreisenden hoffen, hier mal nicht auf einen schnellen Krankentransport angewiesen zu sein.

Fazit über das Schiff

Positiv:

  • Matratzen sind gut und nicht zu weich.

  • Die Getränkepreise sind für Kreuzfahrten günstig. Bier 3,50 € für 0,48 l, alkoholfreies Bier 3,00 € -Säfte und Schorle 2,50 €, Kaffee und Tee sind gratis.

  • Die MitarbeiterInnen sind sehr freundlich und persönlich.

  • Das Schiff ist sehr leise. In unserer Kabine 226 hört man die Maschinen nicht, die Lüftung ist -
    lauter.

  • Es gibt viele Infos und Aktionen zum interagieren.

  • Das „Duo Welthits“ (Oleg und Olga) waren super.

  • Das kleine Schiff ist recht persönlich, es gibt nur etwa 100 Gäste und 60 Crewmitglieder.

  • Wir werden sehr freundlich umsorgt.

  • Die Kabine wird täglich super aufgeräumt, alle 3 Tage und bei Bedarf ist Wäschewechsel.

  • Ein super Essen, reichlich und wohlschmeckend, ich musste öfters nachwürzen.

Negativ :

  • Fenster lassen sich nicht öffnen.

  • Die Betten sind getrennt und lassen sich nicht zusammenschieben.

  • Das Sonnendeck ist für alle Gäste zu klein.

  • Es gibt kein Deck mit Sicht nach vorne.

  • Die Treppenstufen sind zu wenig tief - es ist richtig gefährlich.

  • Die Leselampen lassen sich nicht abdunkeln, blöd wenn der Partner schlafen möchte.

  • Die Klimaanlage ist individuellen nicht regelbar.

Ihr Reiseverlauf

1. Tag - Moskau
Ihre aufregende ins Land der Zaren startet mit dem Flug nach Moskau. Nach Ankunft erfolgt der Transfer zum Schiff und die Einschiffung. Über Nacht liegen Sie mit Ihrem Schiff in Moskau.

2. Tag - Moskau
Heute entdecken Sie die russische Metropole im Rahmen einer Stadtrundfahrt. Über Nacht liegen Sie mit Ihrem Schiff in Moskau.

3. Tag - Moskau
Am Vormittag besuchen Sie den Kreml, die ehemalige Residenz der russischen Zaren und heutiger Sitz des russischen Staatspräsidenten. Die etwa 28 ha umfassende Anlage ist von einer 2.235 Meter langen roten Backsteinmauer umgeben, die teilweise 6,5 Meter dick und bis zu 19 Meter hoch ist. Hinter den Mauern des Kremls liegen die Kathedrale mit vergoldeten Zwiebeltürmen, die Zarengemächer, das Senatsgebäude und Rüstkammer sowie weitere imposante Paläste und Sehenswürdigkeiten. Um 14.30 Uhr startet dann Ihre Flusskreuzfahrt durch Russland.

4. Tag - Uglitsch
In Uglitsch angekommen nehmen Sie an einer Stadtrundfahrt teil. Der Besuch des Kreml sowie der Dimitri Blutskirche stehen ebenfalls auf dem Programm.

5. Tag - Ribynsker-Stausee - Goritsy
Heute fahren Sie erst über den Ribynsker-Stausee, bevor Sie Goritsy um 15.00 Uhr erreichen. In Goritsy steht ein Stadtrundgang und der Besuch eines Klosters auf dem Programm. Sie fahren um 18.00 Uhr weiter mit Ihrem Schiff Richtung Norden.

6. Tag - Weißer See (Russland) - Vytegra
Am Vormittag kreuzen Sie den Weißen See. Um 12.00 Uhr legen Sie dann in Vytegra an. Freuen Sie sich auf eine Stadtrundfahrt und den Besuch des Marinemuseums. Um 15.00 Uhr geht es dann bereits weiter und Ihr Schiff verlässt Vytegra wieder.

7. Tag - Mandrogi
In dem kleinen verschlafenen Dorf Mandrogi, in dem sich an vielen Häusern Holzschnitzereien finden, bietet sich Ihnen heute eine Schaschlik Party.

8. Tag - St. Petersburg
Heute erreichen Sie das kulturelle Zentrum Russlands: St. Petersburg. Es erwartet Sie eine Stadtrundfahrt. Mit Ihrem Schiff liegen Sie in St. Petersburg über Nacht.

9. Tag - St. Petersburg
Sie besichtigen die Eremitage in St. Petersburg. Sie ist eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Im Archiv sind fast 3 Millionen Objekte aufbewahrt. In der mehr als 350 Sälen umfassenden Ausstellung befinden sich mehr als 60.000 Exponate. Mit Ihrem Schiff liegen Sie in St. Petersburg über Nacht.

10. Tag - St. Petersburg
Der Tag steht Ihnen zur freien Verfügung in St. Petersburg. Mit Ihrem Schiff liegen Sie in St. Petersburg über Nacht.

11. Tag - St. Petersburg
Nach der Ausschiffung erfolgt der Transfer zum Flughafen und anschließend der Rückflug nach Deutschland.